- Oktober 1982 N
1451
Interpellation de Capitani
düng unserer Armee. Als besonderes Problem erachtet die
Schweizerische Offiziersgesellschaft die Stellung der
schweizerischen Hauptwaffe, der Infanterie, die mit ihrem
heutigen Schutzgrad und der derzeit vorhandenen Bewaff-
nung in den neunziger Jahren nicht mehr in der Lage wäre,
ihre Aufträge zu erfüllen.
Als Hauptforderung verlangt die Schweizerische Offiziers-
gesellschaft, dass die Bedienungsmannschaften unter gün-
stigen Bedingungen eine faire Ersatz- und Trefferchance
haben müssen und dass die Geschosse auch modernes
Gerät möglicher Gegner zerstören können. Nach Auffas-
sung der Schweizerischen Offiziersgesellschaft sind diese
Grundanforderungen bei der Panzerabwehr und bei der
Fliegerabwehr teilweise nicht mehr gegeben.
Bei der Infanterie handelt es sich um die folgenden Forde-
rungen der Schweizerischen Offiziersgesellschaft:
- Das Regiment als Kampfgruppe muss eine möglichst
grosse taktische Autonomie erhalten.
- Entscheidend ist die Verbesserung der Panzerabwehr-
Kapazität in der Regimentskampfgruppe der Infanterie. Die
Hohlladungsgeschosse müssen verbessert werden und
sind durch Waffen mit Wuchtgeschossen zu ergänzen, um
auch die Panzerung neuer Panzergenerationen mit Sicher-,
heit durchschlagen zu können.
- Das Regiment benötigt mobile und gepanzerte Panzer-
abwehrmittel sowie gepanzerte Unterstützungswaffen (z. B.
Panzerminenwerfer), damit es im Rahmen der Kampfgruppe
Schwergewichte bilden kann.
- Mindestens eine Einheit im Regiment muss in Schützen-
panzern splitter-.und AC-gesichert eingesetzt werden kön-
nen. Nur so ist eine Regimentsreserve denkbar, die mit der
raschen Verschiebbarkeit und Gefechtsbeweglichkeit infan-
teristische Angriffskapazität gewährleistet.
- Das Infanterieregiment muss in der Lage sein, sich
gegen direkte Luftangriffe (Jagdbomber und Helikopter) zu
schützen und bei Luftlandungen die Lufttransportmittel zu
bekämpfen.
- Raketenrohre und Hohlpanzergranaten auf Stufe Einheit
sind durch ein wirksames stufengerechtes Panzerabwehr-
system zu ersetzen.
- Alle Kampfmittel müssen voll nachttauglich sein.
- Luftmobile Transportkapazität mit Schwergewicht für
den Alpenraum muss verfügbar sein.
- Im Rahmen der passiven Panzerabwehrmassnahmen
müssen neue Verminungstechniken eingeführt werden.
- Zur Verbesserung der Überlebenschancen der Infante-
rie sind neben dem weiteren Bau von permanenten Unter-
ständen vorfabrizierte Unterstände vorsorglich bereitzustel-
len. Die Baukapazität zugunsten des Infanterieregiments
soll erhöht werden.
Diese Forderungen wie auch jene bezüglich der mechani-
sierten Truppen, der Artillerie, der Flieger- und Fliegerab-
wehrtruppen sowie bezüglich der Ausbildung zielen in
erster Linie auf die Schliessung der Lücken in unserer mili-
tärischen Landesverteidigung hin.
Der Bundesrat wird ersucht, zu diesen Forderungen
gemäss den in der Interpellation gestellten Fragen Stellung
zu beziehen.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
Rapport écrit du Conseil fédéral
Es gehört zu den Merkmalen unseres Wehrwesens, dass
sich breite Kreise für die Probleme der Sicherheitspolitik
und der militärischen Landesverteidigung interessieren.
Viele Bürger befassen sich ausserdienstlich einzeln oder in
Vereinen mit solchen Fragen. Unsere Milizarmee ist auf
diese freiwillige Mitarbeit angewiesen.
Wenn die Schweizerische Offiziersgesellschaft in einer Stu-
die unter dem Titel «Unsere Armee in den neunziger Jah-
ren» ihre eigenen Vorstellungen über den zukünftigen Aus-
bau der Armee veröffentlicht, leistet sie einen wertvollen
Diskussionsbeitrag, erfährt doch das Spektrum planeri-
scher Überlegungen über die Zukunft unserer militärischen
Landesverteidigung damit eine willkommene Erweiterung.
Der Bundesrat hat mit wohlwollendem Interesse von der
Studie Kenntnis genommen. Es liegt in der Natur der
Sache, dass sich die Offiziersgesellschaft in ihren Vorschlä-
gen in erster Linie auf die Bedarfsseite ausrichtet, während
Militärdepartement und Bundesrat bei ihren planerischen
Arbeiten auch einschränkende Rahmenbedingungen - ins-
besondere diejenigen im Bereich der Bundesfinanzen, der
verfügbaren Ausbildungsplätze und des Personals für
Unterhalt und Ausbildung - berücksichtigen müssen. Wie
wir bereits in unserer Antwort auf die Einfache Anfrage
Herczog vom 15. März 1982 festgestellt haben, sind wir
deshalb gezwungen, strenge Prioritäten zu setzen. Die glei-
che Problematik stellt sich für die Landesverteidigung auch
auf anderen Gebieten, wenn private Organisationen und
Fachverbände ihre Bedürfnisse anmelden oder ihre Wün-
sche formulieren.
Die in der Interpellation gestellten Fragen berühren unmit-
telbar den Ausbau der Armee nach 1984. Dieser ist zurzeit
Gegenstand intensiver Studien und Untersuchungen im
Militärdepartement und in der Kommission für militärische
Landesverteidigung. Sie sind noch nicht so weit gediehen,
dass die Öffentlichkeit orientiert werden könnte. Sobald der
Bundesrat von den Anträgen des Militärdepartements
Kenntnis genommen und gleichzeitig über den Finanzplan
für die nächsten Jahre entschieden haben wird, werden die
Militärkommissionen der eidgenössischen Räte orientiert
und Parlament und Öffentlichkeit über unsere Absichten in
Kenntnis gesetzt.
Präsidentin: Der Interpellant erklärt sich von der Antwort
nicht befriedigt.
#ST# 82.387
Interpellation de Capitani
Schweizerische Militärdelegation in der DDR
Délégation militaire suisse en RDA
Wortlaut der Interpellation vom 7. Juni 1982
Am 13. Mai hat eine schweizerische Militärdelegation dem
Verteidigungsminister der DDR einen offiziellen Besuch
abgestattet. Sie führte dabei auch Gespräche mit hohen
Offizieren der DDR. Ich frage den Bundesrat an:
- Welche schweizerischen Interessen haben den Bundes-
rat veranlasst, diesen Besuch zu organisieren?
- Ist dem Bundesrat bekannt, dass die DDR im Rahmen
der östlichen Spionage gegen die Schweiz eine führende
Rolle spielt? Hält er solche offiziellen Besuche mit der
durch diese massive Spionagetätigkeit zum Ausdruck kom-
menden feindseligen Haltung der DDR gegenüber unserem
Land für vereinbar?
- Gibt sich der Bundesrat Rechenschaft darüber, dass ein
grosser Teil unseres Volkes solche Besuche nicht ver-
steht? Ist er nicht auch der Meinung, dass unserem Selbst-
behauptungswillen ein schlechter Dienst erwiesen wird,
wenn die hemmungslose Spionage der DDR durch solche
sogenannten Freundschaftsbesuche verharmlost wird?
- Glaubt der Bundesrat, dass durch solches Entgegen-
kommen ein Regime, wie dasjenige der DDR, zu einer
Änderung seiner Haltung veranlasst werden könnte? Wäre
es nicht eher erfolgsversprechend, die heutige Haltung der
DDR mit ablehnender Zurückhaltung zu beantworten?
Texte de l'interpellation du 7juin 1982
Le 13 mai, une délégation militaire suisse a fait une visite
officielle au ministère de la défense de la République démo-
Interpellation du groupe radical-démocratique1452N 8 octobre 1982
cratique allemande. Elle s'est entretenue à cette occasion
avec de hauts officiers de ce pays. Je prie le Conseil fédéral
de répondre aux questions suivantes:
- Quel est l'intérêt pour la Suisse de cette visite organisée
par le Conseil fédéral?
- Sait-il que la RDA joue un rôle dominant dans l'espion-
nage en Suisse au profit de l'Est? Estime-t-il de telles
visites compatibles avec l'attitude hostile que la RDA mani-
feste à l'égard de la Suisse par cet espionnage intensif?
- Se rend-il compte qu'une grande partie de notre peuple
ne comprend pas de telles visites? Ne pense-t-il pas qu'en
minimisant la gravité de l'espionnage effréné de la RDA
dans notre pays par de telles visites amicales il rend un
mauvais service à notre volonté de maintenir notre inté-
grité?
- Croit-il que de telles manifestations de bonne volonté
amèneront un régime comme celui de la RDA à modifier sa
politique? Ne serait-il pas plus efficace de lui opposer une
attitude de. refus ou pour le moins de circonspection?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Allenspach, Eppenber-
ger-Nesslau, Friedrich, Früh, Hunziker, Kopp, Lüchinger,
Schule (8)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Die Schweiz dient heute dem Nachrichtendienst der DDR
als Basis für die Spionage gegen die BRD. Wiederholt sind
in letzter Zeit in diesem Zusammenhang «tote Briefkästen»
auf schweizerischem Gebiet entdeckt worden; auch fanden
in unserem Lande Agententreffen statt. Die Schweiz ist
aber auch direktes Angriffsziel der DDR-Spionage. In der
III. Abteilung des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit ist
das 5. Referat auf die Beneluxländer, Österreich und die
Schweiz angesetzt. Von dort her werden auch immer wie-
der Versuche zur Anwerbung von Schweizer Bürgern als
Agenten unternommen, meistens unter Ausnützung einer
Notlage. Die «Deutsche Bücherei» in Leipzig ist bekanntlich
seit Jahren unter dem Vorwand wissenschaftlichen Interes-
ses bestrebt, sich systematisch militärisch interessante
Angaben über unsere Anlagen der Infrastruktur zu ver-
schaffen. Man fragt sich, was das mit freundschaftlichen
Beziehungen zu tun habe. Der Verteidigungsminister der
DDR, von dem unsere Militärdelegation empfangen wurde,
weiss zweifellos nicht nur bestens über diese ganze Aktivi-
tät Bescheid, sondern ist in seinem Amte wohl letztlich
sogar der Auftraggeber. Es ist unverständlich, dass schwei-
zerischerseits eine solche Haltung mit einem sogenannten
Freundschaftsbesuch honoriert und damit verharmlost wird.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
Rapport écrit du Conseil fédéral
- Der Besuch einer schweizerischen Militärdelegation in
der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) erfolgte
auf Einladung der Militärbehörden der DDR.
Die Schweiz unterhält mit der DDR normale diplomatische
Beziehungen. Allein aus Gründen der Höflichkeit bestand
deshalb für uns kein Grund, die Einladung abzulehnen.
Als neutrales Land ist die Schweiz bestrebt, mit allen Staa-
ten korrekte Beziehungen zu pflegen. Schweizer Delegatio-
nen unternehmen deshalb von Zeit zu Zeit Reisen in Ost
und West und besuchen dabei ausländische Armeen unab-
hängig von politischen Gesichtspunkten.
- Es trifft zu, dass in der Schweiz in letzter Zeit verschie-
dentlich Spionagefälle aufgedeckt wurden, in die Nachrich-
tendienstorgane der DDR verwickelt waren. Die zuständi-
gen Bundesstellen haben die erforderlichen Gegenmass-
nahmen getroffen. Der Bundesrat duldet keine Tätigkeit
fremder Nachrichtendienste - aus welchem Land sich diese
auch immer rekrutieren - auf unserem Staatsgebiet.
- Der Bundesrat ist-der Ansicht, dass ein offizieller Besuch
bei der Armee der DDR für unsere eigene Landesverteidi-
gung durch die daraus gewonnenen Erkenntnisse nützlich
sein kann. Er glaubt auch nicht, dass unser Selbstbehaup-
tungswille durch den Besuch verharmlost wurde. Die Dele-
gation hatte bei den anlässlich des Besuchs geführten
Gesprächen im Gegenteil Gelegenheit, die Gastgeber aus-
führlich über das bedingungslose Festhalten an unserem
Abwehrwillen ins Bild zu setzen.
- Auch wenn sich die DDR durch den Besuch der Schwei-
zer Delegation nicht zu einer Änderung ihrer Haltung veran-
lassen lässt, sind ähnliche Besuche aus den bereits
genannten Gründen für unser Land von Interesse. Der Bun-
desrat sieht keinen Grund, auf Kontakte mit Staaten, in
denen andere politische und gesellschaftliche Verhältnisse
bestehen, grundsätzlich zu verzichten.
Präsidentin: Der Interpellant erklärt sich von der Antwort
teilweise befriedigt.
#ST# 82.447
Interpellation
der freisinnig-demokratischen Fraktion
Erfahrungen aus dem Falkland-
und dem Libanon-Krieg
Interpellation du groupe radical-démocratique
Guerres des Malouines et du Liban.
Enseignements
Wortlaut der Interpellation vom 23. Juni 1982
Die kriegerischen Auseinandersetzungen um die Falkland-
inseln und im Libanon lassen gewisse Schlüsse auch für
unsere eigene Landesverteidigung zu. Der Bundesrat wird
daher um Stellungnahme zu folgenden Fragen ersucht:
- Beide Konflikte haben erneut gezeigt, dass konventio-
nelle Kriege unter der Nuklearschwelle weiterhin möglich
sind. Ist dieser Umstand auch nach Auffassung des Bun-
desrates eine Bestätigung dafür, dass unser auf konventio-
neller Bewaffnung beruhendes Abwehrkonzept nach wie
vor realistisch ist?
- Trifft die Auffassung zu, dass bessere Ausbildung und
Disziplin der britischen und israelischen Truppen gegen-
über ihrem jeweiligen Gegner eine wesentliche Rolle
gespielt haben?
- Ist es nach Auffassung des Bundesrates richtig, dass in
beiden Konflikten modernste Technik von erheblicher
Bedeutung war und dass damit die bei uns von einzelnen
Kreisen verfochtene Idee der einfachen und billigen Armee,
die auf technisch anspruchsvolle Warfen und Geräte ver-
zichtet, einmal mehr widerlegt worden ist?
- Treffen die Meldungen zu, wonach die Luftverteidigung
der britischen Bodentruppen mangels genügender Unter-
stützung durch Flugzeuge vor allem auf dem Lenkwaffensy-
stem Rapier und der tragbaren Flablenkwaffe Blowpipe
beruhte? Ergibt sich daraus nicht ein weiteres Argument für
die baldige Beschaffung einer tragbaren Flablenkwaffe
unsererseits?
- Offenbar haben die Israelis mehrere syrische Panzer
vom russischen Typ T-72 abgeschossen. Handelte es sich
dabei um das Modell mit Verbundpanzerung oder um ein
vereinfachtes Exportmodell, und welche Schlüsse sind dar-
aus für unsere Panzerabwehr zu ziehen?
- Ist es richtig, dass sich die britischen Truppen durch die
Verwendung von Nachtsichtgeräten wesentliche Vorteile
haben verschaffen können?
- In beiden Konflikten hat die elektronische Kriegführung,
insbesondere die Ortung und Lähmung gegnerischer
Abwehr- und Lenksysteme, eine wesentliche Rolle gespielt.
Entsprechende Vorkehrungen unsererseits im Rahmen des
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation de Capitani Schweizerische Militärdelegation in der DDR
Interpellation de Capitani Délégation militaire suisse en RDA
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans
Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In
Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1982
Année
Anno
Band
IV
Volume
Volume
Session
Herbstsession
Session
Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
15
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
82.387
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
08.10.1982 - 08:00
Date
Data
Seite
1451-1452
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Pagina
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20 010 844
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