Right to be heard when case dismissed based on third-party notice

PQ130003Tribunal supérieur12 avr. 2013Modified

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

Markus M. appealed against the district council's dismissal of his challenge concerning the intended use of his son's property and assets. The district council had closed the case after a letter from the City of Bülach indicated that the matter would be resolved elsewhere, without hearing Markus M. or clarifying the factual situation. The Obergericht held that this violated the right to be heard and that the existing file had to be properly handled. It annulled the dismissal and remitted the case to the district council. No costs were charged, and no compensation was awarded.

Regeste Omnilex

Art. 53 ZPO; rechtliches Gehör; eine Behörde darf ein hängiges Verfahren nicht als gegenstandslos abschreiben, wenn sie sich bloss auf eine Drittmitteilung stützt, ohne die Parteien anzuhören und den Sachverhalt hinreichend abzuklären. Das Recht auf rechtliches Gehör verlangt, dass das offene Dossier korrekt behandelt und mit den wesentlichen Unterlagen versehen wird; die blosse Möglichkeit einer neuen Gesuchseinreichung entbindet nicht von der sachgerechten Erledigung des laufenden Verfahrens (consid. 3). Bei ungenügender Abklärung ist die Sache zur weiteren Behandlung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Kostenfolgen richten sich nach den einschlägigen Verfahrensnormen; fehlt eine gesetzliche Grundlage, ist keine Entschädigung auszurichten.

Texte intégral

Art. 53 ZPO, rechtliches Gehör. Es verletzt das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers, wenn die Behörde ihr Verfahren abschreibt allein aufgrund einer Dritt-Mitteilung, das Verfahren sei gegen- standslos.

(Erwägungen des Obergerichts:) 1.1 Markus M. 1 ist der Vater des heute fünfzehneinhalb-jährigen Florian M.. Dieser verlor seine Mutter kurz nach seiner Geburt und lebt seither mit dem Vater zusammen. Aus dem Erbe seiner Mutter und später der Grossmutter mütterlicherseits erbte er ein kleines Vermögen. Die frühere Vormundschaftsbehörde und der Bezirksrat beschäftigten sich im Zusammenhang mit einer für Florian errichteten Beistandschaft immer wieder mit Florian und seinem Vater. Oft war auch das Obergericht involviert, letztmals mit einer Beschwerde Markus M.s vom 12. No- vember 2012, über welche am 3. Januar 2013 entschieden wurde (...). 1.2 Zu Florians Vermögen gehört ein Einfamilienhaus in Wallisellen, welches zur Zeit zu etwas mehr als Fr. 3'000.-- monatlich zuzüglich Nebenkosten vermietet ist. Im letzten Verfah- ren des Obergerichts wurde bekannt, dass Markus M. der Meinung ist, jener Mietvertrag solle gekündigt werden, damit er und Florian in das Haus ziehen könnten. Offenbar stellte er der Vor- mundschaftsbehörde am 12. September 2012 einen entsprechenden formellen Antrag, der sich allerdings in den dem Obergericht übermittelten Akten nicht findet. Die angesprochene Behörde wies den Antrag am 22. Oktober 2012 ab. Sie erwog, Markus M. müsse nach eigener Angabe sein aktuelles Domizil (...) in Bülach verlassen. Allerdings sei es nicht angebracht, den für Florian güns- tigen Mietvertrag über das Haus in Wallisellen zu kündigen. Markus M. sei es zumutbar, eine Wohnung in einer Preisklasse von bis zu Fr. 2'000.-- zu mieten, und Florian solle im nicht fernen Zeitpunkt seiner Volljährigkeit selber entscheiden, wie er über das Haus disponieren wolle (wann der Entscheid zugestellt wurde, ist den Akten nicht zu entnehmen). Dagegen führte Markus M. am 19. November 2012 Beschwerde an den Bezirksrat. Sinn- gemäss lässt sich der Beschwerde entnehmen, dass den aktuellen Mietern gekündigt werden solle und dass die bestehende Belastung des Objektes von Fr. 400'000.-- durch Amortisationen durch Kapitalleistungen von Vater und Sohn um Fr. 250'000.-- reduziert werden solle.

1 alle Namen geändert

Mit Schreiben vom 17. Dezember 2012 teilte die "Stadt Bülach, [Name] , Vormundschaft" Markus M. mit, dass "die Sozialbehörde Vormundschaft bzw. ab 1. Januar 2013 die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) die Zustimmung zum Erwerb des Hauses an der ...-strasse in Rafz geben wird", und dass dafür ein Beitrag von Fr. 150'000.-- aus dem Kindesvermögen werde bewilligt werden können. Diese Information liess [Name] mit Schreiben unter dem gleichen Brief- kopf "Stadt Bülach, Vormundschaft" am 8. Januar 2013 auch dem Bezirksrat zukommen, mit der Ergänzung, damit werde die Beschwerde gegen den Beschluss vom 22. Oktober 2012 gegen- standslos. Am 16. Januar 2013 entschied der Bezirksrat so und schrieb sein Beschwerdeverfahren ab. 2.1 Innert Frist führt Markus M. Beschwerde gegen den Entscheid des Bezirksrates. Er beantragt Aufhebung des Entscheides und Rückweisung an den Bezirksrat zur Erstellung des Sachverhaltes, eventuell ergänzende Abklärungen durch die Kammer. Der Bezirksrat wurde aufgefordert, sich dazu zu äussern, worum es überhaupt gehe, und zur Frage des rechtlichen Gehörs Stellung zu nehmen. Er schreibt, Vater und Sohn M. "sollten" in Rafz ein Haus erwerben und beziehen können. Markus M. habe das als Alternative angestrebt, nachdem ihm der Bezug des Hauses in Wallisellen verweigert worden sei, und das stehe sogar im Vordergrund; er habe bereits einen Reservationsvertrag unterzeichnet. Der Bezirksrat findet, er habe "in guten Treuen" annehmen dürfen, sein Geschäft sei erledigt. Eine weitere Abklärung der Verhältnisse sei "sinnlos", da Markus M. einen Antrag betreffend Haus Wallisellen jederzeit neu stellen könne. Die zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) verzichtet auf Bemerkun- gen. Sie hatte allerdings schon am 24. Januar 2013 dem Bezirksrat mitgeteilt, der Erwerb des Hauses in Rafz durch Markus M. (resp. die Finanzierung zum Teil aus Kindesvermögen) sei kei- neswegs sicher. Sie werde die Sache prüfen und dann entscheiden. 3. Die Beschwerde ist begründet. Der Bezirksrat hat sein Verfahren aufgrund der Mitteilung einer nicht mehr existierenden Behörde und ohne Gewährung des rechtlichen Gehörs abgeschrieben. Er hat weder die Verhältnisse und die Zukunft des in absehbarer Zeit volljährig werdenden Eigentümers des Hauses in Wallisellen abgeklärt (wohnt er noch bei seinem Vater, wann und warum muss dieser sein aktuelles Heim verlassen?), die gegenwärtige Situation den möglichen Alternativen (Miete einer Wohnung, Kauf eines Hauses) gegenüber gestellt, noch den Jugendlichen angehört. Dass ein Gesuch neu eingebracht werden kann, dispensiert eine Behörde

nicht von der korrekten Behandlung eines einmal offenen Dossiers (in dem auch alle wesentli- chen Unterlagen vorhanden sein müssen). Der angefochtene Beschluss ist aufzuheben. Da die bisherigen Abklärungen absolut unge- nügend waren, ist eine Rückweisung angezeigt. 4. Kosten sind nicht zu erheben. Für eine Entschädigung des Beschwerdeführers fehlt im gerichtlichen Verfahren eine gesetzliche Grundlage. Es wird beschlossen: 1. Der angefochtene Beschluss wird aufgehoben, und die Sache wird zur weiteren Behandlung und zu neuem Entscheid an den Bezirksrat zurück gewiesen. 2. Kosten werden nicht erhoben.

Obergericht, II. Zivilkammer Beschluss vom 12. April 2013 Geschäfts-Nr.: PQ130003-O/U

Mots-clés

right to be heardmootnessremandchild protectionfactual inquiryprocedural fairness

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the district council violated the appellant's right to be heard by dismissing the appeal solely on a third-party statement that the matter had become moot.

Solution extraite

Yes. The procedure was closed on the basis of information from a non-existent authority and without hearing the appellant.

Motifs extraits

The authority made no adequate factual inquiries, did not compare the current situation with the alternatives, and did not hear the adolescent owner. The possibility of filing a new request does not excuse improper handling of an already pending file.

Question juridique clé

Whether the appellate court should itself complete the factual investigation or remit the matter.

Solution extraite

The case had to be remitted because the previous inquiries were wholly insufficient.

Motifs extraits

Essential facts had not been established, so a return to the district council for fresh handling and a new decision was necessary.

Question juridique clé

Whether court costs should be charged and compensation awarded to the appellant.

Solution extraite

No costs were charged, and no compensation could be awarded in the judicial proceedings because no statutory basis existed.

Motifs extraits

The court ordered no costs and stated that the procedural law did not provide a basis for compensation.

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