- Juni 1985 N
1219
Publikationsgesetz
#ST# 83.058
Publikationsgesetz
Loi sur les publications
Botschaft und Gesetzesentwurf vom 29. Juni 1983 (BBI III, 429)
Message et projet de loi du 29 juin 1983 (FF IM, 441)
Antrag der Kommission
Eintreten
Proposition de la commission
Entrer en matière
Fischer-Hägglingen, Berichterstatter: Mit dem vorliegenden
Gesetz sollen Fragen, die sich in der Gesetzgebung immer
wieder stellen, neu geregelt werden. Es geht darum, wie und
in welcher Form Gesetze zu veröffentlichen sind, wann sie in
Kraft zu treten haben und welche Rechtswirkungen sich
daraus ergeben. Zusätzlich ist die Frage zu beantworten,
welcher Text verbindlich sein soll, eine Frage, die sich vor
allem in einem Land stellt, das mehrere Amtssprachen
kennt.
Die heutige Ordnung ist im Laufe der Zeit etwas unüber-
sichtlich geworden. Sie stützt sich auf verschiedene Rechts-
erlasse und entspricht nicht mehr in allen Teilen den verän-
derten Gegebenheiten. Die heutige Gesetzgebung weist ver-
schiedene Mängel und Lücken auf. Ich verweise auf Ziffer 13
Seite 7 der Botschaft. Die in verschiedenen Erlassen enthal-
tenen Bestimmungen werden in einem einzigen Gesetz
zusammengefasst. Neben dem im Vordergrund stehenden
Rechtskraftgesetz aus dem Jahre 1948 und dem 8. Abschnitt
des Geschäftsverkehrsgesetzes aus dem Jahre 1962 gelten
heute eine Vielzahl von Verordnungen. Sie können diese
Aufzählung der heute gültigen Erlasse in Ziffer 12 auf Seite 5
nachlesen und werden feststellen müssen, dass sich eine
Zusammenfassung aufdrängt.
Wir kennen bekanntlich drei hauptsächliche Publikationsor-
gane 'im Bund, nämlich die Sammlung der eidgenössischen
Gesetze, AS genannt, in der fortlaufend alle neuen rechtset-
zenden Erlasse aufgenommen werden, dann die Systemati-
sche Sammlung des Bundesrechts, SR genannt, die das
ganze geltende Recht nach sachlichen Gesichtspunkten
gliedert, und als drittes das Bundesblatt, BBI genannt, als
zentrales Publikationsorgan des Bundes, das sich einerseits
an die eidgenössischen Räte richtet, andererseits aber auch
an die einzelnen Bürger, die Kantone und Gemeinden und
das fortlaufend die Botschaften, Berichte, Erlasse usw. des
Bundesrates veröffentlicht. Daneben gibt es noch eine
Anzahl besonderer Publikationsorgane des Bundes, wie das
«PTT-Amtsblatt» oder das «Eisenbahner-Amtsblatt».
Diese hier aufgeführten Publikationsorgane werden auch
unter der neuen Ordnung beibehalten. Neu werden nur ihr
Inhalt, ihre Funktion und ihre Wirkung umschrieben. Die
wesentlichen Änderungen und Merkmale sind die fol-
genden:
In der AS werden Landrecht, das internationale Recht und
das interkantonale Recht in getrennten Artikeln geregelt. Ich
verweise auf die Artikel 1,2 und 3. Mit dieser neuen Untertei-
lung kommt unter anderem auch die immer grösser wer-
dende Bedeutung des internationalen Rechts zum Aus-
druck. Bis jetzt fehlten genaue Kriterien für die Aufnahme
völkerrechtlicher Verträge. Es wurde irgendwie von Fall zu
Fall entschieden. In Artikel 2 wird nun genau umschrieben,
welche Verträge aufzuzählen sind. Bei den interkantonalen
Verträgen und Erlassen tritt insofern eine Erweiterung ein,
als auch Erlasse interkantonaler Institutionen aufgenommen
werden, die sich auf gesamtschweizerische oder regionale
interkantonale Vereinbarungen abstützen, sofern diese
Erlasse über blosses Vollziehungsrecht hinausgehen.
Bis jetzt muss bei allen Erlassen und Verträgen, die in die AS
aufgenommen werden, der volle Text veröffentlicht werden.
Vielfach enthalten solche Erlasse und Verträge sehr detail-
lierte, oft rein technische Bestimmungen, die sich zudem an
einen beschränkten Adressatenkreis richten. Daher soll
ermöglicht werden, derartige Erlasse und Verträge und neu
auch Beschlüsse internationaler Organisationen ausserhalb
der AS als Sonderdruck oder in einem anderen Publika-
tionsorgan zu veröffentlichen und sie in der AS nur noch mit
Titel sowie Bundesstelle und Bezugsquelle anzuzeigen.
Bei den Bestimmungen über die Veröffentlichung und
Inkraftsetzung wird grundsätzlich nichts geändert. Die
Erlasse sind mindestens fünf Tage vor ihrem Inkrafttreten zu
veröffentlichen. Neben den im Gesetz umschriebenen
Grundsätzen über die Inkraftsetzung sei vollständigkeitshal-
ber auf die Sonderbestimmungen hingewiesen: Artikel 123
Absatz 1 BV über das sofortige Inkrafttreten der Verfas-
sungsänderungen, Artikel 89bis BV bei dringlichen Bundes-
beschlüssen und Artikel 69 Absatz 1 des Geschäftsverkehrs-
gesetzes, wonach der Bundesrat Erlasse, deren Inkrafttreten
von den Räten nicht festgesetzt wurde, in Kraft setzt und
gleichzeitig mit dem Erlass bekanntmacht.
Neu geregelt und weiter gefasst sind die Bestimmungen
über die ausserordentlichen Bekanntmachungen in Frie-
denszeiten und bei kriegerischen Ereignissen. Am Grund-
satz, dass die Erlasse in der AS in den drei Amtssprachen
mit dem gleichen Ausgabedatum und am gleichen Tag
herauszugeben sind, wird nichts geändert. Dagegen wird
dem Bundesrat die Kompetenz eingeräumt, in Sonderfällen
auf die Übersetzung in eine andere Amtssprache zu verzich-
ten. Ich werde darauf in der Detailberatung bei Artikel 8
zurückkommen.
Neu vorgesehen ist, dass Erlasse auch in romanischer Spra-
che veröffentlicht werden können. Darüber werde ich Sie
ebenfalls in der Detailberatung orientieren.
Als massgeblicher Text gilt nach wie vor die in den drei
Amtssprachen in der AS veröffentlichte Fassung,.dabei wird
eine klare Umschreibung für das Landrecht, die völkerrecht-
lichen Verträge und Beschlüsse sowie für die Erlasse des
interkantonalen Rechts vorgenommen.
Die zentralste Frage eines Publikationsgesetzes ist die, wel-
che rechtliche Wirkung der Veröffentlichung zukommt. Die
in der Vorlage getroffene Lösung stützt sich auf die heute
vorherrschende Lehrmeinung ab und weicht von der bishe-
rigen Regelung in Artikel 9 des Rechtskraftgesetzes ab.
Erlasse, völkerrechtliche Verträge und internationale
Beschlüsse verpflichten den einzelnen nur, sofern sie nach
dem Publikationsgesetz bekanntgemacht worden sind. Die
Folgen der nicht rechtzeitigen Veröffentlichung beschrän-
ken sich nur darauf, dass ein Erlass unter Umständen
gegenüber dem einzelnen nicht durchgesetzt werden kann,
insbesondere, wenn dieser belastet wird oder ihm daraus
anderweitige Pflichten erwachsen. Die Publikation in der AS
ist nach wie vor als Abschluss und integrierter Bestandteil
des Rechtsetzungsverfahrens zu betrachten. Die auf ausser-
ordentliche Weise erlassenen Vorlagen werden in Artikel 10
Absatz 2 geregelt; Näheres dazu in der Detailberatung. Auf
das Einsichtsrecht des Bürgers werde ich ebenfalls in der
Detailberatung zu sprechen kommen.
Bei der Systematischen Sammlung des Bundesrechts tritt
eine wesentliche Änderung ein. Die SR ist in Zukunft nicht
mehr mit der negativen Rechtskraft ausgestattet. Das Prin-
zip der negativen Rechtskraft besagt, dass ein an einem
bestimmten Stichtag in der Sammlung nicht enthaltener
Erlass des Landrechts nicht mehr gilt. Der Wegfall der
negativen Rechtskraft der SR soll mit dem Inkrafttreten
dieses Gesetzes wirksam werden. Die Begründung für den
Wegfall ist in Ziffer 143 der Botschaft nachzulesen. Da in
Zukunft die AS den massgebenden Text epthält, ist es klar,
dass dieser die negative Rechtskraft zukommt.
Das dritte Publikationsorgan, das «Bundesblatt», soll eine
Erweiterung erfahren. Es soll vermehrt Einblick in die Tätig-
keit der Bundesverwaltung geben, insbesondere durch die
Aufnahme von Weisungen, Richtlinien, Kreisschreiben, An-
ordnungen und Mitteilungen, die über den Kreis der
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N 21 juin 1985
engeren Verwaltung hinausgehen. Auch soll das Völker-
recht besser berücksichtigt werden.
Die Kommission hat diese Vorlage in zwei Sitzungen behan-
delt. Sie begrüsst die Neufassung; ich beantrage Ihnen im
Namen der einstimmigen Kommission, auf die Vorlage ein-
zutreten.
M. de Chastonay, rapporteur: Au cours de ses deux séances
des 16 janvier et 15 mai 1984, la commission de votre conseil
a discuté du projet de loi sur les recueils de lois et la Feuille
Fédérale, loi dite «sur les publications officielles» qui a fait
l'objet du message du Conseil fédéral du 29 juin 1983.
Disons d'emblée qu'au cours du vote final, le projet que
nous vous soumettons a été adopté à l'unanimité moins
deux abstentions. De quoi s'agit-il?
On sait - et l'évolution de la législation sur les publications
générales le prouve bien - qu'à ce jour les publications
officielles de la Confédération sont régies par une multitude
de textes légaux qui concernent aussi bien le Recueil Offi-
ciel et son contenu que le Recueil Systématique des lois et
ses fréquences de parution. Ces textes variés, divers et fort
disséminés concernent également des organes spéciaux de
publication. Je pense ici en particulier au Recueil des trans-
ports, à la Feuille officielle suisse du commerce, à la Feuille
officielle de la protection civile, à la Feuille officielle des
chemins de fer, à la Feuille officielle des postes, à la Feuille
officielle militaire enfin, et j'en passe! C'est donc bien -
passez-moi l'expression - «la feuille qui manque le moins»
dans un contexte, je dirais un fouillis de lois, arrêtés, ordon-
nances ou règlements qui s'étalent de 1849 à 1974 et dans
lequel on retrouve ça et là, en prime, la référence à la loi de
1902 sur les rapports entre les deux conseils. Dès lors, l'idée
de manœuvre à la base de la création d'une nouvelle législa-
tion simple, pratique, efficace, qui compte 19 articles en tout
et pour tout, cette idée de manœuvre réside avant tout dans
une volonté de simplification et de regroupement de dispo-
sitions légales éparses. En regroupant ce qui a été éparpillé
au fil des ans, notre projet a l'incontestable mérite de facili-
ter à tous - et à tous les échelons - la connaissance et la .
lecture de textes légaux fédéraux, aussi bien pour le profane
que pour le spécialiste, dont le métier est de se référer aux
textes en vigueur, pour les appliquer ensuite.
Notre projet doit être considéré comme une base juridique
indispensable, une sorte d'inventaire de la législation fédé-
rale. Il conserve tout d'abord le Recueil officiel des lois
fédérales (RO) qui a mission de publier les textes législatifs
une fois ceux-ci votés et acceptés par l'autorité compétente,
avec les effets juridiques qui y sont rattachés. De même, il
constitue le fondement légal à l'existence de la Feuille
Fédérale (FF) destinée aux Chambres fédérales et qui con-
tient, pour l'essentiel, les messages et les rapports du Con-
seil fédéral. Cette feuille est destinée également au grand
public, aux cantons, aux communes, aux partis politiques et
organisations économiques ou professionnelles, elle est
censée procurer des informations d'ordre politique.
En outre, notre projet maintient l'existence du Recueil systé-
matique du droit fédéral (RS), qui de façon ordonnée et
constamment mis à jour, met en pages sous la forme de
feuillets contenus en un classeur les lois et ordonnances de
la Confédération. Il serait cependant erroné de penser que le
projet de loi sur les publications ne s'attache qu'aux aspects
purement techniques ou typographiques de la présentation
publique des textes légaux publiés dans le RO, le RS ou la
FF. La loi délimite la portée juridique de la publication des
textes législatifs, qu'ils soient de droit national, international
ou intercantonal, la publication d'un tel texte déclenchant
généralement le début de son entrée en vigueur. Pour ce qui
est des actes législatifs de droit interne, la législation sur les
publications donne aux versions allemande, française et
italienne la même foi publique. De même, les actes législatifs
ainsi que les décisions et traités internationaux ne lieront les
intéressés que s'ils sont portés à leur connaissance par leur
publication par la voie du Recueil Officiel. Il en sera généra-
lement ainsi en matière d'actes législatifs relevant du droit
intercantonal.
Dans l'hypothèse où l'acte législatif est publié d'une manière
autre que dans le Recueil Officiel, il sera possible à l'admi-
nistré de faire, cas échéant, la preuve qu'il n'a pas eu
connaissance de l'acte et ne pouvait en avoir connaissance,
malgré l'attention qu'il devait porter aux circonstances.
Cette preuve libératoire trouve sa justification aux fins d'évi-
ter les éventuelles conséquences dommageables que pour-
rait comporter, pour un citoyen ou pour une citoyenne,
l'entrée en vigueur d'une loi nouvelle dont il ou elle n'aurait
pas eu connaissance.
Deux mots maintenant à propos de l'effet négatif que le
message du Conseil fédéral mentionne aux chiffres 113 et
143. L'effet négatif a pour conséquence d'abroger automati-
quement un acte législatif qui n'est pas publié. Jusqu'ici, cet
effet a été accordé au Recueil Officiel et au Recueil Systéma-
tique. Dorénavant il ne s'appliquera plus qu'au Recueil Offi-
ciel qui, en une seule publication à la fois, rendra publics les
textes de lois émanant aussi bien des autorités executives
que des autorités législatives fédérales.
Certains, en séance de commission, ont posé la question de
savoir si la toilette législative à laquelle nous entendons
soumettre la loi sur les publications ne devait pas faire face à
une étude et à la mise sur pied d'un système fournissant des
informations requises en matière de textes de lois, par le
biais d'ordinateurs ou de l'informatique. Si ce problème
nécessite effectivement une étude approfondie, votre com-
mission a toutefois estimé que vu son extrême complexité,
en l'état actuel des choses, l'informatique et ses éventuels
terminaux cantonaux devaient faire place, pour l'instant du
moins, au projet de loi qui vous est proposé et qui a pour lui
le mérite d'être rapidement opérationnel.
D'autre part, ainsi que vous l'aurez constaté, votre commis-
sion s'est écartée du texte proposé par le Conseil fédéral
aux articles 8,10,11,12 et 14. La commission s'étant ralliée
unanimement à ces nouveaux textes, je n'insisterai pas
davantage sur leur contenu, sauf pour préciser que l'arti-
cle^, en sa version de la commission, précise d'une
manière plus adéquate et directe que ne l'a fait le texte du
Conseil fédéral le droit des citoyens et des citoyennes de
pouvoir consulter le Recueil Officiel et le Recueil Systémati-
que dans les Bureaux de la Chancellerie, ainsi que dans les
offices désignés par chacun des cantons auxquels, comme
par le passé, le Recueil Officiel sera délivré gratuitement.
Enfin, la seule divergence qu'a fait naître une proposition de
minorité concerne l'article 14, chiffre 2
b
'=, du projet. Pour
prendre en compte les diversités linguistiques du pays et
pour tenir compte des vœux émis par le canton des Grisons
dans sa lettre à la Chancellerie fédérale du 28 avril 1984,
votre commission propose par 7 voix contre 2 et 2 absten-
tions la publication en langue romanche, dans un supplé-
ment à la Feuille Fédérale, de lois fédérales d'une certaine
importance, après consultation du Conseil d'Etat du canton
des Grisons par le Conseil fédéral. La minorité entend
cependant supprimer cette consultation préalable des auto-
rités cantonales grisonnes. Je vous propose, au nom de la
majorité de la commission, de vous en tenir à son texte pour
les raisons suivantes. Tout d'abord ce texte a été agréé par
le Conseil d'Etat du canton des Grisons. Nous estimons
d'autre part que l'autorité cantonale grisonne est mieux à
même que le Conseil fédéral de supputer, d'évaluer, de
soupeser la nature des textes législatifs fédéraux quant à
leur importance en vue de leur publication en langue gri-
sonne. Cette consultation paraît enfin d'autant plus indis-
pensable que la publication interviendra en langue
romanche; or, selon la lettre du canton des Grisons que je
viens de vous citer, cette consultation devrait permettre de
trancher la question du choix de l'idiome, surselva ou ladin
dans lequel la traduction sera faite, le rumänisch grischun et
son existence n'étant pas encore ancrés dans aucune légis-
lation cantonale grisonne. Je tiens toutefois à vous signaler
que l'article 14, alinéa a, 2
bis
, de notre loi, en sa formule telle
que présentée aujourd'hui n'interdirait pas une traduction
en rumänisch grischun des textes concernés d'une certaine
importance. Je vous demande donc, au nom de la commis-
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1221Publikationsgesetz
sion, d'entrer en matière et ensuite d'accepter ce projet et
ses articles selon la version de la majorité de la commission.
Präsident: Alle Fraktionen sind für Eintreten auf die Vorlage.
Eintreten wird ohne Gegenantrag beschlossen
Le conseil décide sans opposition d'entrer en matière
Detailberatung - Discussion par articles
Titel und Ingress, Art. 1-7
Antrag der Kommission
Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates
Titre et préambule, art. 1-7
Proposition de la commission
Adhérer au projet du Conseil fédéral
Angenommen - Adopté
Art. 8
Antrag der Kommission
Abs. 1
Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates
Abs. 2
...verpflichten, kann der Bundesrat bestimmen, dass die
Übersetzung nicht in alle Amtssprachen erfolgt oder dass
darauf ganz verzichtet wird.
Art. 8
Proposition de la commission
Al. 1
Adhérer au projet du Conseil fédéral
Al. 2
Le Conseil fédéral peut décider de ne pas traduire dans
chaque langue officielle ou même de renoncer entièrement
à traduire les décisions et traités internationaux ainsi que les
accords intercantonaux qui ne figurent au Recueil officiel
que par la mention du titre et la référence à une autre
publication ou l'indication de l'organisme auprès duquel ils
peuvent être obtenus, et qui ne lient pas directement les
particuliers.
Fischer-Hägglingen, Berichterstatter: Mit diesem kleinen
Änderungsantrag der Kommission soll formell der Sinn der
Bestimmung klarer umschrieben werden und der Hand-
lungsspielraum des Bundesrates leicht erweitert werden.
Grundsätzlich erfolgt die Veröffentlichung in der Amtlichen
Sammlung in den drei Amtssprachen des Bundes. Bei Ver-
trägen und internationalen Beschlüssen, die in der AS nur
mit Titel sowie Fundstelle oder Bezugsquelle erscheinen
und den einzelnen nicht unmittelbar verpflichten, kann von
diesem Grundsatz abgewichen werden. Nach der Fassung
des Bundesrates kann die Veröffentlichung vorerst nur in
einer oder zwei Amtssprachen erfolgen. Die Übersetzung in
die zweite oder dritte Amtssprache kann später erfolgen. Der
Bundesrat kann aber auch beschliessen, dass auf eine Über-
setzung zum Beispiel vom Englischen in eine Amtssprache
zu verzichten sei. Ein solcher Verzicht kommt jedoch nur in
Frage, wenn der Vertrag oder Beschluss sich lediglich an
wenige Adressen richtet, denen zudem eine Übersetzung in
die Amtssprache des Bundes keine Erleichterung für das
Verständnis bietet, und wenn die Übersetzung mit einem
unverhältnismässig grossen Aufwand verbunden ist.
Nach der Fassung der Kommission kommt klarer zum Aus-
druck, dass auf eine spätere Übersetzung in eine andere
Amtssprache überhaupt verzichtet werden kann und dass
der Bundesrat immer die Kompetenz hat, ganz auf die
Übersetzung zu verzichten.
Angenommen - Adopté
Art. 9
Antrag der Kommission
Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates
Proposition de la commission
Adhérer au projet du Conseil fédéral
Angenommen - Adopté
Art. 10
Antrag der Kommission
Abs. 1
Erlasse,...
Abs. 2
Wird ein Erlass auf anderem Wege als durch Veröffentli-
chung in der Amtlichen Sammlung bekanntgemacht, bleibt
dem Betroffenen der Nachweis offen, dass er den Erlass
nicht kannte und ihn trotz pflichtgemässer Sorgfalt nicht
kennen konnte.
Art. 10
Proposition de la commission
Al. 1
Les actes...
Al. 2
Si un acte législatif est publié d'une manière autre que celle
de l'insertion dans le Recueil officiel, il est loisible à l'inté-
ressé de faire la preuve qu'il n'a pas eu connaissance de
l'acte et ne pouvait en avoir connaissance malgré l'attention
qu'il devait porter aux circonstances.
Fischer-Hägglingen, Berichterstatter: Die Bestimmung im
Absatz 2 (neu) entspricht dem bisherigen Artikel 9 Absatz 2
Rechtskraftgesetz. In Absatz 1 des Entwurfes wird festgehal-
ten, dass Rechtsnormen, die den einzelnen verpflichten, nur
durchgesetzt werden können, wenn die Regeln über die
Bekanntmachung befolgt worden sind. Dem von der
bekanntzumachenden Rechtsnorm Betroffenen dürfen
durch erlassene, aber noch nicht veröffentlichte Bestim-
mungen keine Nachteile erwachsen. Im Streitfall kann dabei
der Entlastungsnachweis erbracht werden. Der neue Absatz
2 nimmt nun Bezug auf jene Fälle, wo ein Erlass auf ausser-
ordentliche Weise veröffentlicht wird, und zwar erst nach
dem Inkrafttreten. Auch in diesem Fall besteht der Entla-
stungsnachweis. Der Bundesrat ist der Auffassung, dass
dieser Fall nicht ausdrücklich im Gesetz aufzuführen sei, da
sich ein solcher Entlastungsnachweis aus den allgemeinen
Rechtsgrundsatzgesetzen ergibt. Die Kommission ist der
Meinung, dass aus Gründen der Vollständigkeit und der
Rechtssicherheit der Entlastungsausweis im ausserordent-
lichen Verfahren wie im bisherigen Recht in das Gesetz
aufzunehmen sei. Ein Weglassen könnte eventuell zur irri-
gen Auffassung führen, es sei hier eine Änderung einge-
treten.
M. de Chastonay, rapporteur: La commission propose le
texte modifié de l'article 10 dans l'hypothèse où l'acte légis-
latif est publié d'une manière autre que directement dans le
Recueil officiel. Dans cette hypothèse, il sera précisément
possible à l'administré de faire la preuve qu'il n'a pas eu
connaissance de l'acte et ne pouvait en avoir connaissance
malgré l'attention qu'il devait apporter aux circonstances.
Cette preuve libératoire trouve, à mon avis, sa justification
afin d'éviter les éventuelles conséquences dommageables
que pourrait comporter, pour un citoyen ou une citoyenne,
l'entrée en vigueur d'une loi nouvelle dont il n'a pas eu
connaissance. Il s'agit simplement d'appliquer ici un prin-
cipe de sécurité du droit au profit du justiciable.
Bundeskanzler Buser: Es besteht auch hier keine Differenz.
Der Bundesrat kann sich anschliessen. Ich wollte nur sagen,
Loi sur les publications
1222
N 21 juin 1985
dass diese Bestimmung seit 1948 im Gesetz ist und, dass bis
heute nie ein praktischer Anwendungsfall vorgekommen ist.
Ich hoffe, dass in den nächsten 100 Jahren auch keiner zu
bewältigen sein wird.
Angenommen - Adopté
Titel, Art. 11
Antrag der Kommission
Titel
2. Kapitel: Systematische Sammlung des Bundesrechts
Art. 11
Abs. 1
Die Systematische Sammlung des Bundesrechts (Systemati-
sche Sammlung, SR) ist eine bereinigte und nach Sachge-
bieten geordnete Sammlung der in der Amtlichen Samm-
lung veröffentlichten und noch geltenden Erlasse, Verträge
und internationalen Beschlüsse sowie der Kantonsverfas-
sungen.
Abs. 2
Sie wird jährlich mehrmals auf bestimmte Stichtage nachge-
führt. Der Bundesrat kann für Erlasse von kurzer Geltungs-
dauer von der Nachführung absehen.
Abs. 3
Sie wird in den drei Amtssprachen des Bundes herausgege-
ben. Die Kantonsverfacsungen werden in den Amtssprachen
der Kantone veröffentlicht.
Titre, art. 11
Proposition de la commission
Titre
Chapitre 2: Recueil systématique du droit fédéral
Art. 11
Al. 1
Le Recueil systématique du droit fédéral (Recueil systémati-
que, RS) est une collection, épurée et ordonnée par matière,
des actes législatifs, des décisions et traités internationaux,
des accords intercantonaux ainsi que des constitutions can-
tonales, publiés dans le Recueil officiel et qui sont encore en
vigueur.
Al. 2
La mise à jour du Recueil systématique a lieu plusieurs fois
par an, à des dates déterminées. Le Conseil fédéral peut
décider que l'on renonce à publier la mise à jour d'actes
législatifs dont la durée de validité est brève.
Al. 3
Le Recueil systématique est publié dans les trois langues
officielles de la Confédération. Les constitutions cantonales
sont publiées dans les langues officielles de chaque canton.
Fischer-Hägglingen, Berichterstatter: Wir haben hier einen
aus der Systematik heraus sich ergebenden Abtausch von
Artikel 11 und 12. Das Voranstellen der Bestimmungen über
die Systematische Sammlung des Bundesrechts ergibt sich
aus dem Abänderungsantrag der Kommission über das Ein-
sichtsrecht.
Die Kommission beantragt, dass - wie bisher - sowohl die
Amtliche wie die Systematische Sammlung eingesehen wer-
den kann. Der Bundesrat sieht in seiner Fassung nur ein
Einsichtsrecht in die Amtliche Sammlung vor. Neu ist auch,
dass die Gemeinden nicht mehr ausdrücklich verpflichtet
sind, die Amtliche Sammlung und die Systematische Samm-
lung den Bürgern zur Einsichtnahme aufzulegen.
Es ist den Kantonen freigestellt, jene Stellen zu bezeichnen,
bei denen die Einsicht vorgenommen werden kann. Das
Einsichtsrecht in die Systematische Sammlung wurde auf-
grund einer Umfrage unter den Kantonen wiedereingeführt.
In dieser Umfrage gaben praktisch alle Kantone bekannt,
dass das Einsichtsrecht für den Bürger gewährleistet wer-
den könne und zu keinen Schwierigkeiten führe.
Angenommen - Adopté
Titel, Art. 12
Antrag der Kommission
Titel
3. Kapitel: Einsichtnahme
Art. 12
Abs. 1
Jedermann kann auf der Bundeskanzlei und an den von den
Kantonen zu bezeichnenden Stellen:
a. die Amtliche und die Systematische Sammlung des Bun-
desrechts einsehen;
b. den vollständigen Text ausserordentlich bekanntgemach-
ter Erlasse, die in der Amtlichen Sammlung noch nicht
veröffentlicht sind (Art. 7 Abs. 1) einsehen und beziehen.
Abs. 2
Jedermann kann auf der Bundeskanzlei einsehen:
a. den vollständigen Text der Erlasse, völkerrechtlichen Ver-
träge und internationalen Beschlüsse, die in der Amtlichen
Sammlung nur mit Titel sowie Fundstelle oder Bezugsquelle
veröffentlicht wurden (Art. 4);
b. die in der Amtlichen Sammlung nicht veröffentlichten
authentischen Texte völkerrechtlicher Verträge und interna-
tionaler Beschlüsse (Art. 9 Abs. 2);
c. die nicht veröffentlichten völkerrechtlichen Verträge
sowie die vom Bundesrat genehmigten interkantonalen Ver-
träge, die nach kantonalem Recht für die Öffentlichkeit
zugänglich sind.
Titre, art. 12
Proposition de la commission
Titre
Chapitre 3: Consultation
Art. 12
Al. 1
Chacun a le droit, dans les bureaux de la Chancellerie
fédérale ou dans les offices désignés par les cantons:
a. De consulter le Recueil officiel des lois fédérales ainsi que
le Recueil systématique du droit fédéral;
b. De consulter ou d'obtenir, sous une forme adéquate, le
texte intégral des actes législatifs ayant fait l'objet d'une
publication extraordinaire, qui n'ont pas encore parus dans
le Recueil officiel (art. 7, 1
or
al.).
Al. 2
Chacun a le droit de consulter dans les bureaux de la
Chancellerie fédérale:
a. Le texte intégral des actes législatifs, des traités et des
décisions internationales qui ne sont mentionnées dans le
Recueil officiel que par leur titre et une référence ou l'indica-
tion de l'organisme auprès duquel ils peuvent être obtenus
(art. 4);
b. Le texte authentique des décisions et traités internatio-
naux qui ne sont pas publiés dans le Recueil officiel (art. 9,
2
e
al.);
c. Les traités internationaux non publiés et les accords
intercantonaux approuvés par le Conseil fédéral accessibles
au public selon le droit cantonal.
Angenommen - Adopté
Titel, Art. 13
Antrag der Kommission
- Juni 1985 N
1223
Publikationsgesetz
Titel
- Kapitel: Register zu den Gesetzessammlungen
Art. 13
Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates
Titre, art. 13
Proposition de la commission
Titre
Chapitre 4: Répertoires des textes publiés dans les recueils
Art. 13
Adhérer au projet du Conseil fédéral
M. Bonnard: L'article 13,1
er
alinéa comprend une deuxième
phrase qui dit: «Ce répertoire comprend une table alphabéti-
que des matières.» D'autre part, le message dit ceci: «On
prévoit de compléter la table alphabétique qui a été jugée
trop sommaire.» Cette table n'est pas trop sommaire mais,
Monsieur le Chancelier me pardonnera de le lui dire, elle est
inutilisable et je suis donc heureux de constater qu'il a
l'intention de la compléter. Je prétends que ce n'est pas une
tâche considérable de sorte que, Monsieur le Chancelier, si
vous évoquiez d'aventure la pénurie de personnel, je dois
dire que je n'admettrais pas cette excuse.
Bundeskanzler Buser: Trotz dem Risiko, dass Herr Bonnard
meine Erklärung nicht akzeptiert, muss ich sie abgeben.
Die Zahl der Juristen, die in der SR arbeitet, ist so klein, dass
wir effektiv in der Enge sind. Jetzt, in der EFFI-Aktion, muss
ich nochmals eine halbe Einheit abgeben, als Teil der 130,
die am Ende des Jahres zurückzugeben sind.
Aber, Herr Bonnard, wir sind durchaus mit Ihnen einverstan-
den, dass dieses alphabetische Register,-wir haben immer-
hin noch das systematische auf etwa 400 Seiten - ungenü-
gend ist. Wir sind fest entschlossen, dieses Register auszu-
bauen, sobald es uns die Kräfte ermöglichen. Es sind zwei
Möglichkeiten in Sicht: Entweder beginnen wir damit, wenn
wir einmal fertig sind-auch mit dem Staatsvertragsrecht, an
dem wir jetzt arbeiten; das wird noch ein bis zwei Jahre
gehen -, oder sonst, wenn wir endlich den berühmten
optischen Leser haben, der uns gestattet, die ganze Syste-
matische Sammlung auf einen Computer aufzunehmen. Es
wird mit dem Schweizerischen Juristenverein und anderen
Gremien im Hinblick auf dieses Ziel eng zusammengearbei-
tet. Sobald wir dort soweit sind, haben wir Kräfte frei, um
dieses summarische Register zu einem brauchbaren Regi-
ster zu machen.
Angenommen - Adopté
Titel, Art. 14
Antrag der Kommission
Titel
S.Kapitel: «Bundesblatt»
Art. 14
Abs. 1, 2
Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates
Abs. 2bis
Mehrheit
In einer Beilage zum «Bundesblatt» werden ferner Gesetzes-
texte des Bundesrechts von besonderer Tragweite in roma-
nischer Sprache veröffentlicht. Die Bestimmung dieser
Texte erfolgt durch den Bundesrat nach Rücksprache mit
dem Regierungsrat des Kantons Graubünden.
Minderheit
(Müller-Aargau, Nussbaumer, Sager)
...Sprache veröffentlicht. (Rest des Absatzes streichen)
Titre, art. 14
Proposition de la commission
Titre
Chapitre 5: Feuille fédérale
Art. 14
Al. 1, 2
Adhérer au projet du Conseil fédéral
Al. 2bis
Majorité
Les lois d'une certaine importance peuvent en outre être
publiées en langue romanche dans un supplément à la
Feuille fédérale. Après avoir consulté le Conseil d'Etat du
canton des Grisons, le Conseil fédéral détermine quels sont
les textes à publier.
Minorité
(Müller-Argovie, Nussbaumer, Sager)
... Feuille fédérale. (Biffer le reste de l'alinéa)
Fischer-Hägglingen, Berichterstatter: Mit dieser neuen
Bestimmung 2bis soll unter anderem auch ein Beitrag zur
Erhaltung der romanischen Sprache geleistet werden. Amts-
sprachen sind bekanntlich Deutsch, Französisch und Italie-
nisch in unserem Land. Folgerichtig erfolgen die Publikatio-
nen in diesen drei Sprachen. Daneben gibt es aber Überset-
zungen von wichtigen Erlassen ins Romanische, wie die
Bundesverfassung, das OR, das ZGB, das Raumplanungs-
gesetz usw.
Nun soll aber ein zusätzlicher Schritt auf Erweiterung der
Gesetzgebung in romanischer Sprache getan werden.
Gesetze von besonderer Tragweite sollen in Zukunft in einer
Beilage zum «Bundesblatt» in Romanisch veröffentlicht
werden. Die Ergänzung geht auf einen Antrag unseres Rats-
kollegen Cantieni in der Kommission zurück.
Wir haben den Gesetzestext auch der bündnerischen Regie-
rung zur Stellungnahme unterbreitet. Diese begrüsst den
Vorschlag der Kommission wärmstens. Wir haben uns in der
Kommission auch darüber unterhalten, in welchem Idiom
die Veröffentlichungen zu geschehen haben. Bekanntlich
sind Bestrebungen im Gang, eine einheitliche Schriftspra-
che für die Romanen zu schaffen, das sogenannte
Romanisch Grischun. Diese Sprache ist im Kanton Grau-
bünden bis jetzt im Gegensatz zum surselvischen und ladini-
schen Idiom nirgends gesetzlich verankert. Da es durchaus
möglich ist, dass sich die Rechtslage im Kanton Graubün-
den in den nächsten Jahren ändern kann, hat die Kommis-
sion eine Fassung in ihrem Gesetzestext gewählt, die auf die
heutige Rechtslage im Kanton Graubünden Rücksicht
nimmt und die es auch, ermöglicht, eine Umstellung auf
Romantsch Grischun vorzunehmen.
Als erstes Gesetz in Romantsch Grischun ist bekanntlich ein
für die Bündner besonders wichtiges Gesetz, nämlich das
Jagdgesetz, veröffentlicht worden. Welche Gesetzeserlasse
in romanischer Sprache zu veröffentlichen sind, soll durch
den Bundesrat nach Rücksprache mit der Bündner Regie-
rung bestimmt werden.
Die Kommissionsminderheit möchte diesen Zusatz strei-
chen. Die Kommissionsmehrheit ist der Auffassung, dass
eine Zusammenarbeit zwischen Bund und Kanton Graubün-
den sowohl aus föderalistischen als auch auch praktischen
Erwägungen durchaus notwendig ist.
M. de Chastonay, rapporteur: En plus des arguments que je
vous ai exposés tout à l'heure pour le maintien et l'appui à la
proposition de la majorité de la commission, je voudrais dire
qu'il nous paraît vraiment indispensable de maintenir la
phrase qui demande à ce que le Conseil fédéral consulte le
Conseil d'Etat du canton des Grisons en vue de la détermi-
nation de l'importance des textes à publier en langue gri-
sonne et du choix de l'idiome dans lequel ces textes seront
publiés. Je crois qu'il y a des raisons psychologiques évi-
Loi sur les publications
1224N 21 juin 1985
dentés; il y a également des raisons fédéralistes de soutenir
une langue qui, tout en n'étant pas officielle, mérite vraiment
d'être considérée. La lettre du gouvernement du canton des
Grisons, du 28 avril 1984, à l'adresse du Conseil fédéral, est
suffisamment éloquente pour ne pas imposer à ce canton de
ne plus pouvoir disposer du droit d'être préalablement con-
sulté par la Confédération pour la publication de ces textes
qui intéressent avant tout les régions de langue romanche.
Müller-Aargau, Sprecher der Minderheit: Ich beantrage
Ihnen mit der Minderheit der Kommission, bei Artikel 14
Absatz 2bis den zweiten Satz zu streichen. Das mag auf den
ersten Blick als Nebensächlichkeit erscheinen. In Wirklich-
keit entscheiden wir über eine staatspolitische Frage von
grosser Auswirkung und Tragweite. Es geht um nicht weni-
ger als um die Erhaltung unserer vierten Landessprache.
These 1: Die rätoromanische Sprache ist bedroht, und das
Messgerät in jedem Dorf ist die Gemeindeverwaltung und
Gemeindeversammlung. An der Anzahl der deutschen Texte
und Voten in der Politik ersieht man den Stand der Bedro-
hung der Sprache.
These 2: Die rätoromanische Sprache ist in Verteidigungs-
position. Die Aufsplitterung in die verschiedenen Dialekte,
die Rivalitäten der Gruppen machen den Überlebenskampf
praktisch illusorisch.
These 3: Wer emotionslos die Lage beurteilt, und nur der
Aussenstehende vermag dies, weiss, dass die einzige Ret-
tung in der gemeinsamen Schriftsprache liegt. Seit drei
Jahren liegt diese Sprache in der Form des Romanisch
Grischun vor.
These 4, und damit schliesst sich der Kreis: Die beste Stär-
kung der romanischen Sprache liegt im Bereich der Politik.
Ist die Rechtssprache das Romanische, bleiben Verwaltung
und Gemeindeversammlung romanisch. Nun bietet sich für
den Bund die Möglichkeit, diese rettende Schriftsprache
Romanisch Grischun in den Gesetzen von besonderer Trag-
weile zu verwenden und damit eine kleine Lawine auszulö-
sen. Ausführungsbestimmungen des Kantons werden folge-
richtig in der gleichen Schriftsprache ausgefertigt werden.
Das beste Verbreitungsmittel liegt also in unseren Händen.
Grosszügig sind die Hilfen und finanziellen Leistungen des
Bundes zur Erhaltung der vierten Landessprache. Diese
Hilfe darf nicht zum Feigenblatt werden. Ich lehne es ab, nur
eine Hilfe zu leisten, um die Agonie zu verlängern oder den
Tod dieser Kultur und Sprache hinauszuzögern. Unsere
Massnahmen müssen sich gegenseitig stützen und sollen
sich nicht gegenseitig neutralisieren. Ich weiss, dass 1974
bei der Übersetzung der Bundesverfassung die Bündner
Regierung gefragt worden ist, welches rätoromanische
Idiom verwendet werden soll. Mit der damaligen Antwort
wurde die Praxis begründet, die gelegentlichen Gesetzes-
erlasse in Romanisch in den zwei rätoromanischen Dialek-
ten Surselvisch und Ladinisch auszufertigen. Heute aber
gibt es keine sachlichen Gründe mehr, die teure Überset-
zung in zwei Dialekte zu praktizieren. Mit der Einheitsspra-
che Romanisch Grischun sind nur positive Erfahrungen
gemacht worden, so die Aussage des Kollegen Cantieni.
Die meisten von uns kennen die Rivalitäten zwischen den
Sprachgruppen im Bündnerland. Von mir aus gesehen hat
die Kommission den Fehler gemacht, die Bündner Regie-
rung in dieser Sache zur Vernehmlassung zu bitten. Im
Dienste der Diplomatie aber konnte die Antwort ja nicht
anders lauten. Die Bündner Regierung musste verlangen,
dass in jedem Falle mit dem Regierungsrat Rücksprache
genommen werden soll. Die Zurückhaltung ist völlig ver-
ständlich, aber für die Sache ungeschickt. Ein sanfter Druck
des Bundes muss die Verwendung der einheitlichen
Schriftsprache fördern.
Wenn Sie heute diesen zweiten Satz beschliessen, so wer-
den in der Folge - das kann ich Ihnen garantieren - alle
Gesetze von gewisser Tragweite in Surselvisch und Ladi-
nisch erscheinen. Das ist vorauszusehen. Entbinden wir die
Bündner Regierung von einem Entscheid, den sie sachge-
recht und der rätoromanischen Sprache dienlich gar nicht
erfüllen kann, weil die Regierung allseits verbindlich bleiben
muss. Wir haben heute die verdammte Pflicht, hier böse und
hart zu sein. Wir können das ertragen, besser als die Bünd-
ner Regierung.
Der Bund hat versuchsweise das Jagdgesetz in Romantsch
Grischun abgefasst. Das ist bereits vom Kommissionspräsi-
denten erwähnt worden. Die Reaktionen gehen von heller
Begeisterung bis zum totalen Verriss des Versuchs. Rück-
sichtnahme ist gut, eine Verpflichtung wahrnehmen ist hier
besser.
Die Bundeskanzlei wird natürlich höflich und vornehm auf
das gute Einvernehmen zwischen Bund und Kanton hinwei-
sen. Herr Bundeskanzler Buser kann und darf nicht anders
reden. Wir aber können es ertragen, momentan als die
Harten dazustehen und zu dekretieren. Ich bin überzeugt,
dass Herr Bundeskanzler Buser im geheimsten hofft, dass
ihm die eidgenössischen Räte die Arbeit erleichtern und die
Kosten reduzieren helfen.
Ich möchte Sie daher dringend bitten, den Eidgenossen
romanischer Sprache den Rettungsring zuzuwerfen, auch
wenn einige Exponenten ihn stolz von sich weisen und dann
wahrscheinlich ertrinken werden.
Cantieni: Ich möchte vorerst Kollega Müller danken für sein
Engagement im Interesse der Berücksichtigung des Rätoro-
manischen, möchte aber trotzdem ein kurzes Wort sprechen
zugunsten des Antrages der Kommissionsmehrheit. Der
Kommissionspräsident und der Berichterstatter französi-
scher Zunge haben alle Gründe bereits dargelegt, die für
den Antrag der Kommissionsmehrheit sprechen.
Ich möchte aber doch ganz kurz insbesondere zum Thema
Romantsch Grischun, das Kollega Müller aufgeworfen hat,
einige wenige Ausführungen machen, um damit aufzuzei-
gen, dass in Tat und Wahrheit der Fortschritt in der Ver-
suchsphase mit dem Romantsch Grischun nicht unerheb-
lich ist.
Ich darf in diesem Zusammenhang aus einem Referat von
Prof. Dr. Georg Hilty von der Universität Zürich, gehalten am
8. Juni dieses Jahres am Symposium der Schweizerischen
Geisteswissenschaftlichen Gesellschaft in Chur, zitieren.
Prof. Hilty führte dort unter anderem folgendes aus: «An
dieser Stelle muss ich nun vom Romantsch Grischun spre-
chen, jener überaus gut durchdachten Form für die Ver-
schriftung der rätoromanischen Idiome, welche die Zersplit-
terung überwinden und eine Einheit schaffen soll. Ich sage
es in aller Offenheit: ich halte das Romantsch Grischun für
eine grosse Chance, vielleicht ist es die letzte. Bei der
Anwendung des Romantsch Grischun würde vieles gewon-
nen und nichts verloren.»
Ich glaube, diese Ausführungen eines kompetenten Man-
nes, der auch bestens mit der romanischen Sprachbewe-
gung vertraut ist, sind doch von einiger Wichtigkeit und
zeigen insbesondere auf, dass nicht nur im Kanton, sondern
insbesondere auch ausserhalb des Kantons viele Sympathi-
santen und Befürworter dieses Versuches mit dem
Romantsch Grischun zu finden sind.
Ich möchte ein zweites hier noch erwähnen: Nach den
Sitzungen unserer Kommission, nämlich am 27. März dieses
Jahres, wurde das erste Wörterbuch in Romantsch Grischun
vorgeführt und der Presse unterbreitet. Es hat eine positive
Aufnahme gefunden.
Ich glaube deshalb, dass man hier von einem erfreulichen
Fortschritt sprechen kann. Andererseits muss ich aber auch
um eine gewisse Geduld, um ein gewisses Verständnis bit-
ten, da natürlich dieser Prozess einige Zeit beansprucht. Ich
bin aus föderalistischen Gründen und in Würdigung des
Subsidiaritätsprinzips der Auffassung, wir sollten beim
Antrag der Kommissionsmehrheit, der die Zusammenarbeit
mit der Bündner Regierung stipuliert, bleiben.
Ich möchte Ihnen deshalb beliebt machen, dem Antrag der
Kommissionsmehrheit zuzustimmen.
Fischer-Hägglingen, Berichterstatter: Nur zwei kurze
Bemerkungen. Es geht bei diesem Zusatzantrag vor allem
darum, dass zwischen dem Kanton Graubünden und dem
- Juni 1985 N1225Motion Loretan
Bund festgelegt wird, welche Gesetze zu übersetzen sind.
Das ist der Hauptinhalt dieser Bestimmung. Erst in zweiter
Linie stellt sich die Frage des Idioms.
Hier muss ich einfach zu bedenken geben: Nehmen wir an,
der Bund veröffentlicht ein Bundesgesetz in Romanisch
Grischun, und auf der anderen Seite muss der Kanton
Graubünden, weil er die rechtlichen Gegebenheiten nicht
hat, das Ausführungsgesetz in Ladinisch und in Surselvisch
veröffentlichen. Sie sehen nun bereits die Schwierigkeit
betreffs Übereinstimmung zwischen diesem Bundesgesetz
und der Ausführungsgesetzgebung. Darum glaube ich, es
ist wichtig, dass sowohl das Bundesgesetz wie das Ausfüh-
rungsgesetz in der gleichen Sprache veröffentlicht werden.
Wenn sich das Romantsch Grischun durchsetzt, ist es ganz
klar, dass der Kanton Graubünden früher oder später die
rechtlichen Grundlagen schaffen wird für diese neue
Sprache.
Darum bitte ich Sie aus praktischen Gründen, dem Mehr-
heitsantrag zuzustimmen.
M. de Chastonay, rapporteur: Malgré la solidité des argu-
ments invoqués par M. Müller-Argovie - que je peux com-
prendre à la rigueur - je vous invite à suivre l'avis de la
majorité de la commission en ce qui concerne la proposition
présentée.
En effet, face à une langue nationale fortement minoritaire, il
faut l'avouer, face aux problèmes linguistiques que connais-
sent les Grisons, notamment par la diversité de leurs régions
et enfin par respect pour ce canton et ses minorités, je
n'adhère pas à la proposition centralisatrice de M. Müller-
Argovie, d'autant plus qu'elle vise à exercer une pression en
vue de l'utilisation du «Romantsch grischun». La population
des Grisons répugnera à prendre connaissance de textes
importants si on lui impose une langue à laquelle elle n'est
pas encore habituée, étant donné que la région concernée
par la lecture de ces textes légaux pratique l'idiome du
«surselva» ou du «ladin».
C'est pourquoi je suis convaincu qu'une concertation en la
matière entre le Conseil fédéral et le Conseil .d'Etat du
canton des Grisons est indispensable. En acceptant la pro-
position de la minorité, nous nous éloignerions du but
recherché, tout en faisant preuve de peu de compréhension
envers des minorités linguistiques qui attendent notre appui
et notre compréhension.
Bundeskanzler Buser: Ich möchte Sie ebenfalls bitten, der
Kommissionsmehrheit zuzustimmen. Diesem Text schliesst
sich auch der Bundesrat und insbesondere das Departe-
ment des Innern an.
Die Gründe für die Zusammenarbeit mit der Regierung des
Kantons Graubünden sind dargelegt worden. Sie sind föde-
ralistischer Natur, sie sind praktischer und psychologischer
Art. Es ist in jeder Hinsicht besser, wenn wir diesbezüglich
mit dem Kanton Graubünden in enger Tuchfühlung bleiben.
Das heisst nicht, dass man sich beim Bund der Bedeutung
des Romantsch Grischun, der neuen Schriftsprache, nicht
bewusst ist. Das Amt für Kulturpflege betreut diese Angele-
genheit sehr intensiv. Ich möchte insbesondere auch darauf
hinweisen, dass im Bundesrat selbst ein Vertreter des Kan-
tons Graubünden ist, der alle seine Ansprachen in
Romantsch Grischun präsentiert. Wenn Sie es wünschen,
kann er Ihnen - er ist im Nationalratssaal anwesend - eine
Kostprobe geben.
Vom Bund aus bestehen also in dieser Hinsicht keine
Bedenken. Wir glauben aber, dass die Zusammenarbeit
doch der bessere Weg ist. Wir sind auf die Mitarbeit der
Kanzlei des Kantons Graubünden und des Regierungsrates
angewiesen. Im übrigen sei noch darauf hingewiesen, dass
es ja nicht die Bündner Regierung ist, die bestimmen kann,
was übersetzt wird und was nicht. Es heisst «nach Anhören
der Staatskanzlei»; dies lässt den Bundesbehörden alle Frei-
heit, gegebenenfalls eigene Wege zu gehen. Aber es wäre
meines Erachtens falsch, wenn der Bund ausschliesslich
Romantsch Grischun forciert, solange im Kanton Graubün-
den noch Ladin und Surselvisch Amtssprache sind. Wir
müssen hier den Weg gemeinsam suchen.
Abstimmung - Vote
Für den Antrag der Mehrheit 98 Stimmen
Für den Antrag der Minderheit 14 Stimmen
Angenommen - Adopté
Titel, Art. 15-19
Antrag der Kommission
Titel
- Kapitel: Schlussbestimmungen
Art. 15-19
Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates
Titre, art. 15 à 19
Proposition de la commission
Titre
Chapitre 6: Dispositions finales
Art. 15 à 19
Adhérer au projet du Conseil fédéral
Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble
Für Annahme des Gesetzentwurfes 124 Stimmen
(Einstimmigkeit)
An den Ständerat - Au Conseil des Etats
#ST# 83.953
Motion Loretan
Nutzbarmachung der Wasserkräfte.
Dringliche Massnahmen
Utilisation de l'énergie hydraulique.
Mesures urgentes
Wortlaut der Motion vom 15. Dezember 1983
Der Bundesrat wird beauftragt, den eidgenössischen Räten
unverzüglich einen gemäss Artikel 89bis Absatz 1 BV dring-
lich zu erklärenden allgemeinverbindlichen Bundesbe-
schluss, gestützt auf Artikel 24bis und 24sexies der Bundes-
verfassung, mit folgendem Inhalt vorzulegen:
- Um die Schönheit und Eigenart von Landschaft, Natur
und Heimat zu erhalten, dürfen in der Regel keine Konzes-
sionen und Bewilligungen für Wasserkraftnutzung und für
die Mehrnutzung bereits genutzter Gewässer erteilt werden.
Ausnahmen sind nur zulässig, wenn dafür ein klar überwie-
gendes energiewirtschaftliches Interesse nachgewiesen
wird und überdies die Auswirkungen auf Landschaft, Natur'
und Heimat nur geringfügig sind.
- Gegen die Erteilung von Konzessionen und Bewilligun-
gen kann Beschwerde erheben, wer hierzu nach den ein-
schlägigen Bestimmungen des Natur- und Heimatschutzge-
setzes berechtigt ist.
- Von verliehenen Wasserrechten, die noch nicht genutzt
werden, darf nur Gebrauch gemacht werden, wenn die in
Ziffer 1 umschriebenen Voraussetzungen erfüllt sind.
- Werden durch die Verweigerung einer Konzession oder
einer Bewilligung wohlerworbene Rechte dauernd
geschmälert, ist nach Massgabe von Artikel 22ter BV
Entschädigung zu leisten.
154-N
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Publikationsgesetz
Loi sur les publications
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans
Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In
Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1985
Année
Anno
Band
III
Volume
Volume
Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
17
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
83.058
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
21.06.1985 - 08:00
Date
Data
Seite
1219-1225
Page
Pagina
Ref. No
20 013 474
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