Premature compensation request after discontinuance was inadmissible

BK.2009.6Tribunal pénal fédéral10 juin 2009Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The I. Complaint Chamber of the Federal Criminal Court held that A.'s compensation request under Art. 122 BStP was premature. The document relied on by the applicant was not a formal discontinuance decision but only an order lifting a seizure. Moreover, the criminal proceedings were still pending when the request was filed on 18 May 2009. The court therefore did not enter on the request, noted that it could be resubmitted after final discontinuance, and charged the applicant court costs of CHF 200.

Regeste Omnilex

Art. 122 BStP; compensation for unlawful pre-trial detention and other prejudice may be claimed only after the investigation or criminal proceedings have been finally discontinued. A request filed before final discontinuance is premature and inadmissible, even if the applicant invokes Art. 122 BStP expressly and even under a reliance on good faith, where published practice makes the temporal prerequisite foreseeable. Such non-entry does not preclude a later, timely request after the discontinuance decision has entered into force; costs follow the outcome under Art. 245 BStP in conjunction with Art. 66 Abs. 1 BGG.

Texte intégral

Entscheid vom 10. Juni 2009 I. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, Tito Ponti und Alex Staub, Gerichtsschreiber Stefan Graf

Parteien

A., vertreten durch Rechtsanwalt Felix C. Meier-Dieterle,

Gesuchstellerin

gegen

BUNDESANWALTSCHAFT,

Gesuchsgegnerin

Gegenstand Entschädigung bei Einstellung (Art. 122 BStP)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BK.2009.6

  • 2 -

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:

  • die Gesuchstellerin am 18. Mai 2009 an die I. Beschwerdekammer gelang- te und unter Hinweis auf die „Einstellungsverfügung“ der Gesuchsgegnerin vom 13. Januar 2009 die Ausrichtung einer Entschädigung nach Art. 122 BStP verlangte (act. 1 und 1.2);

  • es sich bei der eingereichten Verfügung nicht um einen formellen Entscheid hinsichtlich der Einstellung des Verfahrens, sondern um die Aufhebung ei- ner Beschlagnahme handelt (act. 1.2);

  • sich auf Grund der eingeholten Stellungnahme der Bundesanwaltschaft zum Entschädigungsbegehren und den dazugehörenden Akten ergibt, dass das Strafverfahren zum Zeitpunkt der Einreichung des Entschädigungsbe- gehrens noch gar nicht eingestellt war (act. 3 und 3.1);

  • die Beschuldigte ein Begehren um Entschädigung für ungerechtfertigte Un- tersuchungshaft und für andere erlittene Nachteile im Sinne von Art. 122 Abs. 1 BStP erst nach rechtskräftiger Einstellung der Untersuchung bzw. des Ermittlungsverfahrens zu stellen berechtigt ist (Entscheide des Bun- desstrafgerichts BK.2006.2 vom 10. März 2006, E. 1.2; BK.2006.8 vom

  1. Juli 2006);
  • die Gesuchstellerin sich in ihrem Gesuch ausdrücklich auf Art. 122 BStP bezog und somit damit rechnen musste, dass die I. Beschwerdekammer erst nach rechtskräftiger Einstellung des Ermittlungsverfahrens über das Entschädigungsgesuch entscheiden würde (Art. 122 Abs. 3 BStP);

  • das Entschädigungsbegehren vom 18. Mai 2009 sich somit als verfrüht er- weist, weshalb darauf nicht – auch nicht ausnahmsweise unter dem Blick- winkel von Treu und Glauben, nachdem die diesbezügliche Praxis der I. Beschwerdekammer mehrfach veröffentlicht wurde (Entscheide des Bun- desstrafgerichts BK.2006.2 vom 10. März 2006, E. 1.2; BK.2006.8 vom

  1. Juli 2006; zuletzt BK.2008.3 vom 20. Februar 2008) – eingetreten wer- den kann;
  • bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gesuchstellerin die gerichtlichen Kosten zu tragen hat (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG), wobei die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 200.-- festgesetzt wird (Art. 245 Abs. 2 BStP und Art. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32);

  • 3 -

  • der Gesuchstellerin durch das Nichteintreten kein Nachteil erwächst, weil sie ihr Gesuch nach Eintritt der Rechtskraft der Einstellungsverfügung er- neut einreichen kann;

  • 4 -

und erkennt:

  1. Auf das Gesuch wird nicht eingetreten.

  2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 200.-- wird der Gesuchstellerin auferlegt.

Bellinzona, 10. Juni 2009

Im Namen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zustellung an

  • Rechtsanwalt Felix C. Meier-Dieterle (unter Beilage einer Kopie von act. 3)
  • Bundesanwaltschaft

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Mots-clés

compensationnon-entrypremature filingdiscontinuancecourt costs

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the request for compensation under Art. 122 BStP was admissible before the discontinuance decision had become final

Solution extraite

A compensation request under Art. 122 BStP may only be filed after the investigation or criminal proceedings have been finally discontinued; the request was therefore premature.

Motifs extraits

The cited decision was only an attachment/seizure-related measure, not a formal discontinuance order, and the file showed that the proceedings were still pending when the request was filed. A later filing remained possible after finality.

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