Appeal against involuntary placement declared inadmissible as late

F 2020 28Tribunal administratif / Chambre du droit de l'aide sociale20 juil. 2020Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

A patient under physician-ordered involuntary psychiatric placement appealed to the Zug Administrative Court and sought release. The court held that the ten-day deadline under Art. 439 ZGB had expired because the measure was notified on 26 June 2020 and the appeal was only posted on 17 July 2020. The appeal was therefore not entered into. The filing was requalified and forwarded to the clinic as a discharge request under Art. 426(4) ZGB. The proceedings were free of charge and no party compensation was awarded.

Regeste Omnilex

Art. 439 Abs. 2 ZGB; timeliness of an appeal against physician-ordered involuntary placement. The ten-day period begins with notification of the measure and is computed under the cantonal rules on deadlines; a postal submission after expiry is inadmissible. If the court cannot enter into the appeal, the submission may be treated as a discharge request under Art. 426 Abs. 4 ZGB and forwarded to the institution. Free-of-charge proceedings preclude court costs; absent legal representation, no party compensation is due.

Texte intégral

FÜRSORGERECHTLICHE KAMMER

DIE EINZELRICHTERIN

U R T E I L vom 21. Juli 2020 [rechtskräftig]

gemäss § 20 der Geschäftsordnung

in Sachen

A.________, zzt. Triaplus AG Klinik Zugersee, 6317 Oberwil b. Zug

Beschwerdeführer

gegen

Triaplus AG Klinik Zugersee, Widenstrasse 55, 6317 Oberwil b. Zug

Beschwerdegegnerin

betreffend

Fürsorgerische Unterbringung

F 2020 28

A. A.________, geb. 1973, wurde am 29. Juni 2020 von B.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH mit fürsorgerischer Unterbringung in die Triaplus AG Klinik Zugersee eingewiesen.

B. Mit Eingabe vom 17. Juli 2020 (Datum des Poststempels) beschwerte sich A.________ beim Verwaltungsgericht gegen die fürsorgerische Unterbringung und beantragte sinngemäss seine Entlassung aus der Klinik.

Die Einzelrichterin erwägt:

1. Gegen eine ärztlich angeordnete Unterbringung kann die betroffene oder eine ihr nahestehende Person das Gericht anrufen (Art. 439 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB in der seit 1. Januar 2013 geltenden Fassung). Zuständiges Gericht für die Beurteilung von Beschwerden in den Fällen von Art. 439 ZGB ist gemäss der per 1. Januar 2013 geltenden Fassung von § 58 Abs. 1 lit. b des Einführungsgesetzes zum ZGB (EG ZGB; BGS 211.1) das Verwaltungsgericht. Örtlich zuständig ist das Verwaltungsgericht, wenn die betroffene Person Wohnsitz im Kanton Zug hat oder wenn die Massnahme von einer Arztperson oder Ein-richtung im Kanton Zug angeordnet wurde und die betroffene Person sich im Kanton Zug aufhält (§ 58 Abs. 2 EG ZGB). Der Beschwerdeführer hat seinen gesetzlichen Wohnsitz in C.________/ZG, weshalb die örtliche und sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts gegeben ist.

1.1 Nach Art. 439 Abs. 2 ZGB beträgt die Frist zur Anrufung des Gerichts zehn Tage seit der Mitteilung des Entscheids. Der Beschwerdeführer wurde am 26. Juni 2020 von B.________ mittels ärztlicher Anordnung einer fürsorgerischen Unterbringung in die Triaplus AG Klinik Zugersee eingewiesen, sodass der 26. Juni 2020 als Mitteilungsdatum gilt. Die zehntägige Beschwerdefrist gegen die ärztlich angeordnete fürsorgerische Unterbringung hat damit am Samstag, dem 27. Juni 2020, zu laufen begonnen (§ 10 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes, VRG; BGS 162.1) und am Montag, dem 6. Juli 2020, geendet (Art. 439 Abs. 2 ZGB i.V.m. § 10 Abs. 3 VRG). Die vorliegende Beschwerde wurde am 17. Juli 2020 der Post übergeben, sodass sie nicht fristgerecht und demzufolge verspätet eingereicht worden ist. Auf die Beschwerde kann daher zufolge Verspätung nicht eingetreten werden. Da die Voraussetzungen für ein Nichteintreten auf die Beschwerde offensichtlich erfüllt sind, kann die Beurteilung gemäss § 20 Abs. 3 der Geschäftsordnung des Verwaltungsgerichtes (GO VG; BGS 162.11) durch die Einzelrichterin erfolgen.

1.2 Nachdem auf die verspätet eingereichte Beschwerde nicht eingetreten werden kann, ist die Eingabe des Beschwerdeführers als Entlassungsgesuch im Sinne von Art. 426 Abs. 4 ZGB an die Triaplus AG Klinik Zugersee zu überweisen. Nach einer allfälligen Abweisung des Entlassungsgesuchs könnte wiederum das Verwaltungsgericht angerufen werden (vgl. Art. 439 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB).

2. Das Verfahren ist kostenlos (§ 57 Abs. 2 EG ZGB), weshalb vorliegend keine Gerichtskosten zu erheben sind. Eine Parteientschädigung ist dem ohnehin nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer bei diesem Verfahrensausgang nicht zuzusprechen.

Demnach erkennt die Einzelrichterin:

_____________________________

1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. Die Eingabe des Beschwerdeführers wird als Entlassungsgesuch an die Triaplus AG Klinik Zugersee überwiesen.

2. Es werden keine Kosten erhoben.

3. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der schriftlichen Eröffnung beim Schweizerischen Bundesgericht in Lausanne Beschwerde in Zivilsachen eingereicht werden.

5. Mitteilung an den Beschwerdeführer (mit ausführlicher Rechtsmittelbelehrung) und an die ärztliche Leitung der Triaplus AG Klinik Zugersee (unter Beilage des Originals der Beschwerdeschrift).

Zug, 21. Juli 2020

Im Namen der

FÜRSORGERECHTLICHEN KAMMER

Die Einzelrichterin

lic. iur. Gisela Bedognetti-Roth

Der Gerichtsschreiber

lic. iur. Peter Kottmann

versandt am

Mots-clés

involuntary placementdeadlineinadmissibilitydischarge requestcostsparty compensation

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the appeal against the physician-ordered involuntary placement was filed within the ten-day deadline.

Solution extraite

No; the appeal was filed after the statutory deadline and therefore cannot be heard.

Motifs extraits

The placement was notified on 2020-06-26; the ten-day period under Art. 439(2) ZGB began on 2020-06-27 and expired on 2020-07-06. The filing on 2020-07-17 was late.

Question juridique clé

Whether the late filing should be treated as a request for discharge to be transmitted to the clinic.

Solution extraite

Yes; the submission is to be forwarded as a discharge request under Art. 426(4) ZGB.

Motifs extraits

Because the court cannot enter into the appeal, the submission is requalified and transmitted to the clinic for treatment as a discharge request.

Question juridique clé

Costs and party compensation

Solution extraite

No court costs are levied and no party compensation is awarded.

Motifs extraits

The proceedings are free of charge under § 57(2) EG ZGB, and the appellant was not represented by counsel.

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