- Juni 1985 N
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Interpellation Rohrer
den sollten, um allen an einer Teilnahme an diesem Versuch
interessierten Informationslieferanten den Zugang zu
ermöglichen. Die PTT beabsichtigten im übrigen jedoch
auch beim Videotex nicht, die RSAG bevorzugt zu behan-
deln.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes-
rates teilweise befriedigt.
#ST# 84.558
Interpellation Humbel
Kernenergiefreundliche Regionen.
Vorzugsbehandlung
Régions favorables à l'énergie nucléaire.
Traitement préférentiel
Wortlaut der Interpellation vom 4. Oktober 1984
Wir stellen in unserem Land ein Phänomen fest: Auf der
einen Seite haben wir Regionen, in denen Kernanlagen
verschiedener Art ohne Widerstände geduldet werden und
die Bevölkerung vollstes Vertrauen in diese Anlagen hat. Auf
der anderen Seite gibt es Regionen, die Kernanlagen (selbst
wenn es nur um Versuchsbohrungen der NAGRA geht) mit
aller Vehemenz (zum Teil mit illegalen Mitteln) bekämpfen.
Seit einiger Zeit stellt sich das Problem, ob kernenergie-
freundliche Regionen in irgendeiner Form begünstigt wer-
den sollten. In diesem Zusammenhang stelle ich an den
Bundesrat folgende Fragen:
- Ist der Bundesrat bereit, Vorkehren (bezüglich Recht,
Verwaltung usw.) in die Wege zu leiten und Massnahmen zu
treffen, damit die positiven Regionen bzw. die betreffende
Bevölkerung irgendwelche Vorteile erhalten könnten (z. B.
Steuererleichterungen usw.)?
- Ist der Bundesrat bereit, einen Bericht auszuarbeiten und
Untersuchungen anzustellen, weshalb wir in unserem Land
solch divergierende Regionen haben? In diesem Bericht
sollten auch die Gründe, das Warum und Wie, deutlich
aufgezeigt werden!
- Ist der Bundesrat auch bereit, die schweizerische Elektri-
zitätswirtschaft anzuweisen, zum mindesten Empfehlungen
abzugeben, um kernenergiefreundlichen Regionen bzw. der
Bevölkerung in irgendeiner Form irgendwelche Begünsti-
gungen zukommen zu lassen (billigeren Strom, Besitz-
standsgarantie für Strombezüger)?
Texte de l'interpellation du 4 octobre 1984
Nous constatons que, dans notre pays, il y a d'une part des
régions où les installations nucléaires les plus diverses sont
parfaitement acceptées et où ia population a une pleine
confiance dans la sécurité de ces dispositifs, alors que
d'autres régions combattent avec la plus grande véhémence
- et parfois avec des moyens illégaux- les moindres travaux
en rapport avec l'énergie nucléaire, même lorsqu'il s'agit de
simples forages envisagés par la CEDRA.
Pourquoi dans ces conditions ne pas accorder certaines
faveurs aux régions qui accueillent l'activité nucléaire sous
une forme ou une autre? Je prie le Conseil fédéral de
répondre à ce sujet aux questions suivantes:
- Entend-il prendre des mesures juridiques, administra-
tives ou autres pour que les régions accueillantes à l'égard
de l'énergie nucléaire bénéficient de certains avantages, par
exemple des allégements fiscaux?
- Est-il disposé à organiser des enquêtes et à établir un
rapport analysant les causes pour lesquelles notre pays
présente des différences si marquées dans l'attitude de la
population à l'égard de l'atome? Ce rapport devrait exposer
clairement les motifs des différentes attitudes et la manière
dont elles se manifestent.
- Envisage-t-il de donner des instructions ou tout au moins
des recommandations aux sociétés suisses d'électricité
pour qu'elles accordent des faveurs aux régions se mon-
trant accueillantes à l'égard des installations nucléaires, par
exemple sous forme de courant à des tarifs plus bas ou de
garantie des droits acquis à l'intention des consommateurs
d'électricité?
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht
eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
vom 3. Dezember 1984
Rapport écrit du Conseil fédéral du 3 décembre 1984
Es trifft zu, dass Kernanlagen in regional unterschiedlicher
Weise akzeptiert werden. Diese Erscheinung ist jedoch nicht
auf das Gebiet der Kernenergie beschränkt, sondern zeigt
sich auch im Zusammenhang mit anderen grossen Vorha-
ben. Periodisch wird denn auch die Frage aufgeworfen, ob
nicht die regionale Bereitschaft gefördert werden sollte, im
nationalen Interesse liegende Aufgaben auch dann zu über-
nehmen, wenn sie nicht mit Annehmlichkeiten verbunden
sind. Auch im Nationalrat wurden Überlegungen dieser oder
ähnlicher Art schon verschiedentlich angestellt. Zur Beant-
wortung der Fragen 1 und 3 verweisen wir deshalb auf
unsere Antwort auf die Interpellation 83.533 (Keller) betref-
fend nationale und lokale Interessen. Ergänzend dazu und
auch als Antwort auf Frage 2 verweisen wir auf bereits
vorhandene Untersuchungen, insbesondere auf die Studie
des Soziologischen Institutes der Universität Zürich und des
Département de science politique der Universität Genf, wel-
che in Zusammenarbeit mit den Bundesämtern für Umwelt-
schutz und Energiewirtschaft in den Jahren 1981 bis 1983
entstanden ist («Lebensqualität im Wandel»).
Aussagen zur Einstellung der Bevölkerung zur Kernenergie
enthalten auch:
- Explora AG: Repräsentativbefragung der Schweizer
Bevölkerung über Energiekonsum, Energieversorgung und
Energiepolitik, Schriftreihe der Kommission für die Gesamt-
energiekonzeption, Nr. 9, 1976;
- Schweizerische Gesellschaft für praktische Sozialfor-
schung, Universität Bern, Forschungszentrum für schweize-
rische Politik: Analyse der eidgenössischen Abstimmungen
vom 18. Februar 1979 und 27. Februar 1983 (VOX-Analysen);
- H.P. Kriesi, AKW-Gegner in der Schweiz, 1982 (untersucht
wird vor allem die Region Graben).
Weitere Untersuchungen drängen sich heute nicht auf.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes-
rates nicht befriedigt.
#ST# 85.352
Interpellation Rohrer
Rheinkraftwerke Schweiz/Liechtenstein
Centrales électriques du Rhin
Suisse/Liechtenstein
Wortlaut der Interpellation vom 4. März 1985
Ich ersuche den Bundesrat um die Beantwortung folgender
Fragen:
- Ist er bereit, bei der Beurteilung der Vernehmlassung des
Regierungsrates des Kantons St. Gallen die Meinung von
161-N
Interpellation Rohrer
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N 21 juin 1985
Behörden, Institutionen und Bevölkerung der betroffenen
Region Werdenberg und Sarganserland angemessen zu be-
rücksichtigen?
2. Ist er bereit, vom Regierungsrat des Kantons St. Gallen
eine gründliche Untersuchung aller offenen Fragen und
Probleme durch kompetente Fachstellen und neutrale
Experten zu verlangen?
3. Ist er bereit, eine Umweltverträglichkeitsprüfung nach
Artikel 9 des Bundesgesetzes über den Umweltschutz zu
veranlassen?
4. Ist er bereit zu untersuchen, ob die geplante Wasserkraft-
nutzung das schweizerisch-österreichische Regulierwerk
berührt oder nicht, und billigt er Österreich ein Mitsprache-
recht zu?
5. Wie gedenkt er im Falle einer Konzessionserteilung das
Verhältnis mit dem Fürstentum Liechtenstein zu regeln? Ist
ein Staatsvertrag vorgesehen, der der Zustimmung der Bun-
desversammlung unter Vorbehalt des fakultativen Referen-
dums bedürfte?
Texte de l'interpellation du 4 mars 1985
Je prie le Conseil fédéral de répondre aux questions sui-
vantes:
- Le gouvernement est-il prêt, lorsqu'il examinera la
réponse donnée par le Conseil d'Etat du canton de Saint-
Gall dans le cadre de la procédure de consultation, à tenir
équitablement compte de l'avis des autorités, des institu-
tions et de la population de la région touchée de Werden-
berg et du Sarganserland?
- Est-il disposé à exiger du canton de Saint-Gall qu'il fasse
examiner de manière approfondie, par des services spécia-
lisés compétents et des experts neutres, tous les problèmes
et questions qui n'ont pas encore trouvé de réponse?
- Est-il prêt à ordonner une étude de l'impact sur l'environ-
nement, du sens de l'article 9 de la loi sur la protection de
l'environnement?
- Est-il disposé à examiner si l'utilisation projetée de la
force hydraulique porte ou non atteinte à l'œuvre de régula-
risation commune de la Suisse et de l'Autriche, et accorde-t-
il à l'Autriche le droit d'être consultée?
- Comment le Conseil fédéral se propose-t-il, dans le cas
où il accorderait la concession, de régler la situation avec la
Principauté de Liechtenstein? Est-il prévu de conclure un
traité international, qui devrait être soumis à l'approbation
de l'Assemblée fédérale, sous réserve du référendum facul-
tatif?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Braunschweig, Bundi,
Friedli, Leuenberger Moritz, Longet, Mauch, Meyer-Bern,
Morf, Nauer, Stappung, Weber-Arbon (11)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Das Studienkonsortium Rheinkraftwerke Schweiz/Liechten-
stein ersucht den Bundesrat und die Regierung des Fürsten-
tums Liechtenstein um die Erteilung der Konzession für die
Ausnützung der Wasserkraft des Rheins auf der Strecke
Sargans/Balzers-Sennwald/Ruggell.
Auf schweizerischer Seite ist für die Behandlung des Gesu-
ches und gegebenenfalls für die Erteilung der Konzession
für die Nutzung der Wasserkraft des Rheins als internationa-
lem Gewässer der Bundesrat zuständig; er hat dabei den
Kanton St. Gallen anzuhören.
Bedingung für eine Konzessionserteilung ist die Zustim-
mung der beiden beteiligten Staaten Schweiz und Fürsten-
tum Liechtenstein.
Der Einbau von Wehren in den Rhein auf der schweizerisch-
liechtensteinischen Grenzstrecke wirkt sich möglicherweise
auch auf den Rhein unterhalb des Konzessionsbereiches
aus. Zwischen der Schweiz und Österreich bestehen
bekanntlich staatsvertragliche Bindungen, über die Regulie-
rung des Rheins von der Illmündung bis zum Bodensee.
Während des durch die sanktgallische Regierung durchge-
führten Auflageverfahrens vom 15. Januar bis 13. Februar
1985 gingen 310 Einsprachen ein, worunter auch von sämtli-
chen betroffenen schweizerischen Gemeinden.
Die Einsprecher befürchten vor allem eine Beeinträchtigung
der Grundwasservorkommen, die zu den bedeutendsten der
Schweiz gehören und eine Trinkwasserreserve von über-
regionaler Bedeutung bilden.
Die offiziellen Stellen des Fürstentums Liechtenstein stehen
dem Projekt grundsätzlich positiv gegenüber. Der Produk-
tionsanteil von 50 Prozent würde zu einer weitgehenden
Unabhängigkeit des Fürstentums in der elektrischen
Energieversorgung führen. Man befürchtet, dass das Land
Liechtenstein als autonomer Staat im weiteren Verfahren
eine bedeutend stärkere Stellung einnehmen wird, als die
gegenüberliegende Region Werdenberg, obschon diese an
Fläche und Bevölkerung etwa gleich gross ist.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
vom 15. Mai 1985
Rapport écrit du Conseil fédéral du 15 mai 1985
Zu 1. Behörden, Institutionen und Bevölkerung der betrof-
fenen Region haben Gelegenheit, sich im Rahmen der
gesetzlich vorgesehenen Verfahren zu äussern. Dazu gehört
namentlich die vor kurzer Zeit abgeschlossene öffentliche
Auflage mit anschliessender Einsprachenbehandlung. Die
Ergebnisse dieses Verfahrens bilden Bestandteil der Mei-
nungsbildung und werden entsprechend berücksichtigt.
Zu 2. Die Federführung für die Behandlung des Konzes-
sionsgesuches liegt beim Bund. Zusätzliche Untersuchun-
gen werden nach Anhören der Regierung des Kantons
St. Gallen und in Zusammenarbeit mit dem Fürstentum
Liechtenstein angeordnet. Der Bundesrat wird über das
Gesuch erst entscheiden, wenn die nötigen Entscheidungs-
grundlagen vorliegen.
Zu 3. Ja.
Zu 4. Der Einfluss der geplanten Staustufen auf die schwei-
zerisch-österreichische Rheinstrecke wird Gegenstand der
Untersuchungen sein. Die österreichischen Behörden sind
über den diplomatischen Weg vom Projekt unterrichtet wor-
den. Das weitere Vorgehen ist noch offen. Auf jeden Fall
wird Österreich auf dem laufenden gehalten. Im übrigen
haben wir Expertengespräche über den Fragenkomplex
Rheinkraftwerke Schweiz/Liechtenstein und Illwerke ange-
regt.
Zu 5. Wir sind der Auffassung, dass sich das Projekt nicht
ohne staatsvertragliche Grundlage realisieren lässt. Eine
solche erscheint im Hinblick auf die Verankerung der
gegenseitigen Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit
der Errichtung der Grenzkraftwerke als notwendig. Verträge
über die Nutzung der Wasserkraft sind der Natur der Sache
nach unbefristet und enthalten keine Kündigungsklausel.
Sie unterstehen der Genehmigung der Bundesversammlung
und dem fakultativen Staatsvertragsreferendum nach Artikel
89 Absatz 3 Buchstabe der Bundesverfassung.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes-
rates befriedigt.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Rohrer Rheinkraftwerke Schweiz/Liechtenstein
Interpellation Rohrer Centrales électriques du Rhin Suisse/Liechtenstein
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans
Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In
Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1985
Année
Anno
Band
III
Volume
Volume
Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
17
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
85.352
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
21.06.1985 - 08:00
Date
Data
Seite
1281-1282
Page
Pagina
Ref. No
20 013 536
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