Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. No 22.
in dieser Beziehung nicht die gleichen Grundsätze anwen-
den wie auf Zustellungen an Feiertagen, abends nach
7 Uhr oder während der Betreibungsferien (BGE 49 III 76).
Der Wehrmanndarf den ihm während des Militärdienstes
zugestellten Zahlungsbefehl ohne
Nachteil vergessen, und
es darf ihm auch nicht zugemutet werden, im Dienst etwas
vorzukehren, das ihn nach Ablauf desselben an die fällige
Rechtsvorkehr erinnern soll. Dagegen müsste der erwähnte
Grundsatz der Hinausschiebung der Wirkung wohl für
den zusätzlichen Rechtsstillstand von drei Wochen nach
der Entlassung (gemäss der -damals gültigen -Vo vom
17. Oktober 1939) gelten. Auf die Kenntnisgabe an Bösch
am Entlassungstage kommt daher nichts an; sie war
unzulässig.
22. Auszug aus dem Entseheid vom 30. April 1941
i. S. Trapp. -
Wiederherstellung gegen die Folgen einer Fristversäumung ist
analog Art. 43 OG zulässig hinsichtlich der Rekursfrist des
Art. 19 SchKG und auch derjenigen des Art. 18 SchKG für
die Weiterziehung an die obere kantonale Instanz.
Par application analogique de l'art. 43 OJ, la restitution petit
etre accordee en cas d'inobservation du delai de l'art. 19 LP pour
recourir au Tribunal federal et aussi du delai de l'art. 18 LP
pour recourir a l'autorite cantonale superieure de surveillance.
In virtu di applicazione analogica dell'art. 43 OGF la restituzione
per l'inosservanza di un tel'IIline puo essere accordata per
quanta conceme il termine di ricorso dell'art. 19 LEF, come
pure il termine previsto dall'art. 18 LEF per il reclamo all'au
toritA cantonale superiore di vigilanza.
A. U8 dem Tatbestand :
In der Betreibung Nr. 266 verfügte das Betreibungsamt
Bauma die Überweisung des Verwertungserlöses an den
Gläubiger. Hierüber beschwerte sich die in Baden-Baden
wohnende Schuldnerin und zog den die Beschwerde
abweisenden,
am 13. Februar 1941 zugestellten Entscheid
der untern Aufsichtsbehörde mit einem am 21. Februar
in Baden-Baden zur Post gegebenen Rekurs an die obere
Schuldbetreibungs. und KOllkursrecht. N0 22. 71
kantonale Aufsichtsbehörde. Diese erklärte die Weiter-
ziehung als
verspätet, da die Rekursschrift frühestens
am 24. Februar die Grenze passiert habe und somit erst
nach Ablauf der zehntägigen Frist des Art. 18 SchKG
in den Besitz der schweizerischen Post gelangt sei.
Gegenüber diesem
am 4. April 1941 zugestellten Ent-
scheid hält die Schuldnerin mit dem vorliegenden am
13. April eingegangenen Rekurs an das Bundesgericht
an ihrer Beschwerde fest.
A. U8 den Erwägungen :
Wenn die Vorinstanz dafür hält, der am 13. Februar
zugestellte Entscheid der ersten Instanz habe am 24.
Februar nicht mehr weitergezogen werden können, so
übersieht sie, dass der 23. Februar ein Sonntag, der 24.
somit noch ein für die Weiterziehung nützlicher Tag war
(Art. 31 Abs. 3 SchKG). Wäre dem anders, so könnte die
Weiterziehung allerdings nicht einfach deshalb als recht-
zeitig gelten, weil die Postaufgabe in Deutschland noch
binnen der Rekursfrist erfolgt war. Die Postaufgabe gilt
als fristwahrender Akt nach Art. 32 SchKG nur, wenn es
sich um eine schweizerische Poststelle handelt. Das ent-
spricht feststehender Auslegung (BGE 47 111 195), und
daran ist festzuhalten, zumal nicht einzusehen ist, warum
die Einhaltung der Fristen des SchKG in dieser Hinsicht
erleichtert wäre in Vergleichung mit den Fristen des OG,
dessen
Art. 41 Abs. 3 ausdrücklich nur die binnen Frist
bewirkte Aufgabe bei der schweizerischen Post berück-
sichtigt.
Anderseits lallt jedoch bei unverschuldeten
Hindernissen die Möglichkeit einer Wiederherstellung der
Weiterziehungsfrist im Sinne von Art. 43 OG in Betracht.
Dieser in den allgemeinen Bestimmungen des OG enthaltene
Grundsatz ist zunächst im Rekursverfahren vor Bundes-
gericht nach Art. 19 SchKG anwendbar, auf das der
Abschnitt JVbiB OG, Art. 196b' .. , Bezug nimmt. Seine
Anwendung drängt sich aber auch für das Verfahren der
Weiterziehung von der untern an die obere kantonale
Schuldbetreibungs-und Konkursrecht. N0 23.
Aufsichtsbehörd auf ; ist doch solche Weiterziehung vom
Bundesrecht vorgesehen, das auch die dabei zu beobach-
tende Frist beatimmt (Art. 18 SchKG). Ein Hindernis
im Sinne von Art. 43 OG ist nun in den gegenwärtigen
Hemmnissen
der Postbeförderung über die Landesgrenze
zu sehen; denn bei normalen Verhältnissen wäre die
am 21 Februar in Baden-Baden aufgegebene Briefsendung
spätestens am 23. Februar beim Adressaten in Zürich
eingetroffen.
In derartigen Fällen ist Wiedereinsetzung
auch ohne besondern Antrag zu gewähren. Der Absender
kann ja nicht wissen, wie lange Zeit sein Rekurs braucht,
um an den Adressaten bezw. in die Schweiz zu gelangen.
Dem Empfänger aber ist sofort ersichtlich, was für ein
Hindernis vorlag, und dieses ist beim Eintreffen des
Rekurses nun auch bereits behoben und alles in Ordnung
gebracht.
23. Arret du 1 er mal 1941 dans Ia cause Guenat.
Suspension des poursuites en raison du service militaire; service
militaire
de travaiZ.
l. Le militaire au service n'est pas tenu de porter plainte contre
des operations de poursuite irreguIieres; il n'est oblige de le
, faire que lorsque, aprils son Iicenciement, il est l'objet d'un
nouvel acte de poursuite ou que l'acte attaquable est porte
a sa connaissance.
2. Les hommes astreints au service militaire ou aux services
compIementaires qui font du service militaire de travail, meme
comme volontaires, beneficient u.e la suspension des poursuites.
(Art. 57 LP modifie par art. 16 et ss ordonnance du Conseil federal
du 24 janvier 1941 attenuant a titre temporaire le regime de
l'exooution forcee ; arretes du Conseil federal du 15 dooembre
1939 et du 20 dooembre 1940 sur Ia formation de detachements
de travailleurs pour Ia dMense nationale).
Rechts8tillstand wegen Militärdienstes; militärischer Arbeitsdienst.
- Während des Militärdienstes braucht der Schuldner nicht wegen
unzulässiger Betreibungsmassnahmen Beschwerde zu führen,
sondern nur und erst, wenn nach seiner Entlassung weitere
Betreibungshandlungen gegen ihn vorgekehrt werden oder ihm
nun die anfechtbare Massnahme zur Kenntnis gebracht wird.
- Leistet ein Militär-oder Hilfsdienstpflichtiger militärischen
Arbeitsdienst, sei es auch freiwillig, so geniesst er Rechtsstillstand.
.. Cf. pour les hommes non aatreinta au service militaire I'ACF du 12 Out
1941 (ROLF 1941, p. 897).
Schuldbetreibungs-und Konkursrecht. N0 23.
(Art. 57 SchKG, geändert durch Art 16 ff. der Vcrordnung des
Bundesrates vom 24. Januar 1941 über vorübergehende Mi!-
derungen der Zwangsvollstreckung; Bundesratsbeschlüsse vom
15. Dezember 1939 und 20. Dezember 1940 über die Bildung
von Arbeitsdetachementen für die Landesverteidigung ).1
SospensiQne dell'esecuzione a motivo deZ servizio militare .. servizio
militare del
lavQro.
- Durante il servizio il militare non e tenuto di aggravarsi da
operazioni di esecuzione irregolari, ma soltanto quando, dopo
il suo licenziamento, e l'oggetto d'un nuovo atto esecutivo 0
l'atto impugnabile e portato a sua conoscenza. .
- Chi, soggetto al servizio militare 0 ai servizi complementa.;'I,
fa deI servizio militare deI Iavoro,anche a titolo volontario,
beneficia della sospensione dell'esecuzione. .
(Art. 57 LEF modificato dall'art. 16 e seg. dell'Ordinanza 24
gennaio 1941 deI Consiglio federale che mitiga tnporanea
mente le disposizioni sull'esecuzione forzata; ordinanze 15
dicembre 1939 e 20 dicembre 1940 deI Consiglio federale con-
cernenti Ia formazione di distaccamenti di lavoratori per la
difesa nazionale).2
A. -A la requete de Guenat, l'office des poursuites
de Porrentruy a procede, le 12 mars 1940, a une saisie
au prejudice de Hub1ard. Le proces-verbal mentionne
que le debiteur s'est engage volontairement au service
militaire
et qu'il est incorpore a la Compagnie de travaux
IX /2. Le 17 mars, le debiteur a demande l'annulation
de la saisie, precisant qu'il etait au service en qualite
de compIementaire. Le 29 aout, il a renm avis de a requi-
sition de vente, alors qu'il faisait du service a la Compagnie
de travailleurs militaires 140. Se prevalant de la suspen-
sion des poursuites
en raison du service militaire, le debi-
teur obtint qu'il ne fUt pas donne suite a la requisition.
A fin ferner 1941, le creancier revint a la charge et fit
notifier
a Hublard une nouvelle requisition de vente.
B. -Le 17 mars 1941, le debiteur, qui n'etait pas
licencie, a porte p ainte en demandant l'annulation de Ia.
saisie en vertu de l'art. 57 LP.
O. -L'autorite cantonale de surveillance ayant admis
la plainte, le creancier re court au Tribunal federal. 11
1 Für die nicht dienstpflichtigen Angehörigen von Arbeitsdetachementen
und die auswärts beschäftigten Arbeitsdienstpflichtigen vgl. den BRB vom
- Aug. 1941 (GesS 1941, S. 865).
Per coloro ehe fanno parte dei distaccamenti dei lavoratori senza essere
soggetti 0.1 servizio militare ofr. l'ordino.nza. 12 agosto 1941 (RLF 1941, p. 925).