- Dezember 1983 N1855Interpellation Couchepin
b. Diese Feststellungen schliessen Verbesserungen nicht
aus. Dabei ist jedoch behutsam vorzugehen, zumal gewisse
neue Formen der Mitwirkung, wie etwa die «Demokratie des
Betroffenseins», staatsrechtlich und staatspolitisch schwere
Bedenken erwecken. Vor allem ist darauf zu achten, dass
das Verhältnis von Demokratie, Rechtsstaat und Föderalis-
mus nicht gestört wird, sondern im Gleichgewicht bleibt,
auch wenn es neu ausgemessen wird.
An den Grundpfeilern unserer direkten Demokratie (Initia-
tive und Referendum) will zweifellos niemand rütteln. Eine
andere Frage ist, ob diese Institutionen heute noch greifen,
d. h. ob sie, vom Bürger aus betrachtet, noch an den richti-
gen «Objekten» ansetzen. Heute ist die Mitspräche des
Bürgers vor allem bei der abstrakten Rechtsetzung gewähr-
leistet, weniger bei Entscheidungen über konkrete Sachver-
halte (wie Errichtung von Kernkraftwerken, Tunnels, Stras-
sen, Waffenplätzen). Es fragt sich daher, ob einerseits von
Demokratieüberschüssen (obligatorisches Gesetzesrefe-
rendum in einzelnen Kantonen) und andererseits von Demo-
kratiedefiziten (fehlende Gesetzesinitiative im Bund, fehlen-
des Verwaltungs- und Finanzreferendum im Bund und in
einzelnen Kantonen) gesprochen werden muss. Im Bund
sind Lösungsansätze für einen entsprechenden Umbau im
Sinne einer Stärkung der direkten Demokratie besonders im
Rahmen der bundesstaatlich'en Aufgabenneuverteilung
sowie der eingeleiteten Totalrevision der Bundesverfassung
aufgezeigt worden; in Kantonen und Gemeinden sind ähnli-
che Bestrebungen im Gang.
Vor allem die Vorbereitungsphase für Einzel- und Gesamt-
projekte dürfte Verbesserungen zugänglich sein. Die Erfah-
rung zeigt, dass die betroffene Bevölkerung von den Behör-
den und den Projektträgern vielfach umfassender und früh-
zeitiger informiert und gezielter zum Gespräch eingeladen
werden könnte. Den Massenmedien fällt dabei eine beson-
dere Verantwortung zu. Sachzwänge sind möglichst zu ver-
meiden. Die Strategie der vollendeten Tatsachen ist nicht
nur schädlich, sie ist auch entbehrlich. Langwierige Verfah-
ren sind nach Möglichkeit zu vereinfachen.
Verbesserungsfähig ist - je nach Sachbereich - auch der
Rechtsschutz, der die Überprüfung von Beschlüssen und
Entscheidungen ermöglicht. Es darf in diesem Zusammen-
hang etwa an die Verbandsbeschwerde im neuen Umwelt-
schutzgesetz erinnert werden. Rechtskräftige Beschlüsse
und Entscheidungen sind indessen von jedermann zu
respektieren. Auch das gehört zu den Spielregeln unserer
Demokratie.
- Verstärkte Mitwirkungsmöglichkeiten sollten geeignet
sein, das Interesse des Bürgers am staatlichen Geschehen
zu beleben und sein politisches Verantwortungsbewusst-
sein zu heben. Es genügt nicht, das Verhältnis des Staates
zum Bürger zu überdenken und dem Wandel der Zeit anzu-
passen, solange nicht auch der Bürger bereit ist, seine
Einstellung zum Staat zu überprüfen und gegebenenfalls zu
ändern. Ihn für sein Wohlverhalten und sein Verständnis
besonders zu belohnen, ist unseren Demokratievorstellun-
gen eher fremd; jedenfalls drängen sich hier keine institutio-
nellen Vorkehren auf. Auf vielen Gebieten sind «Kompensa-
tionen» ohnehin bereits üblich und bekannt (bei militäri-
schen Anlagen: neue Arbeitsplätze, Strassenbauten, Mitbe-
nützung militärischer Anlagen durch Zivilpersonen; bei Bun-
desbauten: Vergebung von 66 bis 90 Prozent der Arbeiten in
der Region bzw. im Kanton; im Energiewesen: günstiger
Strombezug, Beiträge an Ihfrastrukturaufgaben und für kul-
turelle Zwecke). Die Beispiele Messen sich vermehren. Wich-
tig ist, dass ein Projekt von nationaler Bedeutung für die
betroffene Bevölkerung und Gegend so erträglich wie mög-
lich verwirklicht wird. Da sich ein Projekt von nationaler
Bedeutung zwangsläufig nur auf Schweizer Boden ausfüh-
ren lässt, sind Kollisionen mit lokalen Interessen vielfach
unvermeidlich. In solchen Fällen muss von der betroffenen
Bevölkerung Opferbereitschaft im Interesse des Ganzen ver-
langt werden. Würde bei Kollisionen den lokalen Interessen
Vorrang eingeräumt, so könnten viele wichtige Vorhaben
nicht mehr verwirklicht werden. Der Bundesrat gibt seiner
festen Überzeugung Ausdruck, dass unserem Land auch in
Zukunft Einsicht, Kraft und Wille nicht fehlen werden, zu
nationalen Aufgaben ;:u stehen, die Solidarität und Opfer
verlangen.
Le président: L'auteur de l'interpellation est partiellement
satisfait.
#ST# 83.909
Interpellation Couchepin
Illegale Informationsbeschaffung
durch ausländische Behörden
Transmission illégale d'informations
à des autorités étrangères
Wortlaut der Interpellation vom 7. Oktober 1983
Nach unserer Gesetzgebung können Ausländer unbe-
schränkt Kapital in unser Land bringen.
Die Informationen über Kunden von Schweizer Banken, die
sich anscheinend in den Händen der französischen Behör-
den befinden, werten die Frage auf, wie diese Informationen
beschafft worden sind.
Der Bundesrat wird gebeten, folgende Fragen zu beant-
worten:
Hat der Bundesrat Informationen, die darauf schliessen las-
sen, dass französische Behörden versucht haben, zum
Nachteil der Schweizer Banken Bankangestellte zu beste-
chen?
Wie will der Bundesrat unserer Gesetzgebung Nachachtung
verschaffen, und wie will er verhindern, dass ausländische
Behörden unser Land in Misskredit bringen und sich Infor-
mationen über Kunden von Schweizer Banken mit Metho-
den beschaffen, die eine illegale Übermittlung von Nachrich-
ten aus der Schweiz ins Ausland voraussetzen?
Texte de l'interpellation du 7 octobre 1983
La détention de capitaux dans notre pays par des étrangers
est autorisée sans restriction par notre législation.
Les informations apparemment en main d'autorités fran-
çaises sur des clients de banques suisses soulèvent la
question des méthodes utilisées pour obtenir ces renseigne-
ments.
Le Conseil fédéral est prié de répondre aux questions sui-
vantes:
Le Conseil fédéral possède-t-il des informations qui laissent
penser que des tentatives de corruption d'employés de
banque sont effectuées par des autorités françaises au
détriment de banques suisses.
Comment le Conseil fédéral entend-il faire respecter cette
législation et s'opposer à ce que des autorités étrangères
jettent le discrédit sur notre pays et se procurent des infor-
mations sur .des clients de banques suisses par des pro-
cédés qui impliquent une transmission illégale des rensei-
gnements de Suisse à l'étranger?
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
Rapport écrit du Conseil fédéral
Le Conseil fédéral dispose actuellement d'indices, selon
lesquels des fonctionnaires français ont fait des tentatives
de corruption au détriment de banques suisses et de leurs
clients. Le Ministère puplic de la Confédération a entrepris
des investigations sur le plan de service prohibé de rensei-
gnements économiques. Pour l'heure, il n'y a toutefois pas
encore de preuves à satisfaction de droit concernant des
actes effectués sans autorisation en Suisse par des fonction-
naires étrangers ou relatives à la transmission d'informa-
tions précises sur les clients de banques suisses.
Interpellations Vetsch et Ogi
1856
N 16 décembre 1983
C'est ici le lieu de rappeler les faits déjà connus depuis un
certain temps, d'après lesquels les indicateurs et autres
informateurs touchent en France pour leurs activités des
sommes pouvant atteindre le tiers du montant de l'affaire en
cause. Ce droit, expressément consenti par l'Etat français,
représente une invite non négligeable à des actions illégales.
Depuis toujours, le Conseil fédéral tente de faire respecter
les règles de droit en vigueur dans notre pays par tous les
moyens à sa disposition. Dans le présent cas, domine au
premier chef une poursuite pénale pour service de rensei-
gnements économiques, au sens de l'article 273 CP. Selon
les résultats, il importera d'examiner si l'état de fait de
l'article 271 CP - actes exécutés sans droit pour un Etat
étranger - est donné ou non.
Le président: L'auteur de l'interpellation est satisfait.
#ST# 82.903
Interpellation Vetsch
Beschaffung eines neuen Kampfpanzers
Acquisition d'un nouveau char de combat
83.334
Interpellation Ogi
Beschaffung neuer Kampfpanzer
Acquisition de nouveaux chars de combat
Wortlaut der Interpellation Vetsch vom 30. November 1982
Der Bundesrat wird um die Beantwortung folgender Fragen
gebeten:
- In der Diskussion um die Frage der Eigenentwicklung
eines Kampfpanzers in der Junisession 1980 kam unmiss-
verständlich die bestimmte Erwartung zum Ausdruck, dass
die Möglichkeit einer schweizerischen Konstruktion für ein
übernächstes Modell offen bleiben müsse.
Teilt der Bundesrat diese Auffassung?
- Ist der Bundesrat bereit, als beste Alternative zur Eigen-
entwicklung im militärischen wie im volkswirtschaftlichen
Interesse für die nächste Beschaffung die Lizenzfabrikation
mit einem wesentlich über der Hälfte liegenden schweizeri-
schen Produktionsanteil und einem schweizerischen Gene-
ralunternehmer sicherzustellen?
- Durch die Vorteile wie Arbeitsplatzsicherung und Erhal-
tung einer leistungsfähigen eigenen Rüstungsindustrie
rechtfertigt sich ein namhafter Mehrpreis. Bei einer gesamt-
haften und langfristigen Beurteilung handelt es sich tatsäch-
lich nur um scheinbare Mehrkosten.
In welcher Grössenordnung sieht der Bundesrat die verant-
wortbaren Mehrkosten zugunsten eines hohen inländischen
Produktionsanteils?
Wie bewertet er die volkswirtschaftlichen und militärischen
Vorteile?
Texte de l'interpellation Vetsch du 30 novembre 1982
Le Conseil fédéral est invité à répondre aux questions sui-
vantes:
- A la session de juin 1980, la discussion portant sur le
développement d'un char de combat indigène a très claire-
ment fait apparaître le désir qu'il reste possible de construire
en Suisse un futur modèle d'un tel engin.
Le Conseil fédéral partage-t-il cette manière de voir?
- Dans l'intérêt de l'armée et de l'économie générale, le
gouvernement est-il disposé, lors de la prochaine acquisi-
tion de cette sorte d'engin, à garantir - en tant que solution
de rechange la plus favorable au développement indigène
du char en question - qu'il soit fabriqué sous licence par les
soins d'un entrepreneur général du pays, la part de produc-
tion suisse dépassant largement 50 pour cent, en pareille
hypothèse?
- Les avantages offerts par cette solution - tels que garan-
tie des emplois ainsi que d'une industrie indigène efficace
des armements - justifient un supplément de prix apprécia-
ble. Si on les considère globalement et à long terme, on est
fondé d'admettre qu'il ne s'agit effectivement, en l'occur-
rence, que de charges supplémentaires apparentes.
Quel est, de l'avis du Conseil fédéral, l'ordre de grandeur
des charges supplémentaires tolérables au titre d'un pour-
centage de production suisse élevé?
Comment le gouvernement apprécie-t-il les avantages, sur
les plans militaire et de l'économie générale?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann-Bern, Bremi,
(Friedrich), Früh, Hunziker, Kühne, Oehler, Reichling, Rei-
mann, Schule, Wellauer (11)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
In der Junisession 1980 hat der Nationalrat drei Motionen
diskutiert, mit denen die Eigenentwicklung eines Kampfpan-
zers gefordert wurde, nachdem der Bundesrat diesbezüg-
lich einen negativen Entscheid getroffen hatte. In der
Debatte kam klar zum Ausdruck, dass der inländischen
Industrie die Voraussetzungen für die Entwicklung eines
schweizerischen Kampfpanzers für eine spätere Beschaf-
fungsrundeerhalten bleiben müssen. Es sei mit allen Mitteln
eine grösstmögliche Unabhängigkeit vom Ausland, die lang-
fristige Erhaltung des eigenen Rüstungspotentials und des
entsprechenden Know-how sowie die Sicherung der
Arbeitsplätze anzustreben. Diese Bedingungen können nur
durch die Lizenzproduktion mit einem hohen schweizeri-
schen Anteil erfüllt werden. In dieser Erwartung hat der Rat
die Vorstösse als Postulate überwiesen.
Dem Vernehmen nach ist man bei der Schweizer Industrie
sehr beunruhigt über die neueste Tendenz der GRD, aus
Kostengründen vom Lizenzbau des neuen Kampfpanzers
abzugehen. Statt des erwarteten schweizerischen Produk-
tionsanteils am Gesamtvorhaben von etwa 70 Prozent,
würde der Inlandanteil möglicherweise um die Hälfte redu-
ziert. Dies könnte den Verlust von 1000 Arbeitsplätzen Inder
einschlägigen Branche bedeuten! Es wird vom Volk und
besonders von den Mitarbeitern in Unternehmungen mit
Kurzarbeit und Entlassungen nicht verstanden, wenn der
Bund auf diese Weise Arbeitsplätze gefährden und die lang-
fristige Erhaltung einer leistungsfähigen eigenen Rüstungs-
industrie in Frage stellen würde.
Wortlaut der Interpellation Ogi vom 28. Februar 1983
Seit einiger Zeit hat das EMD zwei Panzertypen durch die
Truppen in umfangreichen Versuchen und Vergleichstests
erprobt. Die Evaluation durch das zuständige Bundesamt
für mechanisierte Truppen (BAMLT) ist abgeschlossen. Dem
Vernehmen nach liegen nun den zuständigen Organen die
Anträge der Truppe vor. Ebenfalls vorgesehen ist die
Beschaffung des neuen Kampfpanzers im Rahmen des Aus-
bauschrittes 1984 bis 1987.
In diesem Zusammenhang bitten wir nun den Bundesrat um
die Beantwortung folgender Fragen:
- Hält er die Beschaffung eines neuen Kampfpanzers für
den Einsatz auf operativer Stufe gemäss dem jüngst vorge-
stellten Armeeleitbild nach wie vor als zwingend notwendig
und zeitlich dringend?
- Wenn ja, wann gedenkt der Bundesrat den Typenent-
scheid zu fällen und die Beschaffung einzuleiten?
2.1. Wird ein allfällig positiver Entscheid rechtzeitig so fal-
len, dass die erste Tranche neuer Kampfpanzer bereits im
Rüstungsprogramm 1984 enthalten sein wird? Wenn nein,
was sind die Gründe für die Verzögerung?
2.2. Stimmt die Annahme, dass solche Verzögerungen
durch Pressionen aus dem Ausland bedingt sind?
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Couchepin Illegale Informationsbeschaffung durch ausländische Behörden
Interpellation Couchepin Transmission illégale d'informations à des autorités étrangères
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans
Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In
Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1983
Année
Anno
Band
V
Volume
Volume
Session
Wintersession
Session
Session d'hiver
Sessione
Sessione invernale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
12
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
83.909
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
16.12.1983 - 08:00
Date
Data
Seite
1855-1856
Page
Pagina
Ref. No
20 012 089
Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung.
Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale.
Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.