No recusal after deciding summary debt-enforcement release

ZZ.1984.6Autre juridiction16 févr. 1984Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Obergericht Civil Chamber rejected V.AG’s recusal motion in an appealed annulment action. The challenged judges had previously decided the related summary debt-enforcement release proceeding, but the court held that this did not amount to participation in the 'same case' under § 92 lit. d GO. A summary release proceeding and the subsequent ordinary annulment action are distinct proceedings with different scope of review; therefore, no disqualifying prior involvement existed.

Regeste Omnilex

§ 92 lit. d GO; recusal due to prior participation in a related debt-enforcement proceeding. The prohibition of repeated judicial participation serves to prevent the same judge from deciding the same case in another official capacity and thereby undermining the instance structure. It does not extend to merely related proceedings that are procedurally distinct and whose subject-matter review differs. A summary release proceeding examines only, provisionally and on a limited evidentiary basis, whether a valid debt acknowledgment exists and whether immediate objections are made credible; the full substantive examination of the underlying obligation is reserved to the subsequent annulment action. Hence, prior adjudication in the release proceeding does not, by itself, constitute a ground for recusal in the annulment action (consid. 1).

Texte intégral

Geschäftsnummer:** ZZ.1984.6**
Instanz:Zivilkammer
Entscheiddatum:17.02.1984
FindInfo-Nummer:O_ZK.2015.127
Titel:** Ausstand, Rechtsöffnung, Aberkennungsprozess**
Resümee:§ 92 lit. d GO. Ein Richter, der über das Rechtsöffnungsbegehren entschieden hat, befindet sich im nachfolgenden Aberkennungsprozess nicht im Ausstand.
SOG 1984 Nr. 6 **§ 92 lit. d GO.*Ein Richter, der über das Rechtsöffnungsbegehren entschieden hat, befindet sich im nachfolgenden Aberkennungsprozess nicht im Ausstand. Die V.AG stellte in einem appellierten Aberkennungsprozess ein Ausstandsbegehren gegen sämtliche Mitglieder der Zivilkammer, weil diese bereits im vorausgegangenen Rechtsöffnungsverfahren geurteilt hätten. Das Obergericht (Zivilkammer in anderer Besetzung) wies ab mit folgender Begründung: § 92 lit. d GO will verhindern, dass ein Richter in der gleichen Sache mehrmals, in verschiedenen amtlichen Funktionen, mitwirkt (vgl. Hauser/Hauser, Gerichtsverfassungsgesetz, Zürich 1978, S. 391). Insbesondere soll verhindert werden, dass damit der Instanzenzug seines Sinnes beraubt wird, indem etwa ein Richter zunächst in einer unteren Instanz (z.B. als Gerichtspräsident) urteilt, später in der Rechtsmittelinstanz (z.B. als inzwischen gewählter Oberrichter oder als Suppleant) nochmals denselben Rechtsstreit beurteilt (Walder, Zivilprozessrecht, Zürich 1983, S. 87 Anm. 4a).Andere Fälle mehrfacher Wirkung eines Richters in der gleichen Sache bilden keinen Ausstandsgrund. § 92 lit. d verweist sogar ausdrücklich auf die in der Prozessgesetzgebung vorgesehenen Ausnahmen. So ist etwa der Amtsgerichtspräsident nach § 11 GO Untersuchungsrichter in allen Strafsachen, die er als Einzelrichter beurteilt, und über Revisionsgesuche entscheidet gemäss § 313 ZPO das Gericht oder der Einzelrichter, von welchem der angefochtene Entscheid erging (vgl. RB 1962 Nr. 35 zum gleichlautenden § 75 aGO). Im vorliegenden Fall handelt es sich zudem nicht um die "gleiche Sache" im Sinne von § 92 lit. d GO. "Gleiche Sache" erforderte, dass sich im gleichen Verfahren dieselben Rechtsfragen stellten (Hauser/Hauser, a.a.O.).Bei einem summarischen Rechtsöffnungsverfahren und dem nachfolgenden ordentlichen Aberkennungsprozess handelt es sich aber um zwei verschiedene Verfahren. Im Rechtsöffnungsverfahren wird lediglich entschieden, ob eine gültige Schuldanerkennung besteht bzw. ob es dem Schuldner gelungen ist, Einwendungen, welche die vorgelegte Schuldanerkennung entkräften, sofort glaubhaft zu machen. Materielle Rechtsfragen aus dem zugrundeliegenden Schuldverhältnis werden nur soweit unbedingt nötig und nur vorläufig geprüft. Anderes ist aufgrund des beschränkten Beweisverfahrens gar nicht möglich. Die Beurteilung des gesamten Schuldverhältnisses bleibt dem späteren Aberkennungsprozess vorbehalten. Wenn das Obergericht in einem Rechtsstreit als Rechtsmittelinstanz sowohl im Rechtsöffnungsverfahren auf Rekurs hin, wie im nachfolgenden Aberkennungsprozess als Appellationsinstanz zu entscheiden hat, so handelt es sich dabei nicht um die "gleiche Sache" im Sinne von § 92 lit. d GO. * Obergericht Zivilkammer, Urteil vom 17. Februar 1984

Mots-clés

recusaldebt enforcementrelease proceedingannulment actionsame casejudicial impartiality

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether judges who decided the prior release proceeding must recuse themselves in the subsequent annulment action.

Solution extraite

No. The prior decision on the summary release proceeding did not create a recusal ground for the later annulment action.

Motifs extraits

Section 92(d) aims to prevent a judge from participating again in the same case in another official function. A summary release proceeding and the later ordinary annulment action are different proceedings: the release proceeding only provisionally examines the validity of the debt acknowledgment and immediate objections, while the substantive contractual dispute is reserved for the annulment action. Therefore, the same judges were not acting in the 'same case'.

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