Federal appeal inadmissible on cantonal insurance jurisdiction

5C.193/2003Tribunal fédéral / IIe division civile28 oct. 2003Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The insurer challenged a cantonal decision confirming civil-court jurisdiction over a supplementary sickness-insurance dispute. The Federal Supreme Court held that the jurisdiction question was governed by cantonal organizational law and therefore could not be reviewed on federal appeal under Art. 43 OG. The appeal was therefore not entered into. The court further noted that the submission barely met the formal requirements and could not be treated as a constitutional complaint because no arbitrary application of cantonal law was alleged. The insurer was ordered to pay the federal court fee.

Regeste Omnilex

Art. 43 OG, Art. 49 Abs. 1 OG; admissibility of federal appeal against a cantonal decision on subject-matter jurisdiction. Where the lower courts determine jurisdiction on the basis of cantonal court-organization law, the matter is not reviewable by federal appeal merely because federal law provisions are examined incidentally as preliminary questions. Art. 47 VAG guarantees judicial determination but leaves the cantons free to designate the competent authority. A separate preliminary decision refusing an objection to jurisdiction is treated in the same way as an end decision for purposes of federal review: the appeal is admissible only insofar as the dispute concerns federal rules on subject-matter jurisdiction. Deficient appellate reasoning cannot be cured by recharacterizing the filing as a constitutional complaint absent an express arbitrariness challenge.

Texte intégral

{T 0/2}
5C.193/2003 /rov

Urteil vom 28. Oktober 2003
II. Zivilabteilung

Besetzung
Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Nordmann, Bundesrichter Meyer,
Gerichtsschreiber von Roten.

Parteien
B.________ AG,
Beklagte und Berufungsklägerin,

gegen

K.________,
Klägerin und Berufungsbeklagte,
vertreten durch Rechtsanwalt Alfred Dätwyler, Postfach 316, 4503 Solothurn.

Gegenstand
Versicherungsvertrag (sachliche Zuständigkeit),

Berufung gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Solothurn, Zivilkammer, vom 28. Juli 2003.

Sachverhalt:
A.
Zwischen K.________ und der B.________ AG besteht ein Vertrag über Taggeldleistungen ("SALARIA -Taggeld-Versicherung"). Mit Vorladungsbegehren vom 25. November 2002 erhob K.________ Klage betreffend Leistungen aus Versicherungsvertrag. Die Beklagte B.________ AG bestritt die Zuständigkeit des von der Klägerin angerufenen Zivilgerichtes mit der Begründung, für Streitigkeiten aus einer Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung sei das Versicherungsgericht zuständig. Der Präsident des Richteramtes Solothurn-Lebern (Zivilabteilung) wies die Unzuständigkeitseinrede ab (Urteil vom 31. Januar 2003). Die von der Beklagten dagegen eingelegte Appellation blieb ohne Erfolg. Das Obergericht (Zivilkammer) des Kantons Solothurn bejahte die Zuständigkeit der Zivilgerichte und bestätigte am 28. Juli 2003 das angefochtene Urteil.
B.
Mit eidgenössischer Berufung beantragt die Beklagte dem Bundesgericht, das Urteil vom 28. Juli 2003 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Das Obergericht hat auf Gegenbemerkungen verzichtet und auf Abweisung der Berufung geschlossen. Es ist keine Berufungsantwort eingeholt worden.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1.
Amtsgerichtspräsident wie Obergericht haben über die Zuständigkeit gestützt auf die kantonale Verordnung über das Verfahren vor dem Versicherungsgericht und über die Organisation und das Verfahren des Schiedsgerichts in der Kranken- und Unfallversicherung (BGS 125.922) entschieden. Gemäss § 1 Abs. 1 der Verordnung beurteilt das Versicherungsgericht "alle Streitigkeiten in Sozialversicherungssachen, mit Einschluss der beruflichen Vorsorge und der Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung, im Rahmen der eidgenössischen und kantonalen Gesetzgebung."

Die Grundlage des angefochtenen Zuständigkeitsentscheids findet sich in § 1 der Verordnung und damit in einer gerichtsorganisatorischen Bestimmung des kantonalen Rechts, dessen Anwendung auf Berufung hin nicht überprüft werden kann (Art. 43 OG). Daran ändert nichts, dass die Zivilgerichte vorfrageweise geprüft haben, was als Zusatzversicherung im Sinne des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (SR 832.10, KVG), des Bundesgesetzes über den Versicherungsvertrag (SR 221.229.1, VVG) und des Bundesgesetzes betreffend die Aufsicht über die privaten Versicherungseinrichtungen (Versicherungsaufsichtsgesetz, SR 961.01, VAG) zu gelten hat. Die vorliegend massgebenden Grundsätze hat das Bundesgericht in BGE 125 III 461 Nr. 77, dem ebenfalls eine Taggeldversicherung und im Wesentlichen die gleiche Verfahrenslage zugrunde lag, ausführlich dargelegt, so dass darauf verwiesen werden kann. Das Bundesgericht hat dabei namentlich festgehalten, dass Art. 47 VAG zwar die Beurteilung durch ein Gericht vorschreibt, die Kantone in ihrer Freiheit jedoch nicht beschränkt, die zuständige Behörde - hier: Zivilgericht oder Sozialversicherungsgericht - zu bezeichnen (BGE 125 III 461 E. 2 S. 463/464). Die abweichende Rechtsauffassung der Beklagten trifft nicht zu und gibt keinen Anlass, die gezeigten Grundsätze neu zu überdenken. Der Umstand, dass in jenem Verfahren ein Endentscheid (Nichteintreten) zur Beurteilung stand, während vorliegend ein selbstständiger Vor- bzw. Zwischenentscheid (Abweisen der Unzuständigkeitseinrede und Eintretensbeschluss) angefochten ist, ändert nichts an diesem Ergebnis. Gegen solche Entscheide ist gemäss Art. 49 Abs. 1 OG die Berufung ausschliesslich wegen Verletzung bundesrechtlicher Vorschriften über die sachliche Zuständigkeit zulässig. Wie ausgeführt beurteilt sich die sachliche Zuständigkeit vorliegend nach kantonalem Recht, wobei die vorfrageweise beizuziehenden bundesrechtlichen Vorschriften nicht die sachliche Zuständigkeit betreffen.

Aus den dargelegten Gründen kann auf die Berufung der Beklagten nicht eingetreten werden. In formeller Hinsicht ist sodann darauf hinzuweisen, dass die Eingabe der Beklagten die formellen Anforderungen an die Berufungsschrift kaum erfüllt, namentlich was die zur Hauptsache aus Verweisen auf kantonale Rechtsschriften bestehende Berufungsbegründung anbetrifft (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG; BGE 84 II 107 E. 1 S. 110; 126 III 198 E. 1d S. 201). Schliesslich kann die Berufung nicht als staatsrechtliche Beschwerde entgegengenommen werden, rügt die Beklagte doch ausdrücklich keine Verletzung kantonalen Rechts, geschweige denn dessen willkürliche Anwendung (Art. 9 BV).
2.
Bei diesem Ergebnis wird die Beklagte kostenpflichtig (Art. 156 Abs. 1 OG); die in Art. 47 VAG vorgesehene Kostenfreiheit gilt in jedem Fall nur für das kantonale Verfahren.

Demnach erkennt das Bundesgericht:
1.
Auf die Berufung wird nicht eingetreten.
2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird der Beklagten auferlegt.
3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Solothurn, Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 28. Oktober 2003
Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Mots-clés

insurance contractsupplementary health insurancesubject-matter jurisdictioncantonal lawfederal appealinadmissibilitycourt costs

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the federal appeal against the cantonal jurisdiction ruling was admissible.

Solution extraite

The appeal was inadmissible because the challenged jurisdiction ruling rested on cantonal organizational law, not on reviewable federal rules on subject-matter jurisdiction.

Motifs extraits

Under Art. 43 OG, federal appeal review does not extend to the application of cantonal court-organization rules; the federal provisions considered incidentally did not concern subject-matter jurisdiction. The difference between an end decision and a separate preliminary jurisdiction decision did not change this.

Question juridique clé

Allocation of costs of the federal proceedings.

Solution extraite

The appellant had to bear the court fee; the cost-free rule in Art. 47 VAG applied only to the cantonal proceedings.

Motifs extraits

Because the appeal was not entered into, the appellant was made liable for the federal court fee.

Poursuivez vos recherches dans ChatGPT ou Claude

Connectez Omnilex pour rechercher dans le corpus juridique depuis votre assistant IA.