Clarification request under Art. 129 BGG dismissed; compensation awarded

9G_2/2012Tribunal fédéral / IIIe division de droit public26 juil. 2012Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The applicant sought clarification or reconsideration of the Federal Supreme Court's earlier judgment concerning compensation for his work as appointed counsel in an invalidity insurance matter. The court held that the request did not meet the requirements of Art. 129 BGG and was therefore dismissed. It nevertheless acknowledged that the applicant had reason to seek relief because the prior judgment had overlooked special case law on compensation for attorneys litigating their own fee disputes. As a result, no court costs were charged and CHF 3,000 was awarded to the applicant from the court fund.

Regeste Omnilex

Art. 129 BGG; clarification/rectification of a federal judgment is limited to unclear, incomplete, contradictory or materially defective dispositive clauses and does not serve to correct alleged legal errors. Where the dispositive and reasoning clearly deny a party compensation, the omission of such an award from the dispositif alone does not justify interpretation or correction. However, if a party had objective reason to seek clarification because the court overlooked specific jurisprudence on compensation, costs may be waived and equitable compensation awarded under Art. 66 Abs. 1 and Art. 68 Abs. 4 BGG, read with Art. 66 Abs. 3 BGG (consid. 1-3).

Texte intégral

9G_2/2012 {T 0/2}

Urteil vom 26. Juli 2012
II. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter U. Meyer, Präsident,
Bundesrichter Borella, Bundesrichterin Glanzmann,
Gerichtsschreiber Nussbaumer.

Verfahrensbeteiligte
K.________,
Gesuchsteller,

gegen

Obergericht des Kantons Schaffhausen, Frauengasse 17, 8200 Schaffhausen,
Gesuchsgegner.

Gegenstand
Invalidenversicherung,

Berichtigungsgesuch gegen das Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts 9C_284/2012 vom 18. Mai 2012.

Nach Einsicht
in die Eingabe vom 20. Juni 2012, womit der Gesuchsteller um Aufschlusserteilung und/oder "Wiedererwägung" des Urteils 9C_284/2012 vom 18. Mai 2012 hinsichtlich der Frage der Parteientschädigung ersucht,

in Erwägung,
dass die II. sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts mit Urteil 9C_284/2012 vom 18. Mai 2012 die Beschwerde des Gesuchstellers gegen die Höhe des ihm vom Obergericht des Kantons Schaffhausen als unentgeltlicher Rechtsbeistand zugesprochenen Honorars teilweise gutgeheissen und die Sache an die Vorinstanz zurückgewiesen hat, damit diese über die Höhe des Honorars im Sinne der E. 6 neu entscheide,
dass dem teilweise obsiegenden Beschwerdeführer keine Parteientschädigung zugesprochen wurde mit der Begründung, der in eigener Sache prozessierende Rechtsanwalt habe nur ausnahmsweise Anspruch auf eine solche (Hinweis auf BGE 129 II 297 E. 5 S. 304; 110 V 132) und hier keine auszurichten sei, da ihm kein besonderer Aufwand entstanden sei (Hinweis auf BGE 110 V 132 ff.; BGE 119 Ib 412 E. 3 S. 415),
dass der Gesuchsteller mit Eingabe vom 20. Juni 2012 um Aufschluss ersucht, weshalb ihm im Unterschied zu dem von ihm in der Beschwerde zitierten Urteil 8C_676/2010 E. 6 keine Parteientschädigung zugesprochen worden sei. Gegebenenfalls sei das Urteil vom 18. Mai 2012 in Bezug auf die verweigerte Prozessentschädigung in "Wiedererwägung" zu ziehen,
dass der Gesuchsteller in seiner Eingabe vom 20. Juni 2012 einen der in Art. 121 bis 123 BGG angeführten Revisionsgründe nicht geltend macht, zumal die Revision nicht zulässig ist, um angebliche Rechtsfehler zu korrigieren (Urteil 4F_1/2007 vom 13. März 2007 E. 5.2 mit Hinweis),
dass nach Art. 129 Abs. 1 BGG das Bundesgericht auf schriftliches Gesuch einer Partei oder von Amtes wegen die Erläuterung oder Berichtigung vornimmt, wenn das Dispositiv eines bundesgerichtlichen Entscheids unklar, unvollständig oder zweideutig ist, seine Bestimmungen untereinander oder mit der Begründung in Widerspruch stehen oder es Redaktions- oder Rechnungsfehler enthält,
dass es sich hier auch nicht um die Erläuterung oder Berichtigung des bundesgerichtlichen Entscheids vom 18. Mai 2012 handeln kann (vgl. Urteil 9G_2/2010 vom 11. Oktober 2010), da eine Parteientschädigung in E. 7 des Urteils unmissverständlich nicht zugesprochen worden ist, woran die dispositivmässige Nichterwähnung nichts ändert (ELISABETH ESCHER, in: Niggli/Uebersax/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl., 2011 N. 8 zu Art. 121 BGG),
dass der Gesuchsteller jedoch zu Recht auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung hinweist, wonach der im Streit um die Erhöhung des Honorars als unentgeltlicher Rechtsbeistand obsiegende Rechtsanwalt Anspruch auf eine Parteientschädigung hat (BGE 125 II 518; Urteile 5A_168/2012 vom 26. Juni 2012 E. 6, 9C_735/2011 vom 22. Juni 2012 E.6, 8C_676/2010 vom 11. Februar 2011 E. 6, 6B_136/2009 vom 12. Mai 2009 E. 5, 8C_757/2007 vom 29. Oktober 2008 E. 6), worauf er in der Beschwerde vom 29. März 2012 ausdrücklich hingewiesen hat,
dass im Urteil vom 18. Mai 2012 die Verweigerung der Parteientschädigung mit der Rechtsprechung (BGE 129 II 297 E. 5 S. 304; 119 Ib 412 E. 3 S. 415; 110 V 132; des weitern BGE 129 V 113 E. 4.1 S. 116; 125 II 518 E. 5b S. 519 f.), wonach der in eigener Sache prozessierende Rechtsanwalt keinen Anspruch auf Parteientschädigung hat, sofern ihm kein besonderer Aufwand entstanden ist, begründet worden ist, womit die eigene spezifisch für Streitigkeiten betreffend Höhe des Honorars anderslautende Rechtsprechung übersehen worden ist,
dass unter diesen Umständen der Gesuchsteller Anlass gehabt hat, sich mit einer Eingabe an das Bundesgericht zu wenden, weshalb es sich rechtfertigt, von der Erhebung von Gerichtskosten abzusehen (Art. 66 Abs. 1 zweiter Satz BGG) und dem Gesuchsteller eine Entschädigung auszurichten (Art. 68 Abs. 4 in Verbindung mit Art. 66 Abs. 3 BGG), welche ex aequo et bono auch den Aufwand für die Beschwerde vom 29. März 2012 umfasst (vgl. THOMAS GEISER, in: Niggli/Uebersax/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl., 2011, N. 18 zu Art. 66 und N. 14 in fine zu Art. 68 BGG),

erkennt das Bundesgericht:

1.
Das Gesuch vom 20. Juni 2012 wird im Sinne der Erwägungen abgewiesen.

2.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3.
Der Gesuchsteller wird für das bundesgerichtliche Verfahren aus der Bundesgerichtskasse mit Fr. 3'000.- entschädigt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Bundesamt für Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 26. Juli 2012

Im Namen der II. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Meyer

Der Gerichtsschreiber: Nussbaumer

Mots-clés

clarificationrectificationrevision requestparty compensationappointed counselcourt costsequitysocial insurance

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the request for clarification/rectification or reconsideration of the judgment of 18 May 2012 was admissible under Art. 129 BGG.

Solution extraite

The request was not a valid basis for revising or clarifying the prior judgment, because the dispositive part was clear and no statutory revision ground was invoked.

Motifs extraits

The applicant relied on alleged legal error only; Art. 129 BGG applies only where the dispositive is unclear, incomplete, contradictory, or contains drafting/calculation errors. The omission of a party compensation award from the dispositif did not create ambiguity because the reasoning had clearly denied it.

Question juridique clé

Whether the applicant was entitled to compensation for filing the clarification request and for the earlier appeal work.

Solution extraite

Yes; although the request was dismissed, the applicant had cause to approach the court because the prior judgment had overlooked the specific case law on compensation for an attorney litigating over the amount of his fee as court-appointed counsel.

Motifs extraits

The court recognized the special jurisprudence granting compensation in disputes about increasing the honorarium of an appointed lawyer. In equity, costs were waived and compensation awarded from the federal court fund.

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