Legal aid granted in terrorism-related appeal proceedings

BP.2009.15Tribunal pénal fédéral / Chambre des recours30 avr. 2009Granted

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The I. Beschwerdekammer of the Federal Criminal Court granted A.'s request for free legal aid in an appeal against a Federal Prosecutor's procedural refusal in an investigation concerning terrorism financing, extortion, coercion, and participation in a criminal organization. The court found the appeal not hopeless and accepted the applicant's shown indigence. The costs of the legal-aid decision were reserved for the main case.

Regeste Omnilex

Art. 64 Abs. 1 BGG; Art. 245 Abs. 1 BStP: Voraussetzungen der unentgeltlichen Rechtspflege im Beschwerdeverfahren; die Bewilligung setzt neben fehlender finanzieller Leistungsfähigkeit voraus, dass das Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Die Bedürftigkeit beurteilt sich nach der gesamten wirtschaftlichen Lage im Zeitpunkt des Gesuchs, namentlich nach Einkommen, Vermögen und finanziellen Verpflichtungen. Glaubhaftmachung genügt; volle Beweisführung ist nicht erforderlich (consid. betreffend Bedürftigkeit und Nichtaussichtslosigkeit).

Texte intégral

Entscheid vom 30. April 2009 I. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, Tito Ponti und Alex Staub, Gerichtsschreiberin Tanja Inniger

Partei

A., amtlich vertreten durch Rechtsanwalt Bernhard Jüsi,

Gesuchsteller

Gegenstand unentgeltliche Rechtspflege (Art. 64 Abs. 1 BGG)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BP.2009.15 (Hauptverfahren: BB.2009.18) (Nebenverfahren: BP.2009.14)

  • 2 -

Die I. Beschwerdekammer hält fest, dass

  • die Bundesanwaltschaft gegen A. ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfah- ren wegen Verdachts der Finanzierung des Terrorismus (Art. 260 quinquies

StGB), der Erpressung (Art. 156 StGB), der Nötigung (Art. 181 StGB) und der Beteiligung an bzw. Unterstützung einer kriminellen Organisation (Art. 260 ter

StGB) führt;

  • anlässlich der Einvernahme vom 23. Januar 2009 der Verteidiger von A. un- ter Hinweis auf die Möglichkeit einer zusätzlichen Gefährdung den Antrag stellte, es sei in Anbetracht des hängigen Asylgesuchs in der Schweiz von ei- ner Kontaktaufnahme mit den türkischen Behörden abzusehen und es seien die notwendigen Abklärungen via Botschaft (in analoger Vorgehensweise wie beim Bundesamt für Migration) zu tätigen;

  • die Bundesanwaltschaft diesen Antrag mit Verfügung vom 16. Februar 2009 abwies, soweit darauf eingetreten werden könne;

  • A. gegen diese Verfügung mit Eingabe vom 17. Februar 2009 Beschwerde bei der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts erhob;

  • die I. Beschwerdekammer A. mit Schreiben vom 20. Februar 2009 zur Leis- tung des Kostenvorschusses von Fr. 1'500.-- einlud;

  • A. mit Eingabe vom 23. Februar 2009 um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ersuchte (act. 1, Ziff. 2.4);

  • die I. Beschwerdekammer ihm das Formular betreffend unentgeltliche Rechtspflege zustellte und ihn aufforderte, dieses inklusive der darin genann- ten Unterlagen bis am 9. März 2009 zu retournieren (act. 2);

  • A. am 9. März 2009 die Unterlagen einreichte (act. 3 – 3.1).

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass

  • eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Gerichtskosten und von der Sicherstellung der Parteientschä- digung befreit werden kann, sofern ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos er- scheint (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 64 Abs. 1 BGG);

  • 3 -

  • die vom Gesuchsteller erhobene Beschwerde betreffend Amtshandlung nicht von vorneherein als aussichtslos erscheint;

  • eine Partei bedürftig ist, welche die Leistung der erforderlichen Prozess- und

    Parteikosten nur erbringen kann, wenn sie Mittel angreift, die sie zur Deckung

    des Grundbedarfs für sich und ihre Familie benötigt (BGE 125 IV 161 E. 4a

    1. 164; 124 I 1 E. 2a S. 2; vgl. auch 128 I 225 E. 2.5.1 S. 232, 127 I 202 E. 3b
    2. 205);
  • sich die prozessuale Bedürftigkeit nach der gesamten wirtschaftlichen Situa- tion des Rechtsuchenden im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs beur- teilt, wozu einerseits sämtliche finanziellen Verpflichtungen, andererseits die Einkommens- und Vermögensverhältnisse gehören (BGE 124 I 1 E. 2a S. 2; 120 Ia 179 E. 3a S. 181, je m.H.);

  • der Gesuchsteller vorliegend mittels den von ihm eingereichten Unterlagen glaubhaft macht, dass er nicht über ausreichende Mittel verfügt, um die allfäl- ligen, für den konkreten Fall zu erwartenden Gerichts- und Anwaltskosten zu tilgen, und im vorgenannten Sinne bedürftig ist;

  • dem Gesuchsteller deshalb für das anhängige Beschwerdeverfahren die un- entgeltliche Rechtspflege zu gewähren ist;

  • die Kosten des vorliegenden Entscheides bei der Hauptsache bleiben;

  • 4 -

und erkennt:

  1. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren BB.2009.18 wird gutgeheissen.

  2. Die Kosten des vorliegenden Entscheides werden mit der Hauptsache ver- legt.

Bellinzona, 30. April 2009

Im Namen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Zustellung an

  • Rechtsanwalt Bernhard Jüsi

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Mots-clés

legal aidindigenceappealcost advancenon-frivolous claim

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the applicant met the conditions for free legal aid in the appeal proceedings

Solution extraite

The request was granted because the appeal did not appear hopeless and the applicant made it sufficiently credible that he lacked the means to cover expected court and legal fees.

Motifs extraits

Legal aid is available if the party lacks sufficient means and the claim is not manifestly futile. The applicant's submitted documents credibly showed financial inability, assessed according to his overall economic situation at the time of filing.

Question juridique clé

How the costs of the present legal-aid decision should be allocated

Solution extraite

The costs of this decision were left to be determined with the main proceedings.

Motifs extraits

Because the ruling concerned an ancillary request in the pending appeal, the costs were reserved to the main case.

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