No reconsideration of prior appellate decision on legal aid

RR.2009.49Tribunal pénal fédéral / Chambre des recours5 mars 2009Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

A. asked the II. Complaint Chamber of the Federal Criminal Court to reconsider its earlier decision of 24 February 2009, which had denied him legal aid in extradition proceedings. The chamber held that reconsideration is not available against a judicial appellate decision; at most, revision could be sought, but the request could not be requalified because no revision ground was invoked and the earlier decision was not yet final. The chamber also rejected the underlying substantive argument, emphasizing that extradition proceedings are administrative, not criminal. The request was therefore not entertained, and no court fee was levied.

Regeste Omnilex

Art. 58 Abs. 1 VwVG, Art. 31 SGG i.V.m. Art. 121 ff. BGG; Wiedererwägung eines richterlichen Beschwerdeentscheids. Wiedererwägung bezweckt die Korrektur verwaltungsbehördlicher Verfügungen durch die verfügende Instanz selbst und ist aus Gründen der Rechtssicherheit auf gerichtliche Entscheide grundsätzlich nicht anwendbar. Gegen einen solchen Entscheid kommt einzig die Revision in Betracht, sofern die gesetzlichen Revisionsgründe geltend gemacht werden und der Entscheid rechtskräftig ist. Eine anwaltlich vertretene Eingabe ist nicht ohne Weiteres als Revisionsgesuch umzudeuten, wenn weder ein Revisionsgrund behauptet noch Rechtskraft vorliegt. Kosten können bei Unterliegen zwar auferlegt werden, doch kann auf die Erhebung einer Gerichtsgebühr verzichtet werden.

Texte intégral

Entscheid vom 5. März 2009 II. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Andreas J. Keller, Vorsitz, Daniel Kipfer Fasciati und Giorgio Bomio, Gerichtsschreiberin Andrea Bütler

Parteien

A., vertreten durch Rechtsanwalt Dieter R. Marty, Gesuchsteller

Gegenstand Wiedererwägung des Entscheids der Beschwerde- kammer RR.2009.14+RP.2009.3 vom 24. Februar 2009 betreffend unentgeltliche Rechtspflege

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: RR.2009.49

  • 2 -

Die II. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass

  • die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts mit Entscheid RR.2009.14+RP.2009.3 vom 24. Februar 2009 die Beschwerde von A. vom
  1. Februar 2009 gegen den Auslieferungsentscheid des Bundesamtes für Justiz vom 29. Dezember 2008 abgewiesen hat (RR.2009.14 act. 5);
  • sie im gleichen Entscheid das Gesuch von A. um Gewährung der unent- geltlichen Rechtspflege infolge Aussichtslosigkeit sowie mangels genügen- der Substanziierung abgewiesen hat (RR.2009.14 act. 5 Dispositiv Ziff. 2);

  • A. mit Eingabe seines Rechtsvertreters am 26. Februar 2009 an die Be- schwerdekammer des Bundesstrafgerichts gelangt und beantragt, den vor- genannten Entscheid in Bezug auf die amtliche Verteidigung in Wiederer- wägung zu ziehen (act. 1);

  • Art. 12 des Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) sowie Art. 30 lit. b des Bun- desgesetzes vom 4. Oktober 2002 über das Bundesstrafgericht (SGG; SR 173.71) für das Verfahren auf die Bestimmungen des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG; SR 172.021) verweisen;

  • das VwVG die Möglichkeit der Wiedererwägung in Art. 58 Abs. 1 erwähnt, wobei es dabei allerdings um die Wiedererwägung des Entscheids der Vor- instanz durch diese selbst während eines hängigen Beschwerdeverfahrens geht, während mit dem vorliegenden Gesuch die Wiedererwägung eines richterlichen Beschwerdeentscheids verlangt wird;

  • Wiedererwägung und Revision zunächst immer dort zulässig sind, wo sie gesetzlich vorgesehen sind bzw. Wiedererwägungsgesuche a fortiori be- rechtigt sind, wenn ein Revisionsgrund vorliegt (BGE 113 Ia 146, S. 151 f.);

  • die Wiedererwägung durch die ausführende Behörde gemäss bundesge- richtlicher Praxis grundsätzlich auch im Rechtshilferecht möglich ist, selbst wenn eine Justizbehörde die Schlussverfügung erlassen hat, weil der Ent- scheid selbst verwaltungsrechtlicher Natur ist, sofern der Entscheid rechts- widrig erscheint, seine Änderung keine überwiegenden schutzwürdigen In- teressen verletzt und der Entscheid nicht bereits der Überprüfung einer richterlichen Behörde unterlag, immer unter Vorbehalt wohlerworbener Rechte Dritter (BGE 121 II 93, S. 95; auch 118 Ia 137, S. 138 f.);

  • 3 -

  • es sich beim Beschwerdeentscheid vom 24. Februar 2009 indessen um ei- nen Entscheid eines Gerichts handelt (Art. 1 SGG), derartige Entscheide aus Gründen der Rechtssicherheit nicht der Wiedererwägung zugänglich sind (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufla- ge, Zürich 2006, S. 391 N. 1830), diesbezüglich jedoch die Revision ge- stützt auf Art. 31 SGG i. V. m. Art. 121 – 129 BGG verlangt werden kann (ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs- rechtspflege des Bundes, 2. Auflage, Zürich 1998, S. 162 N. 444; TPF RR.2008.123-124 vom 11. Juni 2008);

  • dementsprechend auf das Wiedererwägungsgesuch betreffend den Ent- scheid des Bundesstrafgerichtes vom 24. Februar 2009 bezüglich der un- entgeltlichen Rechtspflege nicht einzutreten ist;

  • dieses in Anbetracht des Umstands, dass der Beschwerdeführer anwaltlich vertreten ist, auch nicht in ein Revisionsgesuch uminterpretiert werden kann und die Revision zudem nur rechtskräftige Urteile beschlägt (ELISA- BETH ESCHER in NIGGLI/UEBERSAX/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, Basel 2008, Art. 121 N. 1), was vorliegend nicht der Fall ist, da die Rechtsmittelfrist ans Bundesgericht noch läuft;

  • selbst wenn das Gesuch als Revisionsgesuch anzusehen wäre, darauf nicht einzutreten wäre, weil offensichtlich kein Revisionsgrund nach Art. 121 ff. BGG geltend gemacht wird, beruft sich doch der Gesuchsteller einfach auf eine andere Rechtsauffassung, macht mithin falsche Rechtsausübung durch die Beschwerdeinstanz geltend;

  • selbst bei Eintreten auf ein Revisionsgesuch dieses abzuweisen wäre, bringt der Gesuchsteller doch vor, dass das Auslieferungsverfahren dem Strafrecht zuzuschlagen sei, demgemäss die unentgeltliche Rechtspflege nur hätte verweigert werden können, wenn Sachverhalt und Rechtslage derart simpel gewesen wären, dass sich der Angeschuldigte selbst hätte vertreten können (act. 1);

  • der Gesuchsteller damit verkennt, dass das Auslieferungsverfahren gerade nicht strafrechtlicher, sondern verwaltungsrechtlicher Natur ist (BGE 120 Ib 112, E. 4, S. 119), womit sich die Argumentation des Beschwerdeführers auch als materiell unzutreffend erweist, zudem auch im Strafprozessrecht ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege bei Aussichtslosigkeit abzu- weisen wäre;

  • 4 -

  • der Beschwerdeführer bei diesem Ausgang des Verfahrens als unterlie- gende Partei zu gelten und grundsätzlich die Verfahrenskosten zu tragen hat (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 30 lit. b SGG); es sich vorliegend je- doch rechtfertigt, auf die Erhebung einer Gerichtsgebühr zu verzichten (Art. 63 Abs. 1 Satz 3 VwVG i.V.m. Art. 30 lit. b SGG).

  • 5 -

Demnach erkennt die II. Beschwerdekammer:

  1. Auf das Gesuch um Wiedererwägung des Entscheids der Beschwerdekam- mer des Bundesstrafgerichts RR.2009.14+RP.2009.3 vom 24. Februar 2009 betreffend unentgeltliche Rechtspflege wird nicht eingetreten.

  2. Es werden keine Kosten erhoben.

Bellinzona, 6. März 2009

Im Namen der II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Vorsitzende: Die Gerichtsschreiberin:

Zustellung an

  • Rechtsanwalt Dieter R. Marty

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Mots-clés

reconsiderationrevisionlegal aidextraditioninadmissibilityjudicial decisioncost waiver

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether a request for reconsideration is admissible against a judicial appellate decision refusing legal aid.

Solution extraite

A judicial appellate decision is not subject to reconsideration; the proper remedy would be revision, subject to its own requirements.

Motifs extraits

The chamber held that reconsideration under the cited procedural framework concerns reconsideration by the lower authority during pending appeal proceedings, not reconsideration of a court decision. For reasons of legal certainty, judicial decisions are not reopenable by reconsideration.

Question juridique clé

Whether the filing could be treated as a request for revision.

Solution extraite

No, because the applicant was represented by counsel and the filing did not invoke a statutory ground for revision; in any event, revision applies only to final judgments and the prior decision was not yet final because the federal appeal deadline had not expired.

Motifs extraits

The chamber refused to recharacterize the application as revision and noted that no ground under the revision provisions was asserted, only disagreement with the legal assessment.

Question juridique clé

Whether legal aid had been wrongly refused in the extradition matter.

Solution extraite

The refusal was not shown to be incorrect; extradition proceedings are administrative, not criminal, and the applicant's arguments were legally unfounded.

Motifs extraits

The chamber reiterated that extradition proceedings are of administrative law nature; therefore the applicant's criminal-law based argument failed. It also noted that even in criminal proceedings legal aid may be refused if the case is hopeless.

Question juridique clé

Costs of the reconsideration proceeding.

Solution extraite

No court fee was charged despite the applicant being the losing party.

Motifs extraits

Although the applicant would ordinarily bear costs, the chamber exercised its discretion to waive the court fee.

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