Exhaustion of remedies before a constitutional complaint against imprisonment

9/93Cour constitutionnelle17 juin 1993Droit constitutionnelIrrecevable

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The complainant challenged his continuing five-year-and-six-month prison sentence, alleging that his conviction rested on facts overlooked by the cassation court and that pretrial abuse, mishandled criminal reports, and prison measures violated human dignity. The Constitutional Court held the challenge to the 1991 cassation decision untimely. To seek release based on alleged new facts, he first had to pursue reopening under §§ 359 et seq. StPO. Complaints about prison-enforcement conduct likewise required prior use of the remedies under §§ 108 and 109 StVollzG. The complaint was inadmissible; the alleged difficulties involving criminal-report files had meanwhile been corrected.

Regeste Omnilex

§ 49 Abs. 2 VGHG BE; exhaustion of remedies in constitutional complaint proceedings concerning continued imprisonment. A constitutional complaint seeking release from imprisonment is inadmissible for failure to exhaust the legal remedies where the complainant can pursue reopening under §§ 359 et seq. StPO and advance new facts or evidence capable of supporting acquittal or a lesser sentence. Complaints about conduct or measures of prison-enforcement authorities likewise require prior use of the remedies provided by §§ 108 and 109 StVollzG. A constitutional complaint directed against a judicial decision must also satisfy the applicable filing deadline; an out-of-time challenge is inadmissible.

Texte intégral

Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin — 9/93 — Beschluss

Entscheidungsdatum: 1993-06-17

Aktenzeichen: 9/93

ECLI: ECLI:DE:VERFGBE:1993:0617.9.93.0A

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 49 Abs 2 VGHG BE, § 359 StPO

Rechtskraft: ja

Orientierungssatz

  1. Steht einem Beschwerdeführer die Möglichkeit offen, im Wege der Wiederaufnahme des Verfahrens (StPO §§ 359ff) die Entlassung aus der Strafhaft zu betreiben, so fehlt es an der für die Durchführung eines Verfassungsbeschwerdeverfahrens notwendigen Erschöpfung des Rechtsweges iSv VGHG BE § 49 Abs 2.

Gründe

1 I. Der Beschwerdeführer wendet sich gegen die Fortdauer der von ihm gegenwärtig verbüßten Freiheitsstrafe und beanstandet verschiedene Vorgänge im Zusammenhang mit dem Strafvollzug.

2 Das Stadtbezirksgericht Berlin-L. hatte den Beschwerdeführer durch Urteil vom 30 Mai 1989 - 17 S 120 a/89 - wegen mehrfacher Vergewaltigung im schweren Fall sowie teils vollendeter und teils versuchter Nötigung zu sexuellen Handlungen im schweren Fall zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der Beschwerdeführer hatte die Kassation dieses Urteils beantragt. Der Antrag wurde durch Beschluß des Landgerichts Berlin vom 31 Januar 1991 - 506 Kass 131/90 - als unbegründet verworfen.

3 In seiner am 24 Januar 1993 bei dem Verfassungsgerichtshof eingegangenen Verfassungsbeschwerde rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung seiner Menschenwürde durch die Strafvollstreckung. Diese sei insbesondere deshalb unzulässig, weil das Kassationsgericht bestimmte Tatsachen nicht berücksichtigt habe. Verschiedene Organe der DDR hätten ihn im Vorfelde seiner Verurteilung genötigt und mißhandelt. Die deswegen von dem Beschwerdeführer bereits im November 1990 erstatteten Anzeigen seien seither nicht bearbeitet worden. Im Strafvollzug seien verschiedene Maßnahmen ergriffen worden, welche gleichfalls die Menschenwürde verletzten. Insbesondere Lockerungen des Strafvollzugs seien durchweg abgelehnt worden.

4 Der Verfassungsgerichtshof hat die Akten des Kassationsverfahrens wie auch des vorangegangenen Strafverfahrens beigezogen.

5 II. Die Verfassungsbeschwerde ist unzulässig.

6 Soweit die Kassationsentscheidung des Landgerichts vom 31. Januar 1991 angegriffen wird, ist die am 1. Februar 1993 eingegangene Verfassungsbeschwerde nicht fristgerecht erhoben worden (§ 51 Abs. 1 VerfGHG).

7 Soweit der Beschwerdeführer die Aufhebung der Strafhaft erreichen möchte, ist der Rechtsweg nicht erschöpft (§ 49 Abs. 2 VerfGHG). Denn dem Beschwerdeführer steht die Möglichkeit offen, die Wiederaufnahme seines Verfahrens gem. §§ 359 ff. StPO zu betreiben. In diesem Verfahren können insbesondere auch neue Tatsachen oder Beweismittel beigebracht werden, die geeignet sind, einen Freispruch oder in Ansehung eines milderen Strafgesetzes eine geringere Bestrafung zu begründen. Derartige Tatsachen behauptet der Beschwerdeführer vorliegend. Soweit nach den Angaben des Beschwerdeführers über eine unsachgemäße Behandlung von ihm erstatteter Strafanzeigen, insbesondere das "Verschwinden" von Akten, sich für ihn Schwierigkeiten der Rechtsverfolgung ergeben, ist ein Verfassungsverstoß nicht ersichtlich, zumal diese Beanstandungen inzwischen behoben sind.

8 Soweit der Beschwerdeführer Verhaltensweisen und Maßnahmen von Strafvollstreckungsorganen rügt, fehlt es gleichfalls an der erforderlichen Rechtswegerschöpfung. Dem Beschwerdeführer steht insoweit das Beschwerderecht nach § 108 des Strafvollzugsgesetzes wie auch gegebenenfalls das Recht zum Antrag auf eine gerichtliche Entscheidung gemäß § 109 des Strafvollzugsgesetzes zu.

9 Die Entscheidung über die Kosten folgt aus den §§ 33, 34 VerfGHG.

10 Der Beschluß ist unanfechtbar.

Permalink

Mots-clés

constitutional complaintexhaustion of remediesreopening proceedingsprison enforcementfiling deadline

The challenge was filed out of time.

The complaint concerning the 31 January 1991 decision was received on 1 February 1993, after the applicable filing period.

The ordinary legal remedies had not been exhausted.

The complainant could seek reopening under §§ 359 et seq. StPO and present new facts or evidence potentially supporting acquittal or a lesser sentence.

No constitutional violation was apparent.

The reported obstacles to pursuing remedies had meanwhile been corrected.

The legal remedies had not been exhausted.

The complainant could use the complaint procedure under § 108 StVollzG and, where appropriate, apply for a judicial decision under § 109 StVollzG.

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