Werk price proof and expert evidence under Art. 374 OR

RBOG 1998 Nr. 29Autre juridiction7 août 1998Remanded

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Rekurskommission considered a dispute about the adequacy of a contractor’s invoice for renovation work. It held that the contractor had not yet proved the reasonableness of the claimed work price under Art. 374 OR. The lower court’s refusal to order an expert report was unjustified: its own reasoning on the bill’s adequacy was inconsistent, the amount at stake did not make expertise disproportionate, and reliance on a specialist judge could not replace proper proof without respecting the parties’ right to be heard. The matter was therefore sent back for evidentiary proceedings.

Regeste Omnilex

Art. 374 OR; burden of proof and evidence of the reasonableness of a contractor’s remuneration. The work price is to be determined, absent agreement, according to the value of the work and the contractor’s expenses. The party asserting the adequacy of the invoice bears the burden of proof under Art. 8 ZGB. A court may, before final judgment, modify the evidentiary order and in exceptional circumstances rely on the knowledge of a specialist judge instead of an expert; however, the parties must be given an opportunity to comment on such specialist observations before judgment, and the substitution may not dispense with proof where the factual basis remains unclear (consid. 2). An expert report is not superfluous merely because the court subjectively deems the bill plausible; evidentiary refusal must be reasoned and proportionate in light of the disputed amount and the nature of the works.

Texte intégral

Richterliches Fachwissen


Art. 374 OR, § 181 aZPO (TG), § 185 aZPO (TG), §§ 196 ff. aZPO (TG)


1. a) Der Werklohn wird mangels anderer Vereinbarung nach Massgabe des Werts der Arbeit und der Aufwendungen des Unternehmers festgesetzt (Art. 374 OR). Strittig ist, welcher Preis den getätigten Arbeiten angemessen ist.

b) Mit Bezug auf die Angemessenheit der Arbeiten auferlegte die Vorinstanz den Beweis dem Berufungsbeklagten und ordnete eine Expertise an. Nach durchgeführtem Augenschein und Zeugenbefragung verzichtete sie indessen auf die Durchführung einer Expertise bezüglich des Werts der Arbeiten, weil dies unverhältnismässig und auch überflüssig sei. Zwar sei für alle Arbeiten grundsätzlich der Ansatz eines Poliers in Rechnung gestellt worden, was nicht nötig gewesen wäre. Insgesamt seien die verrechneten Preise jedoch auch nach Auskunft eines sachverständigen Richters grundsätzlich in Ordnung; für Polierarbeiten seien sie sogar eher tief angesetzt. Gesamthaft könne von einer angemessenen Rechnungsstellung ausgegangen werden.

2. a) Zu Recht auferlegte die Vorinstanz den Beweis für die Angemessenheit der Rechnung dem Berufungsbeklagten (Art. 8 ZGB). Grundsätzlich hat das Gericht auch das Recht, die einem Beweisbeschluss zugrundeliegende Auffassung oder die Beweislastverteilung zu ändern und bis zum Erlass des Endentscheids andere Beweise aufzuerlegen (§ 185 ZPO). Ebenso ist in Lehre und Rechtsprechung anerkannt, dass unter Umständen anstelle des Beizugs eines Experten im Sinn von §§ 196 ff. ZPO auf das Wissen eines sachverständigen Richters abgestellt werden kann. Allerdings muss dann den Parteien nach dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs Gelegenheit geboten werden, sich vor der Urteilsfällung zur Meinungsäusserung des sachverständigen Richters zu äussern (Frank/Sträuli/Messmer, Kommentar zur zürcherischen Zivilprozessordnung, 3.A., § 171 N 9 f. mit Hinweisen). Zudem dürfte - analog zu § 145 Abs. 2 GVG ZH - die Protokollierung der Voten sachverständiger Richter angezeigt sein, wenn diese an die Stelle eines Gutachters treten (Frank/Sträuli/Messmer, § 171 ZPO N 11a).

b) Entgegen der Auffassung der Vorinstanz erweist sich eine Expertise über den Wert der ausgeführten Arbeiten nicht als überflüssig. Dies belegen schon die Ausführungen der Vorinstanz, wonach es einerseits nicht nötig gewesen wäre, für alle Arbeiten den Ansatz eines Poliers in Rechnung zu stellen, wonach andererseits aber die verrechneten Preise grundsätzlich in Ordnung und für Polierarbeiten eher tief angesetzt seien, so dass gesamthaft von einer angemessenen Rechnungstellung auszugehen sei. Diese Erwägungen erweisen sich auf der einen Seite als etwas widersprüchlich; auf der anderen Seite ist weder für die Parteien noch für die Rekurskommission nachvollziehbar, dass und inwiefern die Rechnungstellung angemessen sein sollte. Nicht nachvollziehbar ist auch, inwiefern bei einem Rechnungsbetrag von Fr. 7'000.-- eine Expertise mit Bezug auf relativ einfache Umbauarbeiten als unverhältnismässig gelten könnte. Letztlich haben sich ohnehin die Parteien diese Frage zu stellen; das Recht auf Beweisführung hängt nicht von den allfälligen Kosten ab. Schliesslich bleibt unklar, welcher der drei beteiligten Richter über das notwendige Fachwissen verfügte, um die Angemessenheit der Rechnung beurteilen zu können.

c) Zusammenfassend erbrachte der Berufungsbeklagte den rechtsgenüglichen Beweis bezüglich der Angemessenheit der in Rechnung gestellten Arbeiten noch nicht. In den Ausführungen der Berufungsklägerin vor Vorinstanz und im Berufungsverfahren muss sinngemäss auch die Bestreitung der Angemessenheit des Werklohns gesehen werden. Die Vorinstanz wird daher ein entsprechendes Beweisverfahren durchzuführen haben.

Rekurskommission, 7. August 1998, ZB 98 17

Mots-clés

work contractburden of proofexpert evidencejudge expertiseright to be heardremand

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the contractor proved the reasonableness of the invoiced work price under Art. 374 OR and Art. 8 ZGB.

Solution extraite

The contractor had not yet provided sufficient proof of the reasonableness of the invoiced work; the lower court must conduct the necessary evidentiary proceedings.

Motifs extraits

The lower court’s reasoning on adequacy was internally inconsistent and not understandable for the parties or the appellate body. Given the amount in dispute and the nature of the works, an expert report was not disproportionate or unnecessary. The parties’ right to proof does not depend on likely costs, and it remained unclear which judge had the necessary specialist knowledge.

Question juridique clé

Whether the lower court could replace an expert report with the knowledge of a specialist judge without further safeguards.

Solution extraite

In principle, a court may rely on specialist judicial knowledge instead of an expert, but the parties must be allowed to comment on it before judgment, and such views should ideally be recorded.

Motifs extraits

The court acknowledged that the evidentiary basis and burden allocation may be changed before final judgment and that judicial expertise can substitute for an expert in exceptional cases; however, this requires observance of the right to be heard.

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