- März 1984 N
345
Interpellation Mascarin
#ST# 81.546
Interpellation Mascarin.
Uran aus Namibia
Uranium en provenance de Namibie
Siehe Jahr 1982, Seite 556
Voir année 1982, page 556
Diskussion - Discussion
Frau Mascarin: Bereits 1974 hat der Namibia-Rat der UNO
ein Dekret erlassen, das den Export von Rohstoffen aus
Namibia verbietet, solange Namibia von Südafrika besetzt
gehalten wird. Zweck dieses UNO-Dekretes ist es, die Aus-
beutung der Rohstoffe von Namibia zu verhindern, sei es
durch die Besatzungsmacht oder durch multinationale Kon-
zerne, die Südafrika genehm sind. Nun läuft das schweizeri-
sche Atomkraftwerk Mühleberg mit massgeblichen Mengen
Uran aus Namibia. Von den anderen schweizerischen Atom-
kraftwerken weiss ich nicht, woher das Uran kommt. Der
Bundesrat erklärt sich in der Antwort auf meine Interpella-
tion auch ausserstande, zu dieser Frage Stellung zu neh-
men. Mühleberg jedenfalls gibt auf Anfrage hin ohne weite-
res zu, dass das Kraftwerk mit Uran aus Namibia arbeitet.
Der Bundesrat schreibt in seiner Antwort allerdings, er wisse
auch hier nichts Genaues. Offensichtlich will er nichts
Genaueres wissen über den ursprünglichen Herkunftsort
des Urans.
Die Kernkraftwerkgesellschaften haben völlig freie Hand, wo
sie den Kernbrennstoff einkaufen, wo sie ihn anreichern und
wo sie ihn zu Brennelementen verarbeiten lassen. Bei der
Einfuhr in die Schweiz müssen nur der Ort der Anreicherung
und der Ort der Herstellung von Brennelementen angege-
ben werden. Das ursprüngliche Herkunftsland bleibt in
einem diskreten Dunkel, und was die Bundesbehörden offi-
ziell nicht wissen, dafür brauchen sie offensichtlich auch
politisch keine Verantwortung zu tragen. Internationale Kon-
zerne sind ja auch nicht politisch verantwortlich zu machen.
Es ist für mich eine höchst unakzeptable Situation, dass der
Bundesrat sich hier um die politische Verantwortung her-
ummanövrieren will. Unakzeptabel ist das mir deswegen,
weil die Schweiz extrem auslandabhängig ist bei der
Beschaffung von Uran. Unakzeptabel deshalb, weil hier die
aussenpolitischen Beziehungen der Schweiz ganz mass-
geblich von privaten Konzernen einseitig festgelegt und
Korrekturmöglichkeiten von selten der politischen Behör-
den angeblich nicht möglich sind.
Die ganze Problematik des völkerrechtlich widerrechtlich in
Namibia beschafften Urans ist nicht eine juristische Frage.
Da bin ich ganz anderer Meinung als der Bundesrat in seiner
Antwort, der das Problem rein juristisch angeht. Es ist nicht
eine juristische Frage, sondern es ist eine Frage der Aussen-
politik der Schweiz. Abgesehen davon hat das Namibia-
Dekret Nummer 1 der UNO-Vollversammlung mehr Gewicht
als eine andere Resolution der UNO-Vollversammlung. Aus
zwei Gründen: weil das Dekret sich abstützt auf ein völker-
rechtlich anerkanntes Prinzip, dass die Nationen selber über
ihre Rohstoffe und deren Ausbeutung bestimmen können
sollen und nicht etwa die Besatzungsmacht, und weil zwei-
tens das Namibia-Dekret sich anlehnt an eine Resolution
des Sicherheitsrates von 1971. Derartige Beschlüsse des
Sicherheitsrates sind ja viel verbindlicher. Der damalige
Beschluss des Sicherheitsrates von 1971 forderte sämtliche
Staaten auf, ihre Verträge mit Südafrika, sofern Namibia mit
betroffen war, zu überprüfen und zu revidieren. Der Sicher-
heitsrat machte sämtliche Staaten darauf aufmerksam, dass
eine künftige Klage einer künftig unabhängigen namibi-
schen Regierung zu Recht erfolgen werde und Schadener-
satzforderungen zu Recht erfolgen werden für Rohstoffe,
die aus Namibia widerrechtlich bezogen wurden. Es ist nun
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ganz klar, dass die Anwendung dieses Namibia-Dekrets eine
Frage des politischen Willens der westlichen Industrienatio-
nen, darunter auch der Schweiz, ist. Gerade jetzt, wo in den
Verhandlungen über die Entlassung von Namibia in die
Selbständigkeit sich gewisse Fortschritte abzuzeichnen
scheinen, meine ich, sind derartige Rohstoffausbeutungen
in einem besetzten Land und deren Verwendung in der
Schweiz dem schweizerischen Image im Ausland abträglich.
Ebenso sind sie den Beziehungen der Schweiz zu allen
anderen Staaten, insbesondere den schwarzafrikanischen,
auf die wir ja auch angewiesen sind, abträglich.
Diesen ganzen politischen Aspekt klammert der Bundesrat
in seiner Antwort völlig aus. Zu der in Zug domizilierten
Firma RTZ Mineral Service LTD möchte ich nur sagen, dass
es klar ist, dass das Uran von dieser Firma nicht physikalisch
via Schweiz nach Japan verschoben wurde, sondern nur auf
dem Papier, und dazu brauchte sie offensichtlich keine
Genehmigung von irgendwelchen Bundesbehörden. Es ist
aber offensichtlich, dass das namibische Uran in Japan
nicht als solches deklariert und verkauft wurde, weil Japan
zu jener Zeit einen Importstopp für namibisches Uran ver-
fügt hatte. Es besteht hier offensichtlich eine Lücke in der
schweizerischen Gesetzgebung, die von derartigen Briefka-
stenfirmen ausgenutzt wird. Solche Briefkastenfirmen kom-
men ja auch wegen solchen Gesetzeslücken in die Schweiz,
und auch hier meint der Bundesrat, dass ihn keine politi-
sche Verantwortung für das Geschäftsgebaren derartiger
Firmen trifft. Da bin ich anderer Meinung. Das Geschäftsge-
baren derartiger Firmen prägt eben auch das Image der
Schweiz in der übrigen Welt, und es dient sicher nicht zu
unserem besten.
Ich bin also von der Antwort insbesondere deswegen abso-
lut unbefriedigt, weil der Bundesrat keinerlei politische Ver-
antwortung für derartiges Geschehen übernehmen will.
M. Aubert, conseiller fédéral: Je crois qu'il sera difficile de
nous entendre avec Mme Mascarin lorsqu'elle prétend que
le Conseil fédéral ne veut rien savoir de la provenance de
l'uranium utilisé par des entreprises nucléaires suisses pri-
vées et qu'il rejette sa «responsabilité politique».
Je voudrais remettre l'église au milieu du village et rappeler
que notre législation - peut-être lacunaire - dispose, à
l'article 4 de la loi fédérale sur l'utilisation pacifique de
l'énergie atomique, du 23 décembre 1959, qu'une autorisa-
tion de la Confédération est requise pour le transport, la
remise à la réception et toute autre forme de détention de
combustible nucléaire et de résidus radioactifs. Une autori-
sation est également requise pour le transit, pour l'importa-
tion et l'exportation de combustible et de résidus. Les auto-
risations d'importation sont accordées par l'Office fédéral
de l'énergie.
L'administration fédérale est sans doute en possession de
certains renseignements, en particulier sur les lieux d'ex-
traction du combustible, mais - vous le savez Madame
Mascarin - ce combustible nucléaire doit suivre différentes
phases de fabrication. La conversion de l'uranium en une
matière qui puisse être enrichie, l'enrichissement lui-même,
la fabrication des éléments combustibles se font à l'étran-
ger, hors du contrôle de la Suisse. Dès lors, il n'est pas
possible de déterminer l'origine du minerai utilisé pour le
produit d'uranium enrichi pour lequel nous délivrons des
autorisations d'importation. De plus, des minerais d'origines
différentes sont mélangés tout au long des phases de fabri-
cation que je viens d'énumérer.
Cela dit, le Conseil fédéral ne dispose d'aucune base légale
lui permettant d'intervenir. Il ne s'agit donc, de la part du
Conseil fédéral, ni de mauvaise volonté ni d'un refus de
prendre ses responsabilités. Au demeurant, comme nous
vous l'avons dit dans notre réponse, les décisions du «Con-
seil pour la Namibie» ne sont que des recommandations;
elles n'ont aucune valeur juridique contraignante, même
pour les membres dudit conseil.
Enfin, en ce qui concerne la «Rio Tinto Zinc», RTZ, Minéral
Service Limited avec siège social à Zoug, cette société n'a
jamais demandé d'autorisation aux autorités suisses et rien
Interpellation Braunschweig
34621 mars 1984
ne nous permet d'intervenir sur des transactions qu'elle
organiserait en dehors de Suisse entre des pays tiers.
Le président: L'auteur de l'interpellation, Mme Mascarin,
n'est pas satisfaite de la repense.
#ST# 83.496
Interpellation (Alder)-Muller-Aargau.
Korrespondenzwahlrecht der Ausländer
Interpellation (Alder)-Müller-Argovie.
Vote par correspondance des étrangers
Siehe Jahrgang 1983, Seite 1544
Voir année 1983, page 1544
Müller-Aargau: Ich habe die Interpellation von Kollege Aider
übernommen und möchte versuchen, das, was Herr Aider in
der Diskussion sicher gesagt hätte, in ähnlicher Weise vor-
zutragen.
Das Thema «Korrespondenzwahlrecht für Ausländer» hat
meinen Kollegen Aider über lange Zeit beschäftigt. Im Vor-
dergrund stand für ihn die Tatsache, dass der Bundesrat
den in der Schweiz wohnerden Ausländer verbietet, auf
dem Korrespondenzweg oc er über ihre Konsulate an
Abstimmungen in ihrer Heimat teilzunehmen, auch wenn
ihnen dies gestattet wird vom Recht in ihrer Heimat. Es
betrifft Portugiesen, Spanier, aber auch Franzosen und
Schweden. Das Verbot des Bundesrates beruht - nach der
Überzeugung von Herr Aider-auf keiner rechtlichen Grund-
lage. Es handelt sich um eire Praxis, die darauf gründet,
dass der Bundesrat ganz eirrach Angst hat, dass es in der
Schweiz eine Art Abstimmungskampf unter diesen Auslän-
dern geben könnte. Unter dem demokratischen Blickwinkel
erachten wir diese Praxis als absolut haltlos. Dementspre-
chend reichte Herr Aider schan im Jahre 1980 ein Postulat
ein, und genau das gleiche Postulat hat auch Ständerat
Generali in seinem Rat eingereicht. Die Vorstösse wurden
überwiesen.
Um auf europäischer Ebene nachzudoppeln, hat Herr Aider
einen entsprechenden Vorstoss im Europarat gemacht. Der
Vorstoss ist überwiesen und i/on der Juristischen Kommis-
sion bearbeitet worden. Mit der Empfehlung Nummer 951,
welche von der Parlamentarischen Versammlung mit gros-
sem Mehr angenommen wirde,'ist das Ministerkomitee
aufgefordert worden, entsprechende Schritte zu unterneh-
men. Soviel zur Sachlage.
Herr Aider hat nun im Sinne einer Rückkoppelung am
22. Juni 1983 nachgedoppelt, aber die Antwort des Bundes-
rates, die jetzt vorliegt, ist erneut ausweichend. Weiterhin
will der Bundesrat keinen zwingenden Grund sehen, die
vom Interpellanten geforderte Liberalisierung in die Tat
umzusetzen. Besonders eigenartig mutet an, dass der Bun-
desrat nun dieses Korrespordenzwahlrecht für Ausländer
mit dem Recht der Auslandschweizer verkoppelt, ein Glei-
ches tun zu können.
Wir sind weiter noch der Meinung, dass die Antwort des
Bundesrates unzureichend cder unannehmbar ist, da die
Empfehlung der Parlamentarischen Versammlung des Euro-
parates an die Adresse der Mitgliedstaaten, und nicht an die
Adresse des Ministerkomitee!;, gerichtet ist. Es besteht also
kein Grund, nun die Weisung des Ministerkomitees abzu-
warten. Indem der Bundesrat erst nach dem Beschluss des
Ministerkomitees seine Haltung festlegen möchte, ignoriert
er den entsprechenden Appell der Parlamentarischen Ver-
sammlung des Europarates. Er setzt sich, ohne ein Wort
darüber zu verlieren, über die von der Parlamentarischen
Versammlung erlassene Empfehlung hinweg. Diese Miss-
achtung der Tätigkeit der Parlamentarischen Versammlung
muss hier und heute angeprangert werden. Inzwischen hat
die Expertenkommission die Empfehlung der Parlamentari-
schen Versammlung bearbeitet; sie wird an die entspre-
chenden Minister der Staaten weitergeleitet.
Man kann sich fragen, was das Bekenntnis des Bundesrates
zum Europarat wert ist, beispielsweise in den neuen Regie-
rungsrichtlinien, wenn der Bundesrat in derart klaren Fällen
die Empfehlungen der Parlamentarischen Versammlung an
die Mitgliedstaaten einfach ignoriert.
Zusammenfassend halte ich nochmals fest: Es liegen zwei
Postulate aus den beiden Kammern des Parlamentes vor;
eine Empfehlung der Parlamentarischen Versammlung des
Europarates sowie eine Interpellation meines Kollegen Aider
an den Bundesrat wegen des Korrespondenzwahlrechts für
die Ausländer. Was braucht es also noch, um den Bundesrat
zu veranlassen, dieses Verbot aufzuheben?
Ich erkläre mich in diesem Sinne also nicht befriedigt von
der Antwort und vor allem aber von der Haltung des Bundes-
rates.
M. Aubert, conseiller fédéral: Je remercie M. Müller de son
intervention. Lorsque nous avons, au mois d'août 1983,
répondu par écrit à l'interpellation de M. Adler, nous venions
d'ouvrir une procédure de consultation sur le vote des
Suisses de l'étranger, dont l'échéance avait été fixée au
30 novembre 1983, donc postérieurement à la réponse du
Conseil fédéral à M. Aider.
Le Conseil fédéral est en train d'examiner les résultats de
cette procédure de consultation et de préparer un rapport.
C'est sur la base de ce rapport que seront élaborées les
propositions qu'il présentera au sujet du vote des Suisses de
l'étranger.
Le Conseil fédéral devra également réexaminer le problème
du vote des étrangers en Suisse, son interdiction n'ayant pas
de base légale, comme l'a relevé M. Müller. De même, le
Conseil fédéral sera appelé à examiner, au vu des résultats
de cette consultation, s'il y a lieu de maintenir un parallèle
entre ces deux problèmes. Il est possible qu'on puisse les
dissocier et traiter séparément celui du vote des étrangers
en Suisse.
Le président: M. Müller est invité à déclarer s'il est satisfait
ou non de la réponse du Conseil fédéral.
Müller-Aargau: Ich erwarte diesen Bericht mit Spannung
und werde daraus dann die Haltung des Bundesrates erse-
hen. Insofern kann ich mich teilweise befriedigt erklären.
#ST# 83.582
Interpellation Braunschweig
Nato-Nachrüstungsbeschluss und die Schweiz
La Suisse et les mesures de l'OTAN
visant au rétablissement
de l'équilibre des forces en Europe
Siehe Jahrgang 1983, Seite 1864
Voir année 1983, page 1864
Diskussion - Discussion
Braunschwelg: Ich habe Ende der letzten Session aus zwei
Gründen um Diskussion gebeten. Der erste Grund: Seit dem
28. September 1983, da ich meine Interpellation eingereicht
habe, sind etliche Monate verstrichen, und zahlreiche
Entwicklungen haben sich vor unseren Augen abgespielt,
an denen unser Land ebenfalls teilweise beteiligt war. Ich
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Mascarin. Uran aus Namibia
Interpellation Mascarin. Uranium en provenance de Namibie
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans
Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In
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Jahr
1984
Année
Anno
Band
I
Volume
Volume
Session
Frühjahrssession
Session
Session de printemps
Sessione
Sessione primaverile
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
13
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
81.546
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
21.03.1984 - 15:00
Date
Data
Seite
345-346
Page
Pagina
Ref. No
20 012 284
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