International legal assistance appeal dismissed for lack of admissibility

1C_1/2012Tribunal fédéral / Ire division de droit public8 févr. 2012Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

Two appellants challenged a Federal Criminal Court ruling that had declared them lacking standing in a Swiss mutual legal assistance case concerning disclosure of documents to Italy. The Federal Supreme Court held that, although secret information was at stake, the case did not qualify as particularly important under Art. 84 BGG. The appeal was therefore inadmissible. The court also denied free legal aid because the appeal was hopeless, but waived court costs given the appellants’ detention and financial situation.

Regeste Omnilex

Art. 84 BGG; admissibility of appeals in mutual legal assistance matters; particularly important case. The Federal Supreme Court enters only exceptionally into complaints concerning international mutual legal assistance, even where information from the secret sphere is transmitted. A particularly important case requires a restrictive assessment and is not established merely by the subject matter; the complainant must show indicia of fundamental procedural defects or serious foreign proceedings flaws. If these conditions are absent, the appeal is inadmissible and may be decided summarily under Arts. 107(3) and 109 BGG. Legal aid under Art. 64 BGG is excluded where the appeal is manifestly without prospects of success; costs may nevertheless be waived under Art. 66(1) second sentence BGG.

Texte intégral

{T 0/2}
1C_1/2012

Urteil vom 8. Februar 2012
I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Fonjallaz, Präsident,
Bundesrichter Aemisegger, Eusebio,
Gerichtsschreiber Härri.

  1. Verfahrensbeteiligte
    X.________,
  2. Y.________,
    Beschwerdeführer, beide vertreten durch Rechtsanwalt Marcel Bosonnet,

gegen

Schweizerische Bundesanwaltschaft, 3003 Bern.

Gegenstand
Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an
Italien - B 218'783 HAM,

Beschwerde gegen den Entscheid vom 21. Dezember 2011 des Bundesstrafgerichts, II. Beschwerdekammer.

Sachverhalt:

A.
Die Staatsanwaltschaft Turin führt unter anderem gegen X.________ und Y.________ ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Gefährdung durch Sprengstoffe und der terroristischen Vereinigung.
Am 11. Mai und 14. Juli 2010 ersuchte die Staatsanwaltschaft Turin die Schweiz um Rechtshilfe.
Mit Schlussverfügung vom 27. Mai 2011 ordnete die Bundesanwaltschaft die Herausgabe von Unterlagen an die ersuchende Behörde an.
Auf die von X.________ und Y.________ dagegen erhobene Beschwerde trat das Bundesstrafgericht (II. Beschwerdekammer) am 21. Dezember 2011 nicht ein. Es verneinte die Beschwerdelegitimation.

B.
X.________ und Y.________ führen Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten mit dem Antrag, der Entscheid des Bundesstrafgerichts sei aufzuheben, und weiteren Anträgen.

C.
Das Bundesstrafgericht hat auf Gegenbemerkungen verzichtet.
Die Bundesanwaltschaft und das Bundesamt für Justiz haben sich je vernehmen lassen mit dem Antrag, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten. Sie halten dafür, es fehle an der Eintretensvoraussetzung des besonders bedeutenden Falles nach Art. 84 BGG.
X.________ und Y.________ haben eine Replik eingereicht.

Erwägungen:

1.
1.1 Gemäss Art. 84 BGG ist gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen die Beschwerde nur zulässig, wenn er unter anderem eine Übermittlung von Informationen aus dem Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Abs. 1). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im Ausland schwere Mängel aufweist (Abs. 2).
Art. 84 BGG bezweckt die wirksame Begrenzung des Zugangs zum Bundesgericht im Bereich der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen (BGE 134 IV 156 E. 1.3.1 S. 160 mit Hinweisen). Ein besonders bedeutender Fall ist mit Zurückhaltung anzunehmen (BGE 136 IV 139 E. 2.4 S. 144 mit Hinweis).
Erachtet das Bundesgericht eine Beschwerde auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen als unzulässig, so fällt es gemäss Art. 107 Abs. 3 BGG den Nichteintretensentscheid innert 15 Tagen seit Abschluss eines allfälligen Schriftenwechsels.
Nach Art. 109 BGG entscheidet die Abteilung in Dreierbesetzung über Nichteintreten auf Beschwerden, bei denen kein besonders bedeutender Fall vorliegt (Abs. 1). Der Entscheid wird summarisch begründet. Es kann ganz oder teilweise auf den angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Abs. 3).

1.2 Zwar geht es um die Übermittlung von Informationen aus dem Geheimbereich und damit ein Sachgebiet, bei dem die Beschwerde nach Art. 84 Abs. 1 BGG insoweit möglich ist. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer kann jedoch kein besonders bedeutender Fall angenommen werden.
Die Vorinstanz kommt zum Schluss, die Beschwerdeführer seien von den Rechtshilfemassnahmen nicht unmittelbar betroffen, weshalb sie nicht zur Beschwerde befugt seien (S. 7 f. E. 3.2.2). Die Erwägungen im angefochtenen Entscheid, auf die verwiesen werden kann, stützen sich auf die darin (S. 6 f. E. 3.2.1) zutreffend dargelegte Rechtsprechung - mit der sich die Beschwerdeführer nicht im Einzelnen auseinandersetzten - und lassen keine Bundesrechtsverletzung erkennen. Für das Bundesgericht besteht deshalb kein Anlass, die Sache an die Hand zu nehmen.
Die Beschwerde ist danach unzulässig.

2.
Da die Beschwerde aussichtslos war, kann die unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung nach Art. 64 BGG nicht bewilligt werden. Unter den gegebenen Umständen - die Beschwerdeführer sind seit April 2010 inhaftiert und befinden sich anscheinend in schwierigen finanziellen Verhältnissen - rechtfertigt es sich jedoch, auf die Erhebung von Kosten zu verzichten (Art. 66 Abs. 1 Satz 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird abgewiesen.

3.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

4.
Dieses Urteil wird den Beschwerdeführern, der Bundesanwaltschaft, dem Bundesstrafgericht, II. Beschwerdekammer, und dem Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 8. Februar 2012
Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Fonjallaz

Der Gerichtsschreiber: Härri

Mots-clés

mutual legal assistanceadmissibilityparticularly important casesecret informationstandinglegal aidcourt costs

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the appeal to the Federal Supreme Court was admissible under Art. 84 BGG as a particularly important case in mutual legal assistance.

Solution extraite

The case was not particularly important, and the appeal was inadmissible.

Motifs extraits

Although secret-domain information was involved, the appellants did not show any clear violation of federal law or any basis for a particularly important case. The Federal Criminal Court's standing analysis was correct and required no intervention.

Question juridique clé

Whether the appellants were entitled to free legal assistance and representation.

Solution extraite

The request was denied because the appeal had no prospects of success.

Motifs extraits

Under Art. 64 BGG, legal aid is unavailable for an hopeless appeal, even if the appellants are detained and financially strained.

Question juridique clé

Whether court costs should be charged.

Solution extraite

No court costs were levied in view of the circumstances.

Motifs extraits

The court exercised its discretion to waive costs under Art. 66(1) second sentence BGG.

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