sogenannte Spitzenbelastung leiten zu lassen, und
deshalb konnte auch der Regierungsrat die Einholung
eines Berichtes der Elektrizitätswerke des Kantons
Zürich über die Ursachen der Spitzenbelastung beim
Elektrizitätswerk Küsnacht wegen Unerheblichkeit eines
solchen
Gutachtens ablehnen.
Demnach erkennt das Bundesgericht:
Der Rekurs wird abgewiesen.
B. STRAFRECHT -DROIT PENAL
- PATENTfAXEN DER HANDELSREISENDEN
TAXES DE PATENTE DES VOYAGEURS DE
COMMERCE
- Auszug aus dem Urteil des Kassa.tionshofes vom
- März 1926 i. S. Bundesanwa.ltschaft gegen Stettler.
P a t e n t tax eng e set z: Art. 1 Abs. 1. Taxfreiheit für
die Aufnahme von Bestellungen auf Lebensmittel bei einer
gemeinnützigen Krankenanstalt.
A. -Der Kassationsbeklagte Stettler, Reisender des
Lebensmittelgeschäftes Ludwig
Gafner, Filiale Spiez,
hat zugestandenermassen am 24. März 1924 beim Ver-
walter des Niedersimmenthalischen Krankenhauses in
Erlenbach Bestellungen auf Lebensmittel, Konserven etc.
aufgenommen, ohne
im Besitze einer taxpflichtigen
(sog. roten)
Karte zu sein.
Patenttaxen der Handelsreisenden. N0 9. 55
Auf erfolgte Anzeige hin wurde er vom Polizeirichter
von Niedersimmenthal am 27. Mai 1924 wegen Wider-
handlung gegen das BG betr. die Patenttaxen der Han-
deisreisenden vom 24. Juni 1892 in Anwendung von
Art. 1, 2, 4 und 8 dieses Gesetzes, sowie Art. 8 BStrR
mit 10 Fr. gebüsst.
Mit Urteil vom 5. November 1924 hat die erste Straf-
kammer des Obergerichts des Kantons Bern diesen Ent-
scheid aufgehoben und Stettler von Schuld und Strafe
freigesprochen.
B. -Gegen dieses Urteil hat die Bundesanwaltschaft
rechtzeitig die Kassationsbeschwerde an das Bundesge-
richt ergriffen mit dem Antrag auf Aufhebung und
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu neuer
Entscheidung.
Der Kassationshof zieht in Erwägung:
- -(Eintretensfrage. )
Gemäss Art. 1 Abs. 1 PTG unterliegen der Tax-
pflicht nicht die Handelsreisenden, die für Rechnung
eines inländischen Hauses die Schweiz bereisen und dabei
ausschliesslich
mit Geschäftsleuten in Verkehr treten,
welche den betreffenden Handelsartikel wiederverkaufen
oder in ihrem Gewerbe verwenden. Nach Art. 4 Abs. 2
der bundesrätlichen Vollziehungsverordnung vom 29.
November 1912 gelten als Geschäftsleute
im Sinne des
Gesetzes
nicht nur private Personen, sondern auch Ge-
sellschaften, Genossenschaften, sowie öffentliche
Anstal-
ten und Verwaltungen, deren Betrieb einen geschäft-
lichen
Charakter hat. Die Vorinstanz betrachtet das
Bezirksspital
Erlenbach als ein gemeinnütziges Unter-
nehmen, stellt aber in tatsächlicher Beziehung fest, dass
es, wie ein
Privatspital, Kranke gegen Erlegung be-
stimmter Gebühren aufnimmt, und folgert hieraus,
dass es sich
im weitern Sinne ebenfalls um einen Gewerbe-
betrieb handle, zu dessen
Unterhalt die Verwendung
von
Lebensmitteln ein unumgängliches Erfordernis bilde.
56 Strafrecht.
Diese Auffassung ist weder materiellrechtlich, noch aus
dem Gesichtspunkte aktenwidriger Voraussetzungen
zu
beanstanden. Wie sich aus den Statuten des Nieder-
simmenthalischen Krankenhauses
in Erlenbach ergibt
( 2), bezweckt diese Bezirkskrankenanstalt in erster
Linie
.t: -ufnahme und Heilung armer Krankerund Ver-
unglückter der garantierenden Gemeinden J). Gemäss
2 Abs. 2 ebenda können
aber auch ( andere Kranke-
gegen Bezahlung eines ihren V ermögens-und sonstigen
Verhältnissen angepassten Kostgeldes Aufnahme fin-
den.
Und 12 der Statuten bestimmt, dass die Kosten
der
Anstalt u. a. bestritten werden : ( 1. Aus den Pflege-
geldern der selbstzahlenden Anstaltspatienten. )J Insoweit
ist daher das Bezirksspital Erlenbach zweifellos auch
eine Erwerbsanstalt, ganz gleich, wie eine
private Kran-
kenpflegeanstalt. Dabei verschlägt selbstverständlich
der
Umstand nichts, dass sich für das Jahr 1924 ein
Defizit von 431
Fr. 74 Cts. ergeben hat. Allein auch
als ein seinem entscheidenden Charakter
nach gemein-
nütziges Unternehmen bedarf das Bezirksspital Erlen-
bach zu seiner Zweckerfüllung -Ausübung der Kranken-
pflege -
der Einrichtung und Durchführung eines tech-
nischen Betriebes.
Es müssen Bettstellen, Matratzen,
Wäsche, etc.,
überhaupt alle Materialien beschafft werden,
ohne die die Durchführung der Krankenpflege nicht
denkbar ist. In dieser Organisation des technischen
Betriebes unterscheidet es sich in keiner Weise von
einer
Privatheilanstalt. Beide sind Gewerbebetriebe zum
Zwecke der Krankenpflege. Wie
nun aber die Beschaf-
fung der eigentlichen Krankenpflegematerialien zum
Betriebe eines
Privatspitals sowohl, als einer wesent-
lich gemeinnützigen
Krankenanstalt notwendig ist, so
ist auch die Verwendung von Lebensmitteln zum Unter-
halt dieser Betriebe unumgängliches Bedürfnis. Da,
wie in dem
von der Kassationsklägerin angezogenen
Entscheide des Bundesgerichts (36 I 285) ausgeführt
ist, das
PTG nicht auf der nationalökonomischen Unter-
Patenttaxen der Handelsreisenden. N° 9.
scheidung zwischen Urproduktion (Landwirtschaft etc.),
Gewerbe (Industrie)
und Handel basiert, ist nicht einzu-
sehen,
warum nicht auch an ein Bezirksspital der in
Frage stehenden
Art Bedürfnisartikel für die Kranken-
pflege taxfrei verkauft werden sollten. Denn anders
wäre eine solche
Anstalt hinsichtlich der Anschaffung
ihrer BedÜTfnisartikel ungünstiger gestellt, als ein Privat-
spital, was unmöglich die Absicht des Gesetzes sein kann.
Gerade
mit Rücksicht auf den gemeinnützigen Charakter
würde es sich gegenteils eher rechtfertigen, jene in dieser
Beziehung günstiger zu stellen.
Erhellt daraus schon,
dass
der Erwerbszweck kein Kriterium dafür abgeben
kann, ob die Aufnahme von Bestellungen
für Bedürfnis-
artikel eines Krankenhausbetriebes taxfrei sei oder
nicht,
so bietet anderseits auch der in Art. 1 PTG enthaltene
allgemeine Ausdruck Verwendung
im Gewerbe keinen
Anhalt für eine Unterscheidung zwischen Verwendung
in einem gemeinnützigen Zwecken und einem lediglich
( Erwerbszwecken dienenden Gewerbe. Eine Auslegung
des Gesetzes in dem einschränkenden Sinne
der Zulassung
der Taxfreiheit bloss hinsichtlich des
letztem erscheint
umsoweniger zulässig, als die Vorschrift
der Taxpflicht
eine Ausnahme von der grundsätzlichen Regel
der Handels-
und Gewerbefreiheit bildet. Der Kassationshof hat denn
auch, in Abweichung
von der in BGE 33 I 808 ff. und 36 I
283 ff. vertretenen Gesetzesauslegung, in einem
Ent-
scheide vom 20. Februar 1917 i. S. Speck c. Staatsanwalt-
schaft des Kantons Luzern (abgedruckt in 43 I 114 ff.)
nach erneuter Prüfung seinen früheren Standpunkt
(vgl. BGE 27 I 527 ff.) wieder aufgenommen und sich
der vom Bundesrat in einem Kreisschreiben an die
Kantonsregierungen vom 29. November 1912 (BBI
V 388 ff.) dargelegten Auffassung angeschlossen,
dass
der "Vortlaut sowohl, als die Entstehungsgeschichte
des Gesetzes unzweifelhaft
darauf hinweisen, dass man
bei der Bestimmung der Taxpflicht und Taxfreiheit
nur unterscheiden wollte, ob die angebotenen Artikel
in der Haushaltung oder berufsmässig im Geschäfts-
betrieb verwendet werden. Hieran
ist festzuhalten, und
es kann deshalb keine Rede davon sein, dass das frei-
sprechende
Urteil der Vorinstanz auf einer Verletzung
von Bundesrecht beruhe.
Demnach erkennt der Kassationshof:
Die Kassationsbeschwerde wird abgewiesen.
11. STEMPELABGABE
DROIT DE TIMBRE
10. Artet da 18, Cour da Cassation du II fevrier lSaa
dans la cause :Ministera public federal contre Wulfsohn.
Loi lederale du 25 juin 1921 concernant le droit de timbre sur
les coupons.
Art. 6: Sens de I'expression titres emis en Suisse (question
reservee).
Art. 13: Sens du mot propagande .
A. -Leo Wulfsohn, redacteur responsable du Bul-
letin
finander suisse , journal d'information financiere,
a
fait paraitre dans le numero du 12 juin 1925 dudit
journal un avis ainsi conc;u :
Societe Miniere et Metallurgique de Penarroya -
Siege sodal : 12 Place Vendöme, Paris ...... -Avis aux
actionnaires. -Le Conseil d'administration, procedant
en vertu de la decision de l'Assemblee generale extra-
ordinaire du 19 mai 1925, adeeide de porter le capital
sodal de 73 125 000 fr. a 146250000 fr., par la creation
de 292
500 actions de 250 francs chacune. -Ces actions
nouvelles seront emises
au prix de 275 fr. et creees
jouissance 1 er janvier 1925. Le montant de la sous-
cription sera payable en une seule fois. Les coupons
Stempelabgabe. No 10.
N° 42 payables le 5 juin seront acceptes en souscription
a raison de 48 fr. 40 au nominatif et 40 fr.185 au porteur,
sans limitation de nombre. -Les actionnaires auront
par preference le droit de souscrire a titre irreductible,
dans la proportion d'une action nouvelle contre une
ancienne.
Il n'y aura pas de souscription a titre reduc-
tible. Les titres restants seront souscrits et realises
pour le compte de la Societe, representant l'universalite
des actionnaires. -Les souscriptions seront rec;ues
chez MM. Mirabaud Cie, 56 rue de Provence a Paris,
du 29 mai au 23 juin 1925, sur remise du coupon N° 43.
Le Conseil d'administration.
L'administration federale des contributions vit dans
cette annonce une
emission au sens de l'art. 6 de 1a loi
federale concernant le droit de timbre sur 1es coupons
du 25 juin 1921 (LTC). Estimant que Wulfsohn avait
contrevenu a l'art. 13 de cette loi en entreprenant de
faire de la propagande en Suisse pour l'emission de titres
etrangers avant que l' emetteur etranger ait designe un
representant en Suisse , elle engagea une poursuite
penale. Conformement
aux art. 15 LTC, 62 de la loi
federale du 4 octobre 1917 sur les droits de timbres
(LT), 115 et 121 de l'ordonnance d'execution de cette
loi, Wulfsohn fut condamne par prononce administratif
a une amende de 50 fr. Sur son refus de se soumettre a
ce prononce il fut defere a la Cour fiscale du Tribunal
cantonal vaudois, choisie parce que le Bulletin financier
parait a Lausanne.
Par jugement du 10 septembre 1925, la Cour fiscale
a libere Wulfsohn de l'amende prononce contre 1ui.
Ce jugement est motive en resume comme suit:
Une offre adressee aux seuls actionnaires d'une socitnte
anonyme n'est pas, meme faite par la voie de 1a presse,
une offre repandue
dans le public au sens de l'art. 10
a1. 2 LTC. Au surplus l'avis d'une augmentation de
capital, don
ne par une societe anonyme a ses actionnaires
devrait, en
tout cas, eire consideree comme faite ades