Supervisory complaint dismissed as untimely and recusal request inadmissible

VB170014Tribunal supérieur10 oct. 2017Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Zurich Obergericht’s Administrative Commission dealt with a supervisory complaint filed by A._____ against conduct of officials involved in district court proceedings in Meilen, together with a recusal request concerning the district court bench. The commission held that the supervisory complaint was inadmissible because the challenged facts were older than the 10-day filing period and had long been known to the complainant. The recusal request was also inadmissible because it was filed with the wrong authority and was not made without delay. The commission therefore issued no entry, charged no costs, and awarded no compensation.

Regeste Omnilex

§ 83 Abs. 1 und 3 GOG; Art. 49 Abs. 1 ZPO; § 127 lit. c GOG; supervisory complaint and recusal request: time limits and competent authority. A supervisory complaint must be filed in writing within 10 days of the complainant’s knowledge of the alleged official-duty violation; complaints concerning older conduct known earlier are inadmissible. A recusal request must be made immediately after learning of the alleged ground and filed with the competent court; filing it with a higher court lacking jurisdiction does not cure the defect. Where both admissibility requirements fail, the appellate supervisory authority may refrain from transferring an obviously untimely recusal request. In administrative supervisory proceedings, costs are generally not levied absent abusive filing (consid. 2.4–3.2).

Texte intégral

Obergericht des Kantons Zürich Verwaltungskommission

Geschäfts-Nr. VB170014-O/U Mitwirkend: Der Obergerichtspräsident lic. iur. M. Burger, Oberrichterin Dr. D. Scherrer, Oberrichterin lic. iur. E. Lichti Aschwanden, Oberrichte- ri n li c. i ur. F. Schorta und Oberri chter D r. D . Bussmann sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. C. Heuberger Golta

Beschluss vom 10. Oktober 2017

i n Sachen

A._____, Anzeigeerstatterin

gegen

B._____, lic. i ur., Beschwerdegegnerin

betreffend Aufsichtsbeschwerde im Verfahren CP160001-G des Bezirksge- richts Meilen etc.

Erwägungen: 1. Verfahrensgang 1.1. Mit Eingabe vom 18. Juli 2017 (Datum des Poststempels) reichte die An- zeigeerstatterin beim Obergericht des Kantons Zürich im gleichen Briefumschlag zwei Schreiben ein, das erste datierend vom 13. Juli 2017, das zweite datierend vom 18. Juli 2017. Beide Schreiben wurden gerichtsintern an die Verwaltungs- kommission weitergeleitet. Im ersten Schreiben vom 13. Juli 2017 bezieht sich die Anzeigeerstatterin auf den Prozess Nr. CP100003-G am Bezirksgericht Meilen be- treffend "Erbteilung" in Sachen 1. (...) und 2. C., Klägerin/Widerbeklagte, gegen A., Beklagte/Widerklägerin (und vorliegend Anzeigeerstatterin). Auf dieses Schreiben ist von der Verwaltungskommission im Verfahren VB170010-O einzugehen. Im zweiten Schreiben vom 18. Juli 2017 bezieht sich die Anzeigeer- statterin auf den Prozess Nr. CP160005-G (recte: CP160001-G) am Bezirksgericht Meilen betreffend "Erbteilungsklage" in Sachen D., Klägerin, gegen A., Beklagte 1 (und vorliegend Anzeigeerstatterin) und C., Beklagte 2. Auf dieses Schreiben ist im Folgenden ei nzugehen. 1.2. Die notwendigen Akten wurden beigezogen. Die Beschwerde erweist sich sofort als unbegründet. Das Verfahren ist somit spruchreif (vgl. § 83 Abs. 2 GOG). 2. Prozessuales 2.1. Gemäss § 80 Abs. 1 lit. b GOG i.V.m. § 18 Abs. 1 lit. k Ziff. 1 der Verord- nung über die Organisation des Obergerichts (LS 212.51) übt die Verwaltungs- kommission die Aufsicht über die dem Obergericht unterstellten Gerichte aus. 2.2. Die Anzeigeerstatterin beanstandet in ihrem Schreiben zahlreiche angebli- che Rechtsverletzungen des Bezirksgerichts Meilen und der Referentin, Ersatz- richterin lic. i ur. B., im Verfahren CP160001-G und führt aus, dass das Obergericht als Kontrollorgan über das Bezirksgericht Meilen "ebenso die Ver- antwortung trage". Sie schliesst mit: "Ich bi tte Si e um Kenntni snahme und Ihre Verantwortung wahrzunehme n". Ihr Schrei ben vom 18. Juli 2017 an das Oberge-

richt als "Kontrollorgan" über das Bezirksgericht Meilen ist deshalb als Aufsichts- beschwerde im Verfahren CP160001-G im Allgemeinen anhand zu nehmen. Die Verwaltungskommission ist zur Behandlung der Aufsichtsbeschwerde zuständig. 2.3. Es lässt sich nicht eruieren, welche Rügen welchen (z.T. ehemaligen) Mit- gliedern des Bezirksgerichts Meilen, die seit Anhängigkeit des Prozesses CP160001-G in diesen involviert waren, zuzuordnen sind. Es rechtfertigt sich deshalb, nur die aktuelle Referentin als Beschwerdegegnerin ins Rubrum des vor- liegenden Entschei ds aufzunehme n – zumal, wie sogleich zu zeigen ist, auf die Beschwerde ohnehi n ni cht ei nzutreten i st. 2.4. Die Aufsichtsbeschwerde ist innert 10 Tagen seit Kenntni snahme der Amtspfli chtverletzung schri ftli ch ei nzurei chen (§ 83 Abs. 1 GOG). Die Rügen der Anzeigeerstatterin betreffen indes allesamt Sachverhalte, die sich offensichtlich länger als 10 Tage vor ihrer Eingabe vom 18. Juli 2017 zutrugen und von denen die Anzeigeerstatterin auch schon länger als 10 Tage vor Ei nrei chung i hrer Be- schwerde Kenntni s hatte (vgl. z.B. ihre Rügen mit Bezug auf Sachverhalte vom 18. März 2015; act. 1 S. 1 f.). Auf die Beschwerde ist somit nicht einzutreten. 2.5. Die Anzeigeerstatterin stellt ein Ausstandsbegehren mit Bezug auf "diesen Spruchkörper" (gemeint: den Spruchkörper des Bezirksgerichts Meilen; act. 1 S. 5). Eine Partei, die eine Gerichtsperson ablehnen will, hat dem Gericht unver- züglich ein entsprechendes Gesuch zu stellen, sobald sie vom Ausstandsgrund Kenntni s erhalten hat (§ 83 Abs. 3 GOG i.V.m. Art. 49 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Zu- ständig ist, wenn u.a. Mitglieder oder Ersatzmitglieder des Bezirksgerichts betrof- fen sind, das Bezirksgericht (§ 127 lit. c GOG). Auf das beim Obergericht einge- reichte Begehren ist somit mangels Zuständigkeit nicht einzutreten. Da vorliegend offensi chtli ch nur schon di e erforderliche Unverzüglichkeit der Stellung des Ge- suchs nicht gegeben i st, kann zufolge Aussichtslosigkeit auf eine Überweisung des Begehrens ans Bezirksgericht Meilen verzichtet werden.

  1. Kostenfolgen; Rechtsmittel 3.1. Mit der vorliegenden Aufsichtsbeschwerde wurden ni cht namentli ch ge- nannte Entscheide beanstandet, sondern angeblich rechtswidrige Verhaltenswei- sen der am Bezirksgericht Meilen in den Prozess CP160001-G involvierten Ge- richtspersonen generell. Die Beschwerde war somit administrativer Natur. Im V er- fahren betreffend administrative Aufsichtsbeschwerde sind gemäss gängiger Pra- xis des Obergerichts keine Kosten zu erheben, sofern diese nicht mutwillig erho- ben wurde (§ 83 Abs. 3 GOG i.V.m. Art. 108 ZPO, § 20 GebV OG; BSK ZPO- Bornatico, Art. 132 N 39). Entschädigungen sind keine zu entrichten. 3.2. In Änderung der bisherigen Praxis steht den Betroffenen gegen diesen Be- schluss kein Rechtsmittel zur Verfügung (Hauser/Schweri/Lieber, GOG- Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2012, § 83 N 7; vgl. auch Beschluss der Verwal- tungskommission vom 20. Februar 2017, VB160024-O). Weil die Anzeigeerstatte- rin aus ihrer Stellung im Verfahren der administrativen Aufsichtsbeschwerde keine Verfahrensrechte ableiten kann (das Verfahren der administrativen Aufsichtsbe- schwerde betrifft nur eine Angelegenheit zwischen der Verwaltung und dem Ge- setz bzw. der Aufsichtsbehörde und dem Beaufsichtigten), ist ihr vom Ausgang des Verfahrens praxisgemäss kei ne Mi ttei lung zu machen. Es wird beschlossen: 1. Auf das Ausstandsbegehren wird nicht eingetreten. 2. Auf die Aufsichtsbeschwerde wird nicht eingetreten. 3. Die Kosten fallen ausser Ansatz. 4. Es werden keine Prozessentschädigungen zugesprochen. 5. Schri ftli che Mi ttei lung an di e Beschwerdegegnerin, gegen Empfangsschein.

Züri ch, 10. Oktober 2017

Obergericht des Kantons Zürich Verwaltungskommission

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. C. Heuberger Golta

versandt am:

Mots-clés

supervisory complaintrecusaltime limitinadmissibilitycourt supervisioncostscompetent authority

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the supervisory complaint against the District Court of Meilen was admissible despite being filed more than 10 days after knowledge of the alleged misconduct.

Solution extraite

No. The complaint was time-barred because the challenged events and the complainant's knowledge of them were clearly older than 10 days before filing.

Motifs extraits

A supervisory complaint must be filed in writing within 10 days of learning of the alleged official-duty violation. The complained-of events were long past and had been known to the complainant for more than 10 days.

Question juridique clé

Whether the recusal request regarding the District Court bench, filed directly with the cantonal appellate court, was admissible.

Solution extraite

No. The request was lodged with the wrong authority and was also not submitted immediately after learning of the alleged grounds for recusal.

Motifs extraits

Under the applicable rules, recusal requests against members of the district court must be addressed to that court without delay. The Obergericht lacked jurisdiction, and transfer was unnecessary because the request was plainly untimely.

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