Heir certificate has no material effect on inheritance rights

C1 09 39Tribunal cantonal22 janv. 2010Granted

Ouvrir la source

Résumé

The court held that an heir certificate under Art. 559 CC is only a provisional certificate of legitimation and does not determine substantive inheritance rights. The defendants could therefore not rely on an earlier certificate naming the mother as sole heir to deny the plaintiff's standing. Since the plaintiff is a statutory heir as daughter of the deceased, and no disinheritance, unworthiness, or valid ground for postponing partition was shown, she may demand partition of the estate.

Regest

Art. 559 CC; effect of the heir certificate on inheritance rights: the heir certificate is merely a provisional legitimating document for dealing with estate assets and has no substantive legal effect as to heirship (consid. 3a). Entitlement to inherit is determined exclusively by the succession rules in Art. 457 ff. CC. A person omitted from the certificate is not for that reason excluded from the estate; conversely, the certificate cannot create heirship. A statutory heir may invoke Art. 604 CC and demand partition at any time unless disinheritance, unworthiness, or another legally relevant ground for deferral is established.

Texte intégral

Zivilrecht - Erbrecht - Erbenschein - KGE (I. Zivilrechtliche Abteilung) vom 22.

Januar 2010, X. c. Y. u.a.

Erbrecht: Erbenschein (Art. 559 Abs. 1 ZGB)

Der Erbenschein stellt einen provisorischen Legitimationsausweis dar ohne mate-

riellrechtliche Wirkung bezüglich der Erbberechtigung (E. 3a).

Ref. CH: Art. 559 ZGB

Ref. VS: -

Droit des successions: certificat d’héritier (art. 559 al. 1 CC)

Le certificat d’héritier constitue un certificat de légitimation provisoire, sans effet

de droit matériel en ce qui concerne le droit à l’héritage (consid. 3a).

Réf. CH: art. 559 CC

Réf. VS:-

Aus den Erwägungen

(...)

  1. a) Bis zu ihren Schlussbegehren haben die Beklagten den einge-

klagten Anspruch der Klägerin auf Feststellung und Teilung des Nach-

lasses des Vaters unter den Prozessparteien als dessen gesetzlichen

Erben ausdrücklich anerkannt. Nunmehr plädieren sie auf Klageabwei-

sung mit der Begründung, der erste Erbenschein weise die Mutter als

Alleinerbin aus und sei unangefochten in Rechtskraft erwachsen,

womit weitere Personen keine erbrechtlichen Ansprüche hätten. Sinn-

gemäss bestreiten sie damit die Aktivlegitimation der Klägerin.

Ob eine solche Änderung der Anträge nach Anerkennung der Kla-

gebegehren zulässig bleibt, braucht vorliegend nicht näher geprüft zu

werden, weil der Standpunkt der Beklagten in jedem Falle unzutreffend

ist. Der Erbenschein (Art. 559 ZGB) beinhaltet lediglich eine provisori-

sche Legitimation zur Verfügung über die Erbschaftsgegenstände; er

hat jedoch keinerlei materiellrechtliche Wirkung bezüglich der Erbbe-

rechtigung der darin aufgeführten oder eben nicht aufgeführten Perso-

nen (BGE 128 III 318 E. 2.2.2; 118 II 108 E. 2b; Karrer, Basler Kommentar,

N. 45 zu Art. 559 ZGB). Die Erbberechtigung beurteilt sich vielmehr aus-

schliesslich nach den einschlägigen Bestimmungen von Art. 457 ff. ZGB

(«Die Erben»). Gemäss Art. 457 Abs. 1 und 2 ZGB i.V.m. Art. 462 Ziff. 1

ZGB ist die Klägerin als Tochter des Erblassers zusammen mit ihren

Geschwistern und ihrer Mutter Erbin. Eine Enterbung (Art. 477 ff. ZGB),

für welche ebenso wenig wie für eine Erbunwürdigkeit (Art. 540 ZGB)

Gründe vorlägen, ist offensichtlich nicht erfolgt. Mithin ist die Klägerin

266

RVJ/ZWR 2010

KGVS C1 09 39


RVJ/ZWR 2010

267

laut Art. 604 Abs. 1 ZGB berechtigt, grundsätzlich jederzeit die Teilung

der Erbschaft zu verlangen. Ein Anlass für einen ausnahmsweisen Tei-

lungsaufschub (vgl. dazu Seeberger, Die richterliche Erbteilung, Diss.

Freiburg i.Ue. 1992, S. 45 ff.) wurde nicht geltend gemacht und ist auch

nicht ersichtlich. Soweit sich die Beklagten der Klage widersetzen,

indem sie Erb- und Klageberechtigung der Klägerin bestreiten, ist dem-

nach Letzterer Recht zu geben.

Mots-clés

inheritance certificateheirshipestate partitionstandingstatutory heirdisinheritanceunworthiness