Untimely recusal request against Federal Criminal Court judges

SN.2008.36Tribunal pénal fédéral / Chambre pénale2 oct. 2008Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Prosecutor sought the recusal of Federal Criminal Court Judge A. and Court Clerk B. after a prior detention-release decision contained a concrete indication of the likely sentence. The Criminal Chamber held that the request was filed only about one month after the relevant facts became known and was therefore not made immediately within the meaning of Art. 36(1) BGG. It accordingly declined to enter into the recusal request. The court ordered that no costs be charged and directed notification of the decision to the parties and their counsel.

Regeste Omnilex

Art. 99 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 34 ff., Art. 36 Abs. 1 und Art. 37 BGG; recusal request must be filed without delay once the party learns of the ground. A delay of about one month is manifestly untimely and precludes consideration of the request. The court may decide the recusal issue without hearing the opposing party; at the Federal Criminal Court, the matter is decided by a three-member panel notwithstanding Art. 37 Abs. 1 BGG, in view of the court's organizational specificities. Costs are not ordinarily imposed on the Confederation (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 4 BGG).

Texte intégral

Entscheid vom 2. Oktober 2008 Strafkammer Besetzung Bundesstrafrichter Walter Wüthrich, Präsident, Miriam Forni und Andreas Keller, Gerichtsschreiber David Heeb

Parteien BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch M. Félix Reinmann, Staatsanwalt des Bundes

gegen

A., Bundesstrafrichter, Bundesstrafgericht B., Gerichtsschreiberin, Bundesstrafgericht

Gegenstand

Ausstandsbegehren

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: SN.2008.36 (Hauptgeschäftsnummer: SK.2008.13 und SN.2008.30)

  • 2 - Die Strafkammer zieht in Erwägung, dass

  • am 18. August 2008 Bundesstrafrichter A. als vorsitzender Richter für das Hauptver- fahren gegen C. und D. wegen Falschgelddelikten und Betrugs (SK.2008.13) unter Beizug von Gerichtsschreiberin B. die beiden Angeklagten gestützt auf Art. 45 Ziff. 3 BStP aus der Untersuchungshaft entlassen hat (Entscheid SN.2008.30);

  • in der Begründung des zitierten Entscheids sich auf Seite 5 folgende Passage findet: „La jurisprudence récente du TPF en matière de délits de fausse monnaie (importa- tion et mise en circulation) nous indique que, s’ils sont reconnus coupables, les accu- sés encourent entre 12 et 16½ mois de peine privative de liberté (not. arrêt du 15 juil- let 2008 dans la cause SK.2008.8 et SK 2007.7). Aussi, au vu des infractions commi- ses et des montants en jeu, sans toutefois prendre en considération l’ensemble des circonstances du cas d’espèce ni vouloir d’aucune manière préjuger, une peine de quatorze mois de privation de liberté peut raisonnablement être envisagée."

  • die Bundesanwaltschaft mit Datum vom 19. September 2008 ein Ausstandsbegehren gegen die mit der Sache befassten Gerichtspersonen, nämlich Bundesstrafrichter A. und Gerichtsschreiberin B. stellte mit der Begründung, die beiden hätten durch allzu präzise Äusserungen zum möglichen Strafmass den Anschein erweckt, den Ent- scheid bereits im Voraus gefasst zu haben;

  • für die Behandlung von Ausstandsbegehren gemäss Art. 99 Abs. 1 BStP die Bestim- mungen des Bundesgerichtsgesetzes gelten, mithin die Art. 34 ff. BGG;

  • Art. 34 BGG für Richter und Richterinnen wie für Gerichtsschreiber und Gerichts- schreiberinnen die gleichen Ausstandsgründe nennt;

  • die Vorschriften von Art. 34 ff. BGG die gesetzliche Garantie bilden, dass die Aus- standsvorschriften von Amtes wegen befolgt werden;

  • nach Art. 35 BGG eine Gerichtsperson, welche bei sich einen Ausstandsgrund sieht, dies dem Abteilungspräsidenten (Kammerpräsidenten) rechtzeitig mitzuteilen hat;

  • Art. 36 BGG vorschreibt, dass eine Partei, welche den Ausstand einer Gerichtsperson verlangt, dem Gericht ein schriftliches Begehren einzureichen hat, sobald sie vom Ausstandsgrund Kenntnis erhalten hat;

  • der betroffene Bundesstrafrichter A. und die betroffene Gerichtsschreiberin B. ge- mäss ihren Schreiben vom 1. Oktober 2008 keinen Grund sehen, in den Ausstand zu treten;

  • die Behandlung des Ausstandsbegehrens unter Ausschluss der betroffenen Ge- richtspersonen erfolgt (Art. 37 Abs. 1 BGG), wobei nach der Praxis der Strafkammer

  • 3 - in jedem Fall eine Dreierbesetzung entscheidet. Die Bestimmung von Art. 37 Abs. 1 BGG, wonach die Abteilung unter Ausschluss der betroffenen Gerichtsperson ent- scheidet, kann nämlich in Anbetracht der gesetzlichen und organisatorischen Gege- benheiten beim Bundesstrafgericht zu unsinnigen und vom Gesetzgeber in dieser Art sicher nicht vorausgesehenen Konstellationen des Spruchkörpers (z.B Zweier- Besetzung) führen;

  • über die Ausstandsfrage ohne Anhörung der Gegenpartei entschieden werden kann (Art. 37 Abs. 2 BGG);

  • das Ausstandsbegehren durch die Bundesanwaltschaft rund ein Monat nach Kennt- nisnahme der Tatsachen, auf welche sie sich in ihrer Begründung bezieht, gestellt worden ist, somit das Erfordernis der unverzüglichen Geltendmachung nach Art. 36 Abs. 1 BGG bei Weitem nicht erfüllt ist (BGE 111 Ia 259 E. 2.a) und aus diesem Grund auf das Ausstandsgesuch nicht eingetreten werden kann;

  • dem Bund in der Regel keine Gerichtskosten auferlegt werden (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 4 BGG);

  • 4 - Demnach beschliesst die Strafkammer:

  1. Auf das Ausstandsbegehren gegen Bundesstrafrichter A. und Gerichtsschreiberin B. wird nicht eingetreten.
  2. Es werden keine Kosten erhoben.
  3. Dieser Entscheid ist den Parteien zu eröffnen sowie sämtlichen Rechtsvertretern zur Kenntnis zuzustellen.

Im Namen der Strafkammer des Bundesstrafgerichts Der Präsident Der Gerichtsschreiber Rechtsmittelbelehrung Gegen Vor- und Zwischenentscheide des Präsidenten der Strafkammer des Bundesstrafgerichts kann beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, innert 30 Tagen nach der Zustellung der vollständigen Urteilsausferti- gung Beschwerde eingelegt werden (Art. 78, Art. 80 Abs. 1, Art. 92 ff. und Art. 100 Abs. 1 BGG).

Mit der Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht und Völkerrecht gerügt werden (Art. 95 BGG). Die Feststellung des Sachverhalts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG).

Mots-clés

recusalimpartialitytimelinesscourt clerkcriminal procedurecourt costs

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the recusal request against Judge A. and Clerk B. was filed in due time.

Solution extraite

No. The request was submitted about one month after the Federal Prosecutor learned of the relevant facts and therefore was not made immediately as required.

Motifs extraits

Under Art. 36(1) BGG, a party must seek recusal as soon as it becomes aware of the ground. The delay was clearly excessive, so the court could not enter into the request.

Question juridique clé

Whether court costs should be charged to the Confederation.

Solution extraite

No costs were imposed on the Confederation.

Motifs extraits

As a rule, the Confederation is not charged court costs in such matters.

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