Improper sentencing factors in especially serious rape

BGH 3 StR 151/10Bgh / IIIe chambre pénale8 juil. 2010Partially Granted

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court of Justice clarified the conviction to especially serious rape because the defendant threatened the injured party with a spring knife during vaginal and oral intercourse. The defendant's further appeal was otherwise rejected. The prosecution's appeal succeeded in part: the Regional Court had wrongly treated the lack of bodily injury to the victim and the defendant's foreign nationality as mitigating factors. The sentence for rape and the aggregate sentence were therefore set aside and the case was remitted to another criminal chamber for fresh sentencing. The defendant must bear the costs of his unsuccessful appeal and the injured party's necessary expenses.

Regeste Omnilex

§§ 46 StGB, 177 Abs. 4 Nr. 1 StGB; sentencing in especially serious rape: the absence of additional bodily injury to the victim may not be treated as mitigating, because the offender may not profit at sentencing from conduct that does not exceed the elements already realized. A defendant's foreign nationality alone does not justify special sentencing sensitivity; a different assessment requires concrete additional circumstances such as language difficulties, divergent living conditions, or impeded family contacts (consid. 6 f.). Where sentencing is vitiated by such errors, the sanction and any aggregate sentence must be quashed and remitted if the appellate court cannot itself safely determine that the minimum sentence is appropriate (consid. 8).

Texte intégral

BGH — 3 StR 151/10, Urteil

Entscheidungsdatum: 2010-07-08

Aktenzeichen: 3 StR 151/10

Dokumenttyp: Urteil

Normen: § 46 StGB, § 177 Abs 4 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Hannover, 12. Oktober 2009, Az: 3504 Js 40267/09 - 17/09, Urteil

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Strafzumessung: Fehlende Verletzungen des Opfers und Ausländereigenschaft des Täters als Strafmilderungsgründe bei der besonders schweren Vergewaltigung

Tenor

  1. Auf die Revisionen des Angeklagten und der Staatsanwaltschaft wird das Urteil des Landgerichts Hannover vom 12. Oktober 2009 im Schuldspruch dahin neu gefasst, dass der Angeklagte der besonders schweren Vergewaltigung und des Diebstahls schuldig ist.

  2. Die weitergehende Revision des Angeklagten wird verworfen.

Der Angeklagte hat die Kosten seines Rechtsmittels und die der Nebenklägerin hierdurch entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

  1. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft wird das vorbezeichnete Urteil aufgehoben im Ausspruch über
  • die Einzelstrafe wegen besonders schwerer Vergewaltigung,

  • die Gesamtstrafe;

die jeweils zugehörigen Feststellungen bleiben aufrechterhalten.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels und die dem Angeklagten dadurch entstandenen notwendigen Auslagen, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Von Rechts wegen

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen "Vergewaltigung" und Diebstahls zu der Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und einem Monat verurteilt; als Einzelstrafen hat es eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren (Vergewaltigung) und eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen (Diebstahl) ausgesprochen. Gegen die Verurteilung wendet sich der Angeklagte mit seiner auf die Rüge der Verletzung materiellen Rechts gestützten Revision. Die ebenfalls auf die Sachrüge gestützte, zum Nachteil des Angeklagten eingelegte und wirksam auf den Ausspruch über die Einzelstrafe wegen Vergewaltigung und über die Gesamtstrafe beschränkte Revision der Staatsanwaltschaft beanstandet Bewertungsmängel bei der Strafbemessung; rechtsfehlerhaft habe das Landgericht lediglich auf die in § 177 Abs. 4 StGB angedrohte Mindeststrafe erkannt. Das Rechtsmittel wird vom Generalbundesanwalt vertreten.

2 1. Auf die Revisionen des Angeklagten und der Staatsanwaltschaft ändert der Senat den Schuldspruch klarstellend dahin ab, dass der Angeklagte der besonders schweren Vergewaltigung schuldig ist. Nach den Feststellungen nötigte er die Nebenklägerin dadurch zur Duldung des Vaginal- und des Oralverkehrs, dass er ihr ein Springmesser an den Hals hielt. Rechtsfehlerfrei ist das Landgericht deshalb von der Qualifizierung der Tat nach § 177 Abs. 4 Nr. 1 StGB ausgegangen. Um dem sich aus § 260 Abs. 4 Satz 1 StPO ergebenden Erfordernis der rechtlichen Bezeichnung der Straftat Rechnung zu tragen, ist diese Qualifikation in der Urteilsformel durch einen Schuldspruch wegen "besonders schwerer" Vergewaltigung kenntlich zu machen (BGHR StPO § 260 Abs. 4 Satz 1 Urteilsformel 4).

3 2. Im Übrigen ist das Rechtsmittel des Angeklagten aus den Gründen der Antragsschrift des Generalbundesanwalts unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.

4 3. Die Revision der Staatsanwaltschaft hat Erfolg.

5 a) Die Bemessung der Einzelstrafe wegen besonders schwerer Vergewaltigung hält revisionsrechtlicher Überprüfung nicht stand.

6 Rechtsfehlerhaft hat das Landgericht als strafmildernd berücksichtigt, dass die Nebenklägerin durch den Einsatz des Messers und die wiederholt erzwungenen sexuellen Handlungen keine körperlichen Verletzungen davongetragen hat. Dass der Täter kein Verhalten gezeigt hat, durch das er den Tatbestand noch eines weiteren Strafgesetzes verwirklicht hätte, kann ihm im Rahmen der Bemessung der Rechtsfolgen nicht zugute gehalten werden (vgl. BGH bei Miebach NStZ 1998, 132; BGH NStZ 2007, 464, 465).

7 Nicht frei von Rechtsfehlern ist auch die Erwägung des Landgerichts, der Angeklagte sei als Ausländer besonders strafempfindlich. Die Ausländereigenschaft begründet für sich alleine keine besondere Strafempfindlichkeit; nur besondere Umstände wie Verständigungsprobleme, abweichende Lebensbedingungen und erschwerte familiäre Kontakte können ausnahmsweise zu einer anderen Beurteilung führen (BGHSt 43, 233; BGH NStZ 2006, 35; Fischer, StGB, 57. Aufl., § 46 Rn. 43b). Konkrete Feststellungen hierzu fehlen.

8 b) Die Rechtsfehler führen zur Aufhebung des Urteils im Ausspruch über die Einzelstrafe wegen Vergewaltigung und über die Gesamtstrafe. In Anbetracht des festgestellten Tatgeschehens sieht sich der Senat nicht in der Lage, die Verhängung der Mindeststrafe als angemessen im Sinne von § 354 Abs. 1a Satz 1 StPO anzusehen.

9 Die zugehörigen Feststellungen können bestehen bleiben; möglich bleiben Ergänzungen, die zu den bisherigen, zum Schuld- und zum Strafausspruch getroffenen Feststellungen nicht in Widerspruch treten.

Becker von Lienen Sost-Scheible

Schäfer Mayer

Mots-clés

sentencingrapemitigating factorsforeign nationalityvictim injuryaggregate sentenceappealremand

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the conviction had to be clarified as especially serious rape under § 177(4) StGB

Solution extraite

Yes. The act was correctly qualified as especially serious rape and had to be expressed in the operative part of the judgment.

Motifs extraits

The defendant forced the injured party to endure vaginal and oral intercourse by holding a spring knife to her neck; this fulfills § 177 Abs. 4 Nr. 1 StGB. The legal designation must appear in the judgment formula under § 260 Abs. 4 Satz 1 StPO.

Question juridique clé

Whether the defendant's further appeal against the conviction should succeed

Solution extraite

No. The defendant's appeal was otherwise unfounded.

Motifs extraits

The court adopted the reasoning of the Federal Public Prosecutor and found no further legal error in the conviction.

Question juridique clé

Whether the sentence for especially serious rape was flawed because the victim suffered no physical injuries and because the defendant was foreign

Solution extraite

Yes. Both considerations were impermissible or insufficiently supported sentencing factors.

Motifs extraits

Absence of additional bodily injury cannot benefit the offender in sentencing. Foreign nationality alone does not establish special sentencing sensitivity; only specific circumstances such as communication difficulties or particularly difficult living or family conditions could justify such a finding, and none were established.

Question juridique clé

Whether the sentence and total sentence had to be set aside and remitted

Solution extraite

Yes. The sentence for rape and the aggregate sentence were annulled and remitted for a new hearing before another chamber.

Motifs extraits

Because the sentencing errors affected the punishment, the court could not itself impose the minimum sentence as appropriate under § 354 Abs. 1a Satz 1 StPO.

Question juridique clé

Who bears the costs of the defendant's unsuccessful appeal

Solution extraite

The defendant must bear the costs of his appeal and the necessary expenses of the injured party caused by it.

Motifs extraits

The appeal was unsuccessful to that extent.

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