No appeal jurisdiction over salary classification dispute

PB.2004.00013Tribunal administratif / 4e division7 juil. 2004Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

A municipal tax-office employee challenged his retroactive transfer into a salary/function level and sought a higher classification. The Zurich Administrative Court held that the dispute was not within its appellate jurisdiction because it concerned salary classification in personnel law, no gender-discrimination claim was raised, and Art. 6(1) ECHR did not apply to this public employee. The court therefore did not enter into the appeal and forwarded the filing to the Regierungsrat as the competent further appeal. Due to the incorrect remedy instruction below, court costs were charged to the Bezirksrat Zürich on the state treasury.

Regeste Omnilex

§§ 43, 74, 80c VRG; Art. 6 Abs. 1 EMRK; Art. 8 Abs. 3 BV, Art. 3 GlG: Jurisdiction over cantonal personnel disputes concerning salary classification and grading. A general administrative appeal is excluded for personnel matters and the special appeal route does not extend to classification and promotion in salary bands and levels, absent a claim of sex discrimination or another exceptional basis. For public employees whose duties entail participation in public authority, Art. 6(1) EMRK is in principle inapplicable. If an appeal is lodged in the wrong procedural form, it must be transmitted to the competent authority. Where the lower decision gave an incorrect remedy instruction, costs may not be imposed on the unsuccessful appellant; they may be charged to the lower authority and borne by the state treasury.

Texte intégral

I.

A. A hatte seit Anfang 2000 beim Steueramt der Stadt Zürich als kauf­männischer Beamter nach altem kommunalem Personalrecht gearbeitet. Mit Überleitungs-Verfügung vom 20. Mai 2003 überführte ihn der Direktor des Steueramts als neu­rechtlich Angestellten rückwirkend per 1. Juli 2002 in die Funktionsstufe 9 der Funktionskette 607 ("Anspruchs­volle Sachbearbeitung"), und zwar unter der Funktions­bezeichnung "Sach­bearbeiter mit vermehrter Verantwortung Abteilung Inventar", bei nutzbarer Erfahrung von neun Jahren sowie einer Lage im Lohnband von 100,72 % des Mittelwerts. Das Gehalt ver­änderte sich dadurch nicht. Die von A. zu tätigenden Erhebungen finden "Ver­wendung für die steueramtliche Einschätzung per Todesfall".

B. Unter dem 3. Juni 2003 reichte A gegen die Überleitungsverfügung Einsprache ein mit dem Ansinnen, ihn auf die Funktionsstufe 10 und die nutzbare Erfah­rung auf das Maximum von 15 Jahren zu heben. Der Stadtrat von Zürich wies den so genannten stadt­internen Rekurs mit Beschluss vom 9. Juli 2003 ab.

II.

A rekurrierte dagegen unter dem 15. August 2003 mit unverändertem Begehren. Mit Beschluss vom 29. April 2004 wies der Bezirksrat Zürich das Rechts­mittel ab und nannte als Weiterzugsmöglichkeit die Beschwerde beim kantonalen Verwaltungsgericht.

III.

A erhob hiergegen am 19. Mai 2004 mit gleich gebliebenem Antrag denn auch Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Während der Bezirksrat Zürich unter dem 4. Juni 2004 auf Vernehmlassung verzichtete, schloss der Zürcher Stadtrat in der Beschwerde­antwort vom 23. jenes Monats auf Abweisung des Rechtsmittels.

Die Kammer zieht in Erwägung:

1.

Indem die Beschwerdegegnerin die durch das Verwaltungsgericht einschlägig entwickelten Gesichtspunkte richtig anwendet und betreffend die hier kontroversen Lohnunterschiede von Zahlen ausgeht, an denen zu zweifeln kein Anlass besteht, errechnet sie einen die Grenze von Fr. 20'000.- knapp übersteigenden Streitwert (Andreas Keiser, Das neue Per­sonalrecht – eine Herausforderung für die Zürcher Gemeinden, ZBl 102/2001, S. 561 ff., 572, mit Hinweisen). Das vorliegende personalrechtliche Rechtsmittel gilt es deshalb kraft § 38 Abs. 1 f. des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG, LS 175.2) und mangels Sondermaterien gemäss § 38 Abs. 2 lit. a oder b VRG in Dreierbesetzung zu erledigen (vgl. oben I-III).

2.

Die Zuständigkeit ist laut § 80c in Verbindung mit §§ 70 und 5 Abs. 1 VRG von Amts wegen zu prüfen.

2.1 § 43 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Abs. 2 VRG verbietet die (allgemeine) Beschwer­de auf dem hier interessierenden Gebiet des Personalwesens (vgl. oben 1, auch zum Fol­gen­den), es stehe denn die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht offen oder handle sich um eine Sache gemäss Art. 6 Abs. 1 der Europäischen Menschenrechts­konvention (EMRK, SR 0.101). § 74 VRG erlaubt die (spezielle) Beschwerde unter an­de­rem gegen erstinstanzliche Rekursentscheide über personal­rechtliche Anordnungen (Abs. 1), wie das gegenwärtig zutrifft, ausser es gehe beispielsweise um Einreihung und Be­för­derung in Besoldungsklassen sowie -stufen (Abs. 2).

Lehre und verwaltungsgerichtliche Praxis machen eine – bundesrechtlich sowie nach § 80c in Verbindung mit § 43 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 VRG gebotene – Gegenausnahme zu § 74 Abs. 2 VRG, wenn sich die Beschwerdeführenden auf Art. 8 Abs. 3 Satz 3 der Bundesver­fassung vom 18. April 1999 (BV, SR 101) bzw. Art. 3 des Gleich­stellungs­gesetzes vom 24. März 1995 (SR 151.1) berufen (VGr, 28. Mai 2003, PB.2002.00049, E. 2a/aa Abs. 2, sowie 11. Juni 2003, PB.2003.00009, E. 1b – je mit Hinweisen und unter www.vgrzh.ch).

Ebenso hat das Verwaltungsgericht anschliessend an Entscheide des Europäischen Ge­richtshofs für Menschenrechte sowie des Bundesgerichts in jüngerer Zeit gefunden, der Streit über Einreihung und Beförderung in Besoldungsklassen sowie -stufen im Sinn von § 74 Abs. 2 VRG könne eine zivilrechtliche Angelegenheit nach Art. 6 Abs. 1 EMRK bilden (VGr, 28. Mai 2003, PB.2002.00049, E. 2a/aa Abs. 2, sowie 11. Juni 2003, PB.2003.00009, E. 1c – je mit Hinweisen und unter www.vgrzh.ch; vgl. auch BGE 129 I 207).

2.2 Weil hiervon der Rechtsweg abhängen kann, muss ein Rechtsmittel erklären, ob es den Anspruch auf geschlechtlich diskriminierungsfreien Lohn gemäss Art. 8 Abs. 3 Satz 3 BV bzw. nach Gleichstellungsgesetz geltend mache (VGr, 28. Mai 2003, PB.2002.00049, E. 2a/cc Abs. 2, mit Hinweisen, www.vgrzh.ch). Letzteres tut der Beschwerdeführer nicht, wie denn auch keine Anzeichen für eine Geschlechtsdiskriminierung bestehen; er be­schränkt sich darauf, das allgemeine Egalitätsprinzip im Sinn von Art. 8 Abs. 2 BV als ver­letzt zu rügen.

Art. 6 Abs. 1 EMRK sodann findet – so lange es sich wie hier nicht um Pensions­ange­legenheiten dreht – keine Anwendung auf staatlich Beschäftigte, deren Tätigkeit im Licht ihnen übertragener Aufgaben sowie Verantwortlichkeiten eine unmittelbar oder mittelbare Teilhabe an der öffentlichen Gewalt darstellt und das allgemeine Interesse des Gemein­wesens wahren soll; das trifft regelmässig auf Angestellte der Steuerverwaltung zu, etwa dortige Inspektorinnen oder Inspektoren (BGE 129 I 207 E. 4.3; VGr, 28. Mai 2003, PB.2002.00049, E. 2a/dd, www.vgrzh.ch; EGMR, 1. Juli 2003, Sidabras und Dziautas, 55480/00 und 59330/00, hudoc.echr.coe.int; vgl. oben I-III, auch zum Folgenden sowie nächsten Absatz). Weil die Inventarisierungen durch den Beschwerdeführer wesentliche Grundlage für Steuereinschätzungen bei Todesfällen bilden, muss dieser im Sinn der eben aufgezeigten Praxis den Garantien von Art. 6 Abs. 1 EMRK entzogen bleiben, übt er doch insbesondere zumindest mittelbar öffentliche Gewalt zu generellen Gunsten von Be­schwerdegegnerin, Kanton Zürich und Bund aus.

Endlich handelt es sich beim Streit der Parteien um einen solchen betreffend Salär­einreihung, wo § 74 Abs. 2 VRG die Beschwerde ausschliesst (vgl. VGr, 28. Mai 2003, PB.2002.00049, E. 2a/bb, mit Hinweisen, www.vgrzh.ch).

2.3 Nach alledem lässt sich auf das Rechtsmittel nicht eintreten. Es ist zwecks Behandlung als weiterer Rekurs dem Regierungsrat zu überweisen (§ 19c Abs. 2 sowie § 80c in Verbin­dung mit §§ 70 und 5 Abs. 2 Satz 1 VRG; vgl. oben II+III).

3.

Da der Streitwert nicht unter Fr. 20'000.- liegt, besteht für die Verfahrensbeteiligten keine Kostenfreiheit im Sinn von § 80b VRG (vgl. oben 1). Der angefochtene Entscheid hat eine unzutreffende Rechtsmittelbelehrung erteilt (oben II, 2). Deshalb lassen sich die Gerichts­kosten nicht ausgangsgemäss dem vor Verwaltungsgericht erfolglosen Beschwerdeführer auferlegen (Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechts­pflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 13 N. 23), wohl aber der Vorinstanz zu Lasten der Staatskasse (vgl. VGr, 11. Februar 2004, VB.2003.00400, E. 4, www.vgrzh.ch; anders noch Kölz/Bosshart/Röhl, § 13 N. 27, die ein solches Vorgehen frei­lich bei der Parteientschädigung für statthaft ansehen [§ 17 N. 33]).

Demgemäss beschliesst die Kammer:

  1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

Sie wird zur Behandlung als Rekurs an den Regierungsrat weitergeleitet.

  1. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf

Fr. 500.--; die übrigen Kosten betragen:

Fr. 60.-- Zustellungskosten,

Fr. 560.-- Total der Kosten.

  1. Die Gerichtskosten werden zu Lasten der Staatskasse dem Bezirksrat Zürich auferlegt.

Mots-clés

public employmentsalary classificationappeal admissibilityjurisdictionpublic authorityECHRequal treatmentcost allocation

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the cantonal administrative court had jurisdiction over the appeal against the salary/function classification decision.

Solution extraite

The court lacked appellate jurisdiction because the dispute concerned salary classification and no exceptional ground under the applicable rules was established.

Motifs extraits

General administrative appeal is excluded for personnel matters; the special appeal route does not apply to classification and promotion in salary bands/stages. The complainant did not invoke sex discrimination, and Art. 6(1) ECHR did not apply to this public employee performing tasks linked to public authority.

Question juridique clé

Whether the case had to be forwarded to the Regierungsrat for treatment as a further administrative appeal.

Solution extraite

Yes. The inadmissible complaint was to be transmitted to the Regierungsrat as the competent body for treatment as a further appeal.

Motifs extraits

Where the incorrect remedy was used, the filing must be transferred to the authority competent for the proper administrative appeal.

Question juridique clé

How to allocate court costs given the incorrect remedy instruction in the lower decision.

Solution extraite

Court costs were imposed on the Bezirksrat Zürich to be borne by the state treasury, not on the unsuccessful appellant.

Motifs extraits

Because the value in dispute exceeded CHF 20,000 and the lower decision gave an incorrect remedy instruction, costs could not be imposed on the appellant despite his failure before the court.

Poursuivez vos recherches dans ChatGPT ou Claude

Connectez Omnilex pour rechercher dans le corpus juridique depuis votre assistant IA.