Recusal challenge to court-appointed psychiatric expert

9C_945/2010Tribunal fédéral / IIIe division de droit public19 janv. 2011Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The claimant appealed to the Federal Court against a cantonal judgment confirming a psychiatric expert report and the appointment of Dr. med. P. in an invalidity insurance case. He argued lack of sufficient reasoning, bias of the expert, and arbitrary application of recusal rules. The Federal Court held that the cantonal decision was adequately reasoned, that the expert's explanation about the abbreviation 'SVA' was credible, and that prior expert work for social insurers does not itself constitute bias. The appeal was dismissed and costs of CHF 500 were charged to the claimant.

Regeste Omnilex

Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 105 Abs. 1 und 2 BGG; Ausstand eines medizinischen Gutachters im Sozialversicherungsrecht. Die Begründungspflicht ist erfüllt, wenn der angefochtene Entscheid die wesentlichen Überlegungen erkennen lässt und sachgerechte Anfechtung ermöglicht. Für die Befangenheit eines gerichtlich bestellten Sachverständigen genügt weder eine blosse, auch umfangreiche, Gutachtertätigkeit für Sozialversicherungsträger noch eine missverständliche Formulierung, sofern die tatsächlichen Verhältnisse plausibel erklärt und persönliche Beziehungen verneint werden. Die vorinstanzliche Würdigung ist für das Bundesgericht verbindlich, sofern keine offensichtlich unrichtige Sachverhaltsfeststellung oder Rechtsverletzung vorliegt; eine Praxisänderung kann aus beiläufigen Bemerkungen in früheren Urteilen nicht abgeleitet werden. Kostenfolgen nach Unterliegen richten sich nach Art. 66 Abs. 1 BGG.

Texte intégral

{T 0/2}
9C_945/2010

Urteil vom 19. Januar 2011
II. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter U. Meyer, Präsident,
Bundesrichter Borella, Bundesrichterin Glanzmann,
Gerichtsschreiberin Dormann.

Verfahrensbeteiligte
T.________,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. Cristina Schiavi,
substituiert durch Rechtsanwältin Sabine Furthmann,
Beschwerdeführer,

gegen

IV-Stelle des Kantons Zürich,
Röntgenstrasse 17, 8005 Zürich,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Invalidenversicherung (Ausstand),

Beschwerde gegen den Beschluss des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich
vom 12. Oktober 2010.

In Erwägung,
dass das Bundesgericht mit Urteil vom 21. Oktober 2009 (8C_391/2009) den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 10. März 2009 betreffend den Anspruch des T.________ auf eine Invalidenrente aufhob und die Sache zur weiteren Abklärung und neuen Entscheidung an das kantonale Gericht zurückwies,
dass das Bundesgericht mit Urteil vom 7. Juli 2010 (8C_214/2010) den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 2. Februar 2010, mit welchem dieses eine psychiatrische Expertise anordnete und Dr. med. P.________ zum Experten ernannte, aufhob und die Sache zur weiteren Abklärung und neuen Entscheidung über die Ausstandsfrage an das kantonale Gericht zurückwies,
dass T.________ gegen den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 12. Oktober 2010, mit welchem dieses die Anordnung einer psychiatrischen Expertise und die Ernennung des Dr. med. P.________ zum Experten bestätigte, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten erhoben hat,
dass das kantonale Gericht die Gründe für seinen Entscheid soweit dargelegt hat, dass dieser sachgerecht angefochten werden konnte, mithin die betroffene Person wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die jeweils wesentlichen Gesichtspunkte und deren Tragweite ein Bild machen konnten bzw. können (vgl. BGE 133 I 270 E. 3.1 S. 277; 129 I 232 E. 3.2 S. 236; 126 I 97 E. 2b S. 102 f. mit Hinweisen), weshalb von einer Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) nicht gesprochen werden kann,
dass Dr. med. P.________ im Brief an die Vorinstanz vom 18. Dezember 2009 geschrieben hatte, falls die "SVA" Fragen an ihn habe, bitte er darum, mit ihm Kontakt aufzunehmen,
dass die Vorinstanz dazu festgestellt hat, seine Erklärung vom 15. September 2010, wonach er irrtümlich die Abkürzung für die Sozialversicherungsanstalt ("SVA") anstelle jener für das Sozialversicherungsgericht ("SVG") verwendet habe, sei schlüssig und nachvollziehbar und er habe glaubhaft jegliche direkten oder persönlichen Beziehungen mit der Sozialversicherungsanstalt verneint,
dass diese Feststellungen nicht offensichtlich unrichtig sind, auch wenn die Abkürzung "SVG" nicht geläufig sein mag und es für die Formulierung des umstrittenen Satzes noch weitere, allenfalls plausiblere Möglichkeiten gegeben hat,
dass nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts selbst eine ausgedehnte Gutachtertätigkeit für die Sozialversicherungsträger auch bei einem gerichtlich bestellten Experten keinen Befangenheitsgrund darstellt und entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers die beiläufige Bemerkung im Urteil 8C_480/2009 vom 26. Januar 2010 (E. 7.3 zweitletzter Absatz) diesbezüglich keine Praxisänderung (vgl. BGE 135 II 78 E. 3.2 S. 85; 135 III 66 E. 10 S. 79; 134 V 72 E. 3.3 S. 76) begründet (SVR 2009 UV Nr. 32 S. 111, 8C_509/2008 E. 6.2, zuletzt bestätigt im Urteil 8C_391/2010 vom 31. August 2010 E. 3.2, je mit Hinweisen),
dass auch die kantonale Praxis zu § 95 ff. des auf den 31. Dezember 2010 aufgehobenen Gerichtsverfassungsgesetzes vom 13. Juni 1976 mit dieser Rechtsprechung im Einklang steht (vgl. HAUSER/SCHWERI, GVG, Kommentar zum zürcherischen Gerichtsverfassungsgesetz, 2002, N. 26, 28 und 33 zu § 96 GVG), weshalb von willkürlicher Anwendung kantonalen Rechts ohnehin nicht die Rede sein kann,
dass die vorinstanzlichen Feststellungen nach dem Gesagten auch nicht auf einer Rechtsverletzung beruhen, sie daher für das Bundesgericht verbindlich sind (Art. 105 Abs. 1 und 2 BGG) und das kantonale Gericht folglich zu Recht in Bezug auf Dr. med. P.________ das Vorliegen eines Ausstandsgrundes verneint hat,
dass der Beschwerdeführer als unterliegende Partei die Gerichtskosten zu tragen hat (Art. 66 Abs. 1 BGG),

erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich und dem Bundesamt für Sozialversicherungen schriftlich mitgeteilt.

Luzern, 19. Januar 2011
Im Namen der II. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Meyer Dormann

Mots-clés

recusalpsychiatric expertiseinvalidity insuranceright to be heardbiascourt costssocial insurance

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the claimant's right to be heard was violated by insufficient reasoning of the cantonal decision.

Solution extraite

No violation occurred because the cantonal court sufficiently stated the reasons to allow an effective challenge.

Motifs extraits

The decision addressed the essential points and their scope, enabling both the affected person and the reviewing court to understand and contest it.

Question juridique clé

Whether Dr. med. P. had grounds for recusal based on alleged ties to the social insurance administration or bias.

Solution extraite

No recusal ground existed.

Motifs extraits

The explanation that he had mistakenly used the abbreviation 'SVA' instead of 'SVG' was plausible, and he credibly denied any direct or personal ties with the social insurance institution. Even extensive expert activity for social insurers does not itself create bias.

Question juridique clé

Whether the cantonal court's finding that no recusal ground existed was arbitrary or legally erroneous.

Solution extraite

The finding was binding and free of legal error.

Motifs extraits

The factual findings were not manifestly incorrect, and the court's approach accorded with federal and cantonal case law; therefore there was no arbitrary application of cantonal law or violation of federal law.

Question juridique clé

Allocation of court costs.

Solution extraite

Court costs were imposed on the losing appellant.

Motifs extraits

The appellant was the unsuccessful party.

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