20 Erbrecht. N° 7.
anheischig macht, die Forderung sicherzustellen. Genügt
für die Konkurseröffnung ohne vorgängige Betreibung,
also einen viel empfindlicheren Eingriff
in die Rechts-
sphäre des Schuldners, nach Lehre und Rechtsprechung,
dass
der Antragsteller den Bestand einer Forderung
glaubhaft mache, so ist nicht einzusehen, wieso für die
Legitimation
zur Klage auf Anfechtung der Ausschlagung
grundsätzlich etwas anderes gelten sollte. Freilich greift
hier
nicht wie dort das summarische Verfahren platz;
infolgedessen kann hier mit Fug gefordert werden, dass
der Kläger den Bestand einer Forderung in höherem
Grade wahrscheinlich
mache als dort. Natürlich bleibt
die Entscheidung über diesen Präjudizialpunkt ohne jeden
Einfluss auf die Frage, in welchem Umfange der Kläger
alsdann aus der amtlichen Liquidation Befriedigung be-
an ;pruchen dürfe ...
Dass die
Forderung des Klägers fällig sei, kann nicht
verlangt werden, ebensowenig wie für den Antrag auf
Konkurseröffnung ohne vorgängige Betreibung, da bei der
amtlichen Liquidation ebensowohl wie im Konkurs auch
nicht fällige Forderungen berücksichtigt werden müssen
(vgl.
Art. 596 ZGB ; 208, 210 SchKG Es liesse sich denn
auch schlechterdings nicht rechtfertigen, solche Gläubiger,
deren Forderung nicht schon fällig ist oder nicht zu
beliebiger Zeit innerhalb sechs Monaten gekündigt werden
kann, vom R':lchtsbehelf der Anfechtung frauduläser
Erbschaftsausschlagung aus';uschliessen.
7. --.. , Nach der für das Bundesgericht verbindlichen
tatsächlichen Feststellung der Vorinstanz ist nicht dar-
getan, dass die Teilung der Erbschaft unter den durch
die Ausschlagurig begünstigten Söhnen des Beklagten
bereits stattgefunden habe. übrigens stünde weder die
Teilung
der Erbschaft, noch die Vermischung des den
einzelnen Erben zugeteilten Vermögens mit ihrem bis-
herigen Vermögen
der Klage auf Ausschlagung entgegen.
wie TuoR,
Noten 10 zu Art. 578 und 23 zu Art. 594 ZGB,
und BLUMENSTEIN, Zeitschrift des bernischen Juristen-
Sachenrecht. :K 0 8.
vereins, 1914, S. 296, meinen. Wäre ei- doch andernfalls
den Miterben oder den nachberufenell Erben anheim-
gegeben, die Anfechtung durch das unter Umständen nur
wenige Stunden erfordernde Manöver der Teilung zu ver-
eiteln. Fällt infolge Gutheissung der Anfechtungsklage
die
Berufung der nachbcrufenen Erben oder die Anwach-
sung zugunsten der Miterben nachträglich dahin, o
haben sie an den Erbschaftsliquidator hemu:,;zugebell,
was sie, gestützt auf ihr nachträglich vernichtete:,; Erb-
recht, erworben haben, wobei das SurrogatioHt prinzip
gilt. Tun sie es nicht freiwillig, so wird "ich der Liqui-
dator vom Anfechtul1gskläger die Prozesskostell für die
gerichtliche
Belangung der Miterben oder nachberufcllt'l1
Erben vorschiessen lassen oder ihn selbst mit der PrOU'HI:l-
führung beauftragen oder endlich den Herausgabeanspruch
als solchen verwert.en können.
IV. SACHENRECHT
DROITS REELS
8. Extrait da l'arrit da la. IIe Saction oivila d1.l16 ma.rs 1929
dans lacause lloirs Righini contre Da.yer.
Droits de propriete admis par l'ancien droit cantonal, dont la
constitution n'est plus possible a teneur de Ia loi nouvelle:
Les rapports de voisinage entre les differents proprietaires
d'appartements situes dans le meme immeuble sont regis par
les prescriptions du code civil suisse (art. 684 et ss. CeS).
Resume des jaits.
En vertu des dispositions de l'ancien code civil valaisan
qui admettait la propriete par etages, Victor Dayer est
proprietaire de trois locaux amenages en boucherie, se
trouvant au rez-de-chaussee d'un batiment. Au premier
etage du meme immeuble les hoirs Righini possedent,
egalement a titre de proprietaires, un appartement se
trouvant en partie immeruatement au-dessus des looaux
de Dayer.
Les hoirs Righini,
estimant que le bruit fait dans leur
appartement par quelques machines installees dans la
boucherie etait insupportable, ont introduit devant le
Tribunal cantonal du Valais une action tendant ace que
Dayer soit astreint a deplacer les machines et a payer
une indemniM de 10 000 fr. a Dlle Marie Righini.
Statuant le 22 novembre 1928, le Tribunal cantonal
a deboute les demandeurs de leurs conclusions et !es
a condamnes aux frais.
Sur recours des demandeurs, le Tribunal federal a
confirme le jugement
attaque.
Extrait des considerants.
- La premiere question que le Tribunal federal doit
resoudre est celle de savoir si les rapports de voisinage
entre les differents proprietaires d'appartements se trou-
vant dans le meme immeuble sont regis par les disposi -
tions
du code civil suisse ou par celles de l'ancien droit
cantonal, sous l'empire duquel ces droits de proprieM ont
ete constitues. D'une maniere generale, il faut admettre
que ces rapports, dont la reglementation touche de pres
a l'ordre public, sont soumis aux prescriptions du droit
federal. Il est en effet difficile de croire que le legislateur
ait voulu maintenir pour ml temps presque indefini ces
rapports de voisinage -qui s'appliquent ades immeubles
dont l'existence est en general de longue duree -sous
I'empire de
l'ancien droit cantonal. D'autre part, la 00-
existence du droit federal et de l'ancien droit cantonal,
qui devraient souvent etre appliques l'un a cöte de l'autre,
creerait une source de difficultes et de conflits. La notion
de propriete, teIle qu'elle resulte des restrictions imposOOs
pa.r la loi federale a la propriete fonciere ne peut donc
etre qu'une.
- . . . . . . . . . . . . . . . .
V. OBLIGATIONENRECHT
DROIT DES OBLIGATIONS
9. Auszug au dem tlrtei1 der I. Zivila.bteiluJlg
TOm 30. Januar 19a9 i. S. BepDa A.G. gegen Saxer.
Art. 6 0 A b s. II 0 R :
- Ist auch auf die einjährige Verjährtmgsfrist nach Abs. 1 an
wendbar.
- Liegt kein Urteil des Strafrichters vor, sondern nur eine Ein
stellungsverfügung der Strafuntersuchungsbehörde, so ist der
Zivilrichter in der Prüfung des Vorhandenseins ( einer straf
baren Handlung frei (vorbehältlich der Nichtnachprüfbarkeit
kantonalen Strafrechts durch das Bundesgericht).
- Unter welchen Umständen kann ausnahmsweise eine strafbare
Handlung eines Organs einer juristischen Person die Geltung
der längern strafrechtlichen Verjährungsfrist auch in Bezug
auf einen gegenüber der juristischen Person selbst erhobenen
Zivilanspruch bewirken?
Die Beklagte, Regana A.-G., ist eine im April 1925 mit
einem Grundkapital von 10,000 Fr. gegründete Aktien-
gesellschaft, die
den Handel mit patentierten Artikeln,
Urprodukten usw. bezweckt. Die Einzelunterschrift führt
der einzige Verwaltungsrat und Geschäftsleiter B.
Am 27. Mai 1925 erliess die (Beklagte im St. Galler
Tagblatt folgendes Inserat : Seltene Gelegenheit. Für
einen sensationellen Artikel (D.R.P.), der in Deutschland
enormen Absatz findet (auch hier), wird von hiesiger
Aktiengesellschaft
das Alleinvertriebsrecht für dortigen
Rayon vergeben, womit ein Jahreseinkommen von 20,000
Franken und mehr zu erreichen ist, je nach der Tüchtig-
keit und dem verfügbaren Kapital (Fr. 5000 bis 10,000).
Am 5. Juni 1925 kam zwischen dem Kläger und der
Regana A.-G., vertreten durch B., in St. Gallen ein schrift-
licher
Vertrag zustande, wonach die Beklagte dem Kläger
den Alleinvertrieb der sog. Verkaufshllfe (Sortiment um-
setzbarer, in Kassetten verkäuflicher Buchstaben, Zahlen