Inadmissibility of appeal for insufficient reasoning and value

4D_56/2009Tribunal fédéral / Ire division civile7 juil. 2009Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court held that the appellant's filing could not be converted into a subsidiary constitutional complaint because an ordinary civil appeal was unavailable due to the missing value in dispute and no fundamental legal question, and because the complaint did not meet the strict constitutional reasoning requirements. Challenges to the first-instance judgment were also inadmissible since they were not raised through the full cantonal instance chain. The Federal Court therefore did not enter into the appeal and charged the appellant with court costs of CHF 500.

Regeste Omnilex

Art. 72 ff., Art. 74, Art. 113 ff., Art. 117 in connection with Art. 106 Abs. 2 and Art. 108 Abs. 1 lit. a and b BGG; admissibility and conversion of an incorrectly designated remedy. A remedy mislabeled as a constitutional appeal may be converted only if the requirements of the actually applicable remedy are met and conversion is possible as a whole. Where the value in dispute does not reach the threshold of Art. 74 Abs. 1 BGG and no legal question of fundamental importance exists, an appeal in civil matters is excluded; conversion is then possible only into a subsidiary constitutional complaint. Such complaint is limited to alleged violations of constitutional rights and requires precise, substantiated reasoning. Rulings against the first-instance decision are inadmissible if they could and should have been raised before the cantonal appellate instance. Formal objections may not be reserved for a later stage contrary to good faith.

Texte intégral

{T 0/2}
4D_56/2009

Urteil vom 7. Juli 2009
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Gerichtsschreiberin Feldmann.

Parteien
X.________ GmbH,
Beschwerdeführerin,

gegen

A.________,
Beschwerdegegner,
vertreten durch Fürsprecher Stefan Rolli.

Gegenstand
Kaufvertrag,

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts
des Kantons Bern, Appellationshof, 1. Zivilkammer,
vom 16. März 2009.

In Erwägung,
dass der Gerichtspräsident 1 des Gerichtskreises VI Signau-Trachselwald die Forderungsklage des Beschwerdegegners gegen die Beschwerdeführerin über Fr. 3'600.-- nebst Zins guthiess;
dass das Obergericht des Kantons Bern die von der Beschwerdeführerin gegen diesen Entscheid erhobene Nichtigkeitsklage mit Entscheid vom 16. März 2009 abwies, soweit es darauf eintrat;
dass die Beschwerdeführerin dem Bundesgericht unter sinngemässer Bezugnahme auf das Bundesgesetz vom 16. Dezember 1943 über die Organisation der Bundesrechtspflege (OG) mit "staatsrechtlicher Beschwerde" beantragt, die Entscheide des Obergerichts sowie des Gerichtspräsidenten aufzuheben;
dass der angefochtene Entscheid nach Inkrafttreten des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ergangen ist, weshalb dieses Gesetz zur Anwendung kommt (Art. 132 Abs. 1 BGG) und die im OG vorgesehene staatsrechtliche Beschwerde (Art. 84 ff. OG) ausser Betracht fällt;
dass die unrichtige Bezeichnung eines Rechtsmittels nicht schadet, sofern die Prozessvoraussetzungen des Rechtsmittels, das hätte eingereicht werden müssen, erfüllt sind, und es möglich ist, das Rechtsmittel als Ganzes umzuwandeln (BGE 134 III 379 E. 1.2 S. 382 f. mit Hinweisen);
dass die Beschwerde in Zivilsachen nach Art. 72 ff. BGG von vornherein nicht zulässig ist, weil der erforderliche Streitwert nicht erreicht wird (Art. 74 Abs. 1 BGG) und sich keine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung im Sinne von Art. 74 Abs. 2 lit. a BGG stellt;
dass damit ausschliesslich eine Umwandlung in eine subsidiäre Verfassungsbeschwerde nach Art. 113 ff. BGG in Betracht kommt;
dass die subsidiäre Verfassungsbeschwerde nur gegen Entscheide letzter kantonaler Instanzen zulässig ist (Art. 113 BGG), was bedingt, dass der kantonale Instanzenzug ausgeschöpft wird (BGE 134 III 524 E. 1.3 S. 527);
dass somit Rügen gegen den erstinstanzlichen Entscheid, die der Vorinstanz hätten unterbreitet werden können, nicht zulässig sind;
dass die Beschwerdeführerin geltend macht, sie sei im kantonalen Verfahren nicht rechtsgültig vertreten gewesen, da die im kantonalen Verfahren für die beklagte Partei handelnde Person weder Gesellschafter, Geschäftsführer noch Organ oder Angestellter der Beschwerdeführerin sei, sondern nur ein provisionsberechtigter freier Verkäufer ohne Arbeitsvertrag und gesetzliche Vertretungsvollmacht und auch über kein Anwaltspatent verfüge;
dass mit subsidiärer Verfassungsbeschwerde lediglich die Verletzung verfassungsmässiger Rechte gerügt werden kann (Art. 116 BGG);
dass die Beschwerdeführerin zwar eine Verletzung von Art. 5, Art. 8, Art. 9, Art. 29 und Art. 35 BV behauptet, diese Bestimmungen aber lediglich zitiert, und im Übrigen verschiedene kantonale sowie bundesrechtliche Bestimmungen anruft, ohne hinreichend darzulegen, inwiefern ihre verfassungsmässigen Rechte durch den angefochtenen Entscheid verletzt sein sollen;
dass die Beschwerdeführerin damit den strengen Begründungsanforderungen an eine subsidiäre Verfassungsbeschwerde in keiner Weise genügt (Art. 117 in Verbindung mit Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 133 II 249 E. 1.4.2 S. 254 mit Hinweisen);
dass die Rügen davon abgesehen nicht zu hören wären, da es nach dem Grundsatz von Treu und Glauben sowie dem Verbot des Rechtsmissbrauchs unzulässig ist, formelle Rügen, die in einem frühen Stadium hätten geltend gemacht werden können, bei ungünstigem Ausgang noch später vorzubringen (vgl. BGE 111 Ia 161 E. 1a S. 162 f.) und die Beschwerdeführerin nicht geltend macht, sie hätte erst nach dem Entscheid der Vorinstanz vom gegen sie angestrengten Verfahren Kenntnis erhalten;
dass die Voraussetzungen einer Umwandlung in eine subsidiäre Verfassungsbeschwerde somit nicht gegeben sind und auf die Beschwerde in Anwendung von Art. 117 in Verbindung mit Art. 108 Abs. 1 lit. a und lit. b BGG nicht einzutreten ist;
dass dem Ausgang des Verfahrens entsprechend die Kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 66 Abs. 1 BGG), wobei dem Beschwerdegegner keine Parteientschädigung zuzusprechen ist, da ihm aus dem bundesgerichtlichen Verfahren kein Aufwand erwachsen ist;
erkennt die Präsidentin:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Obergericht des Kantons Bern, Appellationshof, 1. Zivilkammer, und dem Gerichtskreis VI Signau-Trachselwald schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 7. Juli 2009
Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Klett Feldmann

Mots-clés

inadmissibilityremedy conversionvalue in disputeconstitutional complaintreasoning requirementscantonal exhaustioncourt costs

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the filing could be treated as an appeal in civil matters or as a subsidiary constitutional complaint

Solution extraite

No. The value in dispute was too low and no legal question of fundamental importance was shown; conversion was only possible into a subsidiary constitutional complaint.

Motifs extraits

The wrong designation of a remedy is harmless only if the requirements of the correct remedy are met and conversion of the filing as a whole is possible. Here, an appeal in civil matters was unavailable because the statutory value threshold was not met and no fundamental legal question arose.

Question juridique clé

Whether the subsidiary constitutional complaint was properly reasoned and directed only against a final cantonal decision

Solution extraite

No. The appellant did not adequately allege violations of constitutional rights, and complaints against the first-instance decision were not admissible because the cantonal instance chain had not been exhausted for those points.

Motifs extraits

A subsidiary constitutional complaint may rely only on constitutional rights and must satisfy strict reasoning requirements. Mere citation of constitutional provisions and invocation of ordinary law is insufficient. In addition, issues that could already have been raised before the cantonal appellate court cannot be brought for the first time before the Federal Court.

Question juridique clé

Court costs

Solution extraite

The costs of the Federal Court proceedings were imposed on the appellant.

Motifs extraits

The losing party bears the costs; the respondent was awarded no compensation because he incurred no expense in the federal proceedings.

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