Fraud counts in natural unit of action, not concurrence

BGH 4 StR 422/10Bgh / Criminal Chamber 414 sept. 2010Modified

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Résumé Omnilex

The Federal Court partly allowed the defendant’s revision against the Rostock Regional Court. It held that two direct-debit acts on the same day were in natural unit of action, so the conviction had to be reduced from six fraud counts to five; one count also remained combined with forgery. The court itself amended the judgment under § 265 StPO. Although one nine-month individual sentence fell away, the total sentence of three years and nine months remained unchanged. The remainder of the revision was rejected, and the defendant was ordered to pay the costs of the appeal.

Regeste Omnilex

§ 52 StGB; §§ 263, 265 StPO; concurrence of fraud acts in natural unit of action. Multiple fraud-related transactions are not in real concurrence where they are executed on the same day, are closely connected in time and context, and rest on a single decision of will, so that they present themselves objectively as one unified act (consid. 3). In such a case, the appellate court may itself amend the conviction if the accused could not have defended differently (consid. 6). If the elimination of one individual sentence does not permit the exclusion of a lower total sentence, the total custodial sentence may remain unchanged. For a merely minor success of the appeal, the appellant may be charged with the full costs under § 473 Abs. 4 StPO (consid. 8).

Texte intégral

BGH — 4 StR 422/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-09-14

Aktenzeichen: 4 StR 422/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 52 StGB, § 263 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Rostock, 26. März 2010, Az: 11 KLs 5/09 - 161 Js 9403/07, Urteil

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Konkurrenzverhältnisse beim Betrug

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Rostock vom 26. März 2010 dahin geändert, dass der Angeklagte wegen Betruges in fünf Fällen, davon in einem Fall in Tateinheit mit Urkundenfälschung, zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt ist.

Die Einzelstrafe von neun Monaten im Fall II. 4 der Urteilsgründe entfällt.

  1. Die weiter gehende Revision wird verworfen.

  2. Der Angeklagte hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Betruges in sechs Fällen, davon in einem Fall in Tateinheit mit Urkundenfälschung, zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Die Revision des Angeklagten, mit der er die Verletzung formellen und materiellen Rechts rügt, hat mit der Sachbeschwerde den aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen ist das Rechtsmittel unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

I.

2 Die Verfahrensrügen haben aus den Gründen der Antragsschrift des Generalbundesanwalts vom 16. August 2010 keinen Erfolg.

II.

3 1. Entgegen der Auffassung des Landgerichts stehen die Fälle II. 3 und 4 der Urteilsgründe nicht in Realkonkurrenz.

4 a) Nach den hierzu getroffenen Feststellungen reichte der Angeklagte am 10. Juli 2006 bei der Volks- und Raiffeisenbank unberechtigt zwei Lastschriften ein, mit denen er von einem bei der Kreissparkasse ... geführten Konto des Zeugen D. 25.000 Euro und weitere 56.780 Euro einzog. Vor Eingang der durch den Widerspruch des Zeugen veranlassten Rücklastschriften verfügte er in Höhe von insgesamt 51.578,53 Euro über das auf seinem Konto verbuchte Guthaben. Er hatte den Widerspruch vorausgesehen und war zum Ausgleich des verbliebenen Minussaldos nicht in der Lage.

5 b) Danach stehen die beiden am selben Tag eingereichten Lastschriften jedenfalls in natürlicher Handlungseinheit. Eine solche liegt vor, wenn zwischen einer Mehrheit strafrechtlich relevanter Verhaltensweisen ein derart unmittelbarer räumlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht, dass das gesamte Handeln des Täters auch für einen Dritten objektiv als einheitliches zusammengehöriges Tun erscheint, und wenn die einzelnen Betätigungen auf einer einzigen Willensentschließung beruhen (st. Rspr.; vgl. nur Senatsurteil vom 1. September 1994 - 4 StR 259/94, NStZ 1995, 46). Diese Voraussetzungen sind hier, wie der Generalbundesanwalt in seiner Antragsschrift zutreffend ausgeführt hat, gegeben (vgl. Senat, Beschluss vom 18. Mai 2010 - 4 StR 182/10).

6 2. Auch unter Berücksichtigung von § 265 StPO kann der Senat die erforderliche Änderung des Schuldspruchs selbst vornehmen, da der Angeklagte sich nicht anders als geschehen hätte verteidigen können.

7 Danach entfällt die Einzelstrafe von neun Monaten im Fall II. 4 der Urteilsgründe; die im Fall II. 3 verhängte weitere Einzelstrafe in gleicher Höhe hat der Senat aufrecht erhalten. Ausgehend von der Einsatzstrafe von drei Jahren und im Blick auf Zahl und Summe der weiteren Einzelstrafen kann sicher ausgeschlossen werden, dass die verhängte Gesamtfreiheitsstrafe bei zutreffender Beurteilung des Konkurrenzverhältnisses niedriger ausgefallen wäre.

III.

8 Wegen des lediglich geringfügigen Erfolgs der Revision ist es nicht unbillig, den Beschwerdeführer mit den gesamten Kosten seines Rechtsmittels zu belasten (§ 473 Abs. 4 StPO).

Ernemann Solin-Stojanović Roggenbuck

Cierniak Franke

Mots-clés

fraudconcurrencenatural unit of actionrevisionsentencingcosts

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the two same-day direct debit transactions were in real concurrence or natural unit of action

Solution extraite

The two transactions were in a natural unit of action and therefore not in real concurrence.

Motifs extraits

They were submitted on the same day, formed an immediate temporal and factual connection, and were based on one decision of will, so the conduct appeared objectively as a single unified act.

Question juridique clé

Whether the conviction had to be amended despite the appeal

Solution extraite

The court could amend the judgment itself because the defendant could not have defended himself differently.

Motifs extraits

Even considering § 265 StPO, the adjustment of the conviction on the concurrence question was permissible on the existing findings.

Question juridique clé

Whether the sentence had to be reduced after one single sentence was removed

Solution extraite

The total sentence remained unchanged at three years and nine months.

Motifs extraits

Although the nine-month sentence in count II.4 fell away, the retained sentence in count II.3 and the structure of the remaining sentences made it certain that the total sentence would not have been lower.

Question juridique clé

Allocation of costs of the appeal

Solution extraite

The defendant had to bear the costs of his appeal.

Motifs extraits

Because the appeal succeeded only to a minor extent, charging the full costs was not unjust.

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