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CH_VB_001Ch Vb18 mars 1983Ouvrir la source →
Postulat Ziegler-Genève 516 18 mars 1983 Selbst als seit der Romantik die Sprache weltweit immer stärker zu einem Integrationsfaktor wurde, welcher das Nationalgefühl wesentlich beeinflusste, verhinderten die Strukturen unseres Bundesstaates, dass sich aus der Mehrsprachigkeit ernsthafte Probleme hätten ergeben kön- nen. Die Schweizer haben es im Gegenteil stets als einen Vorteil und als einen unschätzbaren Gewinn empfunden, in einer confoederatio leben zu können, welche verschiedene Kulturen in einem konstruktiven Sinn vereint und wechsel- seitig fruchtbar macht. Eine genauere Betrachtung zeigt allerdings, dass es auch in der Schweiz - vor allem an den Sprachgrenzen - stets zu den kleinen Reibereien und Konflikten gekommen ist, die beim Zusammenleben verschiedener Gruppen unvermeid- lich sind. Aber der Sprachfriede ist nie zu einem politischen Problem geworden. In neuerer Zeit scheint nun aber in verschiedenen Kreisen die Mehrsprachigkeit zu einem Spannungselement zu wer- den. Der Gedanke an Ethnien und Sprachblöcke ist virulen- ter geworden. Zudem ist durch die wirtschaftliche Entwick- lung der Nachkriegszeit - ob zu Recht oder zu Unrecht bleibe dahingestellt - da und dort in der Westschweiz das Gefühl entstanden, dass die Deutschschweiz die Romandie dominiere. Ein Gradmesser für das neue Klima ist die Zahl der Vorstösse im eidgenössischen Parlament über irgend- welche Fragen des sprachlichen Zusammenlebens: in weni- gen Jahren sind mehr als 20 Interpellationen, Postulate, Anfragen usw. eingereicht worden. Das alles zeigt, dass man das Verhältnis, in dem die Sprachen nebeneinander und miteinander leben, nicht mehr als «ganz unbefangen» bezeichnen kann, wie dies früher stets der Fall gewesen ist. Dieser Meinung ist auch der Lausanner Politologe Prof. Daniel Louis Seiler: Er konstatiert, dass sich in jüng- ster Zeit ein «Romandie-Bewusstsein» entwickelt habe, und weist darauf hin, dass in der Schweiz Minderheitenkonflikte entstehen könnten. Es scheint aus diesen Gründen notwendig, dass eine (nicht allzu grosse) Expertenkommission den Fragenkomplex ausleuchtet. Sie soll zum Beispiel untersuchen, ob durch die wirtschaftliche Entwicklung ein Konflikt zwischen den Sprachregionen begünstigt wird, ob das Verhältnis der Sprachregionen zueinander tatsächlich gespannter ist als früher und ob die Gefahr einer zunehmenden Entfremdung besteht. Insbesondere sollten die Experten aufzuzeigen versuchen, durch welche Massnahmen oder Verhaltensre- geln Spannungen im voraus vermieden werden könnten. Nach unserer Meinung sollte freilich kein Ethnien-Rat geschaffen werden, wie dies auch schon gefordert worden ist, damit nicht Sprachen- oder Minderheitenkonflikte insti- tutionalisiert werden. Aber auch diese Frage soll offen dis- kutiert werden. Zweck des Vorstosses ist es also, rechtzeitig dafür zu sor- gen, dass die Mehrsprachigkeit nicht zu einem Konfliktherd werden kann, sondern dass das friedliche, von gegenseiti- ger Wertschätzung geprägte Zusammenleben der verschie- denen Kulturen weiterhin ein charakteristisches Element des schweizerischen Staatswesens bleibt. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Überwiesen - Transmis #ST# 82.537 Postulat Ziegler-Genf Dritte Welt im Schulunterricht Postulat Ziegler-Genève Enseignement sur les problèmes du tiers monde Wortlaut des Postulates vom 29. September 1982 Mehr als 200 000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt von unseren Exporten in die Länder der Dritten Welt ab. Aus diesen Ländern kommen auch unsere wichtigsten Roh- stoffe. Auf die Einwohnerzahl umgerechnet ist die Schweiz in den Ländern Afrikas, Asiens, Ozeaniens und Lateinameri- kas der grösste Investor der Welt. Nun ist aber zu sagen, dass die Lehrpläne und namentlich die Lehrgänge für Staatsbürgerkunde unserer Primär- und Mittelschulen sowie der Berufsschulen die Probleme der Länder in der Dritten Welt nur sehr ungenügend berück- sichtigen. Auch wenn die Schulhoheit Sache der Kantone ist, spielt der Bund in diesem Bereich doch eine wichtige Rolle. Der Bundesrat wird eingeladen, in Zusammenarbeit mit den Kantonen zu prüfen, auf welche Weise der Unterricht über die Dritte Welt und namentlich über die Beziehungen der Schweiz zur Dritten Welt verbessert werden kann. Texte du postulat du 29 septembre 1982 En Suisse, plus de 200 000 postes de travail dépendent directement ou indirectement de nos exportations vers les pays du tiers monde. L'essentiel de nos matières premières provient de cette partie du monde. Par tête d'habitant, nous sommes le premier investisseur du monde dans les pays d'Afrique, d'Asie, d'Oceanie et d'Amérique latine. Or, dans nos écoles primaires, secondaires et profession- nelles, les programmes d'enseignement et plus particulière- ment les programmes d'instruction civique ne tiennent compte des problèmes que vivent les peuples du tiers monde que d'une façon très insuffisante. Malgré la souveraineté cantonale en matière scolaire, la Confédération joue, dans ce domaine aussi, un rôle impor- tant. Le Conseil fédéral est invité à examiner, en collaboration avec les cantons, de quelle façon l'enseignement concer- nant les pays du tiers monde, et plus particulièrement la transmission des connaissances sur les rapports entre la Suisse et le tiers monde, peuvent être développés. Mitunterzeichner - Cosignataires: Affolter, Ammann-Saint- Gall, Bäumlin, Bircher, Borei, Bundi, Deneys, Gloor, Hu- bacher, Jaggi, Leuenberger, Lœtscher, Longet, Neukomrn, Reimann, Reiniger, Renschier, Robbiani, Ruffy, Vannay (20) Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat der christlichdemokratischen Fraktion Erhaltung des Sprachfriedens. Bericht Postulat du groupe démocrate-chrétien Sauvegarde de la paix linguistique. Rapport In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1983 Année Anno Band II Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 15 Séance Seduta Geschäftsnummer 82.530 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 18.03.1983 - 08:00 Date Data Seite 515-516 Page Pagina Ref. No 20 011 322 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.
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