Editions order is not a coercive measure under VStrR

BV.2015.6,BV.2015.7Tribunal pénal fédéral / Chambre des recours22 avr. 2015Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

A and B challenged an ESBK order requiring them to hand over keys to seized gaming machines. The Criminal Appeals Chamber held that an editions order without a threat under Art. 292 StGB is not a coercive measure within Art. 26 VStrR. The complaint was therefore not admissible before the Chamber; the proper route was a complaint under Art. 27 VStrR to the ESBK director. The Chamber did not enter into the complaint, referred the matter to the ESBK director, and charged no court fee.

Regeste Omnilex

Art. 26 und 27 VStrR; Editionsverfügung ohne Strafdrohung nach Art. 292 StGB ist keine Zwangsmassnahme; Anfechtung hat grundsätzlich nach Art. 27 VStrR bei der vorgesetzten Verwaltungsbehörde zu erfolgen. Die Beschwerdekammer tritt auf eine gegen eine blosse Editionsaufforderung als Zwangsmassnahme erhobene Beschwerde nicht ein und weist die Sache zur Behandlung an den Direktor der betroffenen Verwaltung weiter (vgl. Art. 28 Abs. 1 und 3 VStrR). Für Editionsverfügungen besteht kein direkter Rechtsmittelzug nach Art. 26 VStrR; Kostenfolgen können ausnahmsweise entfallen, wenn die Gegenpartei das unzutreffende Verfahren gewählt hat.

Texte intégral

Beschluss vom 22. April 2015 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Emanuel Hochstrasser und Andreas J. Keller, Gerichtsschreiber Miro Dangubic

Parteien

A., B., Beschwerdeführer

gegen

EIDGENÖSSISCHE SPIELBANKENKOMMISSION, Beschwerdegegnerin

Gegenstand Editionsverfügung

B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l

Ges c häft s n um m er: B V . 201 5.6-7

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:

  • die Eidgenössische Spielbankenkommission (nachfolgend „ESBK“) die Stra- funtersuchung 62-2015-002 wegen des Verdachts der Widerhandlungen ge- gen das Bundesgesetz vom 18. Dezember 1998 über Glücksspiele und Spielbanken (Spielbankengesetz, SBG; SR 935.52) führt (act. 2);

  • im Rahmen dieses Verfahrens die Wirtschaftspolizei Zürich am 7. Ja- nuar 2015 und 5. Februar 2015 im "Shop C." in Y. eine Hausdurchsuchung vollzog; in einem Nebenraum des "Shop's C.", welcher "D." genannt wird; verschiedene Gegenstände, vor allem Spielautomaten, sicherstellt wurden (act. 2);

  • die ESBK mit Verfügung vom 20. März 2015 die obgenannten Spielautoma- ten mit Beschlag belegte und A. aufforderte (ohne Strafandrohung i.S.v. Art. 292 StGB), innert 10 Tagen sämtliche Schlüssel für die beschlagnahm- ten Spielautomaten herauszugeben (act. 2.1);

  • B. und A. mit Beschwerde vom 25. März 2015 der ESBK mitteilten, dass sie den "Shop C." führten und den Nebenraum, in welchem sich das Internetkaf- fee befinde, untervermietet und mit den beschlagnahmten Automaten nichts zu tun hätten; sich entsprechend die herausverlangten Schlüssel nicht in ih- rem Besitze befänden (act. 1);

  • die ESBK gemäss Art. 26 Abs. 3 VStrR (Beschwerde gegen Zwangsmass- nahmen) die Beschwerde am 31. März 2015 an dieses Gericht weiterleitete und zugleich eine Beschwerdeantwort einreichte (act. 2), was den Beschwer- deführern am 1. April 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (act. 3).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:

  • bei der Verfolgung von Widerhandlungen gegen das SBG das Bundesgesetz vom 22. März 1974 über das Verwaltungsstrafrecht (VStrR; SR 313.0) zur Anwendung gelangt (Art. 57 Abs. 1 SBG);

  • gegen Zwangsmassnahmen im Sinne der Art. 45 ff. VStrR und damit zusam- menhängende Amtshandlungen bei der Beschwerdekammer des Bun- desstrafgerichts Beschwerde geführt werden kann (Art. 26 Abs. 1 VStrR); die Beschwerde innert drei Tagen, nachdem der Beschwerdeführer von der Amtshandlung Kenntnis erhalten hat, bei der zuständigen Behörde schriftlich mit Antrag und kurzer Begründung einzureichen ist (Art. 28 Abs. 3 VStrR);

  • soweit nicht die Beschwerde nach Art. 26 VStrR (Beschwerde gegen Zwangsmassnahmen) gegeben ist, gemäss Art. 27 VStrR gegen Amtshand- lungen und gegen Säumnis des untersuchenden Beamten beim Direktor oder Chef der beteiligten Verwaltung Beschwerde geführt werden kann; der Beschwerdeentscheid (dieses Direktors oder Chefs) dem Beschwerdeführer schriftlich mitzuteilen ist und eine Rechtsmittelbelehrung zu enthalten hat; gegen den Beschwerdeentscheid bei der Beschwerdekammer des Bun- desstrafgerichts Beschwerde geführt werden kann (Art. 27 VStrR);

  • zur Beschwerde berechtigt ist, wer durch die angefochtene Amtshandlung, die gerügte Säumnis oder den Beschwerdeentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung hat (Art. 28 Abs. 1 VStrR);

  • sich die Beschwerdeführer lediglich gegen die Editionsaufforderung zur Wehr setzen;

  • sich bei Editionsverfügungen, insbesondere ohne Strafandrohung i.S.v. Art. 292 StGB, nicht um Zwangsmassnahmen handelt (vgl. (HEIMGARTNER, Kommentar zur StPO, Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], 2. Aufl., Art. 265 N. 2 m.w.H.);

  • folglich von der Beschwerdegegnerin ein Verfahren nach Art. 27 VStrR und nicht nach Art. 26 VStrR (Beschwerde gegen Zwangsmassnahmen) einzu- leiten gewesen wäre;

  • nach dem Gesagten auf die Beschwerde nicht einzutreten ist und die Be- schwerde an den Direktor der ESBK zum Entscheid zu überweisen ist;

  • ohnehin gegen Editionsverfügungen die Beschwerde nach Art. 26 bzw. 27 Abs. 1 VStrR nicht offen steht (vgl. zuletzt Beschluss des Bundesstrafge- richts BV.2014.51-52 vom 18. November 2014, E. 2.4 m.w.H.);

  • bei der Festlegung der Kosten es vorliegend zu beachten gilt, dass zwar auf die Beschwerde der Beschwerdeführer nicht eingetreten wird, jedoch die Be- schwerdegegnerin auch das unzutreffende Verfahren wählte;

  • bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Gerichtsgebühren zu erheben sind (Art. 66 Abs. 1 BGG analog).

Demnach erkennt die Beschwerdekammer:

  1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

  2. Die Beschwerde wird an den Direktor der ESBK zum Entscheid überwiesen.

  3. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben.

Bellinzona, 22. April 2015

Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zustellung an

  • A. und B.
  • Eidgenössische Spielbankenkommission

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben (Art. 79 BGG).

Mots-clés

editions ordercoercive measuresinadmissibilityadministrative criminal lawtransfer to authoritycourt fees

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the complaint against the ESBK's editions order was admissible under Art. 26 VStrR as a complaint against coercive measures.

Solution extraite

No. An editions order without criminal warning under Art. 292 StGB is not a coercive measure.

Motifs extraits

The contested measure was only an order to produce keys. Such editions orders are to be challenged, if at all, under Art. 27 VStrR rather than Art. 26 VStrR.

Question juridique clé

Which procedural route applies to the challenge against the editions order.

Solution extraite

The matter should have been handled by the director of the ESBK under Art. 27 VStrR.

Motifs extraits

Because the order was not a coercive measure, the complaint body lacked the proper direct route; the complaint had to be referred to the head of the administration for decision.

Question juridique clé

Whether court fees should be charged.

Solution extraite

No court fee is charged.

Motifs extraits

Although the appellants failed, the respondent had chosen the wrong procedural route; in these circumstances no fee was levied by analogy to Art. 66 Abs. 1 BGG.

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