Verwaltungsbehörden 14.03.1983 .502
20011289Vpb14 mars 1983Ouvrir la source →
Motion Rothen392 N 14 mars 1983 #ST# 82.502 Motion Rothen Wirtschaftlich bedrohte Regionen. Massnahmen Régions économiquement menacées. Mesures à prendre Wortlaut der Mot/on vom 22. September 1982 Der Bundesrat wird aufgefordert, den regionalem Wirt- schaftseinbrüchen mit weiteren gezielten Massnahmen ent- gegenzuwirken: 1. durch eine flexiblere Handhabung des Bundesbeschlus- ses über Finanzierungsbeihilfen zugunsten wirtschaftlich bedrohter Regionen. Dieser ist durch zusätzliche Instru- mente wirksamer zu gestalten; 2. den wirtschaftlich bedrohten Gemeinden durch Finanz- hilfen die wirtschaftliche Neustrukturierung möglichst kurz- fristig zu ermöglichen und ihnen durch zinsgünstige Darle- hen die Übergangsschwierigkeiten zu erleichtern; 3. den wirtschaftlich bedrohten Gemeinden durch die Revi- sion des Raumplanungsgesetzes die Industriezonennut- zung zu ermöglichen. Texte de la motion du 22 septembre 1982 Le Conseil fédéral est chargé de prendre des dispositions appropriées pour prévenir des vicissitudes économiques ultérieures dans certaines régions, et notamment de: 1. Veiller à une application plus souple de l'arrêté fédéral sur l'aide financière aux régions économiquement mena- cées et de le rendre plus efficace par la provision c'instru- ments complémentaires; 2. Faciliter une restructuration rapide de l'économie dans les communes les plus touchées par une assistance finan- cière, notamment sous forme de prêts à intérêt réduit pen- dant la période de transition; 3. Permettre aux communes menacées, par une révision de la loi sur l'aménagement du territoire, de se prévaloir des avantages dévolus aux zones industrielles. Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann-St. Gallen, Bäumlin, Bircher, Borei, Bratschi, Braunschweig, Bundi, Chopard, Deneys, Eggenberg-Thun, Ganz, Gerwig, Gloor, Hubacher, Jaggi, Lang, Leuenberger, Mauch, Meier Werner, Meizoz, Merz, Morel, Morf, Muheim, Müller-Bern, Nauer, Ott, Reimann, Reiniger, Renschier, Riesen-Freiburg, Rob- biani, Rubi, Ruffy, Uchtenhagen, Vannay, Zehnder, Ziegler- Genf (38) Rothen: Die aktuellen Schwierigkeiten in den Uhrenregio- nen sind in erster Linie auf die einseitige Abhängigkeit die- ser Gebiete von der Uhrenindustrie zurückzuführen. Pro- speriert die Uhrenbranche, geht es auch den Uhrenregio- nen gut, hat die Uhrenindustrie dagegen schwere Rück- schläge in Kauf zu nehmen, wie es zurzeit der Fall ist, dann werden die Uhrenregionen hart betroffen. Die Investitionstätigkeit, die Arbeitsnachfrage, die Lohn- summe, das Steueraufkommen und die gesamte demogra- phische Entwicklung sind in diesen Regionen stark von der Ertrags- und Beschäftigungslage der Uhrenbranche abhän- gig. Für die gegenwärtigen Probleme der schweizerischen Uhrenindustrie gibt es zahlreiche und recht unterschiedli- che Gründe, so zum Beispiel den weltweiten Konjunktur- rückgang, die Zahlungsbilanzschwierigkeiten und die pro- tektionistischen Massnahmen vieler Staaten, dann aber auch die Höherbewertung des Schweizerfrankens, cas Auf- treten der Billiguhren auf den Weltmärkten und vieles andere mehr. Bei einer Gewichtung der angeführten Ursachen der Pro- bleme in der Uhrenindustrie dürfte man wohl kaum fehlge- hen, wenn man insbesondere den strukturellen Gründen ein grösseres Gewicht beimisst als der Wirtschaftsrezession. Zu diesen Schlussfolgerungen kam jedenfalls Prof. Hill, der im Auftrag des Volkswirtschaftsdepartementes ein Gutach- ten verfasst hat. Zu den gleichen Schlussfolgerungen kam ein paar Jahre später, nämlich Ende des letzten Jahres - der Bericht Hill wurde 1977 publiziert -, der Bericht vom Battelle-lnstitut: dass nämlich die tieferen Ursachen für die Krise der Uhrenindustrie in der Branche selbst zu suchen seien. Die einseitig strukturierte Wirtschaft hat die geographische Diversifizierung vor der ersten sogenannten Rezession stark behindert und die betriebliche Diversifikation - d. h. die Diversifikation auf der Ebene der Unternehmungen - weitgehend vernachlässigt. Der Staat hat zu der damaligen Zeit wenig oder nichts unternommen, um die Diversifikation zu fördern. Eine Wende kam insbesondere mit der Schaf- fung des Bundesbeschlusses über Finanzierungsbeihilfen zugunsten wirtschaftlich bedrohter Regionen vom 6. Okto- ber 1978. Diese Massnahmen vermögen allerdings die frü- her begangenen regional- und strukturpolitischen Versäum- nisse bei weitem nicht zu korrigieren. Weit grössere Anstrengungen sind erforderlich. Die wirt- schaftlich bedrohten Regionen, die von der Monostruktur bedrohten Menschen dürfen in einer schwierigen Zeit des technischen und wirtschaftlichen Umbruchs nicht auf sich allein gestellt bleiben und die ganze Bürde der Anpassung allein tragen. Dieser Aufgabe, so möchte ich meinen, kann sich auch der Bund nicht entziehen. Der Staat muss viel- mehr alle Massnahmen ergreifen, die erforderlich sind, um den wirtschaftlich bedrohten Gemeinden die wirtschaftliche Neustrukturierung möglichst kurzfristig zu ermöglichen. Der Förderung der Diversifikation und Innovation primär auf der Ebene der Unternehmungen muss allergrösste Beach- tung geschenkt werden. Das Verlassen auf nur ein Produkt - hier zum Beispiel die Uhr - ist bei der heutigen technolo- gischen und weltwirtschaftlichen Entwicklung schlicht und einfach nicht mehr zu verantworten. Diese Entwicklung voll zu erfassen, ist Sache der Unterneh- mer und des Staates. Es scheint mir, dass hier eine echte Partnerschaft dringend erforderlich ist. Besonders in den Entleerungs- und Randgebieten gilt es, eine tragfähigere Wirtschaftssubstanz zu schaffen und Anreize für eine erfolgreiche Industrieansiedlung zu bieten. Dabei bleibt zu beachten, dass hier Kräfte erforderlich sind, die durch die Kantone und die Gemeinden allein nicht mehr erbracht wer- den können. Der Bund ist deshalb tatsächlich aufgerufen, seine subsidiäre Hilfe zur Verstärkung der Anstrengungen zur Innovation, Diversifikation und Industrieansiedlung in den betroffenen Regionen zu steigern. Gestatten Sie mir, die Situation in den Uhrenregionen mit einigen Zahlen zu belegen. Sie beziehen sich auf die Stadt Grenchen. (In den anderen Uhrenstädten sind die Verhält- nisse ähnlich; das gleiche gilt für die Regionen der Uhren- städte.) Die Stadt Grenchen zählte im Jahre 1970 20679 Einwohner; Ende 1982 zählt sie noch deren 17000. 1970 betrug die Zahl der Arbeitsplätze 14 392; Ende 1982 ist sie unter 10000 gefallen, also ein Rückgang in der Grössen- ordnung von 4400 Arbeitsplätzen. Ein Wort zum steuerbaren Ertrag der juristischen Perso- nen: Dieser betrug im Jahre 1975 rund 61 Millionen; im Jahre 1981 waren es noch 19 Millionen. Die Gemeinde- steuer der juristischen Personen betrug im Jahre 1975 9,6 Millionen, im Jahre 1981 hingegen nur noch 3,4 Millionen; 1982 ist der Steuerertrag der juristischen Personen auf unter 2 Millionen gefallen; das alles im Verlaufe von kurzen sieben Jahren. So rasch war die Entwicklung rückläufig. Im Januar 1982 waren 86 Personen arbeitslos, im Dezember 1982 schon 319. Ich kann in bezug auf die Kurzarbeit an die Ausführungen unseres Bundesrates Herrn Kurt Purgier, die er anlässlich unserer Wirtschaftsdebatte gemacht hat, anknüpfen. Die Ausfallstunden durch Kurzarbeit betrugen im Jahre 1980 in der Region Grenchen - Schwerpunkt Stadt Gren- chen - 16 734 Stunden, im Jahre 1981 313 000 Stunden und im Jahre 1982 1 464 172 Stunden. In der Bauwirtschaft
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Motion Rothen Wirtschaftlich bedrohte Regionen. Massnahmen Motion Rothen Régions économiquement menacées. Mesures à prendre In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1983 Année Anno Band II Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 10 Séance Seduta Geschäftsnummer 82.502 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 14.03.1983 - 14:30 Date Data Seite 392-393 Page Pagina Ref. No 20 011 289 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.
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