Hearing complaint rejected; no violation of right to be heard

BGH I ZR 153/08Bgh / Ire chambre civile17 août 2010Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court of Justice rejected the defendant's hearing complaint under § 321a ZPO against its earlier order of 2010-01-14. The Senate held that there was no denial of the right to be heard: the defendant had to substantiate what the witness could still testify to, and no further judicial warning was required because the issue of continued possession of the photographs was central and already contested by the plaintiff. The court also noted that the appellate court had an independent reason for refusing the witness examination, which the complaint did not attack as a hearing violation. Costs were imposed on the defendant.

Regeste Omnilex

§ 321a ZPO; Art. 103 Abs. 1 GG; hearing complaint and judicial duty to indicate deficiencies in substantiation. A hearing complaint is unfounded where the court merely requires proper substantiation of a party's factual assertion, especially if the requested evidence concerns matters outside the witness's current own knowledge or if an independent alternative ground supports the evidentiary ruling. Not every breach of the duty to give hints constitutes a violation of the right to be heard; such a violation exists only where the court, without prior notice, relies on requirements of factual presentation that a diligent and informed party could not reasonably have anticipated from the course of the proceedings (consid. 2-5). Where the challenged decision rests on a separate, sufficient ground not attacked as a hearing violation, the complaint cannot succeed.

Texte intégral

BGH — I ZR 153/08, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-08-17

Aktenzeichen: I ZR 153/08

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 321a ZPO, Art 103 Abs 1 GG

Vorinstanz: vorgehend BGH, 14. Januar 2010, Az: I ZR 153/08, Beschlussvorgehend OLG München, 10. Juli 2008, Az: 29 U 3316/03, Urteilvorgehend BGH, 4. Oktober 2007, Az: I ZR 34/04, Beschlussvorgehend BGH, 14. Dezember 2006, Az: I ZR 34/04, Urteilvorgehend OLG München, 12. Februar 2004, Az: 29 U 3316/03, Urteilvorgehend LG München II, 30. April 2003, Az: 1 O 5650/00, Urteil

Spruchkörper: 1. Zivilsenat

Titelzeile

Anhörungsrüge: Grenzen der Hinweispflicht des Gerichts bei mangelnder Substantiierung des Parteivortrags - Rechtliches Gehör

Tenor

Die Gehörsrüge gegen den Senatsbeschluss vom 14. Januar 2010 wird auf Kosten der Beklagten zurückgewiesen.

Gründe

1 Die gemäß § 321a ZPO statthafte und auch im Übrigen zulässige Anhörungsrüge ist nicht begründet.

2 Die Begründung des Senats, die Beklagte hätte darlegen müssen, dass die Zeugin S. zu der Frage hätte Angaben machen können, ob seit Oktober 2000 bei der Nutzung des Archivs keine Abzüge der Fotos des Klägers mehr aufgefunden worden waren, verletzt die Beklagte nicht in ihrem Anspruch auf Gewährung rechtlichen Gehörs. Entsprechende Angaben waren erforderlich, weil die Zeugin bereits mit dem im Senatsbeschluss dargestellten Ergebnis vernommen worden war und aus eigener Kenntnis keine aktuellen Angaben zum Archiv des Handelsblatts machen konnte, weil sie nicht mehr Archivarin dieses Archivs war.

3 Im Übrigen kommt es auf die von der Beklagten mit der Anhörungsrüge aufgeworfene Frage nicht an, weil das Berufungsgericht die Zeugin S. auch deshalb nicht zu vernehmen brauchte, weil die Beklagte den Vortrag zur Fortdauer ihres Besitzes an den Fotos nach der Beurteilung des Berufungsgerichts nicht rechtserheblich bestritten hatte (Tz. 8 f. des Senatsbeschlusses). Diese Begründung des Berufungsgerichts trägt die Ablehnung der Vernehmung der Zeugin S. selbständig. Insoweit macht die Beklagte mit der Anhörungsrüge aber keine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend.

4 Der Anspruch der Beklagten auf Gewährung rechtlichen Gehörs ist auch nicht dadurch verletzt worden, dass sie das Berufungsgericht nicht auf die mangelnde Substantiierung ihres Vorbringens hingewiesen hat. Die Frage der Fortdauer des Besitzes der Beklagten an den in Rede stehenden Fotos war eine der zentralen Fragen, um die der Streit der Parteien ging. Die Klägerin hatte bereits darauf hingewiesen, dass der Vortrag der Beklagten hierzu unsubstantiiert war. Eines weiteren Hinweises des Berufungsgerichts bedurfte es in dieser Prozesssituation nicht.

5 Zudem begründet nicht jede Verletzung der Hinweispflicht des Gerichts einen Verstoß gegen den Anspruch einer Partei auf Gewährung rechtlichen Gehörs. Nur wenn das Gericht ohne vorherigen Hinweis Anforderungen an den Sachvortrag stellt, mit denen ein gewissenhafter und kundiger Verfahrensbeteiligter - selbst unter Berücksichtigung der Vielzahl vertretbarer Rechtsauffassungen - nach dem bisherigen Verfahrensverlauf nicht zu rechnen brauchte, liegt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor (BVerfGE 84, 188, 190). Dafür ist vorliegend nichts ersichtlich. Gegenteiliges legt auch die Beklagte mit der Gehörsrüge nicht dar.

6 Auch das weitere von der Beklagten als übergangen gerügte Vorbringen hat der Senat berücksichtigt. Er hat das Vorbringen in der Nichtzulassungsbeschwerde für eine Zulassung der Revision nur nicht als durchgreifend erachtet.

Bornkamm Pokrant Büscher

Bergmann Kirchhoff

Mots-clés

right to be heardhearing complaintsubstantiationduty to give hintswitness examinationcivil procedure

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the hearing complaint under § 321a ZPO was well-founded because the court allegedly violated the defendant's right to be heard.

Solution extraite

No violation of the right to be heard was established; the complaint was unfounded.

Motifs extraits

The court's requirement for substantiation regarding what the witness could still say was permissible. In addition, the appellate court had an independent ground for refusing the witness examination, and the defendant did not allege a hearing violation as to that ground. The court also had no duty to give a further warning because the missing substantiation concerned a central issue already raised by the plaintiff.

Question juridique clé

Whether the court failed to consider other submissions raised in the hearing complaint.

Solution extraite

The submissions were considered; the court only found them insufficient to justify admitting the appeal.

Motifs extraits

The Senate expressly stated that it had taken the submissions into account but did not regard them as decisive for allowing the revision.

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