Peace judge lacked subject-matter jurisdiction over public-law claims

RU160043Tribunal supérieur26 août 2016Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The plaintiff appealed a peace court order that had refused to hear his claim for repayment of CHF 16,000 in taxes and compensation for allegedly denied social assistance. The Obergericht held that the matter concerned public-law claims, not a civil dispute under the ZPO, so the peace court lacked subject-matter jurisdiction and was entitled to issue a non-entry decision. The filing was treated as an appeal because the amount in dispute met the threshold. The appeal was dismissed, the lower-court order was confirmed, and no second-instance costs or party compensation were awarded.

Regeste Omnilex

Art. 308 ZPO; Art. 113 Abs. 1 ZPO; public-law claims and conciliation jurisdiction: where the subject matter is plainly outside the civil-law scope of the ZPO, the conciliation authority may decline to enter only if lack of jurisdiction is manifest. Claims for repayment of taxes and for compensation arising from refusal of social assistance are public-law claims; conciliation under the ZPO is excluded. Even in state-liability constellations, where special cantonal procedures apply, the action is not to be brought through ZPO conciliation but according to the special statutory route. If the dispute value requirement is met, an incorrectly labeled filing is to be treated according to its substance.

Texte intégral

Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer

Geschäfts-Nr.: RU160043-O/U

Mitwirkend: Oberrichter lic. i ur. P. Diggelmann, Vorsitzender, Oberrichter Dr. P. Higi und Ersatzrichter lic. i ur. H. Meister sowie Gerichtsschreiberin lic. i ur. S. Bohli Roth Urteil vom 26. August 2016 i n Sachen

A._____, Kläger und Berufungskläger,

gegen

Politische Gemeinde Regensdorf, Beklagte und Berufungsbeklagte,

betreffend Fr. 16'000.00 Rückzahlung Steuern und Entschädigung betreffend Sozialgeldverweigerung

Berufung gegen eine Verfügung des Friedensrichteramtes B._____ vom 24. Juni 2016 (Geschäfts-Nr.: IA160044-T / V _V41)

Rechtsbegehren (act. 1 sinngemäss): 1. Aufgrund von Mittellosigkeit beantragt der Kläger die unentgeltli- che Rechtspflege. 2. Der Kläger fordert die Rückzahlung von bezahlten Steuerbeträ- gen i n Höhe von Fr. 16'000.-- und ei ne Entschädi gung für Sozi al- geldverweigerung, nebst Zins zu 6% ab Verfall. 3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Be- klagten.

Verfügung des Friedensrichteramtes B._____ vom 24. Juni 2016: 1. Auf die Klage wird nicht eingetreten. 2. Die Kosten des Schlichtungsverfahrens fallen ausser Ansatz. 3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 4./5. Mitteilung / Rechtsmittel (act. 7)

Berufungsanträge: des Berufungsklägers (act. 8 sinngemäss):

Die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und das Schli chtungsverfa hre n durchzuführen.

Erwägungen: 1. Am 23. Juni 2016 reichte der Kläger beim Friedensrichteramt B._____ Klage ein. Er forderte die Rückzahlung von bezahlten Steuerbeträgen in Höhe von Fr. 16'000.-- und eine Entschädigung betreffend Sozialgeldverweigerung, nebst 6% Zins ab Verfall. Ferner ersuchte er um Gewährung der unentgeltli che n

Prozessführung (act. 1). Mi t Verfügung vom 24. Juni 2016 trat das Friedensrich- teramt wegen sachlicher Unzuständigkeit ni cht auf die Klage ein (act. 7). 2. Hiergegen erhob der Kläger rechtzeitig Beschwerde und verlangt die Aufhebung des angefochtenen Entscheides. Er erklärt, er halte an seiner Klage fest. Es sei mehr als klar, dass das Friedensrichteramt dafür zuständig sei (act. 8). Der Kläger verlangt Fr. 16'000.-- nebst einer nicht näher bezifferten Ent- schädigung. Damit beläuft sich der Streitwert auf mindestens Fr. 16'000.-- . Die in Art. 308 ZPO für die Zulässigkeit der Berufung in vermögensrechtlichen Angele- genheiten geforderte Streitwertgrenze ist demnach erreicht, sodass die Eingabe ungeachtet i hrer Bezei chnung entgegenzune hme n und nach den zutreffenden Regeln zu behandeln ist (OGer ZH PF110004 vom 9. März 2011). 3.a) Mit seiner Begründung, es trete auf das Schlichtungsgesuch ni cht ei n, weil es sich bei der Streitsache um öffentlichrechtliche Forderungen handle, prüfte das Friedensrichteramt die Prozessvoraussetzung der sachlichen Zuständigkeit bzw. der korrekten Verfahrensart (act. 7). Die Folgen der sachlichen Unzustän- digkeit der Schlichtungsbehörde lassen ZPO und GOG offen. Es fragt sich des- halb, ob das Friedensrichteramt zum Nichteintretensentscheid berechtigt war oder ob es damit seine Befugni sse überschri tten hat. b) Die Kompetenz, auf das Gesuch nicht einzutreten, hat die Schlich- tungsbehörde nach der überwiegenden Lehre und gemäss neuerer Praxis der Kammer nur im Fall der offensichtlichen Unzuständigkeit. Wäre der Schli chtungs- behörde die Prüfung und der Entscheid über die Zuständigkeit grundsätzlich ve r- wehrt, stünde dies ni cht zuletzt i m Wi derspruch zu den Zi elen des Schli chtungs- verfahrens wie der raschen Streiterledigung und der Entlastung des Gerichts. Ergibt sich hingegen die Unzuständigkeit nicht unmissverständlich aus einer kla- ren Gesetzesbestimmung, so hat die Schlichtungsbehörde dem Kläger Gelegen- heit zur Stellungnahme zu geben. Beharrt dieser auf der Durchführung des Sühn- verfahrens, muss die Schlichtungsbehörde dem Begehren in der Regel Folge leis- ten und die Klärung der Zuständigkeit dem Gericht überlassen (ZK ZPO-

Honegger, 3. A., Art. 202 N 18 ff.; Egli, DIKE-Komm-ZPO, 2. A., Art. 202 N 14 f.; OGer ZH RU120022 vom 7. Mai 2012 und OGer ZH LU130001 vom 30. April 2013; vgl. auch Handbuch für die Friedensrichter des Kantons Zürich, 2. A. , Zü- rich 2012, N 73). c) Der Kläger fordert Steuerbeträge zurück und verlangt eine Entschädi- gung für verweigerte Sozialhi lfe. Dabei handelt es si ch ni cht um ei ne nach den Bestimmungen der ZPO zu beurteilende, privatrechtliche Streitigkeit, sondern um öffentli chrechtli c he Forderungen. Entsprechend gelangt die ZPO ni cht zur An- wendung. Selbst bei Staatshaftungsklagen, die im Kanton Zürich in der Regel der Beurteilung durch Zivilgerichte unterliegen (§ 19 lit. a HG), besteht kein Raum für ei n Schli chtungsverfa hre n im Sinne der ZPO. Nach durchgeführtem Vorverfahren durch die gemäss § 22 HG zuständige Stelle ist die Klage direkt beim Gericht ein- zureichen (§ 23 HG). Somit fehlt es für die vorliegende Streitsache klarerweise an der sachlichen Zuständigkeit des Friedensrichteramtes, weshalb dieses zu Recht nicht auf die Klage eintrat. Die Berufung erweist sich demnach offensi chtli ch i n der Sache unbegründet und i st ohne Weiterungen abzuweisen. Zu bemerken ist, dass der Kläger bereits mit Schreiben des Bezirksgerichtes Dielsdorf vom 9. Juni 2016 an die zuständi- gen Steuer- oder Sozialbehörden verwiesen wurde, da er öffentlichrechtliche An- sprüche geltend mache (act. 10/1). 4. Umständehalber ist von der Erhebung von Kosten für das Rechtsmit- telverfahren abzusehen. Parteientschädigungen si nd kei ne zuzuspreche n (Art. 113 Abs. 1 ZPO). Es wird erkannt: 1. Die Berufung wird abgewiesen, und die Verfügung des Friedensrichteramtes B._____ vom 24. Juni 2016 wird bestätigt. 2. Die Kosten für das zweitinstanzliche Verfahren fallen ausser Ansatz.

  1. Für das zweitinstanzliche Verfahren werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 4. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, an die Beklagte unter Beilage einer Kopie von act. 8, sowie – unter Rücksendung der ersti nstanzli che n Akten – an das Friedensrichteramt B._____, je gegen Empfangsschein, und an die Obergerichtskasse. 5. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist i nnert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be- schwerde ri chten si ch nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG. Es handelt sich um eine vermögensrechtliche Angelegenheit. Der Streitwert übersteigt Fr. 16'000.--. Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung.

Obergericht des Kantons Zürich II. Zi vi lk a mme r

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. S. Bohli Roth

versandt am:

Mots-clés

subject-matter jurisdictionconciliationpublic-law claimsstate liabilitydispute valuecourt costsparty compensation

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the appeal met the value threshold and had to be treated as an appeal despite its label

Solution extraite

The filing had to be treated as an appeal because the amount in dispute exceeded the statutory threshold for pecuniary matters.

Motifs extraits

The claimed CHF 16,000 plus an unspecified compensation claim produced a dispute value of at least CHF 16,000, which satisfied Art. 308 ZPO.

Question juridique clé

Whether the peace court could decline to hear the case for lack of subject-matter jurisdiction

Solution extraite

Yes. The peace court correctly declined jurisdiction because the claims were public-law claims, not civil-law disputes governed by the ZPO.

Motifs extraits

Claims for tax reimbursement and compensation for refused social assistance are public-law matters. Even state liability claims in Zurich generally do not go through ZPO conciliation; after the statutory preliminary procedure, the action must be filed directly with the court.

Question juridique clé

Costs and party compensation for the second-instance proceedings

Solution extraite

No court costs were charged and no party compensation was awarded.

Motifs extraits

The court waived costs in view of the circumstances and denied party compensation under Art. 113(1) ZPO.

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