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6 octobre 1989
1760
Interpellation Sager
N'est-il pas d'avis que la brochure contenant les explica- tions du Conseil fédéral et dans laquelle les autorités qui s'op- posent à l'initiative peuvent exposer leur point de vue est une information suffisante, de sorte qu'il n'appartient en aucun cas à l'armée (directement touchée) d'intervenir?
Est-il disposé à garantir, dans le cadre de la propagande, le principe de la neutralité de l'armée, principe que le chef du DMF avait promis de faire respecter, mais qui n'est pas ap- pliqué?
Est-il disposé à donner l'ordre au DMF d'interdire la projec- tion de ce diaporama avant la votation?
Ne pense-t-il pas que dans le cas où la propagande directe ou indirecte lors des cours de troupe continuerait, il convien- drait de donner la parole aux défenseurs de l'initiative (présen- tation d'un film exposant leur point de vue, participation à des débats contradictoires)?
N'est-il pas d'avis que les activités de l'armée susmention- nées influencent le résultat d'une votation populaire et sont donc contraires à la constitution?
Mitunterzeichner - Cosignataire: Keine - Aucun
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die Urheberin verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 23. August 1989
Rapport écrit du Conseil fédéral du 23 août 1989
EMD und Armee werden bekanntlich nicht in den Abstim- mungskampf für eine Schweiz ohne Armee eingreifen. Wei- sungen sind erlassen worden, wonach im Truppenbereich we- der Abstimmungsempfehlungen gegeben noch politische Auseinandersetzungen geduldet werden.
Seit jeher fordert das Dienstreglement die Kommandanten aber auf, ihre Untergebenen während Ausbildungsdiensten über Notwendigkeit, Zweck und Eigenart der militärischen Landesverteidigung zu informieren. Zur Erfüllung dieses Infor- mationsauftrages steht der Truppeninformationsdienst zur Verfügung. Gemäss Verordnung vom 15. Dezember 1977 ob- liegt ihm «die Bearbeitung und Bereitstellung von Unterlagen für die Information über militärische und sicherheitspolitische Fragen». Diesem Ziel dient auch die der Truppe im Rahmen des vorgegebenen Jahresthemas 1989/1990 «Vertrauen in un- sere Milizarmee» zur Verfügung gestellte Tonbildschau. Diese informiert in allgemeiner und objektiver Weise über die nach wie vor gültige Sicherheitspolitik unseres Landes. Sie dauert übrigens 19 und nicht 40 Minuten und nimmt keinen Bezug auf die Initiative. Von einer verfassungswidrigen Beeinflussung ei- ner Volksabstimmung kann keine Rede sein.
Gerade weil in der Truppe keine politische Auseinanderset- zung für oder gegen die Initiative stattfinden soll, fallen die vor- geschlagenen kontradiktorischen Veranstaltungen mit Befür- wortern der Initiative ausser Betracht. Dagegen wird in den Ab- stimmungserläuterungen der befürwortende Standpunkt der Initianten übernommen.
Präsident: Die Interpellantin ist von der Antwort des Bundes- rates nicht befriedigt.
89.336
Interpellation Sager Produktion von chemischen Waffen in Libyen. Beteiligung von Schweizer Firmen Fabrication d'armes chimiques en Libye. Participation d'entreprises suisses
Wortlaut der Interpellation vom 28. Februar 1989
Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass Libyen in Rabta eine Fabrik für chemische Waffen errichtet hat und bei deren Bau auch westliche Firmen mitbeteiligt waren. Neben westdeut- schen war dabei auch die Rede von solchen in der Schweiz. So sollen in diesem Zusammenhang auch die Büroräume der Firma IBI AG in Zug und Zürich, offenbar zur IBI-Engineering des Irakers Ischan Barbuti in Frankfurt gehörend, durchsucht worden sein.
In diesem Zusammenhang frage ich den Bundesrat an:
Trifft es zu, dass in der Schweiz Firmen an Bau oder Aus- rüstung einer Chemiewaffenfabrik in Libyen beteiligt waren?
Falls die Behauptungen zutreffen, ist der Bundesrat nicht auch der Ansicht, dass die Beteiligung von schweizerischen Firmen am Bau von Waffenfabriken im Ausland allenfalls ge- gen das Verbot der Ausfuhr von Kriegsmaterial in Krisenge- biete verstösst?
Teilt der Bundesrat die Ansicht, dass Libyen zu denjenigen Staaten gehört, die aktiv den internationalen Terrorismus un- terstützen, und dass es politisch nicht zu verantworten ist, dazu beizutragen, dass einem solchen Staat ermöglicht wird, international verpönte Waffen herzustellen?
Texte de l'interpellation du 28 février 1989
On apprenait il y a quelques semaines que la Libye avait érigé une usine d'armes chimiques à Rabta avec la participation de firmes occidentales, notamment allemandes. On a également évoqué à ce propos le nom de sociétés en Suisse. Ainsi on au- rait perquisitionné dans les bureaux de IBI SA à Zoug et Zu- rich, qui appartiennent manifestement à l'entreprise IBI Engi- neering de l'Irakien Ischan Barbuti, à Francfort.
Ceci m'amène à poser au Conseil fédéral les questions sui- vantes:
Est-il exact que des firmes en Suisse ont participé à la cons- truction ou à l'équipement d'une fabrique d'armes chimiques en Libye?
Si oui, le Conseil fédéral ne juge-t-il pas qu'une telle partici- pation pourrait violer l'interdiction d'exporter du matériel de guerre dans des zones en crise?
Le gouvernement partage-t-il l'avis selon lequel la Lybie fait partie des pays soutenant activement le terrorisme internatio- nal et qu'il est politiquement irresponsable d'aider un tel pays à fabriquer des armes que réprouve la communauté internatio- nale?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Allenspach, Aubry, Dietrich, Fischer-Sursee, Hänggi, Hari, Neuenschwander, Portmann, Seiler Hanspeter, Zölch (10)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 18. September 1989 Rapport écrit du Conseil fédéral du 18 septembre 1989
Das von der Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit der Errichtung einer Chemiefabrik in Libyen wegen des Ver- dachts der unerlaubten Ausfuhr von zur Herstellung chemi- scher Kampfstoffe geeigneten chemischen Substanzen
Oktober 1989 N
1761
Interpellation Nabholz
durchgeführte gerichtspolizeiliche Ermittlungsverfahren er- gab keinen Verstoss gegen das Kriegsmaterialgesetz durch in der Schweiz niedergelassene Firmen.
An der Organisation der Beschaffung von Ausrüstungsgegen- ständen und an der Finanzierung der Chemiefabrik waren ver- schiedene Firmen in der Schweiz beteiligt.
Zudem wurde festgestellt, dass eine nicht der Bewilligung zur Ausfuhr unterliegende, aus der Schweiz gelieferte Chemikalie in einem Fall durch eine ausländische Firma nach Libyen wei- tergeleitet worden ist.
Aufgrund der heute geltenden Gesetzgebung werden die Anlagen, die für die Produktion von chemischen Waffen ver- wendet werden können, nicht als Kriegsmaterial betrachtet. Es ist ausserdem zweifelhaft, ob sich solche Anlagen von Einrich- tungen unterscheiden lassen, die für die Fabrikation von zivi- len chemischen Produkten bestimmt sind. Der Bundesrat hat indes eine interdepartementale Arbeitsgruppe beauftragt zu prüfen, ob es technisch und rechtlich notwendig und möglich ist, die Ausfuhr solcher Anlagen einer Kontrolle zu unterstel- len.
Der Bundesrat ist sich der Gefahren einer Verbreitung von chemischen Waffen bewusst, wer auch immer sie besitzt. Er hat die Absicht, sich eng an die internationalen Bemühungen zu ihrer Eindämmung anzuschliessen. In diesem Sinne be- fand sich die Schweiz unter den ersten Ländern, die eine Be- willigungspflicht für die Ausfuhr von gewissen chemischen Substanzen einführten, welche gewöhnlich für die Fabrikation von Insektiziden, Farbstoffen und Plastik verwendet werden, aber auch der Herstellung von Kampfstoffen dienen können.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates befriedigt.
89.384
Interpellation Nabholz Denunziationspflicht von Beamten Statut des fonctionnaires. Devoir de dénonciation
Wortlaut der Interpellation vom 14. März 1989
In der veröffentlichten Zusammenfassung des Berichtes von alt Bundesgerichtspräsident Prof. Dr. A. Haefliger vom 6. März 1989 betreffend Administrativuntersuchung im EJPD taucht der Begriff einer sogenannten Denunziationspflicht der Beam- ten auf. Abgesehen davon, dass der Begriff an sich schon höchst problematisch ist, weil er Assoziationen zu totalitären Regimes weckt, ist er auch geeignet, Verunsicherung inner- halb und ausserhalb der Verwaltung aufkommen zu lassen. Kommt hinzu, dass eine sogenannte Denunziationspflicht im Beamtenrecht nicht explizit verankert ist und dazu offenbar weder besondere Regeln noch eine feststehende Praxis exi- stieren. Die Stipulierung einer solchen Pflicht könnte ausser- dem mit andern Beamtenpflichten, namentlich der Loyalitäts- pflicht und der Pflicht zur Verschwiegenheit, kollidieren. Ich frage den Bundesrat deshalb an:
a. Wie stellt er sich grundsätzlich zur Frage der sogenannten Denunziationspflicht?
b. Auf welchen gesetzlichen Grundlagen lässt sich diese rechtlich abstützen?
c. Wie lässt sie sich mit den übrigen Beamtenpflichten gemäss Artikel 21 ff. Beamtengesetz, namentlich der Loyalitätspflicht und der Pflicht zur Amtsverschwiegenheit, vereinbaren?
d. Bestehen verwaltungsinterne Richtlinien, oder wird die Be- urteilung, wann eine Denunziationspflicht gegeben ist, dem Ermessen des einzelnen Beamten überlassen?
e. Wie beurteilt der Bundesrat die staatspolitischen Probleme respektive Konsequenzen, die mit der Bejahung einer Denun-
ziationspflicht verbunden sind, namentlich wenn es um Magi- stratspersonen geht?
Texte de l'interpellation du 14 mars 1989
Dans le résumé, publié le 6 mars 1989, du rapport de l'ancien président du Tribunal fédéral A. Haefliger relatif à l'enquête ad- ministrative au DFJP, on voit apparaître le concept d'un soi- disant devoir de dénonciation imposé aux fonctionnaires. Outre son caractère fort problématique, en ce qu'il évoque des régimes totalitaires, ce concept entraîne une insécurité dans et hors de l'administration. De plus, un tel devoir de dénonciation n'est pas ancré explicitement dans la législation concernant les fonctionnaires et ne s'appuie manifestement sur aucune règle particulière ou pratique établie. Enfin, la mention d'une telle obligation pourrait se heurter à d'autres devoirs des fonc- tionnaires, notamment la loyauté et le secret.
J'invite dès lors le Conseil fédéral à répondre aux questions suivantes:
a. Quelle est sa position de principe vis-à-vis d'un soi-disant devoir de dénonciation?
b. Sur quels principes juridiques ce devoir repose-t-il?
c. Comment est-il conciliable avec les autres devoirs des fonc- tionnaires selon les articles 21 ss. du Statut des fonctionnai- res, notamment les obligations de loyauté et de secret?
d. Des directives administratives internes existent-elles, ou chaque fonctionnaire apprécie-t-il librement les circonstances qui pourraient lui imposer un devoir de dénonciation?
e. Quel est l'avis du Conseil fédéral sur les problèmes de politi- que générale que poserait une confirmation du devoir de dénonciation - et les conséquences qu'elle entraînerait -, no- tamment en ce qui concerne les magistrats.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Allenspach, Auer, Büttiker, Cavadini, Couchepin, Eppenberger Susi, Früh, Loretan, Müh- lemann, Müller-Meilen, Scheidegger, Schüle, Spälti, Stucky, Wanner (15)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die Urheberin verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 19. Juni 1989
Rapport écrit du Conseil fédéral du 19 juin 1989
Der Bundesrat teilt die Skepsis gegen eine «sogenannte De- nunziationspflicht», die aus der Fragestellung von Frau Nab- holz hervorgeht. Es handelt sich in der Tat um einen Begriff, der von alt Bundesgerichtspräsident Haefliger als prägnante Kurzform verwendet wird, der aber schon mit dem Zusatz «so- genannt» deutlich macht, dass nicht die abwertende An- schwärzung oder Bespitzelung gemeint ist. Professor Eichen- berger spricht denn auch genauer von der «Pflicht zur Mittei- lung an eine vorgesetzte Behörde».
a. Grundsätzlich ist der Bundesrat der Auffassung, dass es eine allgemeine Pflicht der Verwaltung ist, Mängel und Miss- stände im eigenen Arbeitsbereich zu verhindern oder zu behe- ben. Stellt ein Beamter fest, dass er wegen Fehlern in der Or- ganisation oder anderer Personen seine Aufgaben nicht rich- tig und effizient erledigen kann, muss er dies seinen Vorge- setzten zur Kenntnis bringen. Handelt es sich um Fehler aus- serhalb seiner eigenen Aufgaben, kann er dies den zuständi- gen Vorgesetzten anzeigen, wenn er es im Interesse des be- rührten Rechtsgutes als notwendig erachtet; eine Rechts- pflicht besteht nur, wenn sie gesetzlich vorgesehen ist.
In den meisten Fällen wird der Angesprochene das Notwen- dige unternehmen, um die Mängel zu beheben. Unterbleibt die Korrektur, kann der Beamte an die nächsthöhere Stelle ge- langen. Dies muss auch dann erlaubt sein, wenn die Bean- standung den eigenen Vorgesetzten betrifft. Denn bei der Er- füllung seiner Dienstpflicht und seiner Treuepflicht ist der Be- amte primär dem Bund verantwortlich, erst in zweiter Linie dem direkten Vorgesetzten. Die Mängelmeldung ist vorerst ausschliesslich innerhalb des Exekutivbereichs zu erstatten. Wird sie nicht entgegengenommen, könnte sich der Beamte nach Ablehnung der Meldung durch den Departementsvor-
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Interpellation Sager Produktion von chemischen Waffen in Libyen. Beteiligung von Schweizer Firmen Interpellation Sager Fabrication d'armes chimiques en Libye. Participation d'entreprises suisses
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Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
In
Jahr
1989
Année
Anno
Band
IV
Volume
Volume
Session
Herbstsession
Session
Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
16
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 89.336
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 06.10.1989 - 08:00
Date
Data
Seite
1760-1761
Page
Pagina
Ref. No
20 017 842
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