No standing to appeal against mutual legal assistance interim order

RR.2010.114Tribunal pénal fédéral / Chambre des recours10 juin 2010Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

Bank A. appealed a Basel-Stadt prosecutor’s interim mutual legal assistance order allowing Swedish investigators to attend the questioning of D. and obtain the protocol. The Federal Criminal Court held that the bank was not directly and personally affected for purposes of appeal standing, even if it claimed to be an injured party in related proceedings. The court therefore did not enter into the appeal. The request for suspensive effect became moot. Court costs of CHF 3,000 were imposed on the appellant.

Regeste Omnilex

Art. 80h lit. b and Art. 21 Abs. 3 IRSG; standing in mutual legal assistance proceedings; appealability of interim orders and participation of foreign investigators. The right to appeal is construed narrowly and requires a direct, personal effect of the measure. A third party is not entitled to complain merely because a protocol mentions it or because it alleges injury; standing may be admitted exceptionally for the holder of bank accounts where the transmission of the interview protocol is equivalent to disclosure of account documents. The same restrictive approach applies analogously to interim orders. Where the appeal is inadmissible, ancillary requests such as suspensive effect lapse and court costs are allocated to the unsuccessful party under the general cost rules.

Texte intégral

Entscheid vom 10. Juni 2010 II. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Cornelia Cova, Vorsitz, Patrick Robert-Nicoud und Joséphine Contu, Gerichtsschreiberin Andrea Bütler

Parteien

Bank A., vertreten durch Rechtsanwalt Mark Liv- schitz, Beschwerdeführerin

gegen

STAATSANWALTSCHAFT DES KANTONS BA- SEL-STADT, Beschwerdegegnerin

Gegenstand Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Schwe- den

Eintretens- und Zwischenverfügung; Anwesenheit ausländischer Prozessbeteiligter (Art. 80e Abs. 2 IRSG); aufschiebende Wirkung

Legitimation

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: RR.2010.114+RP.2010.30

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Die II. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass

  • die schwedischen Behörden ein Strafverfahren gegen B. und C. wegen Verdachts der Untreue führen;

  • die schwedischen Behörden in diesem Zusammenhang mit einem Rechts- hilfeersuchen vom 2. Februar 2010 und Ergänzungen vom 18. Febru- ar 2010, 7. April 2010 und 1. Juni 2010 an die Schweiz gelangt sind und u.a. um Einvernahme von D., Mitarbeiter der Bank A. Zürich, unter Beisein schwedischer Strafverfolgungsbeamter ersucht haben und zudem um an- schliessende Herausgabe des Einvernahmeprotokolls baten;

  • die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt dem Rechtshilfeersuchen samt Ergän- zungen mit Eintretens- und Schlussverfügung vom 19. Mai 2010 entspro- chen, u.a. die Einvernahme von D. als Auskunftsperson verfügt und die Teilnahme der schwedischen Strafverfolgungsbeamten bewilligt hat (act. 1.3 bzw. 2.3);

  • die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt sodann mit Eintretens- und Zwischen- verfügung vom 3. Juni 2010 die Einvernahme D.’s neu als Zeuge verfügte und die Teilnahme der schwedischen Strafverfolgungsbeamten erneut be- willigte (act. 1.2 bzw. 2.2); der Einvernahmetermin auf den 10. Juni 2010 festgesetzt wurde (act. 1.4 bzw. 2.4);

  • die Bank A. gegen diese Eintretens- und Zwischenverfügung mit Be- schwerde vom 9. Juni 2010 an die II. Beschwerdekammer des Bundes- strafgerichts gelangte (act. 1 bzw. 2);

  • zur Beschwerdeführung berechtigt ist, wer persönlich und direkt von einer Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80h lit. b IRSG); Personen, ge- gen die sich das ausländische Strafverfahren richtet, unter denselben Be- dingungen beschwerdelegitimiert sind (Art. 21 Abs. 3 IRSG); die Recht- sprechung erstere Bestimmung eng auslegt, um den Kreis der beschwer- delegitimierten Personen einzugrenzen und möglichst klar zu definieren (vgl. dazu auch Art. 9a IRSV); als persönlich und direkt betroffen im Sinne der Art. 21 Abs. 3 und 80h IRSG u.a. gilt, wer sich einer Rechtshilfemass- nahme direkt unterziehen muss; demnach der vorgeladene und einver- nommene Zeuge unter der Voraussetzung, dass er Aussagen zu seiner Person macht, legitimiert ist, gegen die Übermittlung des Einvernahmepro- tokolls Beschwerde zu erheben; demgegenüber einem Dritten, selbst wenn er durch protokollierte Aussagen persönlich berührt wird, grundsätzlich kei-

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ne Beschwerdebefugnis zukommt; Dritten einzig als Inhaber von Bankkon- ten die Legitimation zur Beschwerde gegen die Übermittlung von Einver- nahmeprotokollen zugestanden wird, wenn und soweit diese Informationen enthalten, die einer Übermittlung von Kontounterlagen gleichkommen, und der betroffene Kontoinhaber berechtigt wäre, gegen eine allfällige Übermitt- lung der Unterlagen zu seinem Bankkonto Beschwerde zu führen (BGE 130 II 162 E. 1.1; BGE 124 II 180 E. 2b; Urteile des Bundesgerichts 1C_166/2009 vom 3. Juli 2009, E. 2.3.3 und 1A.282/2003 vom 18. November 2004, E. 1.3; ROBERT ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en matière pénale, 3. Aufl., Bern 2009, S. 478 f. N. 526);

  • genannte Rechtsprechung analog für die Anfechtung von Zwischenverfü- gungen gilt; demnach die Bank A. – jedenfalls im jetzigen Zeitpunkt – nicht zur Beschwerdeführung legitimiert ist;
  • daran auch der Umstand nichts zu ändern vermag, wonach die Bank A. sowohl im in dieser Sache anscheinend auch inländisch geführten Strafver- fahren wie auch im ausländischen Verfahren angeblich Geschädigte ist (act. 1 I/Ziff. 5; vgl. dazu TPF 2009 60 E. 2.2.1);
  • auf die Beschwerde nach dem Gesagten nicht einzutreten ist;
  • das in der Beschwerde gestellte Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung (RP.2010.30 act. 1) mit dem vorliegenden Entscheid hinfällig wird und als gegenstandslos abzuschreiben ist;
  • die Beschwerdeführerin bei diesem Ausgang des Verfahrens als unterlie- gende Partei zu gelten und grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hat (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 30 lit. b SGG); für die Berechnung der Gerichtsgebühr gemäss Art. 63 Abs. 5 VwVG das Reglement vom
  1. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht (SR 173.711.32) zur Anwendung gelangt und die Gerichtsgebühr auf Fr. 3’000.-- festzusetzen ist (Art. 3 des Reglements).
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Demnach erkennt die II. Beschwerdekammer:

  1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

  2. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde wird als gegenstandslos abgeschrieben.

  3. Die Gerichtsgebühr von Fr. 3’000.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt.

Bellinzona, 10. Juni 2010

Im Namen der II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Zustellung an

  • Rechtsanwalt Mark Livschitz
  • Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt
  • Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben (vgl. Art. 93 Abs. 2 BGG).

Mots-clés

mutual legal assistancestandinginterim orderforeign participationwitness examinationprotocol transmissioncostsinadmissibility

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether Bank A. had standing to challenge the interim mutual legal assistance order.

Solution extraite

Bank A. was not directly and personally affected within the meaning of the Mutual Legal Assistance Act and therefore lacked standing at this stage.

Motifs extraits

Standing is interpreted narrowly; only persons directly subjected to the measure, such as a summoned and examined witness under certain conditions, may appeal. A third party is generally not entitled to appeal merely because statements mention it, even if it claims to be harmed.

Question juridique clé

Whether the request for suspensive effect should be decided.

Solution extraite

The request became moot because the appeal was not entered upon.

Motifs extraits

Once the appeal was dismissed at the admissibility stage, the interim request lost its object.

Question juridique clé

Who must bear the court costs.

Solution extraite

The appellant had to bear the proceedings costs.

Motifs extraits

As the unsuccessful party, the appellant was liable for costs; the fee was set at CHF 3,000 under the applicable fee regulations.

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