Non-entry on tax remission constitutional complaints

2D_41/2012Tribunal fédéral / IIe division de droit public6 août 2012Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Supreme Court joined two appeals concerning cantonal and federal tax remission for 2007-2008 and 2009. It held that the subsidiary constitutional complaint was the only available federal remedy, but the filing did not identify any constitutional right and was insufficiently reasoned. As to the direct federal tax remission, the complainant also lacked a legally protected interest because there is no entitlement to remission. The Court therefore did not enter into the complaint and charged CHF 500 in court costs to the complainant.

Regeste Omnilex

Art. 83 lit. m, Art. 113, Art. 115 lit. b, Art. 116 and Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG; tax remission decisions are not open to the ordinary public-law appeal, so only the subsidiary constitutional complaint is available. Such a complaint requires specific invocation and substantiation of constitutional rights. In the absence of a legally protected interest, the taxpayer lacks standing to challenge refusal of remission of direct federal tax, since no legal entitlement to remission exists (consid. 2.2). Procedurally identical proceedings may be joined under the rules on joinder when parties and subject matter coincide (consid. 2.1).

Texte intégral

{T 0/2}
2D_41/2012
2D_42/2012

Urteil vom 6. August 2012
II. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Zünd, Präsident,
Gerichtsschreiber Feller.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführerin,

gegen

Einwohnergemeinde Bern,
Steuerverwaltung des Kantons Bern.

Gegenstand
Erlass der Kantons- und Gemeindesteuern sowie der direkten Bundessteuern 2007 und 2008, bzw. 2009,

Verfassungsbeschwerde gegen die Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern, Verwaltungsrechtliche Abteilung, Einzelrichter, vom 29. Juni 2012.

Erwägungen:

1.
Am 15. März bzw. 5. August 2009 ersuchte X.________ um Erlass für die Kantons- und Gemeindesteuern 2007 und 2008 (Fr. 3'368.40 bzw. Fr. 2'634.70) sowie für die direkte Bundessteuer 2007 und 2008 (Fr. 109.35 bzw. Fr. 87.--). Sodann beantragte sie am 7. April 2011, es seien ihr auch die Kantons- und Gemeindesteuern 2009 (Fr. 4'178.80) sowie die direkte Bundessteuer 2009 (Fr. 141.40) zu erlassen. Die Gesuche wurden abgewiesen, ebenso die jeweiligen diesbezüglichen Rechtsmittel durch die Steuerrekurskommission des Kantons Bern (Entscheide vom 12. August 2011 und vom 4. April 2012). Mit zwei Urteilen des Einzelrichters vom 29. Juni 2012 wies das Verwaltungsgericht des Kantons Bern die diesbezüglichen Beschwerden im Wesentlichen ab (ein Urteil betreffend die Steuern 2007 und 2008, ein Urteil betreffend die Steuern 2009).

Mit Eingabe vom 2. August 2012 gelangte X.________ unter Bezugnahme auf die beiden verwaltungsgerichtlichen Urteile an das Bundesgericht mit der Bitte, ihre Situation noch einmal zu überprüfen.

Es ist weder ein Schriftenwechsel noch sind andere Instruktionsmassnahmen angeordnet worden.

2.
2.1 Angefochten sind zwei Urteile, weshalb das Bundesgericht zwei Verfahren eröffnet hat. Die Verfahrensbeteiligten sowie der Streitgegenstand beider Verfahren stimmen überein; ohnehin ist nur eine Beschwerdeschrift eingereicht worden. Die Verfahren sind deshalb zu vereinigen (vgl. Art. 24 Abs. 1 BZP in Verbindung mit Art. 71 BGG).

2.2 Das angefochtene Urteil hat den Erlass von Steuern zum Gegenstand. Gemäss Art. 83 lit. m BGG ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten unzulässig gegen Entscheide über die Stundung und den Erlass von Abgaben. Damit steht als bundesrechtliches Rechtsmittel vorliegend nur die subsidiäre Verfassungsbeschwerde zur Verfügung (Art. 113 BGG), worauf das Verwaltungsgericht in der Rechtsmittelbelehrung hingewiesen hat. Mit der Verfassungsbeschwerde kann bloss die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten gerügt werden (Art. 116 BGG). Entsprechende Rügen bedürfen spezieller Geltendmachung und Begründung (Art. 106 Abs. 2 BGG). Die Beschwerdeführerin nennt kein verfassungsmässiges Recht, das durch die angefochtenen Urteile verletzt worden sein könnte. Die Beschwerde enthält mithin keine hinreichende Begründung (Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG).

Der Beschwerde wäre auch im Eintretensfall kein Erfolg beschieden. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern sich die schlüssigen Erwägungen der Vorinstanz (Sinn und Zweck des Erlassverfahrens; Berechnung der massgeblichen Einnahmen und Ausgaben, dabei Unterschiede zur im Zusammenhang mit Ergänzungsleistungen zum Zuge kommenden Berechnungsweise; Beurteilung der individuellen finanziellen Situation der Beschwerdeführerin) erfolgreich als verfassungswidrig rügen liessen. Zudem fehlte der Beschwerdeführerin weitgehend die Legitimation zur Anfechtung der beiden Urteile, soweit sie den Erlass der direkten Bundessteuer zum Gegenstand haben, besteht doch diesbezüglich kein Rechtsanspruch und mithin kein rechtlich geschütztes Interesse im Sinne von Art. 115 lit. b BGG (Urteil 2D_39/2010 vom 18. August 2010 E. 2, s. dazu BGE 133 I 185).

2.3 Auf die Beschwerde ist mit Entscheid des Einzelrichters im vereinfachten Verfahren gemäss Art. 108 BGG nicht einzutreten.

2.4 Die Gerichtskosten (Art. 65 BGG) sind entsprechend dem Verfahrensausgang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 erster Satz BGG).

Demnach erkennt der Präsident:

1.
Die Verfahren 2D_41/2012 und 2D_42/2012 werden vereinigt.

2.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Verfahrensbeteiligten, dem Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Verwaltungsrechtliche Abteilung, sowie der Eidgenössischen Steuerverwaltung schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 6. August 2012

Im Namen der II. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Zünd

Der Gerichtsschreiber: Feller

Mots-clés

tax remissionconstitutional complaintadmissibilitystandinglegal interestcourt costsjoinder

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the two federal proceedings concerning the 2007-2008 and 2009 tax remission judgments should be joined.

Solution extraite

The proceedings were joined because they involved the same parties, the same subject matter, and only one brief was filed.

Motifs extraits

Procedural economy justified consolidation under the applicable joinder rules.

Question juridique clé

Whether the constitutional complaint was admissible against judgments on tax remission.

Solution extraite

The complaint was inadmissible because the ordinary public-law appeal is excluded for tax remission decisions and the subsidiary constitutional complaint requires specific constitutional claims, which were not raised.

Motifs extraits

No specific constitutional right was invoked or sufficiently substantiated; the filing lacked adequate reasoning.

Question juridique clé

Whether the complainant had standing regarding remission of direct federal tax.

Solution extraite

Standing was lacking to challenge the direct federal tax remission portion because there is no legal entitlement to remission and thus no legally protected interest.

Motifs extraits

Without a statutory right to remission, Art. 115 lit. b BGG interest was absent.

Question juridique clé

Allocation of court costs.

Solution extraite

Court costs of CHF 500 were charged to the complainant according to the outcome.

Motifs extraits

Costs follow the losing party under the Federal Supreme Court Act.

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