Kosovo claimant still covered by Swiss social security agreement

c-5172-2010Tribunal administratif fédéral / 3e division7 nov. 2012Granted

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Administrative Court upheld a Kosovo claimant's appeal against the IVSTA. It held that the Swiss-Yugoslav social security agreement remained applicable to Kosovo, relying on its earlier leading case, and therefore the refusal based on the supposed absence of a valid treaty was wrong. The contested decision was annulled and the file remitted for a new merits decision under the still-applicable agreement. No court costs were imposed, the CHF 300 advance must be refunded, and the respondent was ordered to pay CHF 600 in party compensation.

Regeste Omnilex

Art. 31 VGG, Art. 69 Abs. 1 lit. b IVG, Art. 33 VGG; continued applicability of the Swiss-Yugoslav social security agreement to Kosovo nationals. Where a previous leading judgment has definitively affirmed the continued force of the agreement, the administrative authority may not refuse a disability claim solely on the ground that no valid bilateral agreement exists. If the refusal rests on that erroneous premise, the appellate court annuls the decision and remits the matter for a new merits determination under the applicable agreement (consid. 3-4). On success, no court costs are levied and party compensation is awarded according to the applicable fee regulations.

Texte intégral

BVGer C-5172/2010

Entscheiddatum: 07.11.2012Publikationsdatum: 22.11.2012

BundesverwaltungsgerichtTribunal administratif fédéralTribunale amministrativo federaleTribunal administrativ federal Abteilung IIIC-5172/2010 mes/wam

Urteil vom 7. November 2012 Besetzung Richter Stefan Mesmer (Vorsitz),Richter Beat Weber, Richter Daniel Stufetti, Gerichtsschreiber Marc Wälti. Parteien X._______, vertreten durch Y._______,Beschwerdeführer, gegen IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA, Avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2, Vorinstanz . Gegenstand Invalidenversicherung, Verfügung vom 16. Juni 2010.

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass die IV-Stelle für Versicherte im Ausland (IVSTA, im Folgenden auch: Vorinstanz) mit Verfügung vom 16. Juni 2010 das Leistungsbegehren des kosovarischen Beschwerdeführers vom 17. März 2010 (act. 20) abgewiesen hat, da zwischen der Schweiz und dem Kosovo seit dem 1. April 2010 keine zwischenstaatliche Vereinbarung mehr bestehe und bis zum 31. März 2010 keine Verfügung in der Sache ergangen sei (vgl. act. 36),

dass der Beschwerdeführer diese Verfügung mit Beschwerde vom 16. Juli 2010 (Datum der Postaufgabe) angefochten und sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz und die Gewährung der gesetzlichen Leistungen in Anwendung des Abkommens vom 8. Juni 1962 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien über Sozialversicherung (SR 0.831.109.818.1; im Folgenden: Sozialversicherungsabkommen) beantragt hat,

dass die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 20. September 2010 die bisherige Begründung der angefochtenen Verfügung vom 16. Juni 2010 bekräftigt und beantragt hat, in Abweisung der Beschwerde seidiese Verfügung zu bestätigen,

dass der Beschwerdeführer den mit Zwischenverfügung vom 27. September 2010 einverlangten Verfahrenskostenvorschuss von Fr. 300.- am 6. Oktober 2010 geleistet hat,

dass der Beschwerdeführer innert Frist keine Replik eingereicht hat und der Schriftenwechsel am 8. November 2010 geschlossen wurde,

dass das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 31 des Verwaltungs­gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 69 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen von Vorinstanzen gemäss Art. 33 VGG zuständig ist,

dass die IVSTA eine Vorinstanz gemäss Art. 33 Bst. d VGG ist und keine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt,

dass der Beschwerdeführer im Sinne von Art. 59 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs­rechts (ATSG, SR 830.1) beschwerdelegitimiert ist,

dass die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht(Art. 60 ATSG und Art. 52 und 63 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 20. De­zember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172. 021]) und der Verfahrenskostenvorschuss fristgerecht geleistet worden ist, sodass hierauf einzutreten ist,

dass sich im vorliegenden Verfahren die Frage stellt, ob das Sozialver­sicherungsabkommen sowie die Verwaltungsvereinbarung vom 5. Juli 1963 betreffend die Durchführung dieses Abkommens (SR 0.831.109. 818.12) auf Bürger von Kosovo weiterhin anwendbar sind,

dass sich das Bundesverwaltungsgericht zu dieser Frage mit Grundsatzurteil C-4828/2010 vom 7. März 2011 geäussert und die Weiteranwendung des Sozialversicherungsabkommens bejaht hat,

dass das Bundesgericht mit Urteil 9C_329/2011 vom 27. September 2011 auf die Beschwerde gegen den Entscheid des Bundesverwaltungs­gerichts C-4828/2010 nicht eingetreten und das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-4828/2010 vom 7. März 2011 damit in Rechtskraft erwachsen ist,

dass das Sozialversicherungsabkommen demnach auch im vorliegenden Fall weiterhin anwendbar ist,

dass die Vorinstanz das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers daher zu Unrecht mangels gültigem Sozialversicherungsabkommen mit dem Kosovo abgewiesen hat,

dass die Beschwerde somit gutzuheissen, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, damit sie die Prüfung des Leistungsbegehrens fortsetze und anschliessend in Anwendung des noch in Kraft stehenden Sozialversicherungsabkommens in der Sache neu verfüge (Art. 61 Abs. 1 VwVG),

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten zu erheben sind (Art. 63 VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) und dem Beschwerdeführer der bereits geleistete Verfahrenskostenvorschuss von Fr. 300.- nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten ist,

dass dem nicht-anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer eine von der Vorinstanz zu entrichtende Parteientschädigung zusteht (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21.Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173. 320. 2]), die mangels einer Kostennote aufgrund des aktenkundigen und gebotenen Aufwands seines Vertreters auf Fr. 600.- festgesetzt wird (inklusive Auslagen; Mehrwertsteuer ist nicht geschuldet, vgl. Art. 1 Abs. 2 Bst. a des Bundesgesetzes vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer [MWSTG, SR 641.20] i.V.m. Art. 8 Abs. 1 MWSTG; Art. 9 Abs. 1 Bst. c, Art. 10 Abs. 1 und 2 sowie Art. 14 Abs. 2 VGKE),

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

  1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als dass die angefochtene Verfügung vom 16. Juni 2010 aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zurückgewiesen wird, damit sie die Prüfung des Leistungsbegehrens fortsetze und anschliessend unter Anwendung des noch in Kraft stehenden Sozialversicherungsabkommens in der Sache neu verfüge.

  2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der bereits geleistete Verfahrenskostenvorschuss von Fr. 300.- wird dem Beschwerdeführer nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet.

  3. Dem Beschwerdeführer wird eine Parteientschädigung von Fr. 600.- zugesprochen, die von der Vorinstanz zu leisten ist.

  4. Dieses Urteil geht an:

  •    den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)
    
  •    die Vorinstanz (Ref-Nr.\_\_\_\_\_\_\_)
    
  •    das Bundesamt für Sozialversicherungen
    

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Stefan Mesmer Marc Wälti

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten geführt werden, sofern die Voraussetzungen gemäss den Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) gegeben sind. Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).

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Mots-clés

social security agreementdisability insuranceKosovotreaty applicabilityremandparty compensationcourt costs

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the Swiss-Yugoslav social security agreement still applied to Kosovo citizens after 1 April 2010.

Solution extraite

Yes. The agreement remained applicable, so the refusal based on the alleged lapse of treaty coverage was unlawful.

Motifs extraits

The court relied on its prior leading judgment C-4828/2010, which had affirmed continued application of the agreement and had entered into force after the Federal Supreme Court declined to hear the challenge.

Question juridique clé

Whether the challenged refusal of the disability benefits claim had to be annulled and the case remitted for a new decision.

Solution extraite

Yes. The decision had to be set aside and sent back for continued examination of the merits under the still-valid agreement.

Motifs extraits

Because the legal premise for the refusal was wrong, the authority had not yet examined the claim under the correct legal framework.

Question juridique clé

Whether court costs and a party compensation were owed.

Solution extraite

No court costs were charged; the claimant was awarded CHF 600 in party compensation payable by the respondent.

Motifs extraits

The appellant succeeded, so no fees were levied and reimbursement of the advance was ordered; compensation was fixed ex officio due to the absence of a cost note.

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