ßtrafgesetzbuch. N° 7.
aufzustellen oder zu verbreiten. Dabei genügt auch der
blosse Eventualvorsatz, der dann vorliegt, wenn dem
Täter die Verwirklichung der objektiven Tatbestandsmerk-
male ernsthaft als möglich vorschwebt und er mit ihr .
einverstanden ist (BGE 69 IV 80, 74 IV 83). Über den
Vorsatz hinaus verlangt Art. 266 bis, dass der Täter mit
dem Zwecke gehandelt habe, ausländische gegen die
Sicherheit der Schweiz gerichtete Unternehmungen oder
Bestrebungen hervorzurufen oder zu unterstützen, d. h.
dass er in seiner Tat ein Mittel zur Erreichung dieses
Zieles gesehen
habe. Ob diese Voraussetzung schon dann
erfüllt ist, wenn er den erwähnten Zweck nur eventualiter
verfolgt hat, d. h. wenn er in erster Linie ein anderes
Ziel hat erreichen wollen, ihm nebenbei aber auch die
Möglichkeit
der Unterstützung oder Hervorrufung aus-
ländischer gegen die Sicherheit der Schweiz gerichteter
Unternehmungen oder Bestrebungen bewusst geworden ist
und er diesen Erfolg für den Fall seiner Verwirklichung
gebilligt hat, kann dahinnestellt bleiben.
Der Angeklagte hat die Rede vom 11. Mai 1951 mit
Wissen und Willen gehalten. Dabei hat er dermassen ohne
Unterlagen ins Blaue hinaus unwahre und entstellende
Behauptungen aufgestellt, dass er die Unwahrheit bezw.
Entstellung teils gekannt, teils zum mindesten ernsthaft
für möglich gehalten und gebilligt haben muss ... (Wird im
einzelnen ausgeführt).
Der Angeklagte hat mit den bewusst unwahren und ent-
stellenden Behauptungen den Zweck verfolgt, ausländische
gegen die Sicherheit der Schweiz gerichtete Bestrebungen
hervorzurufen. Wie er selber angibt, hat die IJO
vom 10. bis 12. Mai 1951 darüber verhandelt, was
die Presse für den Frieden und gegen die amerikanische
Kriegshetze)) tun könne. Der Angeklagte muss also
gewusst haben, dass die von der IJO zu beschliessenden
Massnahmen sich auch gegen die Schweiz richten
würden, wenn er diese als Zentrum amerikanischer
Spionage und des Agentenwesens und als Operations-
Strafgesetzbuch. No 8.
zentrum amerikanischer Kriegspropaganda hinstellen und
dem Lande nachreden würde, es rüste übermässig, erwäge
die Anschaffung einer für den Angriffskrieg bestimmten
Panzerwaffe, habe die Neutralität und Unabhängigkeit
aufgegeben, unterdrücke die Pressefreiheit, rufe zum
Hass gegen die Sowjetunion und die Volksdemokratien
auf, verhindere, dass Kommunisten am 1. Mai demonstrier-
ten, und dulde, dass Schweizero:ffiziere Waffen nach
Formosa lieferten. Der Angeklagte hat denn auch am
Schlusse seiner Rede betont, es sei sehr wichtig, dass
Teilnehmer der Tagung von diesen Tatsachen Kenntnis
nähmen, sie brauchten im Kampf für den Frieden Tat-
sachenmaterial, sie müssten ihre Tätigkeit darauf richten,
die Kriegshetzer blosszustellen. Der Zweck, den er ver-
folgt hat, kann nur darin bestanden haben, die Schweiz
vor der Weltöffentlichkeit anzuschwärzen und im Aus-
lande, insbesondere in der ausländischen Presse, eine der
Schweiz feindselige Haltung hervorzurufen. Dabei muss
er gewusst haben, dass solche Bestrebungen gegen die
Sicherheit der Schweiz gerichtet wären, weil sie im Aus-
lande, sei es in der einen, sei es in der andern der sich
ideologisch gegenüberstehenden Staatengruppen oder in
beiden zugleich, Zweifel an der demokratischen Ordnung
und dem Neutralitätswillen des Volkes erwecken würden.
Der subjektive Tatbestand des Art. 266 bis StGB ist
somit erfüllt.
8. Extrait de l'arrnt de la Cour de eassation penale du 30 janvier
1953 dans la cause Ministere publie du eanton de NeuehateJ
contre Guex.
Art. 365 OP. Aucune regle du droit föderal ne prescrit que le recours
cantonal forme par un condamne doit etre juge meme si le
recourant decede entre temps.
Art. 365 StGB. Das Bundesrecht verlangt nicht, dass die vom
Verurteilten ergriffene kantonale Beschwerde selbst dann zu
beurteilen sei, wenn der Beschwerdeführer inzwischen gestorben
ist.
Strafgesetzbuch. N° 8.
Art. 365 CP. Il diritto federale non prescrive ehe il ricorso canto
riale presentato da un condannato debba essere deciso anche
se questi e morto nel frattempo.
A. -Le 5 septembre 1952, Pierre Guex a recouru a
la Cour de cassation penale du canton de Neuchatei contre
un jugement du Tribunal de police du Val-de-Travers,
qui l'avait condamne, pour vol, a trois jours d'emprison-
nement. Il est decooe le 24 octobre 1952, alors que son
recours
etait encore pendant.
B. -Le 12 novembre 1952, la Cour de cassation a
considere que l'action penale etait eteinte par. le deces
de l'accuse et a ordonne le classement de la cause.
0. -Le Ministere public du canton de Neuchatel
forme un pourvoi en nullite, dans lequel il conclut a
l'annulation de l'arret de la Cour de cassation cantonale
et au renvoi de la cause a cette juridicti.on pour qu'elle
statue a nouveau. Le recourant soutient qu'en classant
l'affaire, la Cour cantonale a viole un principe de droit
federal selon lequel le condamne qui, daris les formes
prescrites, a
manifeste sa volonte de faire examiner sa
condamnation en deuxieme instance a le droit d'obtenir
justice meme s'il meurt avant l'audience ou son recours
sera juge.
Extrait des considerants :
L'arret attaque ne peut etre annule que s'il viole le
droit föderal (art. 269 al. 1 PPF). Or le c principe J invoque
par le recourant n'est pas consacre par une prescription
expresse
du droit föderal. Il ne decoule pas non plus
implicitement d'une de ses dispositions. Sans doute l'art.
270 al. 2 PPF permet-il a certains parents et allies d'exercer
le pourvoi en nullite apres le deces de l'accuse. Mais il
s'agit Ia d'une regle de procedure qui ne concerne que
le pourvoi en nullite a la Cour de cassation du Tribunal
föderal. C'est au droit cantonal qu'il appartient de dire
si un principe seniblable doit s'appliquer aux recours
cantonaux et si le deces de l'accuse n'empeche pas le
Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer. N° 9.
tribunal de deuxieme instance de statuer sur son recours.
En rendant l'arret attaque, la Cour de cassation du canton
de Neuchatel s'est donc fondee uniquement sur des regles
de procedure cantonale, dont le Tribunal fäderal ne saurait
revoir l'application.
II. AUFENTHALT UND NIEDERLASSUNG DER
AUSLÄNDER
SEJOUR ET ETABLISSEMENT DES ETRANGERS
9. Urteil des Kassationshofes vom 8. ilai 1953 i. S. Polizei-
richteramt der Stadt Zürich gegen Schirer.
Art. 2 Abs. 1 BG über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer,
Art. 3 Abs. 1 und 8 Vollz. Vo. hiezu.
a) Selbst wenn der Ausländer in der Schweiz keine Vohnung
mietet, darf er hier nur mit Bewilligung eine Stelle antreten
oder über die achttägige Anmeldefrist hinaus anderswie
erwerbstätig sein (Erw. 1).
b) Erwerbstätigkeit (Erw. 2, 3).
c) Subjektiver Tatbestand unerlaubter Erwerbstätigkeit (Erw. 4).
Art. 2 al. 1 de la loi sur le sejour et l'etablissement des etrangers,
art. 3 al. 1 et 8 de l'ordonnance d'execution.
a) Meme s'il ne loue pas 'un appartement en Suisse, l'etranger doit
avoir une autorisation pour prendre un emploi ou exercer une
activiM lucrative apres le delai de huit jours prevu pour la
declaration d'arrivee (consid. 1).
b) Activite lucrative (consid. 2 et 3).
c) Element subjectif de l'infraction consistant en une activite
lucrative (consid. 4).
Art. 2 cp. 1 della legge concernente la dimora e ü domicilio degli
stranieri, art. 3 cp. 1 e 8 dell'ordinanza di esecuzione.
a) Anche se non affitta un appartamento in Isvizzera, lo straniero
dev'essere in possesso d'un permesso per assumere un impiego
o esercitare un'attivita lucrativa dopo il termine di otto giorni
per la notificazione del suo arrivo ( consid. 1).
b) Attivita lucrativa (consid. 2 e 3).
c) Elemento soggettivo dell'infrazione ehe consiste in un'attivita
lucrativa illecita (consid. 4).
A. -Das Polizeirichteramt der Stadt Zürich büsste
am . 5. April 1952 den Österreicher Hermann Schirer