Cumulative concurrence through kidnapping of a minor

BGH 4 StR 562/09Bgh / Criminal Chamber 413 janv. 2010Modified

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court partially allowed the defendant’s revision against a Bochum Regional Court judgment. It corrected the legal characterization of the offenses in counts III.3 and III.4, holding that hostage-taking and negligent dangerous traffic interference are linked by the offense of deprivation of a minor into ideal concurrence. Because this changed the concurrence structure, the individual sentences for those counts and the overall sentence were set aside and the case remitted for resentencing. The remaining objections were rejected.

Regeste Omnilex

§ 52 StGB; ideal concurrence by a connecting offense: if one offense concurs in ideal concurrence with each of two other offenses that would otherwise stand in real concurrence, the connecting offense links the latter into ideal concurrence as well; this applies even if one of the linked offenses is graver than the connecting offense (consid. 2). Where the concurrence assessment changes, the single sentences and the aggregate sentence based on it must be set aside; the findings may remain intact if they are free from legal error and no contradiction is created by supplementary findings (consid. 4-5). § 265 StPO does not bar correction of the legal assessment where the accused, having confessed, could not have defended differently (consid. 3).

Texte intégral

BGH — 4 StR 562/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-01-13

Aktenzeichen: 4 StR 562/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 52 StGB, § 53 StGB, § 235 StGB, § 239b StGB, § 315c StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Bochum, 24. Juli 2009, Az: 1 KLs 36 Js 100/09, Urteil

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Idealkonkurrenz: Verbindung mehrerer Delikte durch ein mit ihnen jeweils tateinheitlich zusammentreffendes anderes Delikt

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Bochum vom 24. Juli 2009

a) im Schuldspruch dahin geändert, dass der Angeklagte in den Fällen III. 3. und 4. der Urteilsgründe der Geiselnahme in Tateinheit mit Entziehung Minderjähriger und mit fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs schuldig ist,

b) in den Einzelstrafaussprüchen bezüglich dieser Fälle und im Gesamtstrafenausspruch aufgehoben.

  1. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  2. Die weiter gehende Revision wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen schwerer Körperverletzung, wegen Geiselnahme, wegen Entziehung Minderjähriger in Tateinheit mit fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs und wegen Bedrohung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 12 Jahren verurteilt; außerdem hat es eine Maßregelanordnung nach §§ 69, 69 a StGB getroffen. Mit seiner hiergegen eingelegten Revision rügt der Angeklagte die Verletzung formellen und materiellen Rechts. Das Rechtsmittel hat nur den aus der Beschlussformel ersichtlichen geringen (vorläufigen) Teilerfolg; im Übrigen ist es unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 Das Landgericht hat verkannt, dass das Verbrechen der Geiselnahme und das Vergehen der fahrlässigen Gefährdung des Straßenverkehrs, die bei isolierter Betrachtungsweise in Tatmehrheit zueinander stehen, durch das Vergehen der Entziehung Minderjähriger zur Tateinheit verbunden werden, weil dieses seinerseits mit jedem der anderen Delikte tateinheitlich zusammentrifft. Diese Wirkung tritt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs auch dann ein, wenn eines der betroffenen Delikte schwerer wiegt als dasjenige, das die Verbindung begründet (vgl. BGHSt 31, 29, BGHR StGB § 52 Abs. 1 Klammerwirkung 7 m.w.N.; vgl. auch Fischer StGB 57. Aufl. Vor § 52 Rdn. 30).

3 Der Senat hat den Schuldspruch entsprechend geändert; § 265 StPO steht dem nicht entgegen, da sich der geständige Angeklagte gegen die Annahme von Tateinheit nicht anders als geschehen hätte verteidigen können.

4 Die abweichende rechtliche Bewertung der Konkurrenzverhältnisse in den Fällen III. 3. und 4. der Urteilsgründe führt zur Aufhebung der insoweit erkannten Einzelstrafen. Dies zieht die Aufhebung der für sich gesehen nicht zu beanstandenden Gesamtstrafe nach sich.

5 Einer Aufhebung der zugehörigen Feststellungen bedarf es nicht, da diese rechtsfehlerfrei getroffen sind. Ergänzende Feststellungen, die zu den bisherigen nicht in Widerspruch stehen, bleiben zulässig. Vorsorglich weist der Senat darauf hin, dass die neu zu bemessende Einzelstrafe die Summe der beiden aufgehobenen Einzelstrafen nicht überschreiten darf.

Tepperwien Maatz Athing

Solin-Stojanović Ernemann

Mots-clés

ideal concurrenceconcurrencesentencingcassationhostage-takingminor deprivationtraffic dangerremandrevision

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the offenses in cases III.3 and III.4 stand in real concurrence or are linked by ideal concurrence through the minor-deprivation offense

Solution extraite

The hostage-taking and negligent dangerous traffic interference are connected into ideal concurrence by the unlawful deprivation of a minor, which overlaps with each of the other offenses.

Motifs extraits

Even if hostage-taking and negligent dangerous traffic interference would otherwise be in real concurrence, the deprivation of a minor acts as a connecting offense because it concurs with each of the other two acts; this applies even when one connected offense is more serious than the connecting offense.

Question juridique clé

Whether the single sentences and overall sentence can stand after the corrected concurrence assessment

Solution extraite

The single sentences for the affected counts and the overall sentence had to be set aside and the matter remitted for resentencing.

Motifs extraits

The changed concurrence structure alters sentencing; the original single sentences are therefore unsustainable, and the aggregate sentence falls with them.

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