Prosecutor may appeal detention ruling under cantonal law

1B_83/2011Tribunal fédéral / Ire division de droit public24 févr. 2011Granted

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court allowed the prosecution's criminal complaint against the Aargau appeal chamber's non-entry decision. It held, in line with its recent case law, that the prosecution must have a cantonal remedy against a detention decision of the compulsory measures court. The cantonal decision was set aside and the matter remitted for fresh consideration. No costs were charged.

Regeste Omnilex

Art. 78 Abs. 1, Art. 81 Abs. 1 lit. a and b Ziff. 3, Art. 109, Art. 66 Abs. 4 BGG; cantonal appeal against detention decisions: the prosecution is in principle entitled to challenge a detention ruling by the compulsory measures court. A cantonal provision or practice denying any appeal remedy to the prosecution cannot be sustained where federal law requires standing. If the complaint is manifestly well founded, the Federal Court may decide it in simplified proceedings under Art. 109 BGG. No court costs are levied when the conditions of Art. 66 Abs. 4 BGG are met.

Texte intégral

{T 0/2}
1B_83/2011

Urteil vom 24. Februar 2011
I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Fonjallaz, Präsident,
Bundesrichter Aemisegger, Merkli,
Gerichtsschreiber Pfäffli.

Verfahrensbeteiligte
Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, Wildischachenstrasse 14, 5200 Brugg, Beschwerdeführerin,

gegen

X.________, Beschwerdegegner, vertreten durch Rechtsanwalt Franz Hollinger,

Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau, Hermann-Keller-Strasse 6, 4310 Rheinfelden.

Gegenstand
Haftverlängerungsgesuch,

Beschwerde gegen den Entscheid vom 22. Februar 2011 des Obergerichts des Kantons Aargau, Beschwerdekammer in Strafsachen.
Erwägungen:

1.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau versetzte X.________ mit Verfügung vom 28. Januar 2011 bis zum 4. Februar 2011 in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach beantragte mit Eingabe vom 2. Februar 2011 eine Verlängerung der Untersuchungshaft auf die vorläufige Dauer von drei Monaten bzw. bis zum 4. Mai 2011. Mit Verfügung vom 8. Februar 2011 verlängerte das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau die Untersuchungshaft bis zum 25. Februar 2011. Gegen die Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau erhob die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach am 14. Februar 2011 sowohl Beschwerde beim Obergericht des Kantons Aargau als auch Beschwerde in Strafsachen beim Bundesgericht. Das Bundesgericht trat mit Urteil vom 22. Februar 2011 auf die Beschwerde nicht ein (Verfahren 1B_65/2011). Die Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aargau trat mit Entscheid vom 22. Februar 2011 ebenfalls auf die Beschwerde der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach nicht ein. Das Obergericht führte zusammenfassend aus, der klare Wortlaut von Art. 222 StPO lasse es nicht zu, der Staatsanwaltschaft eine Beschwerdemöglichkeit einzuräumen.

2.
Gegen den Entscheid der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aargau führt die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach mit Eingabe vom 23. Februar 2011 Beschwerde in Strafsachen. Sie beruft sich dabei auf das zur Publikation vorgesehene Urteil 1B_64/2011 vom 17. Februar 2011.

3.
Gemäss Art. 78 Abs. 1 BGG beurteilt das Bundesgericht Beschwerden gegen Entscheide in Strafsachen. Die Staatsanwaltschaft gehört grundsätzlich zum Kreis der beschwerdebefugten Parteien (Art. 81 Abs. 1 lit. a und b Ziff. 3 BGG; BGE 134 IV 36 E. 1).

4.
In dem von der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach erwähnten und zur Publikation vorgesehenen Urteil 1B_64/2011 vom 17. Februar 2011 sowie in dem in der vorliegenden Angelegenheit bereits ergangenen Urteil 1B_65/2011 vom 22. Februar 2011 kam das Bundesgericht zum Schluss, dass der Staatsanwaltschaft ein kantonales Beschwerderecht gegen einen Haftentscheid des Zwangsmassnahmengerichts eingeräumt werden muss. An diesen Urteilen ist festzuhalten. Die Beschwerde gegen den Nichteintretensentscheid der Beschwerdekammer in Strafsachen erweist sich als offensichtlich begründet und ist im vereinfachten Verfahren gemäss Art. 109 BGG mit summarischer Begründung gutzuheissen.

5.
Kosten sind keine zu sprechen (Art. 66 Abs. 4 BGG). Mit dem Entscheid in der Sache selbst wird das von der Beschwerdeführerin gestellte Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung gegenstandslos.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, der Entscheid der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aargau vom 22. Februar 2011 aufgehoben und die Sache zu neuer Beurteilung im Sinne der Erwägungen an diese zurückgewiesen.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien sowie dem Zwangsmassnahmengericht und dem Obergericht des Kantons Aargau, Beschwerdekammer in Strafsachen, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 24. Februar 2011

Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Fonjallaz Pfäffli

Mots-clés

pre-trial detentionstandingprosecutionnon-entrysimplified procedureremandcourt costs

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the prosecution had a right to appeal the detention decision and the cantonal non-entry ruling

Solution extraite

Yes. The Federal Court held that the prosecution must be granted a cantonal appeal remedy against a detention decision by the compulsory measures court.

Motifs extraits

The Court adhered to its recent case law and found the prosecution to be generally entitled to challenge criminal decisions. The cantonal court's refusal to enter the appeal could not stand.

Question juridique clé

Whether the Federal Court should decide the case under the simplified procedure

Solution extraite

Yes. The complaint was manifestly well founded and could be allowed summarily.

Motifs extraits

In light of the prior judgments on the same issue, the appeal was clearly justified and was resolved under Art. 109 BGG.

Question juridique clé

Court costs

Solution extraite

No costs were charged.

Motifs extraits

Under Art. 66(4) BGG, no court costs were imposed.

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