Drug-trafficking sentence remanded: family separation and pre-trial detention

BGH 2 StR 102/10Bgh / IIe chambre pénale19 mai 2010Annulled

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court of Justice partially upheld the prosecutor's appeal against a drug-trafficking conviction. It confirmed that the defendant had earned mitigation under § 31 BtMG by providing objective assistance that helped secure the proof against a co-accused. However, the sentence could not stand because the trial court improperly treated the defendant's separation from his family and his pre-trial detention as mitigating factors without any special hardship. The sentence and related findings were set aside and the case was remanded to another criminal chamber of the Regional Court of Darmstadt for a new sentencing decision, including costs.

Regeste Omnilex

§ 31 Nr. 1 BtMG; § 46 StGB; mitigation through cooperation and impermissible sentencing factors: Objective assistance under § 31 Nr. 1 BtMG exists where the accused's statements create a reliable evidentiary basis for prosecution of another person; a complete failure of the authorities to solve the case without the statements is not required. The provision does not depend on a special confession motive, but solely on an objective investigative success (consid. 4-5). By contrast, under § 46 StGB, the ordinary consequences of an unconditional custodial sentence, such as separation from family, and ordinary pre-trial detention are not mitigating circumstances absent exceptional hardship; otherwise detention is merely to be credited under § 51(1) StGB (consid. 7-8).

Texte intégral

BGH — 2 StR 102/10, Urteil

Entscheidungsdatum: 2010-05-19

Aktenzeichen: 2 StR 102/10

Dokumenttyp: Urteil

Normen: § 31 Nr 1 BtMG vom 01.03.1994, § 46 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Darmstadt, 25. September 2009, Az: 930 Js 8931/09 - 18 KLs, Urteil

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

Strafmilderung bei Betäubungsmittelhandel: Aufklärungshilfe; Trennung von der Familie

Tenor

Auf die Revision der Staatsanwaltschaft wird das Urteil des Landgerichts Darmstadt vom 25. September 2009 im Strafausspruch mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Von Rechts wegen

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Die zu Ungunsten des Angeklagten eingelegte - vom Generalbundesanwalt vertretene - Revision der Staatsanwaltschaft ist auf den Rechtsfolgenausspruch beschränkt; sie rügt die Verletzung sachlichen Rechts.

2 Das Rechtsmittel der Staatsanwaltschaft hat Erfolg. Der Strafausspruch hält rechtlicher Nachprüfung nicht stand.

3 1. Allerdings ist die Revision nicht erfolgreich, soweit sie eine fehlerhafte Anwendung des § 31 BtMG a.F. rügt. Das Landgericht hat aus den von der Revision nicht angegriffenen tatrichterlichen Feststellungen den Schluss gezogen, dass der Angeklagte "zu einer sicheren Überführung des Mitangeklagten beigetragen und die zügige Erhebung der Anklage, in der die Angaben des Angeklagten Y. als Beweismittel aufgeführt sind, im vorliegenden Verfahren erleichtert hat (UA 45)".

4 Dies ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden. Es ist entgegen der Auffassung der - insoweit vom Generalbundesanwalt nicht vertretenen - Revision nicht erforderlich, dass die Tat ohne die Angaben des Angeklagten nicht oder nicht vollständig aufgeklärt worden wäre. Vielmehr reicht es für die Annahme eines Aufklärungserfolges aus, wenn die Angaben eines Angeklagten - wie hier - eine sichere Grundlage für den Nachweis der betreffenden Taten der belasteten Person schaffen (BGH StV 2000, 623; 1991, 66, 67).

5 Darüber hinaus hat das Landgericht festgestellt (UA 28), dass der Angeklagte in seiner polizeilichen Beschuldigtenvernehmung "Angaben zu der bisher nicht in diesem Umfang bekannten Rolle des Angeklagten M. bei der Vorbereitung und Planung des Geschäfts" gemacht hat, was einen weiteren eigenständigen Aufklärungserfolg dokumentiert. In diesem Zusammenhang steht die Erwägung der Revision, der Angeklagte habe mit den Angaben zum Mitangeklagten M. lediglich seinen eigenen Tatbeitrag hinsichtlich der subjektiven Seite herunterspielen wollen, der Anwendung des § 31 BtMG nicht entgegen. Denn § 31 Nr. 1 BtMG setzt keine bestimmte Aufklärungsmotivation voraus, sondern stellt nach seinem Sinn und Zweck allein auf das Vorliegen eines objektiven Aufklärungserfolges ab (vgl. BGHR BtMG § 31 Nr. 1 Aufdeckung 5; BGH StV 1991, 67; OLG Düsseldorf NStZ-RR 2001, 149).

6 2. Jedoch rügt die Revision der Staatsanwaltschaft zu Recht, dass die Strafkammer bei der Strafzumessung im engeren Sinn nicht anerkannte Strafzumessungsgründe strafmildernd herangezogen hat.

7 Das Landgericht hat zu Gunsten des Angeklagten die Trennung von seiner Familie durch die Verurteilung berücksichtigt. Umstände, die insoweit eine besondere über das normale Maß hinausgehende Haftempfindlichkeit belegen würden, hat es nicht dargelegt. Dies ist rechtsfehlerhaft. Die Trennung des Angeklagten von seiner in Deutschland lebenden Familie ist eine zwangsläufige Folge der Verurteilung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe und als solche kein die Strafe mildernder Gesichtspunkt.

8 Die Strafkammer hat darüber hinaus fehlerhaft zu Gunsten des Angeklagten gewertet, dass er sich bereits länger als sechs Monate in Untersuchungshaft befunden hat. Der Vollzug der Untersuchungshaft an sich darf jedoch nicht mildernd berücksichtigt werden (vgl. Senat BGH NJW 2006, 2645 m.w.N.; BGH 5 StR 456/08, insoweit in NStZ 2009, 202 nicht abgedr.). Dass der Täter in der zur Verhandlung anstehenden Sache Untersuchungshaft erlitten hat, ist bei der Verhängung der Freiheitsstrafe regelmäßig ohne Bedeutung, da die Untersuchungshaft nach § 51 Abs. 1 Satz 1 StGB grundsätzlich auf die zu vollstreckende Strafe angerechnet wird. Zusätzliche, den Angeklagten besonders beschwerende Umstände im Zusammenhang mit der Untersuchungshaft hat das Landgericht nicht festgestellt.

9 Der Senat kann nicht ausschließen, dass die Strafe auf den fehlerhaften Strafzumessungserwägungen beruht.

Rissing-van Saan Fischer Roggenbuck

Appl Schmitt

Mots-clés

drug traffickingsentencingcooperationmitigationfamily separationpre-trial detentionappealremand

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the defendant's cooperation justified mitigation under § 31 BtMG

Solution extraite

Yes. The defendant's statements created a secure basis for proving the co-accused's conduct and facilitated the indictment; an actual necessity that the case could otherwise not be solved is not required.

Motifs extraits

§ 31 Nr. 1 BtMG requires an objective investigative success, not a particular motive or exclusive causal contribution. It is sufficient if the information materially advances proof against another person.

Question juridique clé

Whether family separation caused by imprisonment may mitigate sentence absent special hardship

Solution extraite

No. Separation from the family is a normal consequence of an unconditional prison sentence and only has mitigating weight if exceptional hardship is shown, which was not established.

Motifs extraits

The trial court identified no circumstances showing unusual hardship beyond the ordinary consequences of incarceration.

Question juridique clé

Whether time spent in pre-trial detention may mitigate the sentence as such

Solution extraite

No. Pre-trial detention itself may not be counted as a mitigating factor; it is ordinarily credited against the sentence under § 51(1) StGB.

Motifs extraits

The court found no additional burdens connected with detention beyond the normal burden of custody.

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