Access to state security files may be limited to protect third parties

150001829Jurisprudence administrative des autorités fédérales (JAAC)14 août 1991Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The applicant challenged redactions in federal state-security records concerning him and sought disclosure of the hidden passages. The Federal Council held that the passages related to third parties who had been subjected to telephone surveillance. Because disclosure would reveal their identities and intrude upon their personality rights, the privacy interest of those third parties prevailed over the applicant's interest in full access. The complaint was therefore dismissed and the redactions were upheld.

Regeste Omnilex

Art. 5 Abs. 3 lit. b VBS; Einsicht in Staatsschutzakten kann eingeschränkt werden, wenn die Offenlegung von Angaben über Drittpersonen deren Persönlichkeit verletzt. Sind die betroffenen Drittpersonen durch telefonische Überwachung erfasst worden, ist nicht mehr nach Art. 5 Abs. 3 lit. d VBS zu prüfen, sofern die Überwachung bereits bekanntgegeben wurde; vielmehr ist eine Interessenabwägung vorzunehmen. Überwiegt das schutzwürdige Geheimhaltungsinteresse der Drittpersonen an der Wahrung ihrer Identität das Einsichtsinteresse des Gesuchstellers, sind die betreffenden Stellen zugedeckt zu belassen (vgl. Erw. 3b–c).

Texte intégral

JAAC 57.4E

Auszug aus einem Entscheid des Bundesrates vom 14. August 1991

Consultation des documents de la Confédération établis pour assurer la sécurité de l'Etat.

Art. 5 al. 3 let. b ODSE.

Le droit du requérant à consulter des documents le concernant établis pour la sécurité de l'Etat peut être restreint pour protéger la personnalité de tiers qui ont fait l'objet d'une surveillance téléphonique.

Einsicht in Staatsschutzakten des Bundes. Art. 5 Abs. 3 Bst. b VBS.

Das Einsichtsrecht des Gesuchstellers in ihn betreffende Unterlagen des Staatsschutzes kann zum Schutz der Persönlichkeit Dritter eingeschränkt werden, gegenüber welchen eine Telefonüberwachung durchgeführt wurde.

Consultazione dei documenti federali di sicurezza dello Stato. Art. 5 cpv. 3 lett. b OTD.

Il diritto del richiedente di consultare documenti che lo concernono in materia di sicurezza dello Stato può essere limitato al fine di proteggere la personalità di terzi che sono stati oggetto di sorveglianza telefonica.

1

  1. Der Beschwerdeführer beantragt ferner die Offenlegung der bei den Einträgen vom ... und ... zugedeckten Stellen.

a. Wie der Sonderbeauftragte in seiner Stellungnahme vom 6. März 1991 ausführt, handelt es sich im vorliegenden Fall um Telefonüberwachungen, die Dritten gegenüber durchgeführt wurden. Der Sonderbeauftragte selbst hat somit die Tatsache der Telefonkontrolle bekanntgegeben. Insofern entfällt somit eine Prüfung gemäss Art. 5 Abs. 3 Bst. d der V vom 5. März 1990 über die Behandlung von Staatsschutzakten des Bundes (VBS, SR 172.014). Es muss vielmehr im Rahmen einer Güterabwägung nach Art. 5 Abs. 3 Bst. b VBS zwischen dem Informationsinteresse des Beschwerdeführers und dem allfälligen schutzwürdigen Interesse der hier in Frage stehenden Dritten an der Geheimhaltung ihrer Identität vorgenommen werden.

b. Grundsätzlich gilt, dass das Einsichtsrecht des Gesuchstellers in Bezug auf ihn betreffende Unterlagen des Staatsschutzes nur in Ausnahmefällen verweigert werden darf, und zwar soweit Geheimhaltungsinteressen des Staatsschutzes oder von Dritten im Einzelfall überwiegen (Dubach Alexander, Das Recht auf Akteneinsicht, Zürich 1990, S. 122, BGE 113 Ia 4). Ein Geheimhaltungsinteresse Dritter wird dann begründet, wenn die Betroffenen durch die Bekanntgabe ihrer Identität einen Nachteil erleiden würden. Ein solcher Nachteil kann namentlich in der Verletzung der vom Persönlichkeitsschutz erfassten Rechtsgüter, wie körperliche, geistige und seelische Integrität, bestehen (Müller Georg, Kommentar BV, Bd. I, Bern 1987, S. 47; Cottier Thomas, Der Anspruch auf rechtliches Gehör [Art. 4 BV], recht 1984, S. 124; Dubach, a. a. O., S. 123). Demzufolge muss beim Vorliegen einer Persönlichkeitsverletzung zwischen dem Geheimhaltungsinteresse Dritter und dem Interesse des Gesuchstellers an einer möglichst umfassenden Einsicht abgewogen werden.

c. Die hier in Frage stehenden Zudeckungen betreffen Kontakte des Beschwerdeführers mit Drittpersonen. Durch die Offenlegung der betreffenden Angaben würde zugleich bekanntgegeben, dass im Zusammenhang mit einer gerichtspolizeilichen Massnahme das Telefon dieser Personen überwacht wurde. Die Persönlichkeitsverletzung würde insbesondere darin bestehen, dass der Beschwerdeführer von einer Tatsache Kenntnis erhielte, die den betroffenen Dritten nicht bekanntgegeben worden ist. Ihr schutzwürdiges Interesse an der Geheimhaltung ihrer Identität ist demzufolge offensichtlich gewichtiger, als das Interesse des Beschwerdeführers an deren Offenlegung. Deshalb müssen die Angaben bei den Einträgen vom ... und ... zugedeckt bleiben.

2

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 57.4E - Auszug aus einem Entscheid des Bundesrates vom 14. August 1991

In

Verwaltungspraxis der Bundesbehörden

Dans

In

Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr

Année

1993

Anno

Band Volume

57

Volume

Seite Page

Pagina

Ref. No

150 001 829

--

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale. Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

Mots-clés

state security filesaccess to recordsprivacythird partiestelephone surveillancebalancing of interestsredaction

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the redacted passages in the applicant's state-security file had to be disclosed.

Solution extraite

The redactions had to remain in place because disclosure would reveal the identity of third parties whose telephones had been monitored, and their privacy interest outweighed the applicant's access interest.

Motifs extraits

The matter fell under a balancing test under Art. 5(3)(b) VBS. Since the special commissioner had already disclosed that telephone surveillance existed, Art. 5(3)(d) VBS no longer controlled. The decisive question was whether the third parties' personality rights would be harmed by disclosure of their identities. Because disclosure would inform the applicant of a fact not communicated to the third parties themselves, their legitimate confidentiality interest was clearly stronger.

Poursuivez vos recherches dans ChatGPT ou Claude

Connectez Omnilex pour rechercher dans le corpus juridique depuis votre assistant IA.