Insolvency avoidance: cash transaction and intent avoidance

BGH IX ZR 153/07Bgh / Civil Chamber 914 janv. 2010Dismissed

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Résumé

The Federal Court of Justice rejected the defendant's complaint against non-admission of the appeal in an insolvency avoidance case. It held that the appellate court had correctly treated the set-offs as not protected by the cash-transaction exception under Section 142 InsO because the accounting entry was not the final act before account closure. It also found no error in the appellate court's assessment of the subjective requirements of intent avoidance, emphasizing that such knowledge may be inferred from objective indicia under Section 286 ZPO. The complaint was dismissed and costs were imposed on the defendant.

Regest

§ 142 InsO; § 133 InsO; § 286 ZPO; non-admission complaint in insolvency avoidance proceedings; requirements of cash transaction and intent avoidance. The protection of a cash transaction presupposes not merely immediate reciprocal performance in terms of booking sequence, but also that the crediting is not the final act before closure of the debtor's account; further dispositions must remain possible. The subjective prerequisites of intent avoidance are inner facts and may be established by indirect evidence from objective circumstances. For the counterparty, it suffices that it knows the factual circumstances from which insolvency or impending insolvency follows conclusively under correct legal assessment; the trial court must evaluate all indicia on the basis of the entire record under § 286 ZPO (consid. 2).

Texte intégral

BGH — IX ZR 153/07, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-01-14

Aktenzeichen: IX ZR 153/07

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 133 InsO, § 142 InsO, § 286 ZPO

Vorinstanz: vorgehend OLG Stuttgart, 1. August 2007, Az: 9 U 240/06, Urteilvorgehend LG Stuttgart, 15. November 2006, Az: 21 O 117/06

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Insolvenzanfechtung: Prüfung der Voraussetzungen von Bargeschäft und Vorsatzanfechtung

Tenor

Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 9. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 1. August 2007 wird auf Kosten der Beklagten zurückgewiesen.

Der Gegenstandswert des Beschwerdeverfahrens wird auf 40.802,97 € festgesetzt.

Gründe

1 Die Nichtzulassungsbeschwerde ist statthaft (§ 544 Abs. 1 Satz 1 ZPO) und zulässig (§ 544 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 ZPO). Sie hat aber keinen Erfolg. Weder hat die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung, noch erfordert die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts.

2 1. Die Annahme des Berufungsgerichts, dass die vorgenommenen Verrechnungen keine Bargeschäfte im Sinne des § 142 InsO darstellen, erweist sich unter zulässigkeitsrelevanten Gesichtspunkten als beanstandungsfrei. Die in der Senatsrechtsprechung verschiedentlich getroffene Aussage, es komme auf die Reihenfolge von Gutschriften und Belastungsbuchungen nicht an (BGHZ 167, 190, 202 Rn. 39; BGH, Urt. v. 25. Januar 2001 - IX ZR 6/00, WM 2001, 689, 691; v. 10. Mai 2007 - IX ZR 146/05, WM 2007, 1181, 1182 Rn. 15), bezieht sich auf das Merkmal der Unmittelbarkeit des Leistungsaustauschs. Davon unabhängig wurde stets gefordert, dass die Verrechnung einer Gutschrift nicht der letzte Akt sein darf, bevor das Kreditinstitut das Konto des Schuldners schließt. Es müssen vielmehr weitere Verfügungen zugelassen werden. Hieran fehlt es.

3 2. Entgegen der Ansicht der Beschwerde hat das Berufungsgericht die subjektiven Voraussetzungen der Vorsatzanfechtung hinsichtlich der Verrechnung vom 3. November 2005 beanstandungsfrei festgestellt. Die subjektiven Tatbestandsmerkmale der Vorsatzanfechtung können - weil es sich um innere, dem Beweis nur eingeschränkt zugängliche Tatsachen handelt - meist nur mittelbar aus objektiven Tatsachen hergeleitet werden. Soweit dabei Rechtsbegriffe wie die Zahlungsunfähigkeit betroffen sind, muss deren Kenntnis außerdem oft aus der Kenntnis von Anknüpfungstatsachen erschlossen werden (BGH, Urt. v. 13. August 2009 - IX ZR 159/06, WM 2009, 1943, 1944 Rn. 8). Es genügt, dass der Anfechtungsgegner die tatsächlichen Umstände kennt, aus denen bei zutreffender rechtlicher Bewertung die (drohende) Zahlungsunfähigkeit zweifelsfrei folgt (BGHZ 180, 63, 66 f Rn. 13). Die in diesem Zusammenhang feststellbaren Beweisanzeichen hat der Tatrichter gemäß § 286 ZPO unter Würdigung aller maßgeblichen Umstände des Einzelfalls auf der Grundlage des Gesamtergebnisses der Verhandlung und einer etwaigen Beweisaufnahme zu prüfen (BGH, Urt. v. 12. Juli 2007 - IX ZR 235/03, ZIP 2007, 2084, 2087 Rn. 21; v. 13. August 2009 - IX ZR 159/06, aaO). Diesen Anforderungen ist das Berufungsgericht, wie insbesondere die Darlegungen unter Ziff. 2 b cc und hh im angegriffenen Urteil zeigen, hinreichend nachgekommen.

4 3. Von einer weitergehenden Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 Halbs. 2 ZPO abgesehen, weil sie nicht geeignet wäre, zur Klärung der Voraussetzungen beizutragen, unter denen eine Revision zuzulassen ist.

| | | Prof. Dr. Gehrlein ist wegen Urlaubs an der Unterschrift gehindert. | | | | --- | --- | --- | --- | --- | | Ganter | | Ganter | | Vill | | | Fischer | | Grupp | |

Mots-clés

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