Limits on reformatio in peius in administrative appeals

VVGE 1971/75 Nr. 24Autre juridiction5 août 1975

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Résumé

The decision addresses the permissibility of reformatio in peius in cantonal administrative appeal proceedings. It states that, although cantons may regulate the matter within federal limits and may even exclude adverse amendments, any worsening of the appellant’s position must remain exceptional. In Obwalden, earlier practice indicates that such a change is allowed only where new facts or further misconduct arise, or as a last resort against plainly unlawful and unjust departmental decisions. The rationale is to avoid deterring citizens from exercising their appeal rights.

Regest

Administrative procedure; reformatio in peius in cantonal appeal proceedings: within the limits of federal law, the cantons are free to regulate whether and to what extent an appealed decision may be worsened to the appellant’s detriment. In the absence of express statutory rules, an adverse amendment is admissible only exceptionally, in particular where new facts or further misconduct arise, or as a last resort to correct manifestly unlawful and unjust lower-authority decisions (consid. not specified). The decisive consideration is the protection of the right of appeal from being chilled by the risk of deterioration.

Texte intégral

Entscheidpublikation VVGE 1971/75 Nr. 24, S. 25:

Verwaltungsverfahren.

Änderung einer Verfügung zuungunsten des Beschwerdeführers.

Entscheid des Regierungsrates vom 5. August 1975 (Nr. 347).

Das eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement vertritt als Beschwerdeinstanz für Administrativmassnahmen im Strassenverkehr die Ansicht, "dass gegenüber der reformatio in peius äusserste Zurückhaltung" zu üben ist, "um jede Beeinträchtigung des Beschwerderechtes zu vermeiden". Die Abänderung zuungunsten soll die Ausnahme bleiben (Stauffer, Peter: Der Entzug des Führerausweises, Diss. Bern 1966, S. 127/28). Das kantonale Verfahren zu regeln, sind die Kantone innerhalb der Bundesschranken frei. Sie können auch die reformatio in peius untersagen. Mangels gesetzlicher Bestimmungen oder Häufigkeit von Fällen besteht im Kanton Obwalden keine dauernde feste Praxis zu dieser Frage. Aus Regierungsratsbeschluss Nr. 832 vom 3. Dezember 1974 und Regierungsratsbeschluss i.S. H.R. vom 4. November 1969 lässt sich jedoch erkennen, dass dahin entschieden wurde, dass die Abänderung eines Entscheides zuungunsten des Beschwerdeführers nur bei Vorliegen neuer Tatsachen oder Verfehlungen oder als äusserste Notbremse gegenüber ungesetzlichen und ungerechten Fehlentscheidungen der Departemente stattfinden kann und die Überlegung Vorrang geniesst, dass der Bürger den Weg des verwaltungsrechtlichen Rekurses gegen die obrigkeitlich überlegene Verwaltung ohne die Angst und Hemmungsvorstellung beschreiten können soll, der Entscheid werde möglicherweise zu seinen Ungunsten abgeändert.

(Bestätigt durch BGE vom 28. November 1975)

Mots-clés

administrative appealreformatio in peiusappeal rightscantonal procedureadministrative sanctions