Revision of drunk-driving sentence due to new blood-alcohol evidence

501 2015 178Tribunal cantonal6 janv. 2016Granted

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The prosecution sought revision of a 7 January 2015 penal order convicting B.________ for drunk driving and driving an unsafe vehicle, after an internal quality control at the accredited laboratory showed the blood-alcohol value had in fact been lower than originally reported. The court held that the new laboratory result constituted a revision ground under Art. 410(1) CPP and that the prosecution was entitled to apply for revision. It granted the request, annulled item 2 of the penal order, remitted the case to the prosecution for reconsideration, and allocated the revision costs to the State. No compensation was awarded to the convicted person.

Regeste Omnilex

Art. 410 Abs. 1, Art. 413 Abs. 2 StPO; Revision wegen neuer Beweismittel, die zu einer erheblich milderen Bestrafung führen können; die Staatsanwaltschaft ist zur Stellung des Revisionsgesuchs legitimiert. Liegt ein offensichtlicher Revisionsgrund vor und ist infolge Verfahrensstadium, Anspruchs auf rechtliches Gehör sowie veränderter tatsächlicher Verhältnisse eine Neubeurteilung angezeigt, kann die Rechtsmittelinstanz den angefochtenen Entscheid teilweise aufheben und die Sache an die Vorinstanz zurückweisen, statt selbst neu zu entscheiden. Die Kosten des Revisionsverfahrens können dem Staat auferlegt werden, wenn das Gesuch gutgeheissen wird (vgl. consid. betreffend Zulässigkeit, Revisionsgrund und Rückweisung).

Texte intégral

501 2015 178

Urteil vom 6. Januar 2016 Strafappellationshof

Besetzung

Präsident: Roland Henninger Richter: Hubert Bugnon, Jérôme Delabays Gerichtsschreiberin: Cornelia Thalmann El Bachary

Parteien

STAATSANWALTSCHAFT, ** Gesuchstellerin** und B.________, ** Verurteilter**

Gegenstand

Revision (Art. 410 à 415 StPO) Gesuch vom 30. November 2015 gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft vom 7. Januar 2015

In Anbetracht dessen

dass B.________ mit Strafbefehl vom 7. Januar 2015 wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand und des Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeuges für schuldig befunden wurde und zu einer während drei Jahren bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen und zu einer Busse von CHF 1‘400.- verurteilt wurde;

dass von einem Alkoholgehalt von 1.92 g‰ ausgegangen wurde;

dass bei einer internen Qualitätskontrolle im zugelassenen und mit der Feststellung des Alkoholgehalts beauftragten Labors festgestellt werden musste, dass der Alkoholgehalt von B.________ im fraglichen Zeitpunkt 1.74 g‰ betrug und dass der damalige Rapport mit Schreiben an die Staatsanwaltschaft vom 30. Oktober 2015 ersetzt wurde;

dass die Staatsanwaltschaft darauf das vorliegende Revisionsgesuch stellte und beantragt, die Geldstrafe auf 60 Tagessätze zu verringern;

dass nach Art. 410 Abs. 1 StPO die Revision namentlich verlangt werden kann, wenn neue Beweismittel vorliegen, die geeignet sind, eine wesentlich mildere Bestrafung der verurteilten Person herbeizuführen;

dass die Staatsanwaltschaft berechtigt ist, ein solches Revisionsgesuch zu stellen (CR CPP-Rémy, 2011, zu Art. 410, N 5);

dass vorliegende Sache in die Zuständigkeit des Strafappellationshofes fällt (Art. 411 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 1 Bst. b StPO i.V.m. Art. 85 Abs. 2 des kantonalen Justizgesetzes vom 31. Mai 2010 [JG; SGF 130.1]);

dass der Hof die Sache an die bezeichnete Behörde zur neuen Behandlung und Beurteilung zurückweisen oder selber einen neuen Entscheid fällen kann (Art. 413 Abs. 2 StPO);

dass vorliegend ein Revisionsgrund offensichtlich gegeben ist, der Strafbefehl teilweise aufzuheben ist (Ziffer 2) und eine mildere Strafe auszusprechen ist;

dass namentlich aufgrund des Verfahrensstadiums (Strafbefehl), der Pflicht zur Gewährung des rechtlichen Gehörs und der inzwischen vergangenen Zeit (mögliche Änderung der persönlichen und finanziellen Situation des Verurteilten), die Sache zur neuen Behandlung und Beurteilung an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen ist;

dass die Kosten des Revisionsverfahrens dem Staat auferlegt werden;

dass B.________ mangels Aufwand keine Entschädigung zuzusprechen ist;

(Dispositiv auf nachfolgender Seite)

Der Hof erkennt:

I. Das Revisionsgesuch wird ** gutgeheissen**.

II. Die Ziffer 2 des Strafbefehls vom 7. Januar 2015 (LHA/ANS D 14 1462) wird aufgehoben.

III. Die Sache wird zur neuen Behandlung und Beurteilung im Sinne der Erwägungen an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen.

IV. Die Kosten des Revisionsverfahrens von CHF 302.- (Gebühr: CHF 200.-; Auslagen: CHF 52.-) werden dem Staat auferlegt.

V. Zustellung.

Dieses Urteil kann innert 30 Tagen nach seiner Eröffnung mit Beschwerde in Strafsachen beim Bundesgericht angefochten werden. Das Beschwerderecht und die übrigen Zulässigkeits-voraussetzungen sind in den Art. 78–81 und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG) geregelt. Die begründete Beschwerdeschrift ist beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen.

Freiburg, 6. Januar 2016/cth

Präsident

Gerichtsschreiberin-Berichterstatterin

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Mots-clés

revisionnew evidenceblood alcoholdrunk drivingremandcriminal procedurecosts

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the prosecution's revision request based on new laboratory evidence was admissible and well-founded.

Solution extraite

The request was granted because the revised alcohol measurement was a new piece of evidence capable of leading to a substantially lighter sentence.

Motifs extraits

Article 410(1) CPP allows revision when new evidence may significantly mitigate punishment. The prosecutor may file such a request. The court found an obvious revision ground and considered remittal appropriate given the procedural stage, the right to be heard, and the time elapsed since the original order.

Question juridique clé

Whether the penal order should be partly annulled and the case remitted for new decision.

Solution extraite

The challenged part of the penal order was annulled and the matter was sent back to the prosecution for fresh treatment and decision.

Motifs extraits

Because the sentence had to be reassessed in light of the new blood-alcohol result, the court chose remittal rather than issuing the new sentence itself.

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