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Interpellation Günter
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 17. Mai 1989
Rapport écrit du Conseil fédéral du 17 mai 1989
Le Conseil fédéral suit de près les travaux relatifs aux effets sur l'homme et l'environnement de l'accident du réacteur à Tcher- nobyl. Les publications et les conférences des organisations internationales telles que l'Agence internationale de l'énergie atomique (AIEA), l'Organisation mondiale de la santé (OMS), le Comité scientifique sur les effets des rayonnements ioni- sants de l'ONU (UNESCAR) et autres, sont les principales sources d'information. Les recommandations établies sur la base des résultats de ces travaux par la Commission interna- tionale de la radioprotection seront prises en considération dans l'application de la loi sur la radioprotection. Le Conseil fédéral informera le Parlement dès que de nouvelles données scientifiques importantes seront connues.
Les services fédéraux compétents examinent actuellement l'opportunité d'envoyer des experts suisses dans la région de Tchernobyl. Le délégué de l'Union soviétique à l'AIEA a en ef- fet déclaré lors d'une réunion d'experts, tenue du 12 au 16 décembre 1988 et portant sur la «planification de l'assainisse ment, de la décontamination et du contrôle de grandes régions contaminées par la radioactivité», que d'autres Etats pourraient participer, dans le cadre d'une expédition scientifi- que à Tchernobyl, à des essais d'assainissement et de décon- tamination en vue de récupérer les territoires contaminés.
Präsident: Die Interpellantin ist von der Antwort des Bundes- rates befriedigt.
89.345
Interpellation Günter CO2-Produktion in der Schweiz Production de gaz carbonique en Suisse
Wortlaut der Interpellation vom 1. März 1989
Der Bundesrat wird um Auskunft gebeten über die Grössen- ordnung der natürlichen und zivilisatorischen CO2-Produktion in unserem Land.
Zusätzlich wird er gebeten, Auskunft zu geben über die Grössenordnung (in Prozenten und in Tonnen) und über die Aufteilung der zivilisatorischen CO2-Produktion (Stichworte: Privatverkehr, Schwerverkehr, öffentlicher Verkehr, Heizun- gen, Warmwasserproduktion, Industrie, Landwirtschaft, wei- tere grössere Erzeuger).
Nachdem die Diskussion um die Wirkung des steigenden CO2-Gehaltes auf das globale Klima angelaufen ist, wird der Bundesrat gebeten, seine heutige Meinung kundzutun, bei welchem der unter Punkt 2 erwähnten CO2-Erzeuger eine Re- duktion am ehesten zu bewerkstelligen wäre.
Texte de l'interpellation du 1er mars 1989 Le Conseil fédéral est invité
à fournir des renseignements sur l'ordre de grandeur des quantités de CO2 produites dans notre pays (par la nature et par la société);
à donner des indications sur l'ordre de grandeur des quan- tités de CO2 produites par la société (en tonnes et en pour cent) ainsi que sur l'origine de ce CO2 (véhicules de tourisme, poids lourds, transports publics, chauffages, production d'eau chaude, industrie, agriculture et autres);
à dire, maintenant que l'on commence à se préoccuper des effets de l'augmentation des quantités de CO2 sur le climat, sur laquelle des sources de CO2 énumérées au chiffre 2 il serait possible d'agir le plus efficacement.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Diener, Dünki, Grendel- meier, Jaeger, Maeder, Meier-Glattfelden, Müller-Aargau, We- der-Basel, Widmer, Wiederkehr, Zwygart (11)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 5. Juni 1989
Rapport écrit du Conseil fédéral du 5 juin 1989
Der Verbrauch fossiler Brenn- und Treibstoffe (Erdöl, Kohle, Erdgas) in Industrie,Haushalten und Verkehr, die Herstellung und der Verbrauch von chemischen Substanzen, die Intensiv- nutzung in der Landwirtschaft sowie die Wald- und Bodenzer- störung sind die wichtigsten anthropogenen Quellen von Koh- lendioxid (CO2) und anderen klimawirksamen Spurengasen (Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW), Methan (CH4), Lachgas (N2) und troposphärisches Ozon (O3)). Sie verursa- chen weltweit signifikante Aenderungen der Spurengaszu- sammensetzung in der Atmosphäre. Als Folge davon kommt es ähnlich wie in einem Treibhaus zu einer Aufheizung der At- mosphäre, dem Treibhauseffekt.
Die CO2-Emissionen stammen sowohl aus natürlichen als auch aus anthropogenen Quellen. Auf natürliche Art gelangt das CO2 in die Atmosphäre durch den Abbgau organischen Materials durch Bodenlebewesen sowie durch die Respiration (Atmung) der Pflanzen, Tiere und Menschen. Im natürlichen Kreislauf des Kohlenstoffs werden aber durch Photosynthese der Pflanzen gleichzeitig wieder grosse Mengen CO2 aus der Atmosphäre entfernt; damit wird die organische Substanz auf- gebaut (Assimilation), so dass der naturbedingte CO2-Gehalt der Atmosphäre annähernd ausgeglichen bleibt. Ueberlagert ist nur eine jahreszeitlich bedingte Schwankung in der Kon- zentration (höher im Winterhalbjahr, tiefer in der Vegetations- periode).
Auch an der Oberfläche der Ozeane findet mit der Atmosphäre ein langsamer CO2-Austausch statt. Weltweit werden die Aus- tauschflüsse zwischen Atmosphäre und Ozeanen sowie zwi- schen Landvegetation und Atmosphäre um einen Faktor 10 höher als die anthropogenen Emissionsflüsse geschätzt.
Der anthropogene CO2-Ausstoss ist zwar - verglichen mit der natürlichen Freisetzung - kleiner, setzt aber zusätzlichen in den Sedimenten gebundenen Kohlenstoff frei und stört damit das natürliche Gleichgewicht. Da die relativ rasche Zunahme des anthropogenen CO2 nicht durch die langsame Aufnahme in die CO2-Speicher (Ozeane) kompensiert wird, erfolgt eine Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre.
Neben der Zunahme der CO2-Konzentration erhöht sich die Konzentration anderer klimawirksamer Spurengase wie Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe, Methan, Lachgas und tropo- sphärischem Ozon zum Teil noch schneller. Gegenwärtig tra- gen diese und andere Spurengase etwa gleichviel zum Treib- hauseffekt bei wie das CO2. Die Gefahr einer Klimaänderung ist deshalb nicht allein auf die CO2-Zunahme zurückzuführen, sondern nach heutigem Kenntnisstand auf rund 40 klimawirk- same Spurengase.
Die Erwärmung ist jedoch nur ein Aspekt möglicher Beeinflus- sungen des Klimageschehens. Mit Sicherheit ist auch mit Ver- änderungen des globalen atmosphärischen Druck- und Zirku- lationssystems sowie der Niederschlagsverteilung zu rech- nen. Regional und jahreszeitlich führt dies zu ganz unter- schiedlichen Auswirkungen, wie der Beeinträchtigung aquati- scher und terrestrischer Oekosysteme sowie der Ressourcen- verfügbarkeit wie Nahrung und Wasser und damit der Lebens- grundlagen überhaupt.
Um die «Klimagefahr» abzuwenden, müssen sowohl die Emis- sionen von CO2 als auch diejenigen der andern Spurengase- (FCKW, CH4, N2O usw.) global drastisch reduziert werden. Die energiebedingten Emissionen, insbesondere von Luftschad- stoffen, lassen sich durch technische Massnahmen und eine rationelle Energienutzung wesentlich verringern.
Die rationelle Energienutzung ist der direkteste und schnellste Weg zu einer umfassenden Entschärfung nicht nur des CO2-Klimaproblems, sondern auch vieler weiterer Umwelt- probleme. Der Bundesrat misst daher der rationellen Energie- verwendung zentrale Bedeutung zu. Er unterstützt Massnah- men zur Verringerung des Energieverbrauchs und fördert den Ausbau risikoarmer erneuerbarer Energiequellen (Windener-
Interpellation Günter
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N 23 juin 1989
gie, passive und aktive Nutzung der Sonnenenergie, Bioener- gie, geothermische Energie, Verbesserung des Wirkungs- grades der Wasserkraftwerke). Auch die Verwendung von Energieträgern mit geringen Luftfremdstoff-Emissionen und die Nutzung der Kernenergie zur Wärme- und Elektrizitätser- zeugung anstelle fossilthermischer Anlagen können dazu bei- tragen, die Luftbelastung zu vermindern.
Auf Bundesebene können die beschlossenen bzw. eingeleite- ten Massnahmen im Bereich Energie und im Bereich Luftrein- haltung zur Nutzung des Energiesparpotentials und zur Re- duktion der Luftschadstoffemissionen beitragen.
Zu den einzelnen Fragen nimmt der Bundesrat wie folgt Stel- lung:
Die Zunahme der CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist ein globales Problem. Eine Bilanzierung zwischen natürlichen und anthropogenen Emissionsflüssen einzelner Länder ist nicht sinnvoll. Die industrialisierten Länder in Nordamerika und Europa sowie die Sowjetunion, Japan und Australien tra- gen gegenwärtig zu 75 Prozent der anthropogenen CO2-Emis- sionen bei. Diese Länder mit ihrem hohen Energieverbrauch und einem Anteil von 25 Prozent an der Weltbevölkerung sind die Hauptverursacher der steigenden CO2-Belastung. Für die Schweiz heisst dies beispielsweise, dass sie mit einem Anteil an der Weltbevölkerung von etwa 1 Promille mit rund 2 Promil- len zum weltweiten CO2-Ausstoss beiträgt und knapp 4 Pro- mille des statistisch erfassten Energieverbrauchs bean- sprucht. Die Schweiz gehört mit gegen 7 Tonnen CO2 pro Ein- wohner zu den Ländern mit hohen CO2-Emissionen pro Kopf der Bevölkerung.
Der jährliche Verbrauch fossiler Energien verursacht in der Schweiz rund 42,5 Millionen Tonnen CO2-Emissionen. Im Jahre 1987 verteilten sich (gemäss Bundesamt für Energie- wirtschaft, Gesamtenergiestatistik 1987, SEV-Bulletin Nr. 12/ 1988, und Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Schriftenreihe Umweltschutz Nr. 55 und 76) die Anteile der verschiedenen Verbrauchssektoren wie folgt:
CO2-Emissionen prozentua- in Mio. Tonnen ler Anteil
Haushalte
13,3
31,2 %
Industrie/Gewerbe/Landwirt-
schaft/Dienstleistungen
13,3
31,3 %
5,9
13,9 %
7,4
17,4 %
Verkehr
15,9
37,5 %
8,7
20,4 %
1,9
4,5 %
3,0
7,1 %
2,3
5,5 %
Total CO2-Emission
42,5 Mio t
100 %
Die verschiedenen Quellengruppen tragen wie folgt zur Ge- samtemission bei: Industrie/Gewerbe/Landwirtschaft/Dienst- leistungen etwa 1/3, die Haushalte ebenfalls 1/3 und der Ver- kehr über 1/3. Innerhalb des Verkehrs ist der private Strassen- verkehr die grösste Quellengruppe mit einem Anteil von rund 25 Prozent.
Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass die technischen Energiesparmöglichkeiten gross sind: Der durchschnittliche spezifische Energieverbrauch der bestehenden Anlagen, Fahrzeuge und Geräte ist in vielen Anwendungen zwei- bis fünfmal so gross wie der optimale Verbrauch der heute be-
kannten energieeffizientesten Technologien. Die realisierba- ren Einsparungen sind geringer als die technischen Potenti- ale, da diese in der Regel nur beim Ersatz der bestehenden In- stallationen genutzt werden können. Wie der Bundesrat in sei- ner Botschaft zur Ausstiegs- und der Moratoriumsinitiative dar- legt, ermittelte die Expertengruppe Energieszenarien (EGES) bei einer starken Politik der rationellen Energieverwendung Einsparungen an Endenergie von 18 Prozent bis zum Jahre 2005 und von 33 Prozent bis zum Jahre 2025 gegenüber einer Politik ohne zusätzliche Sparmassnahmen.
Weitere Reduktionsmöglichkeiten lassen sich durch eine Aen- derung der Lebensgewohnheiten mit weniger energieintensi- vem Lebensstil erzielen, die aber eine entsprechende Bereit- schaft der Bevölkerung voraussetzt. Auch beim Ausbau um- weltfreundlicher erneuerbarer Energien ist das technische Po- tential beachtlich, jedoch in der Regel noch nicht wirtschaft- lich.
Die Verminderung des Energieverbrauchs und damit auch die Reduktion der CO2-Emissionen sind nicht mit einer einzigen Massnahme allein zu erreichen, sondern erfordern zahlreiche einzelne Anstrengungen in jedem Verbrauchssektor. In den verschiedenen Sektoren stehen folgende Massnahmen im Vordergrund:
Haushalte (Heizungen, Warmwasserproduktion):
Wärmetechnische Sanierung von bestehenden Gebäuden und Neubauten (verschärfte Normen)
individuelle Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung
Optimierung und Wirkungsgradverbesserung der Feuerun- gen, Heizungssysteme und Wassererwärmer
Industrie/Gewerbe/Landwirtschaft/Dienstleistungen:
Bessere Nutzung von Prozessenergie
Nutzung der Wärme und Abwärme, zum Beispiel von Indu- strie- und Kehrichtverbrennungsanlagen
verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien wie Wasserkraft, Sonnenenergie, Biomasse/Biogas, Holz und Umgebungs- energie Verkehr:
Vermehrte Förderung des öffentlichen Personen- und Güter- verkehrs (z. B. «Bahn 2000» und Neat)
Reduktion des spezifischen Treibstoffverbrauchs
sparsamerer Umgang mit Treibstoff
Die Realisierung der aufgezeigten Sparpotentiale erfordert das Bereitstellen zusätzlicher gesetzlicher Instrumente, Inve- stitionen in Energiesparen und Erschliessung erneuerbarer Energien, technische Innovationen, Anstrengungen bei der In- formation, Ausbildung, Forschung und Entwicklung sowie die Bereitschaft der Bevölkerung, ihr Verhalten zu ändern. Der Bundesrat ist der Meinung, dass mit den von ihm beantragten bzw. eingeleiteten Massnahmen im Bereich der Energie (Energieartikel, Energienutzungsbeschluss und Energiege- setz) und des Luftreinhaltekonzeptes ein erheblicher Beitrag zur Energieeinsparung und damit auch zur Reduktion der CO2-Emissionen geleistet werden kann.
Die Lösung des CO2-Problems ist eine globale Aufgabe. Die Schweiz trägt zum weltweit anthropogenen CO2-Ausstoss rund 2 Promille bei. Internationale Zusammenarbeit und Massnahmen auf globaler Ebene sind deshalb unabdingbar. Dabei haben die Industriestaaten mit hohem Energiever- brauch pro Kopf der Bevölkerung eine besondere Verantwor- tung. Der Bundesrat ist gewillt, die internationale Zusammen- arbeit zu unterstützen und einen aktiven Beitrag zur Lösung des CO2-Problems zu leisten.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates befriedigt.
Dienstleistungen
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Interpellation Günter CO2-Produktion in der Schweiz Interpellation Günter Production de gaz carbonique en Suisse
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Dans
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1989
Année
Anno
Band
III
Volume
Volume
Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
16
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 89.345
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 23.06.1989 - 08:00
Date
Data
Seite
1173-1174
Page
Pagina
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20 017 533
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