Postulat du groupe socialiste
798N 3 juin 1985
dem Gesetz angestrebten Ziele zu erreichen, und wenn
nicht, wo sich Korrekturen aufdrängen.
Texte du postulat du 9 avril 1985
Le Conseil fédéral est prié de présenter aux Chambres
jusqu'à fin 1986 au plus tard un rapport d'activité concer-
nant sa politique de coopération au développement depuis
la mise en application de la loi du 19 mars 1976. Ce rapport
devra notamment préciser si l'on compte atteindre les buts
visés par la loi et, dans la négative, il devra indiquer les
correctifs nécessaires.
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Die Kommission für auswärtige Angelegenheiten hat sich
seit Bestehen des Gesetzes von 1976 immer wieder intensiv
mit dem ganzen Themenkreis der Entwicklungshilfe
beschäftigt. Im Laufe der Jahre sind dabei vor allem fol-
gende Fragen im Vordergrund gestanden:
- Bevölkerungsentwicklung;
- der Wandel in den allgemeinen Anschauungen, wonach
früher vor allem Grossprojekte als richtig galten, heute hin-
gegen eher kleinräumige Hilfswerke empfohlen werden;
- Umweltverträglichkeit der unterstützten Projekte;
- Erfahrungen mit Mischkrediten;
- Zusammenarbeit zwischen der Direktion für Entwick-
lungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe (DEH) und dem
Bundesamt für AussenWirtschaft (BAWI);
- Zusammenarbeit zwischen Privatwirtschaft und öffentli-
cher Verwaltung.
Schliesslich wäre es noch interessant, einen Überblick zu
erhalten über die durch die Kantone und Gemeinden betreu-
ten Hilfswerke. Dabei wäre die Frage von Bedeutung, wie
weit sich diese Projekte in den bestehenden gesetzlichen
Rahmen einfügen.
Diese Stichworte sind lediglich als Schwerpunkte zu verste-
hen. Wesentlich sind der Kommission der allgemeine Über-
blick und die Tendenzen in der schweizerischen Entwick-
lungshilfe.
Präsident: Die Kommissionssprecher verzichten auf das
Wort. Herr Bundesrat Aubert ist bereit, das Postulat entge-
genzunehmen. Wird es aus der Mitte des Rates bekämpft?-
Das ist nicht der Fall.
Überwiesen - Transmis
#ST# 83.447
Postulat der sozialdemokratischen Fraktion
Nicaragua. Verstärkung der Hilfeleistung
Postulat du groupe socialiste
Nicaragua. Renforcement de l'aide
Fortsetzung - Suite
Siehe Seite 725 hiervor - voir page 725 ci-devant
Präsident: Der Bundesrat ist bereit, das Postulat im Sinne
der Gewährung humanitärer Hilfe entgegenzunehmen, wie
er sie auch anderen Staaten zukommen lässt.
Wird das Postulat aus der Mitte des Rates bekämpft?
Reich: Im Gegensatz zum Bundesrat beantrage ich Ihnen,
nur Absatz 3 des Postulates zu überweisen. Absatz 1 und 2
beschäftigen sich mit der politischen Situation in Nicaragua
und laden den Bundesrat ein, die fremde Einmischung in
Nicaragua zu verurteilen. Ich gehe davon aus, dass unter
dieser «fremden Einmischung» nicht die 20000 Kubaner
und auch nicht die unbekannte Zahl von russischen Bera-
tern gemeint sind. Ich bin der Meinung, dass man zwar über
die humanitäre Hilfe reden kann, dass wir uns aber nicht
hinter dieses Regime stellen können.
In letzter Zeit häufen sich Reiseberichte von Journalisten
und Politikern - auch aus unserem Land -, die Mittelamerika
besuchen. Diese Berichte sind charakterisiert durch eine
tiefe Betroffenheit über die Situation der Bevölkerung. Sie
neigen aber gleichzeitig dazu, die Art des sandinistischen
Regimes zu verniedlichen. Was die Betroffenheit anbelangt,
so kann ich sie nur teilen. Ich habe als Beauftragter einer
internationalen Organisation in den letzten Jahren mehrfach
Gelegenheit gehabt, diese Region genauer anzusehen. Ich
kenne Nicaragua und auch einen Teil des politischen Perso-
nals aus persönlicher Anschauung und aufgrund vielfältiger
Kontakte. Die wirtschaftliche Situation ist tatsächlich fast
hoffnungslos. Die Pro-Kopf-Einkommensquote ist heute
etwa auf dem Stand von 1962. Die Exporte betragen unge-
fähr zwei Drittel - oder weniger - des Jahres 1978. Um die
Wirtschaft wieder anzukurbeln, würde es Importe bedingen,
die ungefähr das Exportvolumen von zwei Jahren ausma-
chen. Soviel zur wirtschaftlichen Situation.
Zum Regime: Die sandinistische Revolution - sie jährt sich
eben jetzt zum sechsten Male - war zunächst eine nationale
Revolution, eine nationale Volksbewegung. Was nachher
passierte, kann ich Ihnen am Schicksal von Herrn Robelo
zeigen: Herr Robelo gehörte 1979 zu den strahlenden Sie-
gern und war Mitglied der Junta. Zwei Jahre später sah ich
ihn in Managua; ich sah, wie sein Haus belagert wurde von
einem organisierten Mob. Er selbst erklärte mir, dass er
nicht ausreisen könne, weil man ihm den Pass verweigere.
Sie wissen, dass er heute an der Spitze der sogenannten
militärischen Aggressoren steht. - Sie wissen auch, dass
kürzlich Wahlen abgehalten worden sind. Diese Wahlen
wurden lange versprochen und auch sehnlichst erwartet.
Bürgerliche Parteien hofften darauf, entsprechend zum
Zuge zu kommen. Sie wissen, dass diese Wahlen zu Pseudo-
wahlen geworden sind, Wahlen, die diesen Namen nicht
verdienen.
Was die Wirtschaft betrifft, so gehörte auch die Privatwirt-
schaft zur nationalen revolutionären Bewegung. Heute spre-
chen die Experten, die Nicaragua genauer analysiert haben,
von einer Wirtschaftspolitik des Kriegskommunismus.
Diese kurze Analyse ist nicht nur die Meinung eines Zürcher
Freisinnigen. In der bundesdeutschen SP hat im vergange-
nen März eine sehr heftige Kontroverse stattgefunden. Herr
Brandt, der dazu neigt, von «einigen Fehlern in Nicaragua»
zu sprechen und im übrigen über manches hinwegzusehen,
wurde vom SPD-Präsidialmitglied Professor Kriehle in Köln
stark attackiert. Herr Kriehle sagte wörtlich, das sandinisti-
sche Regime von heute sei mit dem Naziregime der ersten
sechs Jahre zu vergleichen. Also nicht Totalitarismus in
voller Blüte, sondern eine erste Vorstufe eines totalitären
Regimes, das eben die äusseren Bedingungen noch nicht
im vollen Umfange hat wie etwa der russische Kommunis-
mus. Er hat ferner gesagt, diese paar «Fehler» seien konkret
- ich zitiere -: «Massenmord, Plünderung, Vertreibung,
Überfälle auf Gottesdienste, Niederbrennung von Ortschaf-
ten, Folter und Verhöhnung der Verfolgten.» Das ist die
Charakterisierung des sandinistischen Regimes durch ein
Präsidiumsmitglied der Deutschen SP. Ich glaube, wir wären
gut beraten, uns nicht hinter dieses Postulat als Ganzes zu
stellen, sondern allenfalls Absatz 3 zu akzeptieren. Das
macht ja praktisch auch der Bundesrat mit seiner verbalen
Eingrenzung auf die humanitäre Hilfe, mit der er die
Annahme erklärt.
Zu dieser Überprüfung der humanitären Hilfe für Nicaragua
möchte ich einfach noch sagen: Humanitäre Hilfe drängt
sich sicherlich auf. Es gibt ja auch zwei offizielle Projekte
des Bundes, und es gibt mehrere vom Bund subventionierte
Projekte privater Organisationen. Ich möchte aber betonen:
Überprüfung drängt sich nicht nur unter dem Stichwort
«Bedürfnis» auf, Überprüfung drängt sich auch in bezug auf
- Juni 1985
799
Postulat der sozialdemokratischen Fraktion
die Zielrichtung dieser Projekte auf. Ich muss feststellen -
und dieser Rat wird zu einem späteren Zeitpunkt Gelegen-
heit haben, darüber eingehender zu diskutieren -, dass es
Ansätze für eine Verfremdung solcher Projekte gibt, indem
zum Beispiel Strassenbauprojekte so lange modifiziert wer-
den, bis sie nicht mehr nur projektbezogen sind, sondern in
das militärstrategische Konzept der Sandinisten hinein-
passen.
Ich bitte Sie, meinem Antrag zu folgen.
Herczog: Es ist in diesem Rate nicht das erste Mal, dass ein
prominenter Vertreter der freisinnigen Fraktion die identi-
sche Position der heutigen USA-Administration vertritt- und
teilweise noch besser vertritt als gewisse Vertreter dieser
USA-Administration selber. Aber einigermassen erstaunlich
ist doch, dass ein liberaler Politiker wie Herr Reich, der ja in
unserer grossen Afghanistan-Debatte keine Mühe bekun-
dete, die Grossmachtpolitik der Sowjetunion anzuprangern,
wie wir auch, heute keine Mühe hat, sich angesichts einer
gleichgerichteten und gleichwertigen, wenn nicht noch
aggressiveren Grossmachtpolitik seitens der USA in verbal-
wirtschaftlicher Solidarität zu üben. Er sollte seine liberale
Position ein bisschen nüchterner und auch politischer dar-
legen.
Wenn Sie in den letzten Jahren die Entwicklung in Zentral-
amerika, namentlich in Nicaragua, betrachtet haben, ist es
ganz eindeutig und unzweifelhaft so, dass die politische
Situation in Nicaragua in erster Linie durch die USA und
deren Grossmachtarroganz verschärft worden ist. Ich
möchte diese Grossmachtarroganz, die zwei Seiten hat,
kurz beleuchten.
Die USA haben seit Jahren in Nicaragua eine Strangula-
tionspolitik gegenüber diesem Lande, dieser Nation, ange-
strebt. Der letzte Ausdruck davon war das Handelsembargo,
das übrigens nicht nur nach unserer politischen Auffassung,
sondern auch .nach der Meinung verschiedener GATT-Län-
der eindeutig gegen die GATT-Vereinbarungen verstösst -
die GATT wird sich bei Gelegenheit darüber noch zu äus-
sern haben. Diese Art von Grossmachtarroganz ist nichts
anderes als eine politische Nötigung, um die Unabhängig-
keit, worin sich Nicaragua zumindest seit der Befreiung vom
Somoza-Terrorregime befindet, zu gefährden.
Es ist ja ein Hohn, wenn sich Herr Reich una seme Fraktion
hier bei Nicaragua sich so gegen totalitäre Regimes wen-
den, aber die gleiche Fraktion mit Herrn Reich ohne mit der
Wimper zu zucken für die Türkei Wirtschaftshilfe bewilligt.
Hier werden Sie und Ihre Fraktion, Herr Reich, absolut
unglaubwürdig. Es ist nicht zu bestreiten, dass die Türkei
ein faschistisches Regime hat, wo Todesurteile gegen libe-
rale, religiöse und ethnische Gruppen, die sich politisch nur
zu mucksen getrauen, ausgesprochen werden. Und wie
verhält es sich in bezug auf Südafrika, wo Sie wegen der
wirtschaftlichen Interessen selbstverständlich überhaupt
keine Bedenken haben, politische Unterstützung seitens
unseres Landes zu verlangen?
Zu dieser Strangulationspolitik der US-Administration fol-
gende Beispiele: Seit Anfang der achtziger Jahre bis zum
Zuckerboykott im Mai 1983, der Beschränkung von Fleisch-
importen im Juni 1983, wird diese Politik systematisch
betrieben. Seit Somoza gestürzt wurde, sperrt sich der ame-
rikanische Exekutivdirektor beim Internationalen Währungs-
fonds, der ja eng verbunden ist mit der Weltbank - die
übrigens rund einen Viertel ihres Finanzbedarfs am schwei-
zerischen Kapitalmarkt deckt-erfolgreich gegen Kreditver-
gabungen an Nicaragua.
Entsprechend verhielten sich die Vereinigten Staaten auch
bei der Entwicklungsbank in bezug auf einen 60-Millionen-
Dollar-Kredit für Nicaragua. Dass dies selbstverständlich ein
Land wie Nicaragua hart treffen würde und auch wird, ist
klar. Sie werden die Wirkung nicht verfehlen; Kaffee und
Baumwolle sind die Hauptexportprodukte Nicaraguas.
Wegen der Überfälle der Contras mussten mehr als 6 Pro-
zent der Kaffeeanbaufläche aufgegeben werden. Das ist
übrigens auch noch wichtig. Die Contras werden bekannt-
lich nicht nur politisch, sondern auch finanziell von den
Verantwortlichen in den Vereinigten Staaten unterstützt.
Nicaragua hat durch diese Art und Weise der Politik in den
letzten drei Jahren über 500 Millionen Dollar an Exportein-
nahmen verloren. Das ist die liberale Politik, die Herr Reich
unterstützt, die ganz eindeutig eine Grossmachtpolitik der
heutigen US-Regierung ist.
Diese Grossmachtarroganz hat aber auch noch eine zweite
Seite. Die Reagan-Administration hat nämlich nicht nur
«grosse staatsmännische» Seiten, sie hat auch erstaunlich
kleinkarrierte Seiten. Das Handelsembargo kann sich ein-
deutig gegen jene wenden, die das aussprechen. Dieses
Handelsembargo der USA kann selbstverständlich knallhart
zum Eigengoal werden. Vielleicht wissen Sie als grosser
Verfechter der Privatwirtschaft, dass 60 Prozent der Agrar-
und Industrieproduktion in Nicaragua in privaten Händen
ist, d. h. mit diesem Handelsembargo werden die USA selbst-
verständlich nicht den Staat treffen, sondern die Privatwirt-
schaft, mit der Sie ja kooperieren möchten. Ich erinnere Sie
daran: Herr Reagan ist mit einem Antiboykottauftrag gegen-
über der Landwirtschaft an die Regierung gelangt, weil Herr
Carter so blöd war, einen solchen Handelsboykott gegen-
über der Sowjetunion durchzuführen, womit er seine eige-
nen Bauern getroffen hat. Welche grotesken Situationen
hier heraufbeschworen werden, möchte ich Ihnen nun an
einem Beispiel zeigen:
1982 drohten die USA beispielsweise, Nicaragua kein Rind-
fleisch mehr abzukaufen, wenn das nicaraguanische Land-
wirtschaftministerium Stiersamen aus Kuba importiere. Man
wolle nämlich der Gefahr der Verbreitung der Maul- und
Klauenseuche begegnen, hiess es in Washington. Nur weiss
man heute nach verschiedenen Expertenberichten, dass
eine derartige Seuche in Kuba noch gar nie existiert hat.
Ich will Ihnen damit nur zeigen, mit welchen Dummheiten
auch die Reagan-Administration Grossmachtmassnahmen
begründet.
Ich unterstütze die Haltung der Schweiz, die bisher korrekt
war- obwohl aus unserer Sicht oft etwas zu wenig offensiv
-, dass mit wirtschaftlichen, militärischen und politischen
Sanktionen keine Lösungen in Zentralamerika gefunden
werden können.
Übrigens leistet auch Frankreich Hilfe an Nicaragua in der
Grössenordnung von 1,5 Millionen Dollar plus eine halbe
Million in den Bereichen Kultur und Bildung. Zudem wurden
10 000 Tonnen Getreide nach Nicaragua exportiert.
Ich habe bereits erwähnt, dass die GATT-Runde eine derar-
tige Grossmachtpolitik der Reagan-Administration verurteilt
und auch weiter noch verurteilen wird. Hier wären wir als
neutrales Land sehr schlecht beraten, wenn
1
wir in jedem
Fall für die US-Regierung Position beziehen würden und Sie
nicht schnell genug rennen könnten, um dieser Position
nachzubeten.
Im vorliegenden Fall ist es genau dasselbe. Dort, wo wir eine
liberale Position gegenüber einem noch unabhängigen
Land beziehen könnten, sind wir nicht bereit, einem solchen
Land auch politische und wirtschaftliche Unterstützung zu
gewähren.
Ich bitte Sie, schon aus diesen Gründen, dieses Postulat zu
unterstützen.
Sager: Dem Postulat liegen falsche Informationen
zugrunde. Sie bedürfen einer Berichtigung, die zugleich die
Begründung für meinen Antrag auf Ablehnung des Postula-
tes darstellt.
Am 19.Juli 1979 wurde der korrupte Diktator Anastasio
Somoza gestürzt. Seine Familie hatte das Land seit dem
erfolglosen kommunistischen Umsturzversuch vom Jahre
1934 beherrscht. Bis auf Somozas Nomenklatura und seine
Nationalgarde von 7000 Mann sowie deren Familienangehö-
rigen dürfte das ganze Volk hinter der Befreiungsbewegung
gestanden haben: die ausgebeuteten Landarbeiter, aber
ebenso die Kirche, die Wirtschaft und die Intellektuellen.
Im Januar 1978 war der anerkannteste Oppositionelle, Pedro
Chamorro, Chefredaktor der liberalen Zeitung «La Prensa»,
ermordet worden. Damit war der Weg frei für die extremisti-
Postulat du groupe socialiste
800N 3 juin 1985
sehen Sandinisten, die Führung der Befreiungsbewegung
zu übernehmen. Sie versprachen bei der Machtübernahme
1979 Wahlen innerhalb von zwei Jahren, sodann Pressefrei-
heit und die Achtung der Menschenrechte, ferner eine
gemischte staatliche und private Wirtschaft im Interesse des
Volkswohlstandes. Mit diesen Versprechungen hat sie die
Zustimmung des Volkes gewonnen. Nicaragua wurde
darum anfänglich auch von den Vereinigten Staaten unter-
stützt und erhielt in den ersten zwei Jahren Sandinismus
viermal so viel Hilfe wie Somoza in den letzten zwei Jahren.
Erst im April 1981, als sichtbar wurde, dassdie Sandinisten
nicht gewillt waren, die Versprechungen einzuhalten und
Waffen aus der Sowjetunion und Kuba auch nach El Salva-
dor geliefert und terroristische Gruppen in Honduras und
Costa Rica unterstützt wurden, stellten die US-Behörden
ihre Hilfe ein. Die «Strangulationspolitik» der Vereinigten
Staaten muss in diesem Licht gesehen werden. Sie existiert
nicht. Man kann auch nicht die Grossmachtarroganz der
Vereinigten Staaten mit derjenigen der Sowjetunion verglei-
chen. Immerhin haben sich die Vereinigten Staaten aus
Grenada zurückgezogen. (Teilweise Heiterkeit) Es wäre ein
leuchtendes Beispiel für die Sowjetunion in Afghanistan.
Die sandinistische Führung hat ein Regime nach kommuni-
stischem Vorbild eingerichtet. Die Menschenrechte werden
missachtet, vor allem diejenigen der indianischen Minder-
heiten, der Misquitos, der Ramas und der Sumas, von denen
nach glaubwürdigen Aussagen mindestens 15000 auf
100000 Seelen ihr Leben gewaltsam verloren haben. Die
Pressefreiheit ist nicht gewährt. Die einzige Oppositionszei-
tung, «La Prensa», wird zensiert, denaturiert, mit administra-
tiven Hindernissen belästigt. Vor einigen Wochen rnusste
der Chefredaktor Pedro J.Chamorro junior, der Sohn des
Ermordeten, das Land aus Sorge um die persönliche Sicher-
heit von ihm und seiner Familie verlassen. Die Kirche wird
bekämpft, obwohl sie gegen Somoza Stellung bezogen
hatte und ihr - der Kirche - einige Revolutionäre, die heute
in der Regierung sitzen, das Leben verdanken. Die freien
Gewerkschaften werden behindert. In einem Bericht über
die Situation der Gewerkschaften im Zeitraum 1980 bis 1983
steht zu lesen: «Jedesmal, wenn ein Gewerkschafter attak-
kiert wird, werden ihm fast alle seine Rechte genommen. Da
der Staat sich vorgenommen hat, diese Organisationen zu
zerschlagen, bedient er sich aller Mittel, um dieses Ziel zu
erreichen. Diese Mittel sind Entlassungen, Ausübung von
Druck, Intrigen oder auch die Pseudospaltung von Gewerk-
schaftsführern.» Diese Hinweise werden mit zahlreichen
Beispielen belegt.
Die demokratischen politischen Parteien sind benachteiligt
und geniessen nicht die gleichen Rechte wie die von der
Regierung eingesetzten Organisationen. Die Wahlen vom
4. November 1984 haben darum den Volkswillen nicht wider-
spiegeln können. Ich bin mir bewusst, dass es Leute aus der
Schweiz gibt, die diese Wahlen beobachtet und sie als «frei»
bezeichnet haben. Ich möchte Ihnen ein Zitat vorlesen, das
der Comandante Boyardo Arce im Juni letzten Jahres in
einem Vortrag geäussert hat, und es wurde bis heute nicht
bestritten: «Wir sind der Auffassung, dass die Wahlen dazu
benützt werden müssen, um den Weg des Sandinismus zu
bestätigen, weil das vom Imperialismus in Frage gestellt
wird, und um zu beweisen, dass das Volk Nicaraguas für den
Marxismus-Leninismus ist. Wäre uns nicht das Kriegsrecht
aufgezwungen, so wären die Wahlen, gemessen an ihrer
Nützlichkeit, völlig überflüssig. Was die Revolution wirklich
benötigt, ist die Macht, um die Massnahmen zu ergreifen,
und diese Macht ist das Wesen der Diktatur des Proleta-
riates.»
Das sind die Worte eines Comandante, der in der Regierung
sitzt. Eine bemerkenswerte Tatsache ist, dass der dem Volk
verhasste korrupte Diktator Somoza mit einer als National-
garde bezeichneten Armee von 7000 Mann auskam, derweil
die Sandinisten ein Heer von 50000 Mann aufbauten und
eine Volksmiliz von 200000 Männern und Frauen ausbilden,
die bereits die Hälfte des Sollbestandes erreicht hat. Dabei
ist Nicaragua überhaupt nicht bedroht. Costa Rica im Süden
hat seine Armee 1948 aufgegeben. Das kleine El Salvador im
Nordwesten stellt keine Gefahr dar, und Honduras im Osten
hat nie an einen Krieg gegen Nicaragua gedacht. Am
25. August 1981 hat Ortega als Verteidigungsminister vor
einem Auditorium militärischer Spezialisten ausgeführt:
«Wir können nicht Marxisten-Leninisten ohne Sandinismus
sein, und ohne Marxismus-Leninismus ist der Sandinismus
nicht revolutionär. Unsere politische Stärke ist der Sandinis-
mus und unsere Doktrin der Marxismus-Leninismus.» Kein
Wunder deshalb, dass auf eine Bevölkerung von rund 3
Millionen Menschen bereits eine halbe Million geflüchtet ist,
vorwiegend Angehörige der ehemals besitzenden Klassen.
Könnten auch ärmere Leute flüchten, würde die Abstim-
mung mit den Füssen ein noch deutlicheres Urteil darüber
sprechen, wie sehr das Regime die Unterstützung grosser
Teile des Volkes verspielt hat.
Um den ernsthaft gefährdeten Frieden in Zentralamerika hat
sich namentlich die Contadora-Gruppe von Mexiko, Vene-
zuela, Kolumbien und Panama bemüht. Im September 1983
hat die Junta von Nicaragua ihre Bereitschaft erklärt, Ver-
handlungen zu führen und 21 präzis umschriebene Ziele zu
verwirklichen. Dazu gehörten die Herstellung demokrati-
scher Verhältnisse, der Verzicht auf die Unterstützung und
Förderung umstürzlerischer Bewegungen in Nachbarlän-
dern und der Abbau von Armee und ausländischen Militär-
und Sicherheitsberatern. Den schönen Worten und Verspre-
chen Managuas sind bislang keine Taten gefolgt.
Auf dem Hintergrund der hier nur ausschnittweise aufge-
führten Tatsachen ist es doch immerhin erstaunlich, dass
einerseits die Schweiz ihre Hilfe an El Salvador vermindert,
obwohl sich dieses Land glaubwürdig auf den Weg der
Demokratisierung begeben hat, dafür aber Nicaragua nach
wie vor Entwicklungshilfe erhält, obwohl die Vergabe
schweizerischer Entwicklungshilfe an die Einhaltung der
Menschenrechte gebunden ist. Ebenso erstaunlich ist ande-
rerseits, dass Westeuropa gesamthaft gesehen den marxi-
stisch-leninistischen Sandinisten viermal mehr Hilfe
gewährt als dem demokratischen Costa Rica, das einer
europäischen Demokratie näher kommt als jedes andere
Land Lateinamerikasund notabene das einzige Land ist, das
in einer freien Wahl einen sozialdemokratischen Präsiden-
ten erkoren hat.
Das sind die Gründe für meinen Antrag, das Postulat abzu-
lehnen.
M. Borei: L'Amérique centrale est formée d'un certain nom-
bre de pays, chacun ayant la dimension de la Suisse ou étant
un peu plus petit.
Revenant du Salvador et du Guatemala, je n'ai pas envie de
parler du Nicaragua, mais je crois tout de même pouvoir
m'exprimer dans ce débat sur un certain nombre de réalités
de cette région du monde, de petits pays qui souffrent
beaucoup, d'une part de leur guerre civile, d'autre part du
fait que cette guerre civile est exploitée par deux grandes
puissances mondiales.
Deux porte-parole de groupe ont essayé d'expliquer ce qu'il
fallait faire, tout particulièrement par rapport à ce que pen-
sent les Etats-Unis d'Amérique.
Les personnes que nous avons rencontrées au Salvador et
au Guatemala, qu'elles soient en faveur du gouvernement
ou dans l'opposition, ont des positions beaucoup plus nuan-
cées sur la politique des USA en Amérique centrale que les
deux députés qui viennent de s'exprimer ici. Il me semble
qu'au Salvador le gouvernement d'extrème-droite qui règne
actuellement sait beaucoup mieux que nous que le prési-
dent des Etats-Unis ne sera pas forcément toujours républi-
cain, que l'administration des Etats-Unis ne sera pas tou-
jours la même, que, pour ne donner qu'un exemple, la
Conférence des Evêques catholiques américains s'est pro-
noncée, ces dernières années, contre la politique d'interven-
tion des Etats-Unis en Amérique centrale et que de nom-
breux autres milieux américains font de même. L'Amérique
centrale s'attend donc à ce que la politique américaine ne
soit pas toujours la même. Elle sait qu'il convient d'être
prudent et de ne pas s'aligner sur les déclarations quelque
peu abruptes de l'administration américaine actuelle.
- Juni 1985 N801Postulat der sozialdemokratischen Fraktion
M. Reich m'a piqué lorsqu'il a parlé de régime nazi au
Nicaragua. La seule chose que je puis dire est que, malheu-
reusement ou heureusement, les deux pays que j'ai visités
sont très proches économiquement de la Suisse, le Salvador
notamment, et que ce qui s'y passe, avec l'appui du gouver-
nement, n'est à l'honneur ni de ce gouvernement ni des pays
qui entretiennent des relations économiques étroites avec
lui, ou avec son voisin, le Guatemala. Je me sens davantage
concerné par ce qui se passe dans les pays qui sont nos
partenaires économiques que par ce qui se passe dans les
pays avec lesquels nous n'entretenons que peu de relations
économiques et avec lesquels nous pourrions avoir des
relations humanitaires et d'aide au développement.
Nombre de pays parlent de la neutralité de la Suisse. Or, là-
bas nous sommes connus essentiellement comme mar-
chands d'armes, et la Croix-Rouge internationale doit rappe-
ler qu'elle a son siège à Genève, mais non pas en Suisse,
pour essayer d'être entre les deux camps. Cela est bien
regrettable. La Genève internationale est reconnue dans ces
pays, la Suisse est considérée comme alignée, et cela par les
deux camps. C'est cet aspect qu'il me paraît important de
relever à propos de notre intervention au niveau global de
l'Amérique centrale et au niveau local du Nicaragua. Si nous
prétendons être un pays neutre, il n'y a aucune raison de ne
pas intervenir au Nicaragua plutôt qu'ailleurs, d'autant plus
que dans des efforts de localisation de conflits, la Suisse,
officiellement du moins, s'est déjà fortement engagée - et je
l'en félicite. Le Conseil fédéral, par son représentant, a
soutenu les efforts du groupe de Contadora qui, Monsieur
Sager- nous avons rencontré le ministre des affaires exté-
rieures du Mexique à ce sujet - se plaint d'avoir comme seul
appui en dehors du Mexique dans la région locale le Nicara-
gua et le Costa-Rica, mais pas les trois autres pays en
conflit. Dans le contexte du Nicaragua, le Conseil fédéral a
apporté son soutien. Dans celui des mesures économiques,
lors des débats du GATT, le Conseil fédéral, par le biais de
ses représentants à la conférence, a clairement fait savoir
qu'il considérait ces mesures comme inappropriées.
Dès lors, je crois véritablement qu'il faut répondre à l'appel
de cette région qui souhaite... (interruption du président
pour dépassement du temps de parole)... Je vais terminer.
Je regrette d'autant plus que M. Sager soit le porte-parole de
l'UDC et qu'il ne se soit pas exprimé à titre personnel.
A mon avis, à l'égard d'une région aussi troublée que celle
de l'Amérique centrale, la plus grande sagesse consisterait
pour un parlement tel que le nôtre à renoncer à faire de la
politique et à essayer d'apporter notre soutien à la fois au
développement et aux bons offices de notre pays; nous ne
devons pas croire utile d'exporter nos rivalités gauche-
droite, de Suisse, ou même d'Europe, là où non seulement
on se fait peur mais on se tue, on s'assassine et on fait
disparaître son adversaire.
Stucky: Seit einigen Jahren macht uns das Regime der
Sandinisten glauben, das Volk stehe hinter ihm. Leider muss
ich feststellen, dass unsere Massenmedien, allen voran das
Schweizer Fernsehen, diesem Glauben noch immer anhan-
gen. Die Formel ist einfach: Die Freiheitskämpfer unterstüt-
zen die Sandinisten, und die ehemaligen Somozisten sind
somit im Widerstand gegen diese Regierung. Das ist eine
alte Taktik aller totalitären Regimes. Ein schönes Beispiel
hatten wir nach dem Krieg in der DDR, wo ja auch eine
ganze Reihe von Nazis Unterschlupf gefunden haben; ehe-
malige Gestapo-Beamte sind zum Sicherheitsdienst überge-
laufen und wurden zu den besten Vollziehern von Unrechts-
urteilen.
Wie ist es aber tatsächlich? Ehemalige Somozisten findet
man auf beiden Seiten. Sehr prominente Anhänger des
Somoza-Regimes sind an der Spitze des heutigen sahdini-
stischen Regimes; ich nenne zwei: Sergio Ramirez Mercado
ist Junta-Mitglied und Miguel d'Escoto ist Aussenminister.
Aber auch in den heutigen Widerstandsbewegungen finden
wir Anhänger des früheren Diktators. Das ist richtig. Nur
haben sie dort keine führende Rolle inné, sondern das
überwiegende Gros setzt sich zum Teil aus enttäuschten
Sandinisten zusammen. Auch hier ein Beispiel: Der Führer
einer der grossen Widerstandsbewegungen ist Eden
Pastora, einer der ersten Sandinistenkämpfer, Comandante
Cero, der ganz entscheidend zum Sturz des Regimes
Somoza beigetragen hat. Heute bekämpft er eben die Sandi-
nisten aus Enttäuschung über all das Unrecht, das sie in
diesem Land tun.
Ein zweites Reservoir des Widerstandes ist heute die Kirche.
Auch hier sehen wir, dass eine Änderung, ein Schwenker
stattgefunden hat. Die Kirche kann dieses Regime nicht
mehr unterstützen.
Eine dritte Gruppe sind die Misquito-lndianer und auch
andere Stämme. Herr Sager hat darauf hingewiesen. Diese
Stämme sind aus ihren Gebieten - wie es so schön heisst -
«umgesiedelt» worden. Das ist ein Euphemismus! Es han-
delt sich ganz einfach um eine Deportation. Man hat sie des
Widerstands verdächtigt und die ganze Bevölkerung vertrie-
ben, zum Teil ihre Heimstätten angezündet. Wer nicht
wollte, wurde umgebracht. Es handelt sich zum Teil um
einen eigentlichen Völkermord. Daraus ist auch die hohe
Flüchtlingszahl - vor allem in Honduras, aber auch in Costa
Rica - zu erklären. Hier muss ich einfach nüchtern feststel-
len: Bei dem, was Nicaragua geschieht, geht es doch um
etwas weit Tragischeres als um eine Frage des Amerikanis-
mus oder Anti-Amerikanismus.
Ich habe mich immer gefragt, als Sie, Herr Herczog, gespro-
chen haben: Macht Sie denn Ihr Anti-Amerikanismus blind
für das Unrecht, das in Nicaragua geschieht?
Wir sollten unsere Aussenpolitik klar abgrenzen gegen alle
Unrechtsregimes, und dazu gehört leider auch das heutige
Regime in Nicaragua.
Deshalb empfehle ich Ihnen, dieses Postulat abzulehnen.
Frau Robert: Ich weiss, dass Herr Sager Ost-Spezialist ist;
West-Spezialist ist er ganz sicher nicht, nach dem, was er
hier erzählt hat.
Es ist tatsächlich tragisch, Herr Stucky hat es gesagt, was
heute in Zentralamerika passiert. Es ist auch tragisch, was
heute zum Teil an diesem Rednerpult gesagt worden ist.
Ich war nun drei Wochen in Nicaragua und in Honduras. Wir
haben Hunderte von Leuten kontaktiert in beiden Ländern,
Leute von der Opposition, Regierungsstellen, Privatunter-
nehmer, Armeeangehörige. Viele Leute waren darunter, die
mit vielen Dingen in Nicaragua nicht einverstanden sind, die
Kritik üben, die Gegner des Regimes sind. Aber keiner hat
Dinge gesagt, wie sie hier heute gesagt worden sind. Herr
Sager, Herr Stucky: Wenn Sie hier von Völkermord spre-
chen, wenn Sie hier von Nazitum sprechen, sind das ganz
ungeheuerliche Aussagen, und es ist Geschichtsklitterung
schlimmster Sorte. Sie haben hier vorne gelogen.
Es hat keinen Sinn, auf all das, was hier aufgezählt wurde,
einzugehen. Praktisch alles ist längst widerlegt. Es ist längst
widerlegt vom Internationalen Roten Kreuz, es ist widerlegt
von unabhängigen Menschenrechtskommissionen auch in
Amerika. Es stimmt ganz einfach nicht. Vielleicht lügen Sie
nicht bewusst, vielleicht haben Sie da einfach Secohd-hand-
Anschuldigungen übernommen. Wir haben nämlich bei
unseren unzähligen Kontakten in diesen drei Wochen über-
all nach Spuren von schweizerischen Parlamentariern
gefragt. Doch man hat Sie nirgends gesehen. Sie haben sich
offenbar allzu sehr an unseren Altreifenhändler gehalten
und dabei nicht mitbekommen, was in Nicaragua die Reali-
tät ist.
Die Realität in Nicaragua ist tatsächlich, wie Herr Stucky
gesagt hat, nicht ein West-Ost-Ideologie-Konflikt, er ist es
nur in verschiedenen Köpfen hier, leider in massgebenden
Köpfen und in Köpfen, die mit dieser Desinformation, mit
dieser gezielten, wie sie hier betrieben wird, an vorderster
Front stehen. Es ist kein West-Ost-Ideologie-Konflikt, son-
dern es ist ein ganz realer Nord-Süd-Konflikt. In diesen
Ländern in Zentralamerika haben Diktaturen schlimmster
Sorte geherrscht. Sie herrschen praktisch überall auch
heute noch. Es sind Diktaturen, die die Menschenwürde und
die Menschenrechte mit Füssen treten, Diktaturen, wo
gemordet wird, wo gefoltert wird, Diktaturen, wo der grossie
101-N
Postulat du groupe socialiste
802N 3 juin 1985
Teil der Bevölkerung in elendester Armut lebt, wo es keine
Gesundheitsversorgung, keine Bildung gibt, und nur einige
wenige profitieren. Nicaragua hat mit einem solchen
Regime 1979 ein Ende gemacht. Nach 50 Jahren blutiger
Diktatur hat sich dieses Land auf den Weg der Demokratie
begeben. Das ist ein sehr schwieriger Prozess in einer
solchen Lage. Wenn Sie 50 Jahre lang unter einer blutigen
Diktatur gelitten haben, ist es schwierig, eine junge Demo-
kratie zu entwickeln. Eine Demokratie steht nicht von einem
Tag auf den anderen. Aber in Nicaragua hat man sich auf
diesen Weg gemacht und ist schon weit gekommen, bei
allen Fehlern, die passiert sind, die passieren müssen bei
einem solchen Prozess. Man ist weit gekommen, es sind
ungeheuer eindrückliche Leistungen vollbracht worden: im
Gesundheitswesen, im Bildungswesen, in der Agrarreform.
Das ist international anerkannt, und daran gibt es keine
Zweifel, ausser man stützt sich auf ausserordentlich dubiose
Quellen oder man lügt ganz bewusst.
Wir sollten für diese junge Demokratie Verständnis haben.
Auch wir sind ein kleines Land, auch wir haben unsere
Unabhängigkeit und unsere Demokratie hart erkämpft. Wir
sollten alles Verständnis haben für ein kleines Land, das auf
diesem gleichen, beschwerlichen Weg heute am Beginn
steht. Wenn Sie die Situation in Nicaragua vergleichen mit
dem übrigen Zentralamerika, müssten Sie- wenn Sie eini-
germassen ehrlich sind - sagen, dass dort vergleichsweise
idyllische Zustände herrschen, verglichen mit Guatemala,
mit El Salvador, sogar mit Honduras, ganz zu schweigen von
vielen lateinamerikanischen Ländern. Gewiss leben die
Nicaraguaner heute in grosser Armut, und daran sind nicht
zuletzt die USA schuld, und ich möchte nicht, dass wir uns
auch noch weiter daran schuldig machen. Diese Leute leben
in grosser Armut, aber, Herr Sager, Herr Reich, Herr Stucky:
Diese Leute werden nicht nachgeben: No pas aran! Sie
werden nicht nachgeben. Sie haben zu lange gelitten unter
der Diktatur, unter der Verletzung der Menschenrechte. Sie
sind gewillt, das, was sie 1979 erkämpft haben, weiterzuver-
folgen, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Ver-
fallen Sie bitte nicht in den Fehler, alles durch die Ideologie-
brille «Ost-West», «Kommunismus-Antikommunismus» zu
sehen. Diese Optik stimmt nicht, es ist eine unmenschliche
Brille. Sie werden der Realität in Nicaragua und in ganz
Zentralamerika nicht gerecht. Ich hoffe, Herr Sager, dass
Sie, wenn Sie das nächste Mal in Nicaragua sind - und dann
mehr als drei Tage - sich dann wirklich mit den Leuten
unterhalten, dass Sie spüren, was für ein Klima dort
herrscht. Es ist ein Klima der Freiheit. (Glocke des Präsiden-
ten) Und gehen Sie dann auch in die anderen Länder und
schauen Sie, was dort für ein Klima der Repression herrscht,
in diesen Ländern, die Sie als Demokratien anschauen und
die wir hier unterstützen.
M. Butty: Si j'interviens dans ce débat c'est que, dans les
circonstances actuelles, il prend une importance considéra-
ble pour plusieurs pays du monde, même les plus éloignés
et en particulier pour les pays d'Amérique centrale.
Le Conseil fédéral - je m'exprime aussi au nom du groupe
démocrate-chrétien - n'a pas à porter des appréciations
politiques concernant la situation de certains pays, notam-
ment en Amérique centrale et plus précisément au Nicara-
gua. Or dans le postulat qui nous est proposé par le groupe
socialiste, aux paragraphes 1 et 2, il y a des allusions d'ordre
purement politique, à savoir: «L'immixtion étrangère dans
les affaires intérieures du pays est toujours plus profonde.»
Paragraphe 2: «C'est pourquoi nous prions le Conseil fédé-
ral d'accorder la plus grande attention à l'évolution politique
au Nicaragua. Nous l'invitons de plus à condamner l'ingé-
rence étrangère dans ce pays et à tout entreprendre, dans
les limites de ses possibilités, pour appuyer des efforts
visant à sauvegarder la paix...».
C'est à l'évidence l'aspect politique qui fait l'objet des para-
graphes 1 et 2. Nous estimons qu'il ne serait pas normal que
notre pays porte de telles appréciations. Cela n'est pas sa
tâche. Le 3
e
paragraphe, en revanche, qui parle d'aide, d'un
soutien accru d'ordre humanitaire et de coopération techni-
que au Nicaragua, concerne un tout autre aspect, que nous
pouvons accepter et que nous sommes même prêts à sou-
tenir.
Plusieurs d'entre nous ont été surpris de constater que la
délégation, au nom de laquelle semble-t-il deux de nos
collègues viennent de s'exprimer- on avait déjà pu lire ou
entendre leurs commentaires sur ce qu'ils ont vu lors de leur
visite en Amérique centrale - s'exprime dans des conditions
qui portent des appréciations que l'on croirait émises par un
groupe d'enquête officiel, alors que c'est à titre privé qu'ils
se sont rendus dans ces pays d'Amérique centrale.
Je suis surpris d'entendre que seul le Nicaragua respecte les
droits de l'homme et qu'on cite par exemple le Salvador
comme étant un pays où ces droits ne sont pas respectés.
Nous ne voulons pas prétendre qu'au Salvador tout soit
idéal, mais nous savons en tout cas que, par rapport au
Nicaragua, les élections au Salvador se sont déroulées de la
manière la plus démocratique possible pour un pays où sévit
une guérilla.
Monsieur Borei, contrairement à ce que vous venez de
prétendre, car vous avez parlé de gouvernement d'extrême-
droite, il ne faudra pas confondre Napoléon Duarte avec le
Major d'Aubuisson. C'est lui qui est d'extrême-droite, quant
à Duarte, c'est un démocratie-chrétien, un centriste qui
essaie de réaliser une politique d'ouverture au Salvador. Il
poursuit ses efforts de contact avec la guérilla.
La Suisse à l'époque, avec la collaboration de l'Eglise catho-
lique, a tenté de favoriser des rapprochements et des con-
tacts humains entre la guérilla et le gouvernement de Napo-
léon Duarte. Ce n'est donc pas du tout un gouvernement
d'extrême-droite et je suis inquiet, lorsque j'entends vos
rapports, que vous puissiez pareillement vous tromper sur le
Salvador.
On peut dans ces conditions se poser des questions quant à
votre crédibilité lorsque vous parlez du Nicaragua. Il y a
d'ailleurs au Nicaragua un parti d'opposition important qui a
refusé de participer aux élections. A notre avis, il n'y a pas
plus de démocratie au Nicaragua qu'au Salvador.
Soutenir le régime sandiniste est votre droit, mais il ne serait
pas normal que notre pays, notre gouvernement, porte une
appréciation officielle de caractère politique à l'égard de ces
pays, en particulier sur le Nicaragua. Lorsqu'il est question
d'ingérence extérieure, nous savons que c'est avant tout aux
Etats-Unis qu'il est fait allusion. On ne fait pas allusion à
l'Union soviétique ou à Cuba.
Or nous avons vu, et M. Sager peut en témoigner, lors des
débats sur le rapport concernant l'Amérique latine à l'As-
semblée parlementaire du Conseil de l'Europe, combien
certains parlementaires ont toujours cherché à mettre en
accusation les Etats-Unis, en Amérique centrale et en Améri-
que latine, mais jamais Cuba ou l'Union soviétique.
Toute ingérence extérieure doit être condamnée; il faut
surtout essayer de soutenir les populations. C'est dans ce
sens que nous appuierons le 3
e
paragraphe, qui parle d'une
extension, d'une amélioration, dans le cadre de ce qui se fait
également pour les autres pays d'Amérique centrale en
matière de coopération technique et d'aide humanitaire, et
pas seulement pour le Nicaragua.
Pour avoir un intérêt, un débat de ce genre doit démontrer à
la fois le caractère objectif de l'intervention de notre pays,
les limites qu'il doit se fixer sur le plan politique et l'efficacité
qu'il doit avoir sur le plan humanitaire et de la coopération
technique. Nous dirons oui au 3
e
paragraphe et nous vous
prions, Monsieur le Conseiller fédéral, de ne pas accepter
les deux premiers paragraphes qui sont de caractère pure-
ment politique.
Bäumlin: Zunächst möchte ich sagen, dass mir der dritte
Absatz des Postulates weitaus am wichtigsten ist. Dort geht
es um die effektive Hilfe. Den Streit um die beiden ersten
Absätze verstehe ich nicht. Ich bin allerdings entsetzt dar-
über, wie sich zum Beispiel Herr Sager- insbesondere er-
praktisch zum Sprachrohr der CIA-Propaganda der Ver-
einigten Staaten macht, auch wenn er die Dinge anderswo
her hat. Herr Sager hat offenbar ein so geschlossenes Welt-
- Juni 1985 N
803
Postulat der sozialdemokratischen Fraktion
bild, dass er nicht in der Lage ist, konträre Erfahrungen
aufzunehmen. Es ist viel Unsinniges gesagt worden, das
leicht widerlegt werden könnte. Doch kann ich nicht auf
Einzelheiten eintreten. Es ist nicht ein Ausweichen, ich habe
einfach nicht die Zeit dafür.
Was die USA-Intervention betrifft, so bitte ich Sie ernstlich,
zur Kenntnis zu nehmen, dass man sich zum Beispiel durch
ein Buch von James Chace (Krieg ohne Ende. Die Machlpo-
litik der USA in Mittelamerika, Kindler-Verlag, München
- orientieren kann. Chace war lange Zeit Redaktor von
«Foreign affairs», einer angesehenen USA-Zeitschrift für
Aussenpolitik. Dieser Autor weist die Aggressionen, die
noch und noch von seilen der grossen Macht im Norden
stattgefunden haben, im einzelnen nach. Er ist ein USA-
Bürger, ein Mann von Rang.
Die Verminung der Häfen war klar völkerrechtswidrig. Auch
die Unterstützung der Contras verstösst gegen positives
Völkerrecht, denn sie ist erfasst von der Definition der
Aggression in der massgebenden UNO-Résolution.
Ich kann nur auf weniges eingehen. Ich werde die Wahlen
erwähnen. Ich bin während der Wahlen in Nicaragua gewe-
sen - eine Woche vorher und eine Woche nachher. Sie
wollen mir wohl nicht sagen, ich hätte nicht festgestellt, was
ich eben feststellen konnte! Leider gibt es noch und noch
Leute, die nicht wissen wollen, was man wissen könnte,
wenn man nur wollte, wenn die ideologischen Barrieren
nicht so total wären. Ich habe keine Freude an einer ideolo-
gischen Debatte, wie sie jetzt hier ausgetragen wird. Was mir
aber vor allem zusetzt, ist die Erinnerung an die Menschen
in Nicaragua, an die einfachen Menschen in den Armenvier-
teln der Städte, denen es jetzt besser geht. Ich denke an die
armen Menschen in ländlichen Kooperativen, wo die
Schweiz gute Entwicklungshilfe leistet. Ich habe ihre
Gesichter in Erinnerung. Und dann lese ich von den Überfäl-
len der Contras, dieser Verbrecherbanden, auf ländliche
Kooperativen und auf Gesundheitszentren. Diese Mordbu-
ben gehen dem Militär nach Möglichkeit aus dem Weg, um
sich dann gegen Zivilpersonen und Einrichtungen des
sozialen Aufbaues zu wenden. Wenn ich engagiert und
empört wirke - ich bin es! - so nicht aus Freude an ideologi-
scher Auseinandersetzung, sondern weil ich weiss, wie es in
Nicaragua zugeht und weil ich die Leute, die Gesichter der
Frauen, Kinder und Männer sehr deutlich vor mir sehe. Nun
wird hier so oberflächlich kolportiert! Dass zum Teil bewusst
gelogen wurde, nehme ich bei unseren Kollegen nicht an,
aber es wird falsch informiert. Das ist skandalös.
Zum Problem Wahlen: Die sogenannte Coordinadora-
Gruppe - das sind die Rechtsparteien, die nicht an den
Wahlen teilgenommen haben - hatte früher immer Wahlen
verlangt. Als sie dann etwa im Januar angekündigt wurden,
ging es ihnen plötzlich zu schnell. Sie wollten die Wahlen
dann doch nicht und haben die unmögliche Bedingung
gestellt, man solle im Hinblick auf die Wahlen das Gespräch
mit den Mordbuben aufnehmen. Eine derartige - unmögli-
che! - Forderung würde sich die Schweiz in einer analogen
Situation auch nicht gefallen lassen! Die Coordinadora-
Gruppe hat von Anfang an gewusst, dass sie ohne Chance
sein würde. Die Wahlergebnisse haben das bestätigt. Die
Wahlen waren ruhig; in der ersten Phase des Wahlkampfes
hat es Zwischenfälle gegeben. Es wurde dann für Ordnung
gesorgt. Zur Zeit der Stimmabgabe war ich in etwa zehn
Wahllokalen. Ich war während der ganzen Dauer der Aus-
zählung in vier Wahllokalen. Ich habe meine Erfahrungen
mit sehr vielen anderen Wahlbeobachtern austauschen kön-
nen; unser Urteil ist eindeutig.
Gewiss gibt es gewisse Freiheitsbeschränkungen. Nicara-
gua befindet sich im Zustand eines unerklärten und grausa-
men Krieges. Es gibt eine Pressezensur gegenüber der
«Prensa», die sich aber in Grenzen hält. Militärisches darf
nicht unzensiert passieren, auch, was wichtig ist für die
Aufrechterhaltung der Wirtschaft, insbesondere der Versor-
gung. Zensurbehörden sind freilich meines Erachtens fast
per Definition dumm und neigen zum Übermarchen. Aber es
ist ein Übermarchen in einer Notsituation. Die Schweiz hat
während des letzten Weltkrieges auch eine Pressezensur
gehabt; wenn sie heute in Nicaragua stattfindet, ist das
bedauerlich; aber sie ist leicht zu erklären, wenn man weiss,
dass damit zu rechnen ist, dass die «Prensa» in eine eigentli-
che Destabilisierungskampagne einbezogen ist, so wie sei-
nerzeit «El Mercurio» in Chile. Hinterher wird dies, was Chile
betrifft, sogar von amerikanischer Seite zugegeben. Man
gibt es also für damals zu, entschuldigt sich, «das sei leider
passiert» -, betreibt aber anderswo wiederum ähnliche De-
stabilisierungspraktiken.
Nun komme ich zum Text unseres Postulates. Der erste
Absatz ist eine in das Problem einführende Beschreibung. In
Absatz 2 verlangen wir, dass der Bundesrat der Entwicklung
in Nicaragua grösste Aufmerksamkeit schenken solle. Hof-
fentlich tut er das auch ohne die Aufforderung eines Postu-
lates - es ist ziemlich selbstverständlich. Etwas «Subversi-
ves» ist in dieser Forderung nicht enthalten. Darf der Bun-
desrat nicht einmal prüfen, wie die Dinge wirklich stehen?
Soll er in dieser Richtung blind sein? Herr Stucky, ich bin
sehr mit Ihnen einverstanden, dass wir eine klare Position zu
beziehen haben, indem wir das Unrecht auf der einen wie
auf der anderen Seite verurteilen. Das ist auch meine Auffas-
sung, und ich bleibe zum Beispiel nichts schuldig, wenn es
um Afghanistan geht!
Aber ich käme mir unglaubwürdig vor, wenn ich über die
Russen schimpfen, über das von den USA zu verantwor-
tende Elend in anderen Gebieten der Welt hingegen schwei-
gen würde. Nein, das geht so nicht!
Auf die Verurteilung der USA-Intervention in Zentralamerika
lege ich jetzt nicht so grosses Gewicht. Der Bundesrat ist ja
nicht sehr mutig. Er hat sich inzwischen im von uns
gewünschten Sinne geäussert, und ich danke dafür. In die-
sem Punkt kann man also unser Postulat abschreiben. Der
Bundesrat hat nämlich die Verminung der Häfen verurteilt.
Beim Handelsembargo macht die Schweiz nicht mit. Danke!
Wir haben weiter gefordert, dass der Bundesrat die Conta-
dora-Gruppe unterstützen solle. Das tut er. Auch in diesem
Punkt ist das Postulat erfüllt. Nur nützt das vielleicht nichts,
weil die Friedensbemühungen von Contadora immer wieder
ins Stocken kommen, immer wieder misslingen. Warum?
Weil die USA dieses Vermittlungswerk nicht wollen! Das ist
von seilen der US-Administration zugegeben worden. Die
Administralion hat sich gerühmt, sie hätle gewisse Slaalen
Zenlralamerikas dazu gebracht, dieses Vertragswerk lelzlen
Herbst nicht zu unlerschreiben. Das kann man nicht bestrei-
ten. Was ich sage, ist nicht antiamerikanische Heize, son-
dern es sind Talsachen. Die USA haben noch nie ein wirklich
kolleklives Syslem der Sicherung in Laleinamerika akzep-
liert. Sie haben immer einseilige Friedensbedingungen dik-
lieren wollen.
Wichlig isl also der Absalz 3! Ich hoffe, dass Herr Bundesral
Auberl über die Enlwicklungsarbeil, die schon heule im
Gange ist, informiert. Es isl eine hervorragende Enlwick-
lungsarbeil. Einige Punkle daraus: Gefördert werden ländli-
che Projekle, Kooperativen, Wiederaufbau von Dörfern,
Wasserversorgungen. Ich sähe grosse Aufgaben in der Wie-
deraufforstung. Hier wird eine enorme Arbeit mit beschei-
denslen Milleln geleislel. Im Jahre 1983 hai Nicaragua zum
Beispiel von 400 Mio. Dollar verfügbaren Devisen elwa
deren 85 in die Wiederaufforslung inveslierl. Bei dem gros-
sen Druck, unier welchem das Land slehl, angesichls der
Aggression von aussen her, muss heule elwa die Hälfte der
verfügbaren Miltel in die Verteidigung gesteckt werden,
womit jede Aufbauarbeil erschwert wird.
Ich verlange nur eine Prüfung der Möglichkeilen, die
Entwicklungshilfe auszubauen. Ich bin dankbar dafür, dass
der 3. Absatz des Postulais auch von der CVP unlerslülzl
wird. Herr Reich hai sich auch nichl dagegen ausgespro-
chen. Absätze 1 und 2 sind mir weniger wichtig. DerBundes-
rat wird ohnehin die Vorgänge in Zentralamerika weiterhin
zu beobachten haben.
Reich: Zunächsl ein Wort zu Herrn Herczog. Sie haben sehr
fulminanl argumentiert gegen Ausführungen, die ich zum
grossen Teil nicht gemacht habe. Ich habe nichl für eine
Slrangulalion Nicaraguas und auch nichl zur amerikani-
Postulat du groupe socialiste
804
N 3 juin 1985
sehen Politik gesprochen. Ich habe zu unserer Bewertung
der Situation in Nicaragua gesprochen und mich im übrigen
zur humanitären Hife in Nicaragua bekannt. Nur eine Zahl
dazu, die Sie auch wissen müssten: 1979 bis 1983 sind
insgesamt 2,6 Milliarden Dollar an wirtschaftlicher Hilfe -
ohne die militärische Hilfe der Russen, der weiteren Oststaa-
ten und der Kubaner - nach Nicaragua gegangen. 2,09
Milliarden davon stammten aus westlichen Ländern und aus
westlichen multilateralen Organisationen. Man soll mir also
nicht sagen, der Westen habe von Anfang an versucht,
Nicaragua zu strangulieren. Nicaragua hat sich wirtschaft-
lich selbst stranguliert, indem es die Basis der nationalen
sandinistischen Revolution untergraben hat.
Frau Robert, ich verstehe schon, dass Sie nicht mehr so
viele Leute aus den bürgerlichen Lagern und aus den
gemässigten sozialdemokratischen Kreisen finden. Sie sind
ausser Landes getrieben worden. Diese ganze Basis ist
erodiert worden. Frau Robert, ich weiss nicht, war es eine
Unterlassung oder haben Sie differenziert: Sie haben mich
bei Ihrem ersten personellen Rundschlag nicht erwähnt. Ich
fühle mich aber solidarisch mit Herrn Sager und Herrn
Stucky. Sie sagen, Herr Sager verstehe zwar etwas vom
Osten, nicht aber vom Westen. Frau Robert, totalitär ange-
legte Systeme sind im Osten wie im Westen gleich. Herr
Bäumlin, wir kennen uns lange genug, dass Sie wissen, dass
ich mich jahrelang professionell mit dem Totalitarismus
beschäftigt habe. Ich sehe auch heute noch rasch genug,
wer im Diamat geschult worden ist und wer nicht. Wenn Sie
mit den Comandantes in Nicaragua diskutieren, wissen Sie
nach fünf Minuten, was los ist. Sie sind dialektisch hervorra-
gend geschult, und zwar im marxistisch-leninistischen
Geist.
Im übrigen möchte ich nochmals klar und deutlich sagen -
und Herr Sager schliesst sich dieser Meinung nun an - : Wir
sind uns einig in der Bewertung des politischen Systems in
Nicaragua. Dazu können wir uns nicht bekennen. Da sind
Tendenzen drin, die in die Irre geführt haben und weiterhin
in die Irre führen werden. Wir bekennen uns aber anderer-
seits dazu, dass diese Bevölkerung materielle Hilfe braucht.
Wir unterstützen die bisherige Politik des Bundesrates wei-
terhin. Man kann sie auch ausbauen, sofern gewährleistet
ist, dass mit dieser humanitären Hilfe kein Missbrauch
getrieben wird.
In diesem Sinne beantrage ich Ihnen, auch im Einverneh-
men mit Herrn Sager, nur Absatz 3 des Postulates der
sozialdemokratischen Fraktion zu überweisen. Materiell hat
sich der Bundesrat ja in gleichem Sinne geäussert. Er hat
das - glaube ich - der Einfachheit halber auf das ganze
Postulat ausgedehnt und sich damit etwas ins Offside ge-
stellt.
Präsident: Das Wort zu einer persönlichen Erklärung hat
Herr Sager.
Sager: Frau Robert hat mich hier der Lüge bezichtigt. Ich
habe selbstverständlich nicht gelogen. Nur kann ich sie
nicht ins Recht fassen, weil sie von diesem Pult aus spre-
chend unter dem Schütze der parlamentarischen Immunität
steht. Wenn sie darauf verzichtet, werde ich sie ins Recht
fassen und dann den Nachweis erbringen. Sie werden dann
entscheiden können, wer gelogen hat.
M. Aubert, conseiller fédéral: Permettez-moi, de regretter la
politisation qui est faite de notre aide publique au dévelop-
pement dans cette région du monde qui a besoin de paix,
comme plusieurs Etats l'ont compris, les Etats dits de «Con-
tadora», j'ai eu le privilège l'an dernier d'en visiter trois sur
quatre, à savoir le Venezuela, la Colombie et le Mexique.
J'aimerais vous rappeler l'intérêt que porte à cette région du
monde les Etats membres et candidats de la Communauté
européenne qui se sont déjà rencontrés à San José de
Costa-Rica pour tenter de trouver une solution pacifique aux
conflits dans cette région. Je voudrais mentionner les appels
que nous avons adressés au Comité des Ministres du Con-
seil de l'Europe - M. Butty et d'autres encore en ont parlé
tout à l'heure - appels que nous avons lancés pour que
l'Europe démocratique se préoccupe elle aussi de tous les
moyens envisageables pour que la paix règne en Amérique
latine et en Amérique centrale.
C'est le 31 août 1984 que le Conseil fédéral s'est prononcé
sur ce postulat et il n'a pas voulu à cette époque porter de
jugement politique. Accepter le 3" paragraphe du postulat
c'est en quelque sorte aller dans le sens de la réponse du
Conseil fédéral qui est la suivante: «Le Conseil fédéral est
prêt à accepter le postulat dans le sens de l'octroi d'une aide
humanitaire identique à celle qu'il accorde à d'autres pays.»
Il s'agissait alors de discuter d'aide humanitaire, en plus de
la coopération technique qui est également implicitement
citée dans le 3
e
alinéa de ce postulat. Le Conseil fédéral ne
pouvait pas aller plus loin.
J'aimerais rappeler que le Honduras et le Nicaragua sont les
deux pays les plus pauvres d'Amérique centrale. Le Salva-
dor et le Costa-Rica, M. Sager, sont des pays moins pauvres.
On ne peut pas les comparer au Honduras et au Nicaragua.
Ces deux pays correspondent au critère de priorité de notre
loi fédérale sur la coopération au développement et l'aide
humanitaire internationales. Au Nicaragua, le volume de
notre aide a été augmenté à 5 millions annuellement et ces
projets d'aide que nous appuyons visent essentiellement le
développement rural, la production agricole, la santé, l'infra-
structure, l'éducation et l'artisanat.
Nous avons accordé une aide dans trois directions: d'une
part, nous collaborons directement avec le gouvernement
du Nicaragua pour trois projets: premièrement, le dévelop-
pement agricole dans la région de EstelÌ (appui financier et
technique aux coopératives agricoles); deuxièmement, l'ap-
provisionnement en eau potable en milieu rural dans la
région de Esteli (puits, captage de sources, etc); et troisiè-
mement, le développement multisectoriel dans le départe-
ment de Chinandega (aide financière et coopération tech-
nique).
D'autre part, dans la deuxième direction, nous appuyons
une série de petits projets de développement par des cofi-
nancements d'œuvres d'entraide suisses: Swissaid, Swiss-
contact, EPER, Œuvre suisse d'entraide ouvrière, ainsi que
par le biais d'un fonds suisse auprès de la Banque interamé-
ricaine de développement.
En outre, le Nicaragua bénéficie de projets régionaux aux-
quels nous participons tels que celui du CIAT en Colombie
(que j'ai visité), le programme régional de culture de pom-
mes de terre, celui de maïs ainsi qu'un centre pour la
recherche et l'enseignement de l'agriculture tropicale au
Costa-Rica. Il y a là des programmes internationaux qui
profitent également au Nicaragua ainsi qu'aux autres pays
d'Amérique centrale.
Enfin dans la troisième direction: c'est l'aide humanitaire. Le
Conseil fédéral en acceptant ce postulat sous cette forme a
décidé d'accorder à ce pays une aide, dont il a besoin, au
moins égale à celle que nous accordons aux autres pays tels
que le Honduras.
Nous avons contribué financièrement aux œuvres du
Comité international de la Croix-Rouge, de la Croix-Rouge
suisse, de l'Œuvre suisse d'entraide ouvrière en 1984, pour
un montant relativement modeste de 800 000 francs. Mais la
«réalité» on en a parlé tout à l'heure - c'est que nous devons
constater que nous avons obtenu au Nicaragua des résultats
très satisfaisants. La collaboration avec les autorités et avec
les populations locales est excellente. Le pays fournit un
effort important. Nous avons, en particulier, constaté une
volonté d'engagement et d'initiative de la part des popula-
tions bénéficiaires, de la part des organisations privées et
des institutions étatiques avec lesquelles nous travaillons.
Cette volonté de la population du Nicaragua d'assurer elle-
même son propre développement rend l'aide que nous lui
apportons beaucoup plus utile.
Aussi avons-nous l'intention de poursuivre cette aide au
sens de notre loi fédérale. Nous envisageons même la possi-
bilité de renforcer notre soutien à un certain nombre d'acti-
vités visant à promouvoir la coopération non plus avec le
seul Nicaragua mais avec un certain nombre de pays de la
- Juni 1985 N
805
Postulat Schärli
région et nous étudions à cette fin plus spécialement un
programme régional de santé qui nous a été soumis par une
délégation de ministres de plusieurs pays d'Amérique cen-
trale et d'Amérique latine. Nous pensons ainsi contribuer
utilement non seulement à la coopération au développe-
ment, à la coopération régionale, en Amérique centrale,
mais également et surtout à la détente et à la paix entre les
pays de cette région.
Präsident: Sie haben zu entscheiden. Der Bundesrat ist
bereit, das Postulat im Sinne der Gewährung humanitärer
Hilfe entgegenzunehmen, wie er sie auch anderen Staaten
zukommen lässt.
Herr Reich beantragt Ihnen, die Absätze 1 und 2 abzulehnen.
Hingegen ist er einverstanden mit der Überweisung von
Absatz 3.
Abs. 3-AI. 3
Überwiesen - Transmis
Abs. 1 und 2-AI. 1 et 2
Abstimmung - Vote
Für die Überweisung von Absatz 1 und 2 49 Stimmen
Dagegen 104 Stimmen
#ST# 84.594
Postulat Schärli
Hungergebiete. Nahrungsmittelhilfe
Famines en Afrique. Aide alimentaire
Fortsetzung - Suite
Siehe Seite 731 hiervor - Voir page 731 ci-devant
Präsident: Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegen-
zunehmen. Es wird von Frau Gurtner bekämpft. Sie hat das
Wort.
Frau Gurtner: Wir lehnen das Postulat ab. Herr Schärli
möchte in seinem Postulat, dass soweit als möglich Nah-
rungsmittel statt Geldbeträge in die Hungergebiete zu sen-
den seien, weil er der Meinung ist, dass sich unsere einhei-
mischen landwirtschaftlichen Produkte im besonderen
Mass für die Nahrungsmittelhilfe eignen und eher als Geld
die wirklich notleidende Bevölkerung erreichen. Die Entge-
gennahme des Postulates durch den Bundesrat steht im
Widerspruch zum Postulat der Kommission für auswärtige
Angelegenheiten, das wir vorhin vor der Nicaragua-Debatte
behandelt haben. Das Postulat der Kommission für auswär-
tige Angelegenheiten beinhaltet ja gerade - ich wiederhole -
erstens, dass die Nahrungsmittelhilfe die Eigenproduktion
in den Empfängerländern nicht beeinträchtigt; zweitens,
dass sie keine dauerhafte Importabhängigkeit erzeugen soll;
drittens, dass die Nahrungsmittel wenn immer möglich im
Empfängerland selbst oder in der Region zu beschaffen
seien; und viertens, dass von der Lieferung von Nahrungs-
mitteln, die den lokalen Konsumgewohnheiten der Bevölke-
rung widersprechen, abzusehen sei. Herr Schärli möchte
das Nützliche, den Hungernden zu helfen, mit dem Ange-
nehmen verbinden. Ich habe schon vorhin in der Stellung-
nahme zum Rahmenkredit für humanitäre Hilfe, angetönt,
dass die von Herrn Schärli anvisierte Verdreifachung der
Milchpulverhilfe die Milchrechnung um volle 30 Millionen
Franken pro Jahr aufbessern würde, weil das Milchpulver
der humanitären Hilfe nicht zu den tiefsten Weltmarktprei-
sen, sondern zu weit höheren Schweizer Preisen belastet
wird. Nahrungsmittelhilfe wird so zur Entwicklungshilfe für
Schweizer.
Die Nahrungsmittelhilfe der Schweiz betrug 1981 bis 1983
113 Tonnen im Wert von 152,3 Millionen Franken. Davon
betrug die Lieferung von schweizerischen Milchprodukten,
Milchpulver und Schmelzkäse etwa 60 Prozent, Getreide
ungefähr 30 Prozent, andere Produkte - wie Weissfischkon-
serven -10 Prozent.
Diese gängige Form der Nahrungsmittelhilfe wird von ver-
schiedenen Hilfswerken kritisiert. So zum Beispiel Terre des
hommes Deutschland bezüglich der Nahrungsmittelknapp-
heit in den verschiedenen Gebieten Afrikas, ich zitiere:
«Weizen und Milchpulver sind keine afrikanischen Nah-
rungsmittel. Langjährige Hilfen haben die Ernährungsge-
wohnheiten verändert. Statt nährstoffreicher Hirse, Sorg-
hum oder Mais selbst anzubauen, sind viele Länder inzwi-
schen vom Import minderwertigen Weizens abhängig.»
Unsere Getreidehalden, Milchseen und Fleischberge sind
kein Ausweg für Afrika, werden sie doch auch durch billige
Futtermittel aus eben diesem Afrika erst ermöglicht.
Die Annahme des Postulates würde sämtlichen entwick-
lungspolitischen Grundsätzen, die in den letzten Jahren
entwickelt worden sind und auf immer breitere Unterstüt-
zung stossen, widersprechen. Die Probleme der Nahrungs-
mittelhilfe generell sollen eben im Rahmen des vorhin über-
wiesenen Postulates von der Kommission für auswärtige
Angelegenheiten überprüft werden.
Ich bitte Sie, das Postulat abzulehnen.
Müller-Scharnachtal: Ich möchte Sie bitten, das Postulat zu
überweisen, und zwar aus folgenden Gründen. Wir haben
heute verschiedentlich Kreise gehört, die dem Bundesrat
vorwerfen, durch den Einsatz von Hilfsgütern aus dem eige-
nen Lande würde der Sache grosser Schaden zugefügt.
Man müsse, wenn schon, auf den Märkten des Katastro-
phengebietes selbst einheimische Produkte einkaufen und
an die notleidenen Flüchtlingszentren verteilen. Dazu ist zu
sagen, dass diesem Anliegen entsprochen wird. Das ist auch
der Grund, weshalb wir heute das Kommissionspostulat
überwiesen haben, aber eben: Das ist nur möglich wenn
solche Güter in entsprechenden Mengen überhaupt
beschafft werden können und zudem das Preisgefüge nicht
in Unordnung gebracht wird. Da wir es in diesen Lagern
praktisch durchwegs mit ausgehungerten Flüchtlingen zu
tun haben, kann mit einheimischen Produkten in der Regel
das Ziel einer möglichst raschen Auffutterung und Gesun-
dung der Empfänger nicht erreicht werden. Statt einer stark
kohlehydrathaltigen einseitigen Nahrung braucht es
eiweisshaltige Produkte und Fette. Da aber Eiweiss und Fett
in praktisch allen Katastrophenländern absolute Mangel-
ware darstellen - in Indien müssen sie fünf Tage lang arbei-
ten, um einen einzigen Liter Öl kaufen zu können -, bleibt
gar nichts anderes übrig, als die lokalen Ernährungsmög-
lichkeiten durch zugeführte Produkte zu ergänzen. Dass
Herr Schärli dabei nur bekömmliche und von den Flüchtlin-
gen akzeptierte Nahrungsmittel gemeint hat und meint, ist
eine Selbstverständlichkeit. Erst ein körperlich wiederherge-
stellter Flüchtling ist in der Lage, Hand zu einer Hilfe zur
Selbsthilfe zu bieten.
Mit diesem heute beschlossenen Rahmenkredit verfolgen
wir dieses Ziel in vollem Masse. Tragen wir so gut als
möglich zur Linderung unerträglicher Zustände auf dieser
Welt bei und schöpfen wir die Möglichkeiten, die das Postu-
lat Schärli eröffnet, aus.
Schärli: Wie wir alle wissen, gibt es Entwicklungsländer, in
denen tatsächlich grosse Hungersnot herrscht. Wir initiieren
dort laufend langfristige Projekte zur eigenständigen Ernäh-
rung der Einwohner, und trotzdem ist in den nächsten ein
bis fünf Jahren diese Nahrungsmittelhilfe nötig, weil die
längerfristigen Projekte eben noch nicht greifen. Und da,
meinen wir, soll von unserem Überfluss abgegeben werden.
Es ist doch paradox, dass wir nicht wissen, was wir mit
unserer Überproduktion an Nahrungsmitteln machen sollen
und andererseits Millionen von Menschen verhungern, nur
weil wir nicht kurzfristig mehr von dieser Überproduktion
abgeben. Es geht dabei nicht um das eine oder andere, es
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Postulat der sozialdemokratischen Fraktion Nicaragua. Verstärkung der Hilfeleistung
Postulat du groupe socialiste Nicaragua. Renforcement de l'aide
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans
Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In
Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1985
Année
Anno
Band
III
Volume
Volume
Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
01
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
83.447
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
03.06.1985 - 14:30
Date
Data
Seite
798-805
Page
Pagina
Ref. No
20 013 418
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