Start of higher helplessness pension after three-month persistence

9C_318/2007Tribunal fédéral / IIIe division de droit public27 août 2007Granted

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Supreme Court allowed the IV office’s appeal in a dispute over the starting date of a higher helplessness allowance. The insured person was undisputedly severely helpless from July 2005, but the Court held that the worsening had to be taken into account only after it had persisted for three months, meaning from 1 October 2005. It corrected the cantonal court’s view that Art. 88a Abs. 2 IVV was inapplicable because the earlier assessment had not become final. The cantonal judgment was annulled and court costs of CHF 500 were imposed on the insured person.

Regeste Omnilex

Art. 35 Abs. 1 IVV, Art. 88a Abs. 2 IVV; start of a higher helplessness allowance after a worsening of the degree of helplessness. Art. 88a Abs. 2 IVV applies by analogy not only to revisions of ongoing benefits, but also where the change affecting entitlement occurs before the administrative decision and is to be taken into account retroactively in a combined grant/revision decision. A worsening of helplessness becomes relevant only once it has lasted without substantial interruption for three months; the increased allowance is then owed from the beginning of the month in which this period expires (consid. 3-4).

Texte intégral

{T 0/2}
9C_318/2007

Urteil vom 27. August 2007
II. sozialrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter U. Meyer, Präsident,
Bundesrichter Kernen, Seiler,
Gerichtsschreiber Attinger.

Parteien
IV-Stelle des Kantons Solothurn, Allmendweg 6, 4501 Solothurn, Beschwerdeführerin,

gegen

D.________, 1945, Beschwerdegegner, vertreten durch Procap, Schweizerischer Invaliden-Verband, Froburgstrasse 4, 4600 Olten.

Gegenstand
Invalidenversicherung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Solothurn vom 23. April 2007.

Sachverhalt:
Mit Verfügungen vom 20. April 2005 sprach die IV-Stelle des Kantons Solothurn dem 1945 geborenen D.________ mit Wirkung ab 1. September 2003 eine Hilflosenentschädigung der Invalidenversicherung wegen Hilflosigkeit mittelschweren Grades zu. Auf Einsprache des Versicherten hin hob die IV-Stelle diese Verfügungen auf und richtete neu für den Zeitraum vom 1. September 2003 bis 30. September 2005 eine Hilflosenentschädigung wegen mittelschwerer sowie ab 1. Oktober 2005 eine solche wegen schwerer Hilflosigkeit aus (Einspracheentscheid vom 2. Dezember 2005).
Das Versicherungsgericht des Kantons Solothurn sprach D.________ mit Entscheid vom 23. April 2007 in teilweiser Gutheissung der gegen den Einspracheentscheid erhobenen Beschwerde die Hilflosenentschädigung für schwere Hilfsbedürftigkeit bereits ab 1. Juli 2005 zu (im Anschluss an die bis Ende Juni 2005 auszurichtende Entschädigung wegen mittelschwerer Hilflosigkeit).
Die IV-Stelle führt Beschwerde ans Bundesgericht mit dem Antrag auf Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids.
D.________ und das kantonale Gericht schliessen auf Abweisung der Beschwerde, während das Bundesamt für Sozialversicherungen auf eine Vernehmlassung verzichtet.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten (Art. 82 ff. BGG) kann wegen Rechtsverletzung gemäss Art. 95 f. BGG erhoben werden. Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG), und kann deren Sachverhaltsfeststellung von Amtes wegen nur berichtigen oder ergänzen, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG; vgl. auch Art. 97 Abs. 1 BGG).
2.
Letztinstanzlich ist unter sämtlichen Verfahrensbeteiligten unbestritten, dass der Beschwerdegegner seit Juli 2005 in schwerem Grade hilflos ist. Diese Betrachtungsweise ist denn auch im Lichte der in E. 1 hievor angeführten grundsätzlichen Verbindlichkeit der vorinstanzlichen Tatsachenfeststellungen für das Bundesgericht in keiner Weise zu beanstanden. Streitig und (als Rechtsfrage frei) zu prüfen ist hingegen, ab welchem Zeitpunkt dem Versicherten gestützt auf die nunmehr allseits anerkannte Annahme (Eintritt der schweren Hilflosigkeit im Juli 2005) die dem Ausmass der Hilfsbedürftigkeit entsprechende höhere Hilflosenentschädigung zusteht.
3.
3.1 Gemäss Art. 35 Abs. 1 IVV entsteht der Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung am ersten Tag des Monats, in dem sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Ändert sich in der Folge der Grad der Hilflosigkeit in erheblicher Weise, so finden die Art. 87-88bis IVV Anwendung (Abs. 2 erster Satz von Art. 35 IVV). Nach Art. 88a Abs. 2 IVV ist u.a. bei einer Verschlimmerung der Hilflosigkeit die anspruchsbeeinflussende Änderung zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat; Art. 29bis IVV ist sinngemäss anwendbar.
3.2 Soweit im angefochtenen Entscheid die Anwendbarkeit von Art. 88a Abs. 2 IVV verneint wird, weil die von der IV-Stelle "festgelegte Hilflosigkeit mittleren Grades" zufolge Anfechtung durch den Versicherten "gar nie in Rechtskraft erwachsen" sei und somit eine diesbezügliche Revision entfalle, übersieht das kantonale Gericht, dass die genannte Verordnungsbestimmung (obwohl sie sich auf die Revision bereits laufender Leistungen bezieht) sinngemäss auch dann anzuwenden ist, wenn die anspruchsbeeinflussende Änderung, etwa die weitere Verschlimmerung des Hilflosigkeitsgrades, noch vor Erlass der Verwaltungsverfügung eingetreten ist mit der Folge, dass dann durch eine rückwirkende Leistungsab- oder aufstufung gleichzeitig die Änderung mitberücksichtigt wird (BGE 125 V 413 E. 2d S. 418, 109 V 125; ZAK 1990 S. 518 E. 2). Formalrechtlich liegt in diesen Fällen - hier geht es um den Einspracheentscheid der IV-Stelle vom 2. Dezember 2005 - eine doppelte Verfügung vor, die sich gleichzeitig über die Zusprechung der Leistung und die Revision derselben ausspricht (ZAK 1984 S. 133 E. 3).
4.
Im hier zu beurteilenden Fall ist die im Juli 2005 eingetretene anspruchsbeeinflussende Verschlimmerung der Hilflosigkeit gemäss Art. 88a Abs. 2 in Verbindung mit Art. 35 Abs. 2 erster Satz IVV ab Oktober 2005 zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate lang angedauert hatte. Wie von der Beschwerde führenden IV-Stelle im streitigen Einspracheentscheid zutreffend erkannt, ist dem Beschwerdegegner somit die Hilflosenentschädigung wegen Hilflosigkeit schweren Grades ab 1. Oktober 2005 auszurichten (vgl. Art. 35 Abs. 1 IVV).
5.
Die im Sinne von Art. 109 Abs. 2 lit. b BGG offensichtlich begründete Beschwerde ist im vereinfachten Verfahren gutzuheissen.
6.
Die Gerichtskosten werden dem Beschwerdegegner als unterliegender Partei auferlegt (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:
1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen und der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Solothurn vom 23. April 2007 wird aufgehoben.
2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.- werden dem Beschwerdegegner auferlegt.
3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Versicherungsgericht des Kantons Solothurn, der Ausgleichskasse Berner Arbeitgeber (AKBA) und dem Bundesamt für Sozialversicherungen zugestellt.
Luzern, 27. August 2007
Im Namen der II. sozialrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Mots-clés

invalidity insurancehelplessness allowancechange in degree of helplessnessretroactive adjustmentthree-month periodcourt costs

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

When does the increased helplessness allowance for severe helplessness begin after a worsening in July 2005?

Solution extraite

The higher allowance is payable from 1 October 2005, because the worsening had lasted without substantial interruption for three months.

Motifs extraits

Art. 88a Abs. 2 IVV applies by analogy even where the worsening occurred before the administrative decision; the change is taken into account after three months of persistence, here from October 2005.

Question juridique clé

Should the cantonal judgment granting the higher allowance from 1 July 2005 be upheld?

Solution extraite

No. The cantonal judgment was set aside.

Motifs extraits

The cantonal court wrongly excluded Art. 88a Abs. 2 IVV on the ground that the previous medium helplessness determination had never become final; the Federal Supreme Court corrected this legal error.

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