Complaint against investigative order declared largely moot and otherwise inadmissible

BB.2009.42Tribunal pénal fédéral / Chambre des recours8 juin 2009Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Criminal Court’s I. Complaint Chamber dealt with a complaint against an investigative order in a criminal investigation concerning alleged participation in or support of a criminal organization. After the investigating authority issued a new order on 1 May 2009 granting broader access to audio and video recordings, the court held that the complaint against that part of the earlier order had become moot. As to the remaining challenged point, the appellant failed to show any unjustified detriment and thus lacked standing. The court therefore did not enter into the complaint, ordered the appellant to pay CHF 500 in court costs, and refunded CHF 1,000 of the advance payment.

Regeste Omnilex

Art. 214 BStP; complaint against investigative acts and standing. A complaint is admissible only for a party or other person who suffers an unjustified detriment from the challenged order or from the investigator’s inactivity. If the contested measure is superseded by a new order before judgment, the complaint is moot to that extent. Where the appellant does not demonstrate a concrete, legally relevant disadvantage from the remaining operative part, standing is lacking and the court will not enter into the matter (consid. 1-3). Costs follow the outcome; the court may offset the filing advance against the costs and order reimbursement of any excess.

Texte intégral

Entscheid vom 8. Juni 2009 I. Beschwerdekammer Besetzung Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, Tito Ponti und Alex Staub, Gerichtsschreiber Stefan Graf

Parteien

A., vertreten durch Rechtsanwalt Till Gontersweiler,

Beschwerdeführer

gegen

BUNDESANWALTSCHAFT,

Beschwerdegegnerin

Vorinstanz EIDGENÖSSISCHES UNTERSUCHUNGSRICH- TERAMT,

Gegenstand Amtshandlung (Art. 214 Abs. 1 BStP); Akteneinsicht (Art. 116 BStP)

Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal Geschäftsnummer: BB.2009.42

  • 2 -

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:

  • das Eidgenössische Untersuchungsrichteramt (nachfolgend „Untersu- chungsrichteramt“) gegen den Beschwerdeführer eine Voruntersuchung führt wegen des Verdachts der Beteiligung an bzw. der Unterstützung einer kriminellen Organisation im Sinne von Art. 260 ter StGB sowie weiterer Delik- te;

  • die Bundesanwaltschaft beim Untersuchungsrichteramt am 31. Dezember 2008 beantragte, es seien alle Beschuldigten um eine Stellungnahme an- zugehen, bei welchen beweiserheblichen Gesprächen der angeordneten Telefon- und Raumüberwachungen sie den schriftlich protokollierten Inhalt einschliesslich der Identität der Teilnehmer bestreiten würden, sodann den betroffenen Beschuldigten die Ton- und Bildaufnahmen der von ihnen be- strittenen Gespräche abzuspielen seien (Antrag „Ziff. 1“), und es seien alle im Rahmen der von Februar 2003 bis März 2004 angeordneten Telefon- und Raumüberwachungen in einem von MS Windows lesbaren Dateiformat auf einen elektronischen Datenträger (CD bzw. DVD) zu überspielen (An- trag „●“; act. 5.1);

  • das Untersuchungsrichteramt mit Verfügung vom 24. April 2009 die Anträ- ge der Bundesanwaltschaft vom 31. Dezember 2008 gemäss „Ziff. 1“ und „Ziff. 2“ im Sinne der Erwägungen teilweise guthiess (act. 1.1);

  • das Untersuchungsrichteramt am 1. Mai 2009 Ziff. 1 der Verfügung vom

  1. April 2009 aufhob und zu Gunsten der beschuldigten Parteien (neu) umfassende Einsicht in die Ton- und Bildaufzeichnungen gewährte (act. 5.3), wobei diese neue Verfügung dem Vertreter des Beschwerdefüh- rers am Morgen des 4. Mai 2009 zugestellt wurde (act. 5.6);
  • der Beschwerdeführer mit am Abend des 4. Mai 2009 der Post zu Handen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts übergebenen Be- schwerde die geschlossene Aufhebung der Verfügung vom 24. April (act. 1.1) verlangte, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates (act. 1, 5.7);

  • das Untersuchungsrichteramt in seiner Beschwerdeantwort vom 28. Mai 2009 die Beschwerde des Beschwerdeführers als gegenstandslos erachte- te (act. 5);

  • 3 -

  • die Bundesanwaltschaft in ihrer Beschwerdeantwort vom 28. Mai 2009 be- antragte, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei, unter Auferlegung der Kosten an den Beschwerdeführer (act. 6);

  • der Vertreter des Beschwerdeführers mit Schreiben vom 28. Mai 2009 mit- teilte, dass er die neue Verfügung des Untersuchungsrichteramtes erst zur Kenntnis genommen habe, nachdem er seine Beschwerde versandt habe (act. 7);

  • gegen Amtshandlungen und wegen Säumnis des Untersuchungsrichters die Beschwerde zulässig ist, wobei diese den Parteien und einem jeden zusteht, der durch eine Verfügung oder durch die Säumnis des Untersu- chungsrichters einen ungerechtfertigten Nachteil erleidet (Art. 214 BStP);

  • die Ausführungen des Beschwerdeführers unter lit. B. Ziff. 1 seiner Be- schwerdebegründung haltlos sind, da sowohl anhand des Antrags der Bundesanwaltschaft vom 31. Dezember 2008 – trotz des Fehlers bei der Nummerierung – sowie vor allem aus der Begründung der angefochtenen Verfügung genügend klar wird, dass die Bundesanwaltschaft zwei ver- schiedene Anträge gestellt hat, und zudem die Begründung es ermöglicht, die Tragweite des Dispositivs mit der Formulierung „im Sinne der Erwägun- gen“ zu erkennen;

  • sofern der Beschwerdeführer die durch Ziffer 1 des Dispositivs der ange- fochtenen Verfügung angeordnete Einschränkung seiner Einsichtsrechte rügt, die Beschwerde durch die neuerliche Verfügung des Untersuchungs- richteramtes vom 1. Mai 2009 von Beginn weg gegenstandslos war;

  • nicht ersichtlich ist, inwiefern dem Beschwerdeführer hinsichtlich der eben- falls angefochtenen Ziffer 2 des Dispositivs ein ungerechtfertigter Nachteil entstehen soll und es ihm somit diesbezüglich an der Beschwerdelegitima- tion fehlt;

  • bei diesem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführer die Gerichts- kosten zu tragen hat (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG), wo- bei die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 500.-- festgesetzt wird (Art. 245 Abs. 2 BStP und Art. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die Ge- richtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32), unter An- rechnung des geleisteten Kostenvorschusses von Fr. 1'500.-- bzw. unter Rückerstattung von Fr. 1'000.-- an den Beschwerdeführer;

  • 4 -

und erkennt:

  1. Auf die Beschwerde wird, soweit nicht gegenstandslos, nicht eingetreten.

  2. Die Gerichtskosten von Fr. 500.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 1'500.-- verrechnet. Die Bundesstrafgerichtskasse hat dem Beschwerdeführer Fr. 1'000.-- zurückzu- erstatten.

Bellinzona, 9. Juni 2009

Im Namen der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zustellung an

  • Rechtsanwalt Till Gontersweiler
  • Bundesanwaltschaft
  • Eidgenössisches Untersuchungsrichteramt

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.

Mots-clés

criminal investigationwiretap recordingsaccess to filestandingmootnesscosts

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the complaint against the first-order restriction on access was still justiciable after the new order of 1 May 2009

Solution extraite

The challenge to the access restriction had become moot from the outset because the investigative authority replaced the contested part with a new order.

Motifs extraits

Since the first challenged point was superseded before the complaint was decided, there was no longer a live dispute on that point.

Question juridique clé

Whether the appellant had standing to challenge the second operative point of the 24 April 2009 order

Solution extraite

No legally relevant disadvantage was shown in relation to that point, so standing was lacking.

Motifs extraits

The court found it not apparent how the appellant could suffer an unjustified detriment from the second dispositive item.

Question juridique clé

Costs of the complaint proceedings

Solution extraite

The appellant had to bear the court costs, with the advance payment set off and the balance refunded.

Motifs extraits

As the complaint was not entered upon, costs were allocated to the appellant.

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