Subsidiary constitutional complaint inadmissible in residence permit case

2D_25/2013Tribunal fédéral / IIe division de droit public7 juin 2013Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Supreme Court held that the appellant, a Bosnian national whose residence permit renewal had been refused, did not plausibly invoke any enforceable right to the permit. His subsidiary constitutional complaint therefore challenged the merits without the required standing and was manifestly inadmissible. Arguments based on the pending disability insurance proceedings and on evidentiary assessment could not overcome this lack of standing. The request for free legal aid was rejected as hopeless, and court costs of CHF 500 were imposed on the appellant. No party compensation was awarded.

Regeste Omnilex

Art. 83 lit. c Ziff. 2 BGG, Art. 115 lit. b BGG; subsidiary constitutional complaint in immigration matters without arguable entitlement to the requested permit is inadmissible. The complainant must substantiate, in a legally sufficient manner, a public-law or treaty-based claim to the permit; absent such standing, review on the merits is barred. Procedural guarantees remain justiciable only insofar as the complaints are independent of the merits. Challenges to evidentiary assessment, factual findings, or the completeness of the reasoning, when aimed at revising the permit refusal itself, are inadmissible. If the filing is manifestly hopeless, legal aid under Art. 64 BGG is refused; costs follow under Art. 66 Abs. 1 BGG (consid. 2).

Texte intégral

{T 0/2}

2D_25/2013

Urteil vom 7. Juni 2013

II. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Zünd, Präsident,
Gerichtsschreiber Hugi Yar.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Marco Unternährer,

gegen

Amt für Migration des Kantons Luzern,
Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Luzern.

Gegenstand
Ausländerrecht,

Verfassungsbeschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts Luzern (vormals Verwaltungsgericht des Kantons Luzern, Verwaltungsrechtliche Abteilung),
vom 1. Mai 2013.

Erwägungen:

1.

1.1. X.________ (geb. 1967) stammt aus Bosnien und Herzegowina. Er arbeitete als Saisonnier in der Schweiz, bevor ihm am 15. Dezember 1993 eine Aufenthaltsbewilligung erteilt wurde. Diese ist letztmals bis zum 30. September 2009 verlängert worden. X.________ war bis zum 30. April 2006 erwerbstätig. Ein IV-Verfahren ist hängig; seit dem 15. Mai 2008 ist X.________ auf Sozialhilfe angewiesen.

1.2. Am 3. Mai 2011 lehnte das Amt für Migration des Kantons Luzern es ab, die Aufenthaltsbewilligung von X.________ zu verlängern. Die hiergegen eingereichten Rechtsmittel blieben ohne Erfolg. X.________ beantragt mit subsidiärer Verfassungsbeschwerde, das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern vom 1. Mai 2013 aufzuheben und seine Aufenthaltsbewilligung zu verlängern. Für das bundesgerichtliche Verfahren sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung zu gewähren; seiner Eingabe sei aufschiebende Wirkung beizulegen und das Verfahren sei bis zum rechtskräftigen Abschluss der Beurteilung der IV-Frage zu sistieren.

2.

2.1. Auf dem Gebiet des Ausländerrechts ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ausgeschlossen gegen Entscheide, welche Bewilligungen betreffen, auf die weder das Bundesrecht noch das Völkerrecht einen Anspruch einräumen (Art. 83 lit. c Ziff. 2 BGG). Der Betroffenen muss einen solchen Anspruch in vertretbarer Weise geltend machen und rechtsgenügend begründen, andernfalls tritt das Bundesgericht auf seine Eingabe nicht ein (vgl. Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 134 II 244 E. 2.1 - 2.3). Der Beschwerdeführer behauptet nicht, einen Anspruch auf die von ihm beantragte Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu haben und hat dementsprechend denn auch eine subsidiäre Verfassungsbeschwerde eingereicht. Soweit er geltend macht, er habe einen IV-rechtlichen Anspruch auf Wiedereingliederungsmassnahmen vermischt er die Rechtsfragen: Vorliegend geht es darum, ob er einen ausländerrechtlichen Anspruch auf die von ihm beantragte Bewilligung in vertretbarer Weise geltend gemacht hat; dies ist nicht der Fall.

2.2. Da der Beschwerdeführer keinen Rechtsanspruch auf Bewilligungserteilung gelten macht, steht gegen den angefochtenen Entscheid nur die subsidiäre Verfassungsbeschwerde offen, wobei ihm jedoch die Legitimation zu Rügen betreffend die materielle Bewilligungsfrage fehlt (Art. 115 lit. b BGG, dazu BGE 133 I 185 ff.). Trotz fehlender Legitimation in der Sache selbst ist er zur Rüge berechtigt, ihm zustehende Verfahrensgarantien, namentlich der Anspruch auf rechtliches Gehör und das Verbot der formellen Rechtsverweigerung seien verletzt worden. Nicht zulässig sind indessen wiederum Vorbringen, die im Ergebnis auf die Überprüfung des Sachentscheids (bzw. Bewilligungsentscheids) abzielen, wie die Behauptung, dass die Begründung des angefochtenen Entscheids unvollständig oder zu wenig differenziert ausgefallen sei oder sich nicht mit sämtlichen Argumenten auseinandersetze oder dass die Parteivorbringen willkürlich gewürdigt worden seien; ebenso wenig ist der Vorwurf zu hören, der Sachverhalt sei unvollständig oder sonst wie willkürlich festgestellt oder Beweisanträge seien wegen willkürlicher antizipierter Beweiswürdigung abgelehnt worden (vgl. BGE 114 Ia 307 E. 3c S. 313; 129 I 217 E. 1.4 S. 222; 126 I 81 E. 7b S. 94; 118 Ia 232 E. 1c S. 236; zur Weiterführung dieser so genannten "Star-Praxis" unter der Herrschaft des Bundesgerichtsgesetzes s. BGE 135 II 430 E. 3.2 S. 436 f.; s. auch BGE 138 IV 78 E. 1.3 S. 80; spezifisch zum Ausländerrecht BGE 133 I 185 E. 6.2 S. 198 f.; s. auch BGE 137 II 305 E. 2 S. 308).

2.3. Der Beschwerdeführer kritisiert die Würdigung des im IV-Verfahren eingeholten Gutachtens durch die Vorinstanz. Dabei geht es - wie bei der Frage, welche Beziehungen er in der Schweiz bzw. in seiner Heimat noch unterhält - um Aspekte der Beweiswürdigung, welche von der Sache selber nicht getrennt beurteilt werden können, auch wenn der Beschwerdeführer sich diesbezüglich auf Art. 29 BV beruft. Seine Eingabe erweist sich deshalb als offensichtlich unzulässig; es ist darauf durch den Präsidenten als Einzelrichter im Verfahren nach Art. 108 BGG nicht einzutreten. Damit wird das Gesuch um aufschiebende Wirkung ebenso gegenstandslos wie jenes, das bundesgerichtliche Verfahren zu sistieren.

2.4. Die vorliegende Eingabe hatte gestützt auf die publizierte Rechtsprechung als aussichtslos zu gelten, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung abzuweisen ist (Art. 64 BGG). Der Beschwerdeführer wird dementsprechend kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 1 BGG). Es sind keine Parteientschädigungen geschuldet (vgl. Art. 68 Abs. 3 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.

Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.

2.1. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird abgewiesen.

2.2. Die Gerichtskosten von Fr. 500.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.

Dieses Urteil wird den Verfahrensbeteiligten, dem Kantonsgericht Luzern (vormals Verwaltungsgericht des Kantons Luzern, Verwaltungsrechtliche Abteilung), und dem Bundesamt für Migration schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 7. Juni 2013

Im Namen der II. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Zünd

Der Gerichtsschreiber: Hugi Yar

Mots-clés

residence permitsubsidiary constitutional complaintlegal standingprocedural guaranteeslegal aidcostsinadmissibility

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the subsidiary constitutional complaint was admissible despite no arguable entitlement to renewal of the residence permit.

Solution extraite

No; the appellant did not plausibly invoke a statutory or treaty-based right to the requested permit renewal, so the complaint was inadmissible.

Motifs extraits

In immigration matters, an ordinary public-law appeal is excluded where no entitlement to the permit exists. The appellant failed to substantiate such an entitlement, and his IV-law arguments did not create an immigration-law claim.

Question juridique clé

Whether the appellant could complain of violations of procedural guarantees, including hearing rights and denial of justice.

Solution extraite

Only procedural complaints were in principle reviewable, but the arguments raised attacked the merits and evidence assessment of the permit refusal.

Motifs extraits

The court held that challenges to reasoning, evidentiary evaluation, factual findings, and refusal of evidence requests are not admissible under the guise of procedural rights when the appellant lacks standing on the merits.

Question juridique clé

Whether the appellant was entitled to free legal aid and assistance.

Solution extraite

No; the filing was hopeless and therefore legal aid had to be refused.

Motifs extraits

Because the complaint was manifestly inadmissible under settled case law, it lacked prospects of success within the meaning of Art. 64 BGG.

Question juridique clé

Who must bear the federal court costs.

Solution extraite

The appellant must pay the court costs.

Motifs extraits

As the unsuccessful party in an inadmissible filing, he was ordered to bear costs; no party compensation was awarded.

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