Complaint struck out as moot after criminal case was discontinued

BB.2013.155,BP.2013.66Tribunal pénal fédéral / Chambre des recours9 janv. 2014Other

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Résumé

A. sought an order compelling the Federal Prosecutor's Office to bring her case to a discontinuance decision and also requested legal aid. While the complaint was pending, the Federal Prosecutor's Office discontinued the criminal proceedings. The Federal Criminal Court held that it lacked jurisdiction over the supervisory and correction-related requests, and that the denial/delay complaint and the legal-aid request had become moot. The proceedings were struck out, no court fee was charged, and the Federal Prosecutor's Office was ordered to pay A. CHF 1,500 in compensation.

Regest

Art. 393 ff. StPO; mootness of a complaint for denial or delay of justice after discontinuance of the underlying criminal proceedings. A complaint loses its practical object if, during the appellate proceedings, the contested procedural situation ceases to exist and the appellant no longer has a current interest; the proceedings are then struck out as moot. The party whose conduct caused the mootness generally bears the costs and owes compensation for necessary expenses (Art. 423 Abs. 1, Art. 436 Abs. 1 in conjunction with Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). Requests falling outside the court's jurisdiction, including supervisory grievances based on repealed provisions, are not examined.

Texte intégral

Beschluss vom 9. Januar 2014 Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, Cornelia Cova und Patrick Robert-Nicoud, Gerichtsschreiber Stefan Graf

Parteien

A., vertreten durch Rechtsanwalt Rainer Riek,

Beschwerdeführerin

gegen

BUNDESANWALTSCHAFT,

Beschwerdegegnerin

Gegenstand Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (Art. 393 Abs. 2 lit. a StPO); Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 29 Abs. 3 BV)

B u n d e s s t r a f g e r i c h t T r i b u n a l p é n a l f é d é r a l T r i b u n a l e p e n a l e f e d e r a l e T r i b u n a l p e n a l f e d e r a l

Ges c häft s n um m ern: B B .20 13. 15 5, B P .2 01 3.6 6

  • 2 -

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:

  • die Bundesanwaltschaft am 3. August 2012 von der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich die von dieser u. a. gegen A. wegen des Verdachts der Gehilfenschaft zur Widerhandlung gegen das Bundesgesetz vom 8. No- vember 1934 über die Banken und Sparkassen (Bankengesetz, BankG; SR 952.0) sowie des wirtschaftlichen Nachrichtendienstes (Art. 273 StGB) und der Geldwäscherei (Art. 305 bis StGB) eröffnete Strafuntersuchung übernahm (Akten BA, pag. 01-01-0003 ff.);

  • die Bundesanwaltschaft mit Parteimitteilung vom 14. Dezember 2012 an- kündigte, die Strafuntersuchung gegen A. sei abgeschlossen und sie als Verfahrensleitung sehe auf Grund der tatsächlichen und rechtlichen Ver- hältnisse vor, das Strafverfahren gegen A. einzustellen (Akten BA, pag. 16-02-0068 f.);

  • A. mit Rechtsverzögerungsbeschwerde vom 8. Oktober 2013 an die Be- schwerdekammer des Bundesstrafgerichts gelangte und mit ihrem Haupt- antrag verlangt, die Bundesanwaltschaft sei anzuweisen, das Verfahren umgehend zur Einstellung, eventualiter zu einer Entscheidung betreffend die angekündigte Einstellung zu bringen (act. 1);

  • A. für das Beschwerdeverfahren um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ersuchte (act. 1);

  • A. in ihrer Beschwerdeschrift weiter geltend machte, das Verhalten des Vertreters der Bundesanwaltschaft ihr gegenüber anlässlich der Hauptver- handlung in Sachen B. (Ehemann von A.) müsse aufsichtsrechtliche Folgen haben (vgl. act. 1, Rz. 25 f.);

  • die Beschwerdekammer am 11. Oktober 2013 zuständigkeitshalber die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft mit einer Kopie der Be- schwerde bediente, soweit mit dieser auch Aufsichtsbeschwerde erhoben wurde (act. 3);

  • die Bundesanwaltschaft am 19. Dezember 2013 das Strafverfahren gegen A. einstellte (act. 11).

  • 3 -

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:

  • gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde nach den Vorschriften der Art. 393 ff. StPO erhoben werden kann (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG);

  • mangels Zuständigkeit der Beschwerdekammer auf die Vorbringen der Be- schwerdeführerin, welche ihrer Ansicht nach aufsichtsrechtliche Folgen ha- ben müssten, nicht einzugehen ist, nachdem der von ihr diesbezüglich an- gerufene Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 4. Oktober 2002 über das Bundesstrafgericht (Strafgerichtsgesetz, SGG; AS 2003 2139) per

  1. Dezember 2010 ausser Kraft getreten ist (vgl. Art. 77 StBOG und des- sen Anhang);
  • es der Beschwerdekammer ebenso wenig zusteht, über die von der Be- schwerdeführerin beiläufig beantragte Berichtigung des den Beschuldigten B. betreffenden Urteils zu befinden (siehe act. 1, Rz. 25b);

  • auf die Beschwerde damit schon bei deren Erhebung nur einzutreten war, soweit mit ihr eine Rechtsverzögerung gerügt wurde;

  • das Beschwerdeverfahren abzuschreiben ist, wenn die im Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung gegebene Beschwer im Verlauf des Beschwerde- verfahrens dahinfällt und die Beschwerde gegenstandslos wird (GUIDON, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, Berner Diss., Zürich/St. Gallen 2011, N. 554 m.w.H. in Fn 1959);

  • das aktuelle Interesse der Beschwerdeführerin am Beschwerdeverfahren nach der mittlerweile erfolgten Einstellung des gegen sie gerichteten Straf- verfahrens weggefallen ist, weshalb das Beschwerdeverfahren zufolge Ge- genstandslosigkeit als erledigt von der Geschäftskontrolle abzuschreiben ist;

  • wenn ein Beschwerdeverfahren gegenstandslos wird, diejenige Partei kos- ten- und entschädigungspflichtig wird, welche die Gegenstandslosigkeit des Rechtsmittels verursachte (TPF 2011 31 m.w.H.; siehe zuletzt auch den Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2013.56 vom 17. Juni 2013);

  • vorliegend die Beschwerdegegnerin die Gegenstandslosigkeit zu vertreten hat und damit grundsätzlich kosten- und entschädigungspflichtig wird;

  • 4 -

  • die Gerichtskosten somit auf die Staatskasse zu nehmen sind (Art. 423 Abs. 1 StPO);

  • die Beschwerdegegnerin demzufolge der Beschwerdeführerin eine Ent- schädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Ver- fahrensrechte auszurichten hat (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO);

  • diese Entschädigung vorliegend ermessensweise auf Fr. 1'500.-- festzuset- zen ist (inkl. Auslagen und MwSt.; Art. 10 und 12 Abs. 2 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]);

  • das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege bei diesem Ausgang des Ver- fahrens ebenfalls zufolge Gegenstandslosigkeit als erledigt von der Ge- schäftskontrolle abzuschreiben ist;

  • 5 -

und erkennt:

  1. Das Beschwerdeverfahren wird zufolge Gegenstandslosigkeit als erledigt von der Geschäftskontrolle abgeschrieben, soweit auf die Beschwerde ein- zutreten ist.

  2. Das Gesuchsverfahren betreffend unentgeltliche Rechtspflege wird zufolge Gegenstandslosigkeit als erledigt von der Geschäftskontrolle abgeschrieben.

  3. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben.

  4. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädi- gung in der Höhe von Fr. 1'500.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) auszurichten.

Bellinzona, 9. Januar 2014

Im Namen der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zustellung an

  • Rechtsanwalt Rainer Riek
  • Bundesanwaltschaft

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Mots-clés

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